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Implantate: Prothetische Versorgung, Zahnersatz

Camlog LogoFür die prothetische Versorgung, das heißt die Einbringung des Zahnersatzes, sind, nachdem die chirurgische Implantation abgeschlossen ist, noch weitere Schritte erforderlich, die wir an dieser Stelle im Einzelnen aufführen möchten.

Wie bereits erwähnt ist eine sorgfältige Planung einer der Schlüssel zu einer erfolgreichen Implantation. Sind Planung und Ausführung deckungsgleich, so kann nach der Freilegung zügig mit der Realisation des Zahnersatzes begonnen werden. Bei komplexen Behandlungsfällen gibt es gelegentlich leichte Abweichungen zwischen Planung und Realisation, so dass jetzt der richtige Zeitpunkt für kleinere Korrekturen und Feineinstellungen der Zahnersatzplanung gekommen ist.

Die prothetische Versorgung lässt sich wiederum unterteilen in

  • die Abformung

  • die Modellherstellung

  • die Auswahl der Aufbaupfosten

  • die Bissregistrierung und Kauflächengestaltung

  • die Behandlungsrestauration (Provisorium)

Zwei weitere Seiten befassen sich mit

  • Implantologie und Parodontologie

  • Implantologie und Zahnerhaltung

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Abformung

Ein gut durchdachtes und konstruiertes Implantatsystem bietet dem Zahnarzt eine Vielzahl von Möglichkeiten, auf dem freigelegten Implantat prothetische Aufbauten zu verankern.

Gemeinsam ist all diesen verschiedenen Behandlungsmethoden eine so genannte Abformung (von Laien gerne als Abdruck bezeichnet). Vom freigelegten Implantat wird dazu der Verschluss, der als Zahnfleischformer dient, abgeschraubt und ein exakt sitzender Abdruckpfosten wird aufgesetzt. Anschließend wird eine Abformung vom gesamten Kiefer genommen.

Zwei Verfahren sind möglich
Man kann hier unterscheiden zwischen Verfahren, bei denen die aufgeschraubten Pfosten ähnlich wie natürliche Zähne abgeformt werden und Verfahren mit einem speziell für den Patienten hergestellten individuellen Abformlöffel. Er enthält spezielle Durchtrittsstellen für die Implantatpfosten. Beim Abnehmen des Abformlöffels aus dem Munde werden die Abdruckpfosten mittels kleiner Schrauben so entfernt, dass Pfosten und Löffel von der Abformmasse innig umfasst bleiben. Dieses Verfahren ist aufwändiger, aber auch präziser. Zudem erfordert es vom Patienten mehr Geduld, da der eigentliche Abformvorgang länger dauert. Danach wird die Verschlussschraube des Implantats wieder aufgesetzt.

Der nächste Schritt ist die Modellherstellung.


Modellherstellung

Der bei der Abformung erhaltene Kunststoffabdruck des Gebisses mit den Abdruckpfosten wird vom Zahntechniker weiter verarbeitet.

Zahntechniker erstellt präzises Modell
Es wird ein Modell hergestellt, bei dem nicht nur die Lage der Implantate exakt wiedergegeben wird, sondern auch die sie umgebenden Zahnfleischverhältnisse. Hier wird Silikon verwendet, um diese wiederzugeben. Sie dienen dem Zahntechniker als wichtige Orientierung.

Der nächste Schritt ist die Auswahl der Aufbaupfosten.


Auswahl der Aufbaupfosten

Im Rahmen der zahntechnischen Anfertigungsschritte erfolgt als nächstes die Auswahl der Aufbaupfosten. Hierbei spielen Implantatbreite, Höhe des Zahnfleischs über der Einsetzstelle und Achsenneigung der Implantate zueinander eine entscheidende Rolle. Gerade bei aufwändigen Arbeiten kann die Ästhetik mit diesem Schritt und einer konsequenten Individualisierung der Aufbauten mit der so genannten Anguss-Coping-Technik maßgeblich positiv beeinflusst werden. Das bedeutet im Klartext, dass Ihr Zahnersatz bei entsprechendem Aufwand und Geschick des Zahntechnikers von echten Zähnen kaum zu unterscheiden ist.

Spezielle Gestaltung des Implantatsystems ermöglicht perfekte Optik
Kronen, die auf den Implantaten über einen Zugang in der Kaufläche direkt verschraubt werden, sind optisch stets ungünstig. Aufgrund der Schrauböffnung ist eine perfekte Gestaltung der Kaufläche nicht möglich, was beim Lachen sichtbar werden kann. Sind jedoch die Kronen auf dem so genannten primären Untergerüst mit provisorischem Zement aufgesetzt und wird diese Unterkonstruktion mit dem Implantat verschraubt, so ist eine optisch und funktionell intakte Kaufläche bei der Gestaltung möglich, da sie nicht durch einen Schraubenkanal gestört ist.

Aufwand lohnt sich
Der Aufwand, der also vom Techniker mit der Gestaltung des Untergerüstes getrieben wird, kommt bei der späteren Ästhetik doppelt und dreifach zurück. Zudem wird die Hygienefähigkeit hiervon maßgeblich beeinflusst, einer der wichtigsten Einflussfaktoren für die Verweildauer eines Ersatzes. Bei aufwändigerem Zahnersatz werden in einer oder mehreren Anprobensitzungen die so genannten Primärteile, dass heißt die zahntechnischen Elemente, anprobiert und die Passung wird kontrolliert.

Der nächste Schritt ist die Bissregistrierung und die Kauflächengestaltung.


Bissregistrierung und Kauflächengestaltung

Die Beziehung zwischen Ober- und Unterkiefer hinsichtlich des Zusammenbisses wird genau festgehalten. Hierzu dienen individuell hergestellte Schablonen aus lichtgehärtetem Kunststoff. Da die Implantatarbeiten so unterschiedlich sind, lassen sich hier keine allgemeingültigen Regeln aufstellen.

Physikalische Kräfte müssen berücksichtigt werden
Es kommt jedoch maßgeblich darauf an, die Implantate achsengerecht zu belasten und nicht beim Seitwärtsgleiten des Unterkiefers unnötige Scherkräfte auftreten zu lassen. Ebenfalls sollte das Kiefergelenk sich bei maximalen Zusammenbiss in einer optimal gesicherten Position befinden. Dies ist leicht gesagt, ist jedoch oft das Schwierigste an der Rekonstruktion. Gerade Patienten mit unzureichend passendem herausnehmbarem Ersatz oder Patienten mit nur einer Teilfunktion ihres Ersatzes in der Einheilphase finden oft schwer in diese gesicherte entspannte Position. Je genauer die Anprobensitzungen die korrekten Verhältnisse widerspiegeln, um so geringer sind die Korrekturen am fertigen Werkstück.

Der nächste Schritt ist die Behandlungsrestauration (Provisorium).


Provisorium

Sind beim Patienten noch eigene Zähne vorhanden und werden Pfeiler in verschiedenen Kieferabschnitten ersetzt, so ist entscheidend, dass der Patient in der Einheilphase der Implantate ein gut passendes, möglichst fest sitzendes Provisorium trägt. Diese Behandlungsrestauration nimmt dem Behandler den Zeitdruck, den ein unzureichend wiederhergestellter Patient immer wieder ausüben wird, um "endlich fertig zu werden". Zum anderen ist für die Bereitschaft eines Patienten zum Implantateingriff entscheidend, dass er sich in Beruf und Privatleben sofort wieder sehen lassen kann. Es ist daher immer wieder notwendig für Zahnarzt und Zahntechniker, auch auf geschädigten Zähnen oder auf sehr wenigen Pfeilern eine optisch gute, wenn auch vielleicht in der Ausdehnung verkürzte Brücke zu konstruieren.

In den Fällen, in denen es nicht mehr möglich ist, auf eigenen Zähnen ein funktionell und ästhetisch befriedigendes Provisorium zu integrieren, werden zwischen die eigentlichen Implantate temporäre Implantate eingesetzt. Hierbei handelt es sich um durchmesserreduzierte Implantate, die mit Hilfe vorfabrizierter Aufbauteile den Einbau eines solchen Provisoriums gestatten. Bei der Freilegungsoperation der Implantate werden diese Elemente dann entfernt und auf den definitiven Implantaten, die ja dann belastbar sind, wird ein Provisorium integriert.


Implantologie und Parodontologie

Zu Beginn der Implantologie war man grundsätzlich der Meinung, dass eine Anwendung von künstlichen Titanwurzeln bei einem Patienten, der an der entzündlichen Form der Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) leidet, nicht sehr erfolgversprechend sei. Mit dem zunehmenden Wissen um diese Erkrankung und ihre Mechanismen hat sich diese Einstellung jedoch geändert.

Allerdings kann nicht energisch genug betont werden, dass dies keineswegs bedeutet, die Parodontitis dürfe ignoriert werden. Im Gegenteil, sie muss mit allen Mitteln moderner Parodontaltherapie, das heißt mit konservativer Reinigung der befallenen Flächen, gelegentlichen operativen Maßnahmen zur Unterbindung der Entzündung und lokaler Anwendung von geeigneten Antibiotika, konsequent ausbehandelt werden. Zähne, die einen extremen Lockerungsgrad aufweisen und nicht mehr therapierbar sind, sind zu entfernen. Vor einer möglichen Implantation kann eine vorausgegangene Parodontitis mit dem begleitenden Knochenabbau einen knochenaufbauenden Eingriff (Augmentation) nötig machen. Aber gerade der durch ein intensives Hygienetraining geschulte Patient mit früher aktiver Parodontitis ist oft ein geeigneter Kandidat für eine Behandlung mit Implantaten, da er gelernt hat, selbst aktiv mitzuarbeiten.


Implantologie und Zahnerhaltung

Camlog LogoDie Zahnerhaltung sollte im Behandlungskonzept eines Zahnarztes immer oberste Priorität haben. Die Frage, die sich stellt, ist natürlich, wie weit und mit welchen Mitteln die Zahnerhaltung betrieben werden kann und ab welchem Punkt die Zahnentfernung in Erwägung gezogen werden sollte, um einer möglichen Implantation günstige knöcherne Voraussetzungen zu bieten.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt ist hierbei die Belastung, die eine Operation für den Patienten nach sich zieht. Eine konservativ erfolgreiche Nervkanalbehandlung ist sicher eine gute Wahl zum Erhalt eines Zahnes. Eine operative Kürzung der Wurzelspitze in schwierig zugänglichen Operationsgebieten wie dem Ober- und Unterkieferseitenzahnbereich, die so genannte Wurzelspitzenresektion, kann jedoch für den Patienten deutlich belastender sein als die Entfernung des konservativ nicht zu erhaltenden Zahnes und dessen Ersatz nach Ausheilung des Knochens durch ein Implantat. Oft wird eine Entscheidung zur Implantation erst nach ein- oder gar zweifachem gescheitertem Versuch des Zahnerhaltes durch eine Resektion getroffen. Wichtig ist dann, den knöchernen Defekt zuerst solide ausheilen zulassen, gegebenenfalls durch Zuhilfenahme von Knochenersatzmaterial. Erst dann sollte implantiert werden.

Zahnärzte, die sich auf Implantologie spezialisiert haben, finden Sie übrigens mit unserer speziellen Zahnarztsuche.

Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Berg http://www.dr-dr-stefan-berg.de

 

Autor: Dr. med. Dr. med. dent. Stefan Berg 
Letzte Änderung am: 10.12.2007
 
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