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Apothekergärten – Pflanzenheilkunde zum Anfassen

Open-Air-Bibliothek zu Arzneipflanzen


Apothekergärten - Pflanzenheilkunde zum Anfassen


Apothekergarten Luftbild Baldrian, Johanniskraut und Königsartischocke – das sind nur einige der Arzneipflanzen, die den Weg von der traditionellen Naturheilkunde in die moderne Phytotherapie gefunden haben. Kein Wunder, dass das Interesse an diesen wertvollen Heilkräutern auch in der Bevölkerung seit vielen Jahren stetig zunimmt. Diesem Trend wird jetzt ein einzigartiges Projekt gerecht: Die Apothekergärten. An unterschiedlichen Standorten in Deutschland eröffnen sich dem Besucher spannende Einblicke in die Pflanzenheilkunde – so wird das jahrtausende- alte Wissen über Arzneipflanzen und deren Wirkungen zum echten Open-Air-Erlebnis.

Egal ob Schlafprobleme, depressive Verstimmungen oder Verdauungsbeschwerden – bei zahlreichen gesundheitlichen Problemen stellen geeignete Arzneipflanzen eine sanfte und gleichzeitig effektive Alternative zu chemisch-synthetischen Ansätzen der Behandlung und Vorbeugung dar. Lange Zeit war das jahrtausendealte Wissen über die Wirkungen von Arzneipflanzen in Vergessenheit geraten. Doch schon im letzten Jahrhundert gelang es, die traditionelle Heilkunst der Klostermönche aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken – nicht zuletzt mit Unterstützung von modernen Arzneimittelstudien, die die ausgezeichnete Wirksamkeit und gute Verträglichkeit der pflanzlichen Wirkstoffe belegen. Zwischenzeitlich greifen über 70 Prozent der Deutschen zu pflanzlichen Arzneimitteln, wenn es um die alltägliche Gesundheitsvorsorge oder die Behandlung von gesundheitlichen Störungen geht. Entsprechend groß ist der Informationsbedarf der Bevölkerung. Um diesem steigenden Interesse an der Pflanzenheilkunde Rechnung zu tragen, wurde das Projekt „Apothekergärten“ in Zusammenarbeit mit Verbänden aus dem Gesundheitswesen und den Berufsverbänden der Apotheker ins Leben gerufen.

Apothekergärten – Open-Air-Bibliotheken für Pflanzenheilkunde

Welche Effekte haben Arzneipflanzen? Wann ist ihre Blütezeit? Woher stammen sie ursprünglich? Und wie erfolgen Herstellung und Qualitätssicherung pflanzlicher Arzneimittel? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhalten Besucher bei einem Spaziergang durch die Apothekergärten, die sich mittlerweile in zahlreichen deutschen Städten zu einem echten Besuchermagneten entwickelt haben. Mit einem neuartigen didaktischen Konzept entführen diese mit viel Liebe und fachlichem Know-How errichteten Gärten ihre Besucher in die faszinierende Welt der Heilpflanzen. Auf informativen Tafeln werden die Möglichkeiten und Grenzen der Arzneipflanzen in Wort und Bild anschaulich vermittelt und die Wirkungen und Anwendungsgebiete der einzelnen Pflanzen kurzweilig erläutert. Der Anspruch der Organisatoren: Selbsterklärend und spannend müssen die Informationen sein!

Trauma-Beinwell, Johanniskraut, Königsartischocke & Co. - Arzneipflanzen anschaulich erklärt 

Bei einem Streifzug durch einen Apothekergarten erfährt der Besucher alles Wissenswerte über interessante Heilpflanzen: So zum Beispiel, dass sich Johanniskraut bei depressiven Verstimmungen bewährt hat und der speziell für medizinische Zwecke entwickelte Trauma-Beinwell erfolgreich bei Muskel- und Gelenkbeschwerden eingesetzt wird. Die Königsartischocke kurbelt dagegen die Fettverdauung an und wirkt deshalb ausgezeichnet gegen Völlegefühl, Blähbauch und Magenkrämpfe. Gut zu wissen: Die Wirkstoffe der Königsartischocke können auch den Cholesterinspiegel senken und haben schützende Effekte auf die Leber.

Baldrian: Wappenpflanze 2012

Das Projekt „Der Apothekergarten“ wartet mit einer weiteren Besonderheit auf: Jährlich wählt ein hochkarätig besetztes Expertengremium eine Arzneipflanze zur Wappenpflanze. In diesem Jahr fiel die Wahl auf Baldrian. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, welche große Hilfe die Pflanze bei Schlafproblemen und innerer Unruhe bietet – Gesundheitsstörungen, die sich durch unsere moderne, von Hektik geprägte Lebensweise immer weiter ausbreiten. Besonders gefährdet: Frauen über 40. Ganze 60 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe haben Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Aber auch die Hälfte aller Männer in dieser Altersgruppe klagen über Schlafstörungen. Baldrian bietet in vielen Fällen wirksame Hilfe und bringt den gesunden Schlaf schnell und dennoch schonend zurück. Der große Vorteil gegenüber chemisch-synthetischen Mitteln: Baldrian macht nicht abhängig! Mittlerweile ist auch der Wirkmechanismus des Baldrianextrakts weitgehend geklärt. Forscher der Universität Bonn entdeckten, dass Baldrian spezielle Schlafschalter im Gehirn aktiviert. Genauer gesagt wird diese Wirkung auf bestimmte Inhaltsstoffe des Baldrians, sogenannte „Schlaflignane“ zurückgeführt, die bisher nur in dieser Pflanze nachgewiesen wurden. Experten betonen allerdings, dass zwei wichtige Voraussetzungen erfüllt sein müssten, damit eine sichere Wirkung erzielt werden kann: Der Baldrian-Extrakt muss ausreichend hohe Lignan-Konzentrationen enthalten und in der optimalen Dosierung eingenommen werden – ideal sind 600 mg pro Dragee. In mehreren aktuellen Studien konnte nachgewiesen werden, dass dieser spezielle Baldrianextrakt tiefen und erholsamen Schlaf zuverlässig fördert.

Internetportal: Heilpflanzen-Wissen auf einen Klick

Wer sich bequem von zu Hause aus über Wirkstoffe und Anwendungsgebiete informieren möchte, dem bietet der Online Ratgeber www.heilpflanzen-online.com einen wissenschaftlich fundierten Überblick. Zu jeder Heilpflanze – von A bis Z – gibt es dort ein eigenes Profil, das über Aussehen, Inhaltsstoffe, Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten informiert. In Kurzvideos erklärt der Heilpflanze-Experte und Apotheker Dr. Alexander Schenk die Besonderheiten einzelner Pflanzen. Auf diesem unabhängigen Internetportal gibt es außerdem weitere Informationen darüber, in welchen Städten bereits Apothekergärten errichtet wurden.



Große Apothekergärten können z. B. in Gütersloh, Hannover, Ulm, in Bad Salzelmen bei Magdeburg und in Karlsruhe-Ettlingen besucht werden. Übrigens: Der Eintritt ist frei! Außerdem werden an den Wochenenden vielfach auch kostenlose Führungen durch fachkundige Apothekerinnen und Apotheker angeboten.

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Autor: Gesundheitsberatung.de 
Letzte Änderung am: 16.07.2014
 
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