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Reisedurchfall (Reise-Diarrhoe)

Oft ist unsauberes Leitungswasser Ursache des Reisedurchfalls

Im Urlaub können Bakterien in unsauberem Leitungswasser Reisedurchfall auslösen
(Quelle: DAK/Bause)

Unter Reisedurchfall versteht man Durchfall, der im Zusammenhang mit einer Fernreise auftritt.

Vom unkomplizierten Reisedurchfall sind etwa 20 bis 50 Prozent der Fernreisenden betroffen. Reisende, die aus Industrienationen stammen, erkranken deutlich häufiger daran als aus Entwicklungsländern stammende Menschen. Menschen mit schon bestehenden Magenerkrankungen oder einer herabgesetzten Immunabwehr sind ebenfalls häufiger betroffen.

Ein hohes Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, besteht vor allem bei Reisen nach Afrika, Asien und Südamerika. Die Erkrankungshäufigkeit ist auch abhängig von der Jahreszeit - zur Monsunzeit beobachtet man beispielsweise eine Steigerung der Reisedurchfall-Fälle.

Der komplizierte Reisedurchfall ist von Fieber über einen Zeitraum von mehreren Tagen begleitet und ist seltener als der unkomplizierte.


Wie entsteht Reisedurchfall?

Der unkomplizierte Reisedurchfall wird in etwa 65 Prozent der Fälle durch Bakterien ausgelöst, vor allem durch Stämme des Darmbakteriums Escherichia coli (enterotoxinbildende E. coli = ETEC). Etwa 30 Prozent der Fälle entstehen durch Viren (beispielsweise Hepatitis A-Virus) und fünf Prozent durch Erreger wie Amöben oder Giardia lamblia.

Die Übertragung erfolgt in der Regel fäkal-oral: Die Erreger werden von infizierten Menschen oder auch Tieren ausgeschieden, gelangen direkt oder über die Hände an Lebensmittel oder Getränke und werden über den Mund aufgenommen. Entscheidend für die Häufigkeit der Erkrankungen sind die hygienischen Standards bei der Lebensmittelzubereitung in den jeweiligen Reiseländern.

Durchfall kann auch ein Symptom einer systemischen Tropenkrankheit wie beispielsweise Malaria sein. Vor allem bei andauerndem Durchfall nach Rückkehr aus dem Reiseland sollte auch hieran gedacht werden.


Wie äußert sich Reisedurchfall?

Der Reisedurchfall ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzenden flüssigen bis wässrigen Stuhlgang. In vielen Fällen kommen Bauchkrämpfe, Übelkeit und Blähungen hinzu. Die Symptome beginnen meist wenige Tage nach der Einreise in das Reiseland und halten durchschnittlich etwa drei bis vier Tage an.

Beim komplizierten Reisedurchfall leidet der Betroffene typischerweise zusätzlich unter Fieber, das häufig länger als drei Tage anhält. Auch Blut und Schleim im Stuhl treten in manchen Fällen auf.


Wie wird Reisedurchfall diagnostiziert?

Der entscheidende Schritt zur Diagnosestellung von Reisedurchfall ist die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese).

Zur genauen Bestimmung des Erregers kann eine Stuhlprobe entnommen und im Labor untersucht werden. Vor allem zum Nachweis der Durchfall-Erreger bei kompliziertem Reisedurchfall ist diese Untersuchung von Bedeutung.

In einigen Fällen kann eine Blutprobe insbesondere zur Bestimmung der Entzündungswerte sinnvoll sein.


Wie wird Reisedurchfall behandelt?

Der unkomplizierte Reisedurchfall hört in der Regel nach einigen Tagen von selbst auf.

Die wichtigste Maßnahme zur Behandlung des Reisedurchfalls ist der Flüssigkeitsersatz: Die Flüssigkeit, die durch den Durchfall ausgeschieden wird, muss dem Körper wieder zugeführt werden. Da mit der Flüssigkeit auch Salze (Elektrolyte) verloren gehen, sollten auch diese ersetzt werden. Insbesondere bei Kindern kann das natürliche Gleichgewicht der Elektrolyte im Organismus schnell gestört werden und in schweren Fällen zu ernsthaften Erkrankungen wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen führen.

Spezielle Elektrolytlösungen sind in Apotheken erhältlich, alternativ können zucker- und salzhaltige Lebensmittel zu sich genommen werden.

Die Anzahl der Stuhlgänge kann durch Medikamente gemindert werden, beispielsweise durch Loperamid, das die vermehrten Darmbewegungen herabsetzt. Durch Kohle kann der Stuhl fester werden. Wenn möglich, sollte auf diese Medikamente verzichtet werden, da mit dem dünnflüssigen Stuhl auch die Keime aus dem Darm ausgeschieden werden und der Infekt so insgesamt schneller ausheilt.

Bei kompliziertem Reisedurchfall mit Fieber wird meist ein Antibiotikum über einige Tage gegeben.


Wie verläuft die Erkrankung?

Im größten Teil der Fälle heilt der Reisedurchfall ohne Komplikationen von selbst aus. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer beträgt etwa drei bis vier Tage.


Wie kann man Reisedurchfall vorbeugen?

Durch die Einhaltung einiger Regeln beim Essen kann in vielen Fällen einer Erkrankung an Reisedurchfall vorgebeugt werden. Speisen sollten grundsätzlich durchgebraten oder gekocht, Obst sollte selbst geschält sein. Getränke sollten abgekocht oder in Flaschen gekauft werden. Trinkwasser sollte desinfiziert werden. Schalentiere sollten nicht roh beziehungsweise unvollständig gekocht verzehrt werden.

Eine vorbeugende Einnahme von Antibiotika wird in Ausnahmefällen empfohlen, beispielsweise bei schwer Kranken mit Krebs oder einer Schwäche der Immunabwehr.

Bei Reisen in bestimmte Länder wird eine Impfung gegen Cholera empfohlen, die sehr gut verträglich ist und in einem großen Teil der Fälle gleichzeitig gegen Enterotoxin-bildende E. coli (ETEC) schützt. Auch eine Impfung gegen Hepatitis A und B ist möglich.


Weitere Fragen zum Thema Magengeschwür können Sie in der Magen-Darm-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung stellen.

Quellen:
Gesenhues, S., Ziesché, R.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2003
Jelinek, T.: Reisediarrhoe - Strategien gegen Montezumas Rache. Der Allgemeinarzt 10/2008, S. 14-18
Mader, F.H., Weißgerber, H.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer, Berlin 2003
Rebhandl, E., Rabady, S., Mader, F.: EbM-Guidelines für Allgemeinmedizin. Deutscher Ärzte Verlag, Köln 2005

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 21.10.2008
 
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