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Jodmangelkropf (Struma)

Jod ist zum Beispiel in Salz enthalten

Jodiertes Speisesalz ermöglicht eine ausgewogene Ernährung
(Quelle: Bananastock)

Der Jodmangelkropf (Struma) ist eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse. Seine Größe ist sehr unterschiedlich. Es können entweder nur Teile oder die gesamte Schilddrüse betroffen sein.

In Deutschland ist der Jodmangelkropf weit verbreitet: Etwa ein Fünftel aller 25-Jährigen sowie die Hälfte aller über 50-Jährigen hat eine Schilddrüsenvergrößerung. Mit etwa 100.000 Eingriffen jährlich ist die Schilddrüsenoperation eine häufige Operation. Durch die zunehmende bessere Versorgung mit Jod gehen diese Zahlen jedoch langsam zurück.


Welche Ursachen hat ein Jodmangelkropf?

Die Ursache für eine Vergrößerung der Schilddrüse ist fast immer ein chronischer Jodmangel. Dieser Jodmangel ist ernährungsbedingt. Die Schilddrüse liegt im Bereich des unteren Halses unterhalb des Kehlkopfs. Sie ist für die Produktion von Stoffwechselhormonen verantwortlich. Dazu benötigt sie Jod. Wird nicht genügend Jod über die Nahrung zugeführt, kommt es zu einem Mangel. Um ihre Funktionen so lange wie möglich aufrecht zu erhalten, erhöht die Schilddrüse ihr Volumen. Gleichzeitig bilden sich in ihr Knoten, die meistens gutartig sind.

Seltenere Ursachen für den Jodmangelkropf sind verschiedene Krankheiten und Funktionsstörungen der Schilddrüse. Dazu gehören


  • Enzymdefekte, durch die das Jod falsch verwertet wird
  • Schilddrüsenüberfunktionen bedingt durch Morbus Basedow (Basedow-Krankheit)
  • Entzündungen
  • Schilddrüsentumoren
  • Überschuss an Wachstumshormonen (Akromegalie)
  • Hormonresistenz

Welche Symptome zeigen sich beim Jodmangelkropf?

In den meisten Fällen verursacht ein Jodmangelkropf keine Schmerzen. Die Vergrößerung der Schilddrüse führt auch zu einer Vergrößerung des Halsumfangs, die jedoch zunächst nicht sichtbar ist. Ab einem bestimmten Umfang werden vergrößerte Schilddrüse und Hals als kosmetisch unangenehm empfunden. Häufig wird die Struma dann erst entdeckt.

Nach Einteilung der Weltgesundheitsbehörde (WHO) verläuft die Struma in drei Stadien, die sich nach Größe und Symptomen richten:

Stadium I: Die Struma lässt sich ertasten, ist aber von außen nicht sichtbar.

Stadium II: Die Struma ist bereits von außen erkennbar.

Stadium III: Die Struma ist nun deutlich vergrößert und verursacht Beschwerden.


Ab einer gewissen Größe treten Schluckbeschwerden auf, weil der Jodmangelkropf die Funktionen der umliegenden Bereiche einschränkt. Man hat häufig das Gefühl der "zugeschnürten Kehle" oder einen "Frosch im Hals". Ab Stadium III kann sich eine Halsvenenstauung entwickeln.


Wie wird ein Jodmangelkropf diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) folgt eine körperliche Untersuchung. Diese beinhaltet die Abtastung der Schilddrüse. Auch leichte Vergrößerungen lassen sich durch die Abtastung erkennen und bekräftigen den Verdacht auf einen Jodmangelkropf. Eine normal große Schilddrüse ist nicht ertastbar.

Zur Bestätigung der Diagnose dienen bildgebende Verfahren. Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) dient der genaueren Abschätzung von Größe, Lage und Struktur der Schilddrüse. Mithilfe der Schilddrüsenszintigraphie lässt sich ihre Funktions- und Speicherfähigkeit überprüfen. Dazu wird eine leicht radioaktive, jodhaltige Substanz in die Venen injiziert. Anschließend wird ein Szintigramm erstellt. Darauf ist sichtbar, wie die Substanz in der Schilddrüse verteilt ist. Liegt eine Schilddrüsenüberfunktion vor, speichert die Schilddrüse die Substanz verstärkt ein. Bei einer Unterfunktion wird dagegen nur wenig gespeichert.


Wie lässt sich ein Jodmangelkropf therapieren?

Der Jodmangelkropf ist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom. Deshalb konzentriert sich die Behandlung auf die Beseitigung des Auslösers. In den meisten Fällen ist Jodmangel für die Entstehung einer Struma verantwortlich. Deshalb ist die tägliche Einnahme von Jodid der wichtigste Teil der Therapie. Es empfiehlt sich je nach Stadium eine Tagesdosis von 100 bis 200 Mikrogramm. Zusätzlich ist der Einbau von jodreichen Nahrungsmitteln in den Speiseplan sinnvoll: Seefisch, Milchprodukte und jodiertes Speisesalz unterstützen die Behandlung.

Operation der Struma

Im fortgeschrittenen Stadium bildet sich der Jodmangelkropf nicht allein durch die Gabe von Jodid zurück. Hier greift die operative Verkleinerung der Struma. Dabei werden Teile der vergrößerten Schilddrüse entfernt. Obwohl der Eingriff relativ risikoarm ist, können dennoch umliegende Nerven und Gefäße verletzt werden. Dies geschieht jedoch nur selten. Nach der Operation ist langfristig die zusätzliche Einnahme von Jodid empfehlenswert, um einer erneuten Kropfneubildung vorzubeugen.

Radiojodtherapie

Ist der Jodmangelkropf inoperabel, kann mittels Radiojodtherapie zumindest eine Verkleinerung der Schilddrüse erreicht werden. Dabei wird radioaktives Jod geschluckt, das die Schilddrüse speichert. Es kommt nun zu einer Zerstörung von Schilddrüsengewebe. Da die im Körper angereicherte Radioaktivität auch nach außen strahlt, ist die Durchführung der Radiojodtherapie nur unter isolierten Bedingungen im Krankenhaus möglich.


Was passiert nach der Behandlung des Jodmangelkropfs?

Zwar verursacht ein Jodmangelkropf oftmals über Jahre keine Beschwerden, es ist jedoch ratsam, ihn schon frühzeitig zu behandeln. Möglichen Komplikationen wird so von Anfang an entgegengewirkt. Dazu gehören die so genannten "heißen Knoten": Die vergrößerte Schilddrüse bildet dann übermäßig Hormone, es kommt zu einer Schilddrüsenüberfunktion.


Wie kann man einem Jodmangelkropf vorbeugen?

Da Deutschland als Jodmangelgebiet gilt, ist es ratsam, auf eine jodreiche Ernährung zu achten. Dazu gehört die Verwendung von jodiertem Salz sowie von mit Jodsalz verarbeiteten Produkten. Seefisch und verschiedene Meeresfrüchte enthalten ebenfalls viel Jod. In Absprache mit dem Arzt empfiehlt sich die tägliche Einnahme eines jodidhaltigen Nahrungsergänzungsmittel. Besonders in der Schwangerschaft ist die ausreichende Jodversorgung zur Vorbeugung eines Jodmangelkropfs wichtig.


Sie haben weitere Fragen zu diesem Thema? Dann wenden Sie sich doch an die Experten der Hausarzt-Expertenrat.

Quellen:
Classen, M., Diehl, V., Kochsiek, K.: Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2004
Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: www.dge.de (Stand: Juli 2008)
Online-Informationen des Universitätsklinikum Düsseldorf: www.uniklinik-duesseldorf.de (Stand: Januar 2007)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 23.10.2008
 
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