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Phytopharmaka

Phytopharmaka (pflanzliche Arzneimittel) enthalten pharmazeutisch bearbeitete Zubereitungen aus Arzneipflanzen. Es werden für die Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln die wirksamen Bestandteile aus Pflanzen, Pflanzenteilen oder Zubereitungen daraus (z.B. Tinkturen, Extrakte) verwendet.
Die moderne, schulmedizinisch geprägte sogenannte rationale Phytotherapie unterscheidet sich von den chemisch-synthetischen Arzneimitteln durch die Ausgangsstoffe, die für die Medikamente verwendet werden. Arzneimittelqualität und Arzneimittelsicherheit werden bei den pflanzlichen Arzneimitteln ebenso hoch angesetzt, wie bei chemisch-synthetischen Medikamenten.
Durch diesen wissenschaftlichen Ansatz unterscheiden sich die Phytopharmaka von zahlreichen "alternativen Behandlungsmethoden".

Schon lange bewährt und gut verträglich
Die Wirkungen der pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) sind teilweise schon seit vielen Jahrzehnten oder Jahrhunderten wenn nicht Jahrtausende bekannt und bewährt. Pflanzliche Arznei wurde und wird im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt und verfeinert. Phytopharmaka erfreuen sich bei der Bevölkerung einer wachsenden Beliebtheit wegen der guten Verträglichkeit, der geringen Nebenwirkungen und auch im Hinblick auf eine bewusste und gesunde Lebensführung. Pflanzliche Arzneimittel spielen insbesondere im Rahmen der Selbstmedikation eine immer größere Rolle. Zunehmend legen Menschen Wert auf eine eigenverantwortliche Medikation mit rezeptfreien Arzneimitteln zur Vorbeugung, zur Erhaltung der Gesundheit und zur Behandlung von Gesundheitsstörungen.
Verträglichkeit von Phytopharmaka

Wie sehen Phytopharmaka aus?
Phytopharmaka werden in den üblichen modernen Arzneiformen wie Tropfen, Tabletten, Dragees oder Kapseln angeboten.

Wie kann gewährleistet werden, dass in jeder Tablette dieselbe Menge von Wirkstoff enthalten ist?
Damit in jeder Dosis (Tablette, Kapsel u. a.) die gleiche Menge an wirksamen Pflanzeninhaltsstoffen enthalten ist, wird der gesamte Herstellungsprozess vom Arzneipflanzenanbau über die Trocknung und Extraktion bis hin zur fertigen Arzneiform (Kapsel, Tablette, Tropfen etc.) beständig überwacht.
Phytopharmaka sind Bestandteil der modernen Arzneitherapie. Ihre Wirksamkeit kann durch pharmakologische und klinische Studien belegt werden. Für pflanzliche Arzneimittel gelten wie für alle anderen Arzneimittel die rechtlichen Bestimmungen für die Zulassung nach dem Arzneimittelgesetz.

Forschung
Gegenwärtige Forschungen der naturheilkundlichen pharmazeutischen Unternehmen konzentrieren sich zum einen auf die nachträgliche Erforschung der Wirkungsvorgänge naturheilkundlicher Substanzen, deren Wirksamkeit bis heute mitunter ausschließlich auf Erfahrungen beruhen - wie zum Beispiel beim Baldrian, zum anderen läuft die gegenwärtige Forschung in der Naturmedizin auch in Richtung zur Optimierung bekannter und in zahlreichen Studien belegten Wirksubstanzen - wie zum Beispiel beim Weißdorn.
Forschung in der Phytomedizin

Einsatzgebiete
Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) sind in der Regel keine Arzneimittel zur Akut- und Notfallmedizin (Intensivmedizin). Ihr Nutzen liegt unter anderem im Bereich der Behandlung, Verhütung, Verzögerung und Unterbrechung chronischer und altersbedingter Krankheitsprozesse.
Wann werden Pflanzliche Medikamente eingesetzt?


Pflanzenextrakte

Die Pflanzenextrakte, also die Inhaltsstoffe einer Pflanze, die die Wirkstoffe der Phytopharmaka liefern, werden mit speziellen Lösungsmitteln aus der Pflanze gewonnen (Extraktion).

Unterschiedliche Wirkstoffe in einer Pflanze
Eine Heilpflanze kann für ein pflanzliches Arzneimittel völlig verschiedene Extrakte liefern, je nach verwendetem Lösungsmittel (Wasser, Alkohol, Aceton u.ä.). Einige Pflanzen werden als ganzes Kraut verwendet, andere liefern nur die Blätter, die Blüten oder die Wurzeln. Wurzeln einer Pflanze können zum Beispiel ganz andere Inhaltsstoffe liefern als die Blätter oder Blüten derselben Pflanze. Auch der Zeitpunkt der Sammlung hat einen Einfluss auf die zu gewinnenden Inhaltsstoffe.

Verschiedene Extrakt-Typen sind erhältlich
Weitere Differenzierungen entstehen, weil entweder der rohe Flüssigauszug (Fluidextrakt) verwendet wird oder auch ein teilweise getrockneter Auszug (Spissumextrakt) beziehungsweise ein völlig getrockneter Auszug (Trockenextrakt). Und schließlich kann der Rohauszug durch bestimmte Aufbereitungsverfahren noch konzentriert, also besonders mit den Wirkstoffen angereichert, und auch von bestimmten unerwünschten Inhaltsstoffen befreit werden. Das Ergebnis ist dann der so genannte Spezialextrakt.
Die Extrakte für die Herstellung von Phytopharmaka werden ständig überwacht und überprüft, damit gewährleistet ist, das die Qualität einer jeden Dosierung (einer Tablette z.B.) identisch ist.


Standardisierte Herstellung

Damit Phytopharmaka immer dieselbe Zusammensetzung und damit auch Wirkung haben, werden standardisierte Herstellungsverfahren für die Pflanzenheilmittel eingesetzt. Dazu gehört eine ständige Kontrolle und Überwachung des gesamten Herstellungsprozesses, beginnend beim Anbau der Heilpflanzen über Ernte, Trocknung und Auszugsgewinnung bis hin zum anwendungsfertigen Präparat (Tropfen, Tabletten, Kapseln, Salbe o.ä.). So wird gewährleistet, dass in jeder Einzeldosis immer dieselbe Menge und Qualität an Wirkstoffen enthalten ist.

Normierung und Standardisierung
Zwar ist die Wirkung von pflanzlichen Heilmitteln meist nicht nur einem isolierten Wirkstoff zuzuschreiben, aber häufig ist der Verursacher der angestrebten Hauptwirkung bekannt. Als Normierung wird dann die Einstellung pflanzlicher Extrakte auf eine genau definierte Menge dieses Wirkstoffes bezeichnet.

Unter Standardisierung versteht man dagegen die Einstellung eines Auszuges so, dass die gewünschte Substanz oder auch Substanzgruppe, die die beabsichtigte Wirkung verursachen oder aber wichtig für die Qualitätssicherung sind, innerhalb gewisser Toleranzgrenzen enthalten sind.

Schon beim Anbau gelten strenge Kriterien
Um schon das Rohmaterial in so hoher Qualität wie möglich zu erhalten, werden Heilpflanzen (Arzneipflanzen) meist in speziellen Kulturen angebaut. Schon bei der Auswahl des Saatgutes kommen besonders strenge Auswahlkriterien zum Einsatz, und die Anbaubedingungen und Erntezeiten werden ebenfalls genau kontrolliert.


Zulassung

Phytopharmaka als Fertigarzneimittel müssen wie alle anderen Arzneimittel auch erst von der zuständigen Bundesoberbehörde, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn, eine Zulassung erhalten, bevor sie in den Verkehr gebracht werden.

Normierung des Medikamentes
Im Rahmen der Zulassung müssen insbesondere Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit belegt werden. Die Zulassung ist aufgrund der komplexen Zusammensetzung der Phytopharmaka manches Mal recht aufwändig. Da der Wirkstoffgehalt und der Gehalt an Begleitstoffen einer Pflanze je nach Standort, Witterungsbedingungen und Erntezeitpunkt schwanken kann, müssen der Anbau der Arzneipflanze, die Bearbeitung und Zubereitung der Pflanzenteile sehr strengen Regeln entsprechen. Ziel dieser aufwändigen Produktion von Pflanzenextrakten bzw. pflanzlichen Arzneimitteln ist es, hochwirksames, pflanzliches Präparat mit garantiert gleichem Wirkstoffgehalt zu erhalten.

Auflagen bei der Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln
Der Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln muss nachweisen, dass sein Arzneimittel die nach anerkannten pharmazeutischen Regeln angemessene Qualität besitzt. Er muss nachweisen, dass das Medikament von Charge zu Charge eine in definierten Grenzen gleichmäßige Beschaffenheit hat, die für die Dauer der angegebenen Haltbarkeitsfrist gewährleistet ist.

Trotz schwankender Ausgangsgehalte gelingt es heutzutage durch ein Normierungsverfahren bei der Herstellung von Phytopharmaka ein immer gleichwirksames Arzneimittel herzustellen.


Verträglichkeit

Die Verträglichkeit pflanzlicher Medikamente (Phytopharmaka) zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass Nebenwirkungen selten vorkommen. Wenn sie aber vorkommen, sind sie gering und durch langjährige Erfahrungen mit diesen Medikamenten bekannt und erforscht.

Dies heißt aber nicht, dass pflanzliche Arzneimittel prinzipiell unschädlich sind und keine Nebenwirkungen haben. Wie bei jedem anderen Arzneimittel gilt auch hier, dass die Medikamente nur nach Anweisungen des Arztes oder Apothekers eingenommen werden sollen und die Anweisungen auf der Packungsbeilage befolgt werden sollten.


Nebenwirkungen

Phytopharmaka, also pflanzliche Heilmittel, werden von vielen Menschen als frei von Nebenwirkungen angesehen, was aber so nicht richtig ist. Tatsache ist, dass ein Mittel, das Wirkungen zeigt, natürlich auch Nebenwirkungen haben kann, die teilweise unerwünscht sind. In letzter Zeit hat sich dies gezeigt für Kava-Kava-Präparate: Im Zusammenhang mit deren Einnahme gibt es in Deutschland und in der Schweiz Berichte über schwere Leberprobleme und sogar einen Todesfall.

Nebenwirkungen tauchen auf
Wie es kommt, dass nach Jahren der Anwendung jetzt "plötzlich" Nebenwirkungen auftauchen, erläuterte Professor Theo Dingermann, pharmazeutischer Biologe an der Universität Frankfurt in einem Interview mit einer großen deutschen Frauenzeitschrift: Immer mehr Menschen wünschen sich eine "sanftere Medizin" und sehen diese in pflanzlichen Heilmitteln. Dadurch finden derartige Heilmittel eine immer weitere Verbreitung, und es ist wahrscheinlicher, dass auch Unverträglichkeiten ans Licht kommen, was ja nur gut ist.

Standardisierte Arzneimittel sehr gut überprüft
Das heißt aber nun nicht, dass Sie als Anwender alle Phytopharmaka in Frage stellen müssten. Es bleibt dabei, dass pflanzliche Mittel in der Regel gut verträglich sind. Hinzu kommt, dass die Medikamente, die Sie als Arzneimittel im Sinne des Gesetzes in der Apotheke kaufen und die den Hinweis "apothekenpflichtig" tragen, sehr gut untersucht wurden. So muss der Hersteller zum Beispiel nachweisen, dass die verwendeten Inhaltsstoffe nicht krebserregend sind. Festgelegte Höchstmengen an Pflanzenschutzmitteln dürfen nicht überschritten werden, ebenso die Menge an eventuell problematischen Pflanzen-Inhaltsstoffen.

Diese strengen Regeln gelten sogar für losen Kräutertee aus der Apotheke. Keine Gültigkeit haben derartige Vorschriften allerdings für die so genannten Nahrungsergänzungsmittel, zu denen manche Algenpräparate gehören ebenso wie Kräutertabletten aus der traditionellen chinesischen Medizin. Hier ist der Verbraucher selbst mit seiner Urteilsfähigkeit gefragt.

Auf jeden Fall gilt: Pflanzliche Mittel wirken, und darum sollten sie nicht wahllos eingenommen werden.


Anwendung

Tipps zur Anwendung und Einnahme von Phytopharmaka (Pflanzenheilmittel)

  • Auch pflanzliche Arzneimittel nie ohne triftigen Grund einnehmen.

  • Nicht länger einnehmen als nötig (zum Beispiel Baldrian absetzen, wenn das Einschlafen wieder klappt).

  • Bei Unsicherheit über den weiteren Bedarf lieber das Präparat versuchsweise absetzen.

  • Empfohlene Dosis nicht überschreiten.

  • Nie mehr als zwei verschiedene Medikamente ohne ärztliche Verordnung einnehmen (Gefahr von unerwünschten Wechselwirkungen!).

  • Bei bestehenden Organproblemen keine Medikamente ohne Befragen des Arztes einnehmen.

  • Dem Arzt oder Apotheker alle Mittel nennen, die Sie bereits einnehmen, auch alle pflanzlichen Medikamente.

  • Beipackzettel beachten, besonders hinsichtlich Wechselwirkungen und Gegenanzeigen.

  • Wenn irgendwelche Unsicherheiten bestehen: Auf jeden Fall den Arzt befragen.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 14.04.2008
 
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