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Hodentumoren

Hodentumoren treten am häufigsten im Alter zwischen 18 und 40 Jahren auf, sie stellen die häufigste Krebserkrankung bei Männern dieser Altersgruppe überhaupt dar. Sie sind nach Fortschritten in der operativen und Chemotherapie vor allem in den frühen Stadien (TNM-Klassifikation) zu über 80% heilbar.

Unterteilung der Hodentumoren
Bei den malignen (bösartigen) Tumoren des Hodens werden verschiedene Formen des Hodenkrebses unterschieden:

  • Seminome

  • Nichtseminome:
    Teratokarzinome
    embryonale Karzinome
    Chorionkarzinom

Welche Symptome sollten an Hodenkrebs denken lassen?
Folgende Symptome sind wichtige Hinweise auf einen möglichen malignen Tumor im Hoden:

  • schmerzlose Vergrößerung eines Hodens

  • Schweregefühl im Hodensack

  • Knötchen und Verhärtungen im Hoden

Selbstuntersuchung zur Früherkennung
Die meisten Hodenkrebserkrankungen werden von den Männern selbst bemerkt, darum kommt der Selbstuntersuchung hier eine große Bedeutung zu. Sie ist leicht durchzuführen und sollte für jeden Mann zur Gewohnheit werden.

Wie wird ein Hodentumor diagnostiziert?
Ob sich hinter den festgestellten Symptomen ein bösartiger Tumor verbirgt oder nicht, stellt der Urologe hauptsächlich mit folgenden Methoden fest:

  • ausführliches Gespräch (Anamnese) über die Entwicklung und die Art der Beschwerden

  • klinische Untersuchung mit sorgfältigem Abtasten der Hoden, des Penis und der Lymphknoten in der Leistenregion

  • bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie), später eventuell durch Röntgen und Computertomographie (CT) bzw. Kernspintomographie ergänzt

  • Blutuntersuchung mit Kontrolle der in Frage kommenden Tumormarker

  • Bei begründetem Verdacht muss der betroffene Hoden operativ freigelegt werden und das Gewebe anschließend mikroskopisch untersucht (Histologie)

Die Therapie ist abhängig von Stadium, Tumorart und individuellen Faktoren
Nach abgeschlossener Diagnostik erfolgt die Stadieneinteilung des Tumors, nach der die weitere Therapie individuell geplant wird.


Stadieneinteilung bei Hodenkrebs

Die Stadieneinteilung der Hodentumoren erfolgt wie bei den meisten anderen malignen (bösartigen) Tumorerkrankungen nach der TNM-Klassifikation.

  • T0: kein tastbarer Tumor

  • T1: der Tumor ist auf das Hodengewebe beschränkt

  • T2: der Tumor durchbricht die Hodenhüllen (Tunica albuginea)

  • T3: der Tumor hat den Nebenhoden mitbefallen

  • T4: der Tumor wächst in den Samenstrang und in den Hodensack

    (Skrotum)

Desweiteren geben die Buchstaben N Auskunft über das Vorliegen von Metastasen (Tochtergeschwülsten) in Lymphknoten und M über Metastasen in entfernter liegenden Organen.

Beispiele für eine mögliche Stadieneinteilung

  • T1 N0 M0 steht also für einen Tumor, der nur im Hodengewebe selber nachweisbar ist und, dafür steht jeweils die 0, noch keine Metastasen gebildet hat.

  • T3 N1 M1 steht für einen Tumor, der den Nebenhoden bereits mitbefallen hat und darüber hinaus auch Metastasen in Lymphknoten und einem anderen Organ gebildet hat

Die Therapie der einzelnen Stadien unterscheidet sich grundlegend bei den verschieden Formen des Hodenkrebses und variiert auch in Abhängigkeit des vorliegenden Stadiums.


TNM-Klassifikation

Die Einteilung in Stadien (TNM-Klassifikation) erfolgt bei den meisten malignen (bösartigen) Tumoren, um den aktuellen Stand der Erkrankung zu beschreiben, den Verlauf festzustellen und die therapeutischen Möglichkeiten individuell planen und durchführen zu können.

Das TNM-System
Man bedient sich für diese Einteilung des TNM-Systems, nach dem fast alle malignen (bösartigen) Tumorerkrankungen klassifiziert und eingeteilt werden. Dieses System besteht aus Buchstaben und Zahlen:

  • T: steht für Tumor und beschreibt seine Größe und Ausdehnung

  • N: steht für Nodulus (Lymphknoten) und gibt Auskunft über das Fehlen oder Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen

  • M: steht für Metastase und zeigt das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen (Tochtergeschwülsten) in entfernt liegenden Organen an

Was bedeuten die Zahlen?
Hinter den Buchstaben steht jeweils eine Zahl von 0 bis 4. Diese Zahl beschreibt genau die Größe und die Ausdehnung des Tumors und den Nachweis oder das Fehlen von Metastasen. Die genaue Bedeutung dieser Zahl, also die Größe des Tumors in Zentimetern, die Anzahl der von Metastasen befallenen Lymphknoten und weiter entfernt liegenden Organe, ist je nach Krebserkrankung und Stadium sehr unterschiedlich.

Wie wirkt sich die TNM-Klassifikation auf die Therapie aus?
Anhand der sorgfältig durchgeführten Diagnostik wird das Stadium der festgestellten Krebserkrankung ermittelt und die Befunde durch das TNM-System klassifiziert. Bei den meisten Erkrankungen gibt es je nach Stadium eine jeweils adäquate Therapie. So kann bei bestimmten Erkrankungen in einem sehr frühen Stadium eine Operation ausreichen, bei anderen Krebserkrankungen muss aber schon bei einem vergleichbar frühen Stadium zusätzlich eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Entscheidend für die Wahl der Therapie sind aber nicht nur die Stadieneinteilung und die Art der jeweiligen Krebserkrankung, sondern auch individuelle Faktoren, wie Alter des Patienten, seine Vorerkrankungen und seine persönliche Vorstellungen (Lebensqualität).


Tumormarker

Als Tumormarker werden unterschiedliche Substanzen bezeichnet, die im Blut nachweisbar sind und Aussagen über Vorliegen und Verlauf einer Krebserkrankung machen können. Sie werden entweder durch den Tumor selbst oder durch seine Auswirkungen auf betroffene Organe gebildet. Es sind heute eine große Menge an entsprechenden Substanzen bekannt, die bei vielen malignen (bösartigen) Erkrankungen in Diagnostik und Therapiekontrolle eingesetzt werden. Wichtig ist auch die Bedeutung der Tumormarker zur Erkennung von Rezidiven (Wiederauftreten des Tumors nach erfolgreicher Therapie).

Wie werden Tumormarker gefunden?
Da Tumormarker Substanzen sind, die in die Blutbahn abgegeben werden, lassen sie sich in den meisten Fällen durch eine einfache Blutentnahme und die folgende Analyse des Blutes bestimmen.

Welche Tumormarker werden bei Hodenkrebserkrankungen untersucht?

  • alpha-Fetoprotein (AFP): bei Teratokarzinomen und embryonalen Karzinomen erhöht

  • ß-HCG (humanes Choriogonadotropin ß-Kette): bei Chorionkarzinomen erhöht

Welcher Tumormarker wird bei Prostatakrebs untersucht?

  • PSA (Prostata-spezifisches Antigen): beim Vorliegen eines Prostatakarzinoms

    erhöht

Was muss bei der Interpretation der Ergebnisse beachtet werden?
Tumormarker spielen eine große Rolle in der modernen Diagnostik und während der Therapie von Krebserkrankungen. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Erhöhung von bestimmten Tumormarkern keineswegs gleichbedeutend mit der Diagnose Krebs ist. In einigen Fällen führt bereits die Entzündung eines Organs zum Anstieg der Tumormarker-Konzentration im Blut. Beim Vorliegen einer Krebserkrankung muss umgekehrt ein entsprechender Tumormarker nicht unbedingt nachweisbar sein. Aus diesem Grund können Tumormarker (außer PSA) immer nur als ein zusätzliches diagnostisches Verfahren angesehen werden, ersetzen eine ausführliche Diagnostik jedoch keineswegs.

Tumormarker in der Vorsorgeuntersuchung und der Verlaufkontrolle
Tumormarker eignen sich nur bedingt für den routinemäßigen Einsatz bei der allgemeinen Vorsorgeuntersuchung, ihre Aussagekraft ist, wie oben beschrieben, nur begrenzt, außer beim PSA. Sie eignen sich jedoch sehr gut für die regelmäßigen Nachuntersuchungen nach durchgeführter Tumortherapie. Ist beispielsweise ein bestimmter Tumormarker vor Beginn der Therapie stark erhöht, nach erfolgreicher Therapie wieder auf normale Werte zurückgefallen und steigt dann nach einiger Zeit wieder an, muss unbedingt nach einem eventuellem Rezidiv des Tumors und nach Metastasen gesucht werden.


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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 23.07.2008
 
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