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Frontzähne: Verletzungen

Unter einem Frontzahntrauma versteht man eine Verletzung der Frontzähne (Schneidezähne) und/oder der benachbarten Strukturen (Zähne, Knochen) durch Gewalteinwirkung. Ursache eines Frontzahntraumas kann beispielsweise ein Sturz (z. B. vom Fahrrad oder mit Inline-Skates), ein Schlag oder ein Unfall sein.

Egal, welches Ausmaß das Frontzahntrauma hat: man sollte möglichst sofort einen Zahnarzt aufsuchen, da je nach Verletzung der Frontzähne die Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Was kann man selbst tun?
Falls ein Zahn durch den Unfall komplett herausgeschlagen wurde (Total-Luxation), sollte der Patient diesen:

  • im Mund aufbewahren,

  • in Milch legen oder

  • sich eine der inzwischen in Apotheken erhältlichen Zahnrettungsboxen besorgen.

Zahnfragmente sollte man ebenfalls mitnehmen: also auf jeden Fall den Unfallort kurz nach Zahnteilen oder Zähnen absuchen!

Was macht der Zahnarzt?
Die Erstversorgung ist meist eine provisorische, aber (soweit möglich) immer zahnerhaltende Behandlung. Sind auch Weichteilwunden in der Mundhöhle oder an den Lippen (intra- bzw. extraoral) vorhanden, müssen diese gesäubert und versorgt (manchmal auch genäht) werden. Es wird nach Tetanus-Schutz gefragt. Dieser sollte vorliegen; falls nicht, muss er nachgeholt werden (Impfung!). Je nach Art der Verletzung wird vor und/oder nach der Behandlung eine Röntgen-Kontrolle durchgeführt. Die klinische Untersuchung beinhaltet die Überprüfung der Zähne auf Lockerung und Klopf-Empfindlichkeit. In jedem Fall sollte der Patient für die nächsten 3 Wochen weiche Kost zu sich nehmen bzw. nicht mit den Frontzähnen abbeißen.

Wie vermeide ich Zahnverletzungen?
Das Risiko von Frontzahn-Verletzungen durch Sportunfälle (z.B. beim Boxen oder Hockey) kann durchaus reduziert werden. Zum Schutz der Zähne kann dazu ein Sport-Mundschutz angefertigt werden. Dieser wird nach Abdrucknahme individuell hergestellt und besteht meist aus dauerelastischem Kunststoff.


Behandlung

Die Behandlung bei einer Verletzung der Frontzähne (Frontzahntrauma) ist abhängig von der Art und Schwere der Verletzung. Hier hat der Zahnarzt mehrere Möglichkeiten.

Risse oder Sprünge im Zahnschmelz
Keine Behandlung außer regelmäßigen Vitalitätsprüfungen (Kältetests), um zu testen, ob der Nerv des Zahns noch "lebt".

Kronen-Frakturen
Absprengungen von Zahnhartsubstanz mit oder ohne Nerv-Eröffnung.
Provisorische Abdeckung mit einem speziellen Zement, später Aufbau der fehlenden Zahn-Hartsubstanz durch Kunststoff oder bei großen Defekten durch Kronen. Ist der Nerv eröffnet, kann bei bis zu 1 mm Durchmesser eine Abdeckung erfolgen, ansonsten muss der obigen Therapie eine Wurzelkanal-Behandlung vorausgehen.

Wurzel-Frakturen
Bruchlinien im Bereich der Zahnwurzel.
Längsfrakturen einer Zahnwurzel machen meist die Entfernung des Zahns notwendig. Querfrakturen können teilweise, je nach Höhe der Frakturlinie, noch mit einer Wurzelfüllung und/oder einer Wurzelspitzen-Entfernung (Resektion) behandelt werden.

Zahn-Kontusion
Verletzung des Zahnhalteapparates ohne abnorme Lockerung des Zahns, aber mit starker Reaktion auf Klopfen.
Der Zahn wird so eingeschliffen, dass keine Belastung beim Zubeißen eintritt. Regelmäßige Vitalitätskontrollen sollten durchgeführt werden. Der Patient sollte außerdem vor allem weiche Kost zu sich nehmen.

Subluxation
Abnorme Lockerung, aber keine Verlagerung des Zahns. Gleiches Vorgehen wie bei der Zahn-Kontusion.

Intrusion
Verlagerung des Zahns in das Zahnbett bzw. den Zahnknochen; der Zahn erscheint kürzer, wie "hineingedrückt".
Im Milchgebiss keine Behandlung, da sich der Zahn meist von selbst wieder in die alte Position bewegt. Im bleibenden Gebiss kann der Zahn kieferorthopädisch wieder in seine alte Position gebracht werden.

Luxation
Extreme Lockerung und Verlagerung des Zahns aus dem Zahnbett heraus (peripher), zur Seite (lateral) oder kompletter Zahnverlust (Total-Luxation).
In jedem Fall wird der Zahn in seine alte Position gebracht und so mittels einer Schiene (Kunststoff/ Metall) wieder an den Nachbarzähnen fixiert. Je nach Art der Luxation muss diese Schiene bis zu 6 Wochen im Mund verbleiben. Sie dient dazu, den Zahn so lange zu fixieren, bis er sich wieder gefestigt hat. Je kürzer die Zeit zwischen Zahnverlust/-lockerung und Replantation ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Einheilung.

Auch wenn der Zahnarzt sein Möglichstes getan hat: es gibt keine Erfolgsgarantie. Außerdem können später Komplikationen eintreten wie z.B. ein Abbau der Wurzel (Wurzel-Resorptionen), so dass weitere Behandlungsmaßnahmen erfolgen müssen.

Camlog LogoKann ein Zahn nach einer Total-Luxation aus irgend einem Grund nicht mehr replantiert werden, gibt es natürlich die Möglichkeit, ein Implantat (künstliche Zahnwurzel) zu setzen oder eine Brücke anfertigen zu lassen.

Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Berg http://www.dr-dr-stefan-berg.de

 

Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Berg 
Letzte Änderung am: 10.12.2007
 
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