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Prothese für das Knie

Der Einsatz einer Prothese in innere Kniegelenksstrukturen (Knie-Endoprothetik) kann ebenso wie der Ersatz des Hüftgelenks zu den derzeit erfolgreichsten orthopädischen Operationen gezählt werden. Studien belegen, dass nach 10 Jahren noch 90 bis 95 Prozent der Patienten mit ihrer Prothese im Knie zufrieden sind. Nach 15 Jahren sind es immerhin noch fast 90 Prozent.

Eine innere Prothese, auch Endoprothese, ist ein aus verschiedenen ähnlichen Materialien (Kunststoff, Metall) gefertigtes Ersatzstück, das einen geschädigten Körperteil, wie zum Beispiel das Knie, ganz oder teilweise ersetzt.

Geschichte der Kunstgelenke:
Das Verfahren hat eine lange Geschichte: Erste, allerdings eher experimentelle Implantationen einer Prothese wurden bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Wesentliche Fortschritte in der fanden jedoch erst vor 30 Jahren statt. Seither wurden die verschiedenen Systeme für die Prothese im Knie ständig weiterentwickelt, wobei die Tendenz heute zum vollständigen Ersatz der zerstörten Gelenkoberflächen geht.
Die Haltbarkeit heutiger Prothesen für das Knie beträgt durchschnittlich etwa 12 bis 15 Jahre.


Indikationen für eine Knieprothese

Künstliche Kniegelenke (Knieprothesen) werden überwiegend bei Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis eingesetzt:

  • bei "Verschleiß-Rheuma" (Arthrose) im Knie,

  • bei entzündlichem Rheuma (Arthritis) im Knie.

Verschleiß des Kniegelenks
Häufigster Grund für den Einbau einer Knie-Endoprothese ist der Verschleiß der knorpelüberzogenen Gelenkflächen im Knie, die sogenannte Gonarthrose (Gon = griech. Knie, arthrose = degenerative Gelenkveränderung).

Auslöser für eine Knie-Arthrose sind:

  • Kniegelenksverletzungen,

  • Nekrosen (Gewebeuntergang),

  • eine angeborene oder durch Knochenbruch erworbene Fehlstellung der Beinachse,

  • eine genetisch bedingte Minderqualität des Gelenkknorpels,

  • verschiedene Stoffwechselstörungen.

Übergewicht, Überlastung und mangelhafte muskuläre Führung des Kniegelenkes beschleunigen den Arthrose-Verlauf im Kniegelenk.

Beschwerden einer Knie-Arthrose: Ist es zu einer Gonarthrose gekommen, spürt der Patient:

  • Schmerzen im Kniegelenk (belastungsabhängig und auch als morgendlicher Anlaufschmerz),

  • eine Neigung zu Schwellungen,

  • teilweise Überwärmung

  • und auch Unsicherheit.

Der Bewegungsumfang verringert sich, die schmerzfreie Gehstrecke wird immer kürzer.

Entzündliche Zerstörung des Kniegelenks
Ein weiterer Grund für einen Gelenkersatz am Knie ist eine primär entzündliche Zerstörung des Gelenkknorpels (arthritisches Rheuma), wobei die entzündlichen Veränderungen im Bereich der Gelenkschleimhaut den Knorpel in die Zange nehmen und letztendlich zerstören. Hierbei sind oftmals viele Gelenke im Bereich des ganzen Körpers betroffen (Polyarthritis). Die Erkrankung kann auch schon in sehr jungen Jahren auftreten (juvenile Polyarthritis).


Prothesen-Typen

Es sind verschiedene Typen von Knie-Prothesen entwickelt worden, um den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden zu können. Hierbei können ersetzt werden:

Einzelne Gelenkanteile im Knie (Oberflächen-Prothesen):

  • beidseitiger Oberflächen-Ersatz (Innen- und Außenseite der Oberschenkel- und Schienbein-Gelenkköpfe),

  • einseitiger Oberflächen-Ersatz (Innen- oder Außenseite des Oberschenkel- und Schienbein-Gelenkkopfes),

  • Sonderform des einseitigen Oberflächen-Ersatzes: die sogenannte Repicci-II-Prothese.

Das gesamte Kniegelenk einschließlich Kniescheibe (verkoppelte Prothese).


Prothesen-Materialien

Knieprothesen werden aus unterschiedlichen Materialien hergestellt:

Für die Oberschenkel-Komponente werden in der Regel Metall-Legierungen (Chrom-Kobalt-Molybdän u.a.) verwendet. Diese werden in ihrer Form der anatomischen Gelenkoberfläche des Oberschenkelknochens nachempfunden. Die Oberschenkel-Komponente gleitet auf einer Kunststoff -Platte (Polyethylen), die ihrerseits auf die Metall-Basis der Unterschenkel-Komponente fest aufgesteckt wird. Wird auch die innere Fläche der Kniescheibe ersetzt, so geschieht dies mit einer kleinen gerundeten Platte aus Kunststoff.

Somit gleitet jeweils Metall gegen Kunststoff, was einen sehr geringen Material-Abrieb nach sich zieht. Dies ist wichtig, da der Körper auf kleinste Abriebpartikel reagiert und im Rahmen einer Abwehrreaktion so genannte Granulome (lat. granulum = Körnchen) bildet. Diese Körnchen können wiederum zu einer Lockerung der Prothese führen. Seit März 2002 wird für die Knieprothese (wie bei den Hüftprothesen seit 1999) ein nahezu verschleißfreies, hochvernetztes Polyethylen angewendet, das eine deutlich verlängerte Haltbarkeit der Prothesen erwarten lässt.


Beidseitige Oberflächen-Prothese

Wenn eine Knieprothese notwendig wird, setzt man meistens eine Schlitten- oder Oberflächen-Prothese ein. Hierbei werden die zerstörten Knorpeloberflächen an Oberschenkel- und Schienbeinknochen ersetzt:

  • am Oberschenkel-Gelenkkopf: ein Schild aus Metall

  • am Schienbein-Gelenkkopf: eine künstliche Oberfläche aus Titan, auf die ein Kunststoff-Plateau aufgesetzt wird.

Es ist zusätzlich möglich, auch die Rückfläche der Kniescheibe durch ein angerundetes Kunststoffplättchen zu ersetzen. Alternativ zu dieser Kniescheiben-Prothese kann hier auch eine Knorpelglättung und Entfernung der degenerativ entstandenen Knochenanbauten durchgeführt werden.

Vorteile der Oberflächen-Prothetik:

  • Es geht sehr wenig Knochensubstanz verloren.

  • Im Fall einer Prothesen-Lockerung kann meist eine nochmalige Oberflächen-Prothese eingesetzt werden. Ausnahme: eine höhergradige Beinachsen-Fehlstellung ("X-Bein", "O-Bein") führt zu einer Fehlbelastung und somit meist zur vorzeitigen Lockerung der Prothese; deshalb ist hier z.B. die Implantation einer verkoppelten Knieprothese anzustreben.

Voraussetzungen für die Oberflächen-Prothetik:

  • Das vordere Kreuzband und die Menisken müssen vor dem Einsetzen der Prothese entfernt, das hintere Kreuzband kann belassen werden.

  • Da die Anteile der Prothese mechanisch nicht miteinander verbunden sind, muss das Kniegelenk noch über eine ausreichende Stabilität verfügen (genügend straffer Knieseiten-Bandapparat und ausreichende muskuläre Führung).

  • Außerdem sollte das knöcherne Lager (Oberfläche des jeweiligen Gelenkkopfes) eine gute Knochenqualität aufweisen, damit die Prothese fest verankert werden kann.

Auch andere Knieprothesen-Typen können verwendet werden.


Einseitige Oberflächen-Prothese

Als Knieprothese ist auch eine endoprothetische Minimallösung mit einer einseitigen Schlitten-Prothese möglich. Diese ersetzt dann im Kniegelenk die geschädigten Knorpeloberflächen an Oberschenkel- und Schienbeinknochen entweder an der Innen- oder Außenseite des Gelenks. Das macht nur dann Sinn, wenn lediglich ein Teil des Kniegelenks geschädigt ist.

Voraussetzungen für die einseitige Prothese:
Es ist sehr wichtig, dass vor der Entscheidung zu dieser unikondylären (Kondylus = Gelenkrolle) Schlittenprothese der Zustand aller Kniegelenksanteile sehr genau geprüft werden. So ist z.B. durch eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) sicherzustellen, dass sich die arthrotischen Veränderungen (Knorpelverschleiß) auch wirklich nur auf einen Teil des Kniegelenkes beschränken, und die Gegenseite oder auch der Gelenkabschnitt zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen nicht betroffen ist.

Es hat sich nämlich gezeigt, dass in vielen Fällen nach kurzer Prothesentragezeit (unter 10 Jahre) eine erneute Operation mit Einsatz einer Totalknie-Prothese erforderlich wurde. Hierbei war nicht etwa eine vorzeitige Prothesen-Lockerung der Grund. Vielmehr hatte sich das nicht prothetisch versorgte Gelenk derartig arthrotisch verschlechtert, dass eine Versorgung mit einer Komplett-Prothese unumgänglich wurde.


Repicci-Prothese

Die Repicci-II-Prothese ist eine enorm nützliche Weiterentwicklung in der einseitigen (unikondylären) Knie-Endoprothetik. Die Repicci-Prothese ist über einen 5 bis 7 cm kleinen Minischnitt auch ambulant einsetzbar.

Bei der Versorgung mit der Repicci-II-Prothese wird am Oberschenkelknochen ein Mini-Schlitten aus einer Metall-Legierung eingesetzt, der sich aufgrund der Größe (bzw. "Kleinheit") des Implantats wesentlich von den herkömmlichen Schlittenprothesen unterscheidet.

Im Bereich des Schienbein-Plateaus wird ein Inlay aus Kunststoff (Polyäthylen) eingesetzt, welches bei mangelhafter knöcherner Abstützung durch ein kleines Metallplättchen unterlegt werden kann.

Vorteile der Repicci-Prothese:

  • Bei dieser Operation wird die Oberschenkel-Gelenkrolle (Kondylus) weitgehend erhalten.

  • Sollte ein Austausch der Repicci-Prothese notwendig werden, ist ein sicheres Knochenlager auch für die zukünftige Prothese vorhanden.

  • Die Patienten werden durch diese Operation wesentlich weniger belastet. So kann z. B. die Infektionsgefahr herabgesetzt und der Blutverlust verringert werden.

  • Außerdem sind die Patienten nach der Operation wesentlich schneller wieder mobil .


Verkoppelte Prothesen

Bei den verkoppelten Prothesen für das Knie wird eine feste Verankerung über lange Prothesen-Stiele erzielt, die weit in den Oberschenkel- bzw. Schienbeinknochen vorgetrieben werden. Die Prothesenteile sind hier durch einen Polscharnier-Mechanismus miteinander verkoppelt bzw. durch einen Gleit- oder Kegelachs-Mechanismus halbverkoppelt.

Vorteile:
Im Gegensatz zu den Oberflächen-Prothesen kann der verkoppelte Gelenkersatz auch bei instabilem Gelenk und bereits fortgeschrittenem Knochenverlust eingesetzt werden:

  • Durch die langen Prothesen-Stiele wird eine sichere Gelenkführung auch ohne stabile Knieseitenbänder und gute Muskulatur gewährleistet.

  • Durch die langen Prothesen-Stiele wird eine feste Verankerung im Knochen auch bei minderwertiger Knochensubstanz erreicht.

Nachteile:
Im Gegensatz zur Oberflächen-Prothetik kommt es bei dieser Methode zu einem größeren Knochenverlust.

  • Dadurch erschwert sich eine möglicherweise erforderlich werdender Prothesen-Wechsel.

  • Wenn zusätzlich das Hüftgelenk der gleichen Seite mit einer Hüftprothese versorgt wird, entsteht außerdem zwischen den beiden Prothesen-Stielen (Hüftprothese von oben, Kniegelenksprothese von unten) in der Oberschenkelmitte eine Sollbruchstelle.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 02.01.2008
 
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