Erkrankungen der Schilddrüse: Vorgeschichte
Die Untersuchungsmethoden bei einer Schilddrüsenerkrankung unterscheiden sich nur wenig von anderen Erkrankungen, die den Hormonhaushalt betreffen und ist stufenweise aufgebaut.
Vorgeschichte
Leidet ein Mensch an einer vermuteten
Schilddrüsenerkrankung
oder anderen störenden, körperlichen Beschwerden, sucht
er der Expertenrat seines Arztes auf.
Unterstützt durch gezielte Fragen des Arztes berichtet er über seine Leiden. Die genaue Beschreibung der Stärke, Örtlichkeit und Qualität der Beschwerden gibt dem Arzt zunächst schon einmal eine groben Anhalt für die "Ursachenforschung".
Wegweisend sind außerdem die Krankenvorgeschichte des Patienten, ein eventuell familiäres Auftreten ähnlicher Beschwerden und die Einnahme von Medikamenten. Viele Medikamente, darunter auch östrogenhaltige, wie z.B. die Antibabypille, verfälschen die Untersuchungen zur Schilddrüsenfunktionslage.
Diese Fülle von Informationen helfen dem Arzt, sofern sie für die Erkrankung wesentlich sind, die Fährte zu finden, die er auf dem nächsten Wegstück zur Diagnose, der körperlichen Untersuchung, weiter verfolgt.
Körperliche Untersuchung
Die Körperliche Untersuchung ist nach der Befragung
zur Krankenvorgeschichte immer der nächste Schritt bei den
Untersuchungsmethoden.
Normalerweise tritt die
Schilddrüse
am Hals nach außen nicht in Erscheinung. Nur bei schlanken
Menschen kann man sie bei zurückgebeugtem Kopf erkennen,
besonders, wenn sie sich beim Schlucken mit dem Kehlkopf auf und ab
bewegt. Beim anschließenden Tasten kann der untersuchende
Arzt das Gewebe deutlich spüren und dabei Größe,
Gewebebeschaffenheit und eventuelle knotige Veränderungen
beurteilen.
Schmerzt den Patienten das zarte Abtasten, kann der Arzt auf eine Entzündung schließen. Verspürt er unter seinen Händen ein Schwirren, könnte das ein Hinweise auf eine Überfunktion der Schilddrüse sein. Dieses überprüft der untersuchende Arzt wahrscheinlich mit Hilfe seines Stethoskops. Bei diesem "Abhorchen" kann er auch anhand möglicherweise auftretender pfeifender Geräusche auf eine Organvergrößerung schließen, die die Luftröhre einengt.
Vermutet der Arzt eine Schilddrüsenerkrankung, wird er sich bei der körperlichen Untersuchung des Patienten nicht auf die Halsregion beschränken, sondern alle Organe in Augenschein nehmen, auf die sich eine Funktionsstörung am schnellsten auswirkt. Das sind vor allem die Augen, das Herz, die Lunge, die Haut und die Nerven.
Schon die routinemäßige Messung von Puls und Blutdruck kann Hinweise auf eine Erkrankung geben. Beide Werte werden von Schilddrüsenhormon beeinflusst, ist zuviel davon vorhanden, steigt beides an, ein Zuwenig lässt sie absinken. Beim Abhorchen geben die Beschaffenheit von Herzschlag und Atmung ebenfalls Hinweise auf die Schilddrüsenfunktionslage.
An besonderen Veränderungen der Augen (Vergrößerung, Rötung und Schwellung der Lider, Einbußen in der Augapfelbeweglichkeit) ist die Basedow Krankheit leicht zu erkennen.
Trockene oder feuchtwarme Haut gibt Hinweise ebenfalls auf eine Schilddrüsenfehlfunktion, genauso wie eine Veränderung des Gewichtes.
Ultraschall-Untersuchung
Die Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse ist nach
der körperlichen Untersuchung der nächste Schritt bei den
Untersuchungsmethoden.
Verspürt der untersuchende
Arzt beim Abtasten Unregelmäßigkeiten wie Knoten oder
Verhärtungen im Schilddüsengewebe, wird er auf jeden Fall
eine Ultraschalluntersuchung
anschließen. Aber auch sonst kann auf diese Weise das Organ
beurteilt werden. Da die Schilddrüse auf dem Schildknorpel
direkt unter der Haut liegt, ist sie dieser Untersuchung auch
optimal zugänglich. Bei der Untersuchung werden die
Gesamtgröße und das Gesamtgewicht des Organs errechnet.
Außerdem lassen sich alle Teilbereiche der Schilddrüse
gut beurteilen, so dass Veränderungen erkannt werden
können. Zysten (flüssigkeitsgefüllte
Hohlräume), überproduktive oder "stillgelegte", eventuell
krebsverdächtige Areale können voneinander unterschieden
werden. Das Echo des Ultraschalls gibt außerdem präzise
Angaben über die Abmessung solcher Knoten. Auch so genannte
Autoimmunerkrankungen wie z.B. die Basedowkrankheit oder
die Hashimoto-Erkrankung
zeigen ein typisches Bild, das dem untersuchenden Arzt
Rückschlüsse auf ihr Vorhandensein erlaubt.
Mit einer speziellen Methode, der farbcodierten Doppler-Sonographie lässt sich die vermehrte Durchblutung des Schilddrüsengewebes und einzelner Bezirke und Knoten sogar in Farbe darstellen.
Auch die Augenhöhlen (= Orbita-Sonogramm) können mit einem speziellen Ultraschallgerät untersucht werden, wenn der Verdacht auf eine Basedowerkrankung besteht.
Blutuntersuchungen
Blutuntersuchungen gehören bei den
Untersuchungsmethoden zum Standard, da sie in vielen Fällen
eine Verdachtsdiagnose zu erhärten vermögen.
Welche spezielle Blutuntersuchung vorgenommen wird, hängt von
dem Krankheitsverdacht ab, den der Arzt hegt, deshalb ist es auch
wichtig, dass die anderen Untersuchungen - Ultraschall und
Szintigraphie - vorher durchgeführt worden sind. Zum Labor
gehören Blutbild, Gerinnungswerte, Blutsalze und
Entzündungsparameter.
Als Suchwert für eine Schilddrüsenerkrankung wird meistens erst nur das TSH bestimmt. Es gibt Aufschluss über die allgemeine Stoffwechsellage der Schilddrüse. Ist der Wert außerhalb der Normalgrenzen, werden weitere Schilddrüsenhormonwerte bestimmt, um die Art der Stoffwechselstörung herauszufinden.
So können außer den Schilddrüsenhormonen T3 und T4 in freier und gebundener Form auch die übergeordneten Steuerungshormone TSH und TRH bestimmt werden, genauso, wie die Träger- und Verpackungseinweiße für Schilddrüsenhormone (= TGB und Thyreoglobulin), unterschiedliche Schilddrüsenantikörper (= Abwehrstoffe, die der Körper irrtümlich gegen seine eigenen Schilddrüsenzellen bildet) und spezielle Tumormarker (= spezielle Spuren, die bösartige Geschwüre im Blut hinterlassen und die die Aktivität der Geschwulst anzeigen).
Die individuelle Größe und das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren erlaubt Rückschlüsse über die Art der Schilddrüsenerkrankung.
Schilddrüsen-Szintigraphie
Die Schilddrüsenszintigraphie ist vielleicht die
wichtigste Untersuchungsmethode, um den Funktionszustand der
Schilddrüse festzustellen.
Wirft der Ultraschall
ein unregelmäßiges Echo, tastet
der Arzt einen unerwarteten Widerstand oder "stimmen" die Blutwerte
nicht, wird oft ein Szintigramm (= eine spezielle bildgebende
Untersuchung) durchgeführt. Für diese Untersuchung macht
man sich die Fähigkeit des Körpers zunutze, bestimmte
Substanzen an speziellen Orten zu speichern. So wird für eine
Szintigraphie eine Minidosis ganz schwach radioaktiven Technetiums
(Tc-99m) verabreicht, das die menschliche Schilddrüse für
Jod hält.
Technetium hat gegenüber radioaktivem Jod den Vorteil, dass es
nicht in Schilddrüsenhormon eingebaut werden kann. Dieses
wird, wie normales Jod auch, ausschließlich in der
Schilddrüse angelagert. Je nach Funktionszustand nehmen die
Schilddrüsenzellen das Technetium in unterschiedlicher Menge
auf. Der radioaktiver Stoff "hält" sich in der
Schilddrüse und im menschlichen Körper nur wenige Stunden
und zerfällt danach in unschädliche Substanzen.
Strahlungsmessung
Während dieser Zeit spiegelt die Menge der gespeicherten
Radioaktivität die Tätigkeit der einzelnen
Schilddrüsenabschnitte wieder. Sie wird mit einem speziellen
hochempfindlichen Strahlendetektor (= Gammakamera) aufgezeichnet.
Dabei werden die unsichtbaren Energieentladungen festgehalten, die
die Strahlen im Detektor hervorrufen und durch einen Computer
bildlich ausgewertet. Heraus kommt dabei einen funktionelle
Bestandsaufnahme der Schilddrüse, die man Szintigramm
nennt.
Unterschiede in der festgelegten farblichen Codierung geben dem
Arzt Aufschluss über die Stoffwechselaktivität der
Schilddrüse und über eine möglicherweise bestehende
Erkrankung der Schilddrüse. Man spricht von kalten Knoten,
wenn Speicherlücken bestehen, von heißen Knoten, wenn
nur einzelne Areale erkennbar sind und diffuser Verteilung, wenn
das Technetium kein bestimmtes Speichermuster erkennen
lässt.
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 24.11.2007
