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Kribbeln, Taubheitsgefühl, Muskelermüdung in Armen, Füßen, Beinen


Von: jileha • 10.11.2007 [22:59]

Vor etwa zwei Jahren fing es mit Rückenproblemen an, die auf einen Bandscheibenvorfall zurückgeführt wurden. Schmerzen gab es nur wenig, hauptsächlich entlang des Ischiasnervs (Beginn mit Gefühlsstörung in der rechten Pobacke, Schmerz wanderte dann allmählich in den Fuß hinunter). Kribbeln im rechten Fuß, obwohl leichte Beschwerden auch links auftraten. Vereinzelt Schwächegfühl in den Oberschenkeln. Keine Bewegungseinschränkungen. Die verordnete Übung (in Bauchlage mit Armen hochstemmen, Rücken hintenüber strecken) schien wirksam. Weiterhin auch vermehrte Spaziergänge, um der sitzenden Tätigkeit vorm Computer ohne anderweitige sportliche Betätigung entgegenzuwirken.

Nach einer Flugrückreise im Sommer 2006, bei der ich fast den ganzen Tag am Flugplatz herumsitzen musste, vermehrten sich die Symptome und auch der linke Fuß war stärker betroffen. Die zuvor als hilfreich empfundene Übung löste jetzt ein unmittelbar starkes, stechendes Kribbeln im rechten Fuß aus. Der Arzt überwies mich daraufhin zur physischen Therapie. Die Tests dort erwiesen keine Bewegungseinschränkungen, und die Übungen hatten keine größere Wirkung, außer dem verstärkten Kribbeln bei dieser bestimmten Übung. Weiterleitung an eine Gymnastikgruppe zur Rückenstabilisierung. Bei der zweiten Teilnahme erhebliche Verschlechterung der Symptome, dh. Kribbeln und Schmerzen im rechten Fuß, wahrscheinlich durch Liegen mit dem Lumbalbereich auf relativ dicken runden Polstern.

Internetrecherche zeigte mir, dass die Palette der Übungen, die bei der Rückenstabilisierung durchgeführt wurden, eigentlich erst nach genauer Ermittlung der Ursache der Symptome in verschiedenen Gruppen und nicht global eingesetzt werden sollten. Die genauere Beschreibung der Symptome deutete auf eine Spinalstenose hin. Daraufhin habe ich nur die Übungen gemacht, die für derartige Beschwerden empfohlen waren.

Es trat eine Besserung und Stabilisierung der Symptome ein, immer noch hauptsächlich vorübergehendes Kribbeln, Wie-auf-Watte-Gehen, Taubheitsgefühl in verschiedenen Zehen in beiden Füßen. Zumeist war ich im normalen Leben relativ beschwerdefrei, die Beschwerden traten beim Spazierengehen nach etwa 7 Min auf und veränderten sich während des Spaziergangs des Öfteren. Manchmal fast beschwerdefrei. Mehr Beschwerden bei forschem Gehen ohne Pausen, deutlich wengier Beschwerden bei Unterbrechungen wie beispielsweise im Zoo, wo man immer mal stehen bleibt. Eine weitere Besserung schien nicht möglich.

Daraufhin suchte ich Anfang 2007 eine Chiropraktikerin auf. Wir versuchten es auch mit zwei Akupunktursitzungen, die sich - möglicherweise zusammen mit den ersten chiropraktischen Behandlungen - extrem negativ auswirkten: Das Kribbeln (es war eher mit einem anhaltenden elektrischen Stromschlag zu vergleichen) vor allem im rechten Fuß war so unerträglich stark, dass ich bei meinen "Spaziergängen" nach wenigen Schritten umkehren musste. Ich stellte fest, dass dies besonders schlimm war, wenn ich bergab ging. Basierend auf den Informationen im Internet bezüglich der Spinalstenose versuchte ich mich wie dort empfohlen eher etwas nach hinten zu lehnen, vor allem bergab. Ich fand heraus, dass ich die Beschwerden zu einem gewissen Grad auf diese Weise kontrollieren konnte.

Die Beschwerden besserten sich langsam, ich konnte meine Spaziergänge wieder ausdehnen, es stagnierte aber wieder auf einer gewissen Ebene. Das extrem starke Kribbeln im rechten Fuß konnte ich während der ganzen Zeit durch ein Durchstrecken des Rückens hervorrufen. Es reichte schon aus, dass ich die Arme nach oben ausstreckte.

Ich fand im Internet einige gymnastische Übungen, die ein Überdehnen nach hinten des Rückens bewusst vermieden. Diese paar Übungen, vielleicht nur 15 Min, hatten schon nach einem Mal einen phänomenalen Effekt und führten zu einer beinahe sofortigen Verbesserung der Symptome in den Füßen. Nach Durchführung dieser Übungen und weiterer chiropraktischer Behandlungen erreichte ich wieder ein Plateau. Relativ geringe Beschwerden, normalerweise bei Spaziergängen. Das Durchbeugen des Rückens oder Strecken der Arme führte jetzt nicht mehr zum Kribbeln im rechten Fuß.

Ohne ersichtlichen Grund verschlechtern sich die Symptome im Sommer 2007. Ich hatte das Gefühl, dass die Übungen keine Wirkung mehr zeigten und ich auch die Beschwerden durch meine Körperhaltung auch weniger kontrollieren konnte. Ein paar Tage vor einer geplanten Flugreise wurden die Beschwerden auf einmal sehr stark. Vor allem das starke Schwächegefühl in beiden Oberschenkeln war besorgniserregend, weil ich das Gefühl hatte, fast nicht mehr gehen zu können. Dies gab sich in den nächsten Tagen. Ich hatte zwei chiropraktische Behandlungen, und ich bin davon überzeugt, dass auch die vermehrte Bewegung der Reisevorbereitungen einen positiven Effekt hatten. (Auch sonst hatte  derartige Bewegung mMn immer eine positive Wirkung.)

Auf dem Hinflug habe ich längeres Sitzen vermieden. Die Reise bestand aus zwei jeweils 3-stündigen Strecken. Während der einwöchigen Ferien ("Musikferienlager" ohne allen Stress, aber mit relativ viel Sitzen) eigentlich überhaupt keine Beschwerden, was nach der Verschlechterung kurz vor der Reise extrem erstaunlich war. Ein einstündiger Spaziergang auf recht steilen Gelände verursachte keinerlei Probleme. Am Ende der Woche trat ein leichtes Kribbeln auf, was ich auf zulanges ununterbrochenes Sitzen an einem Nachmittag zurückführte. Der Rückreisetag war wieder von sehr langen Wartereien auf Flugpläten und sehr viel Sitzen bestimmt.

Direkt nach der Rückkehr Verschlechterung und wieder eine Veränderung der Symptome. Beide Fersen waren gefühllos. Dieses Symptom war in schwächerem Maße auch schon vorher aufgetreten, aber jetzt war es relativ extrem. Im Gegenteil zu vorher hatte ich jetzt das Gefühl, dass ich nicht mehr wusste, welche Übungen ratsam wären, und auch keinerlei Kontrolle über die Symptome zu haben schien. Zurück zum Hausarzt, der jetzt eine MRT des Lumbalbereichs verordnete. Gleichzeitig wurde auf B12, Glucose etc. getestet. B12 war niedrig, ein zweiter Test inzwischen jedoch normal. Die MRT zeigte zwar ein leichtes Bandscheibenproblem an, was aber nicht für die Beschwerden verantwortlich sein könnte. Überweisung an den Neurologen.

Ich wohne in San Diego, Kalifornien, wo vor kurzem die großen Wald/Buschbrände waren. Obwohl in sicherer Entfernung war ich in einer Nacht, in der wir die Flammen über den Berg kommen sahen, in ziemlicher Panik. Gleichzeitig war einer meiner Wellensittiche krank und ich musste ihn zweimal pro Tag injizieren etc. Dann hatte ich auch noch Besuch von einer Freundin mit 9-jährigem Sohn, worüber ich mich sehr gefreut habe, was aber vielleicht dennoch mein normalerweise ruhiges Leben durcheinandergebracht hat. Insgesamt also eine extrem stressige Zeit, was sich vielleicht auswirken könnte. Jedenfalls änderten sich in dieser Zeit meine bislang eher lästigen Symptome erheblich. Es fing an mit Kältegefühlen in Beinen und Armen. Vor allem das Übergreifen auf die Arme hat natürlich etwas Panik ausgelöst.

Der Neurologe konnte keine Nervenleitprobleme im rechten Bein feststellen. Die Kniereflexe waren vor allem rechts sehr ruckartig und deuteten seiner Meinung nach auf ein Problem des Rückenmarks hin. Provisorische Diagnose: Rückenmarksläsion. Er bestellte weitere MRTs der Brust- und Halswirbelsäule und des Gehirns. Die MRT der Brustwirbelsäule hat kein Ergebnis geliefert. Der Neurologe weiß die Symptome auch nicht eindeutig einzuordnen und meinte nur, er würde auch gerne wissen, was diese verursachen könnte. Auf die beiden weiteren MRTs muss ich jetzt wahrscheinlich bis Anfang Dezember warten, wenn nicht eher ein Termin frei wird.

Inzwischen haben sich meine Symptome weiter verschlechtert. Das Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Füßen ist so unerheblich, dass ich es gar nicht mehr wahrnehme. Das Problem sind jetzt ermüdende, schwache Muskeln in Armen und Beinen. An einem Abend konnte ich die Gehbewegungsabläufe gar nicht mehr durchführen, sondern stakte herum mit dem Gefühl, dass mein rechtes Bein einknicken könnte. Hochheben des rechten Arms war anstrengend, am besten war es, wenn ich ihn einfach herunterhängen ließ. Das Schwächegefühl im Bein hat sich etwas gebessert, aber es scheint, dass sich "Anstrengungen" wie geringe, leichte Hausarbeit negativ darauf auswirken. Weiterhin hat sich jetzt ein ständiges Kribbeln in beiden Oberschenkeln eingestellt, das wellenförmig oder langsam pulsierend die Oberschenkel entlang läuft.

Ich fühle, dass ich momentan keinem normalen Leben nachgehen kann.  Meine Arbeit am Computer scheint zur Ermüdung der Arme beizutragen. Ich gehe auf kleine vielleicht 10 Min lange Spaziergänge, 2 bis 3 Mal am Tag, oder einkaufen. Ansonsten kann ich nicht viel machen, weil ich auch nicht will, dass ich durch Unwissenheit etwas verschlimmere. Vor allem habe ich jetzt natürlich große Panik bei dem Gedanken, dass die Symptome sich weiterhin verschlimmern können, ich möglicherweise auf die Hilfe anderer angewiesen sein werde und auch nicht mehr arbeiten kann. Und das ich wahrscheinlich noch einen Monat auf die letzten MRTs warten muss. Ich habe natürlich im Internet nachgelesen, was bei derartigen Symptomen in Frage kommt. In den meisten Fällen scheinen derartige Beschwerden auch mit Schmerzen einherzugehen, die ich jedoch kaum, und wenn dann nur im Fußbereich, habe. Es scheint einfach nichts so richtig zu passen. Auch die Änderungen der Symptome ist merkwürdig. Gibt es bestimmte Krankheiten, die dafür in Frage kämen oder die es bestimmt nicht sein könnten (ich denke da zB an MS)? Mir schien immer ein Zusammenhang mit physischer Aktivität und vor allem verlängertem Sitzen mit einer Verschlimmerung der Symptome einher zu gehen.

Können derartige Symptome (und auch die abnormalen Kniereflexe) psychosomatischer Natur sein und können sie dadurch beeinflusst werden? Die letzen zwei Jahre waren extrem belastend. Ich lebe in den USA, meine Familie ist in Deutschland. Mutter mit Demenz im Pflegeheim. Vater mit Darmkrebs im Krankenhaus. Krebs ohne Probleme entfernt, aber anschließend eine Reihe von Komplikationen, die sich über 4 1/2 Monate hingezogen haben und an denen er schließlich gestorben ist. Dabei war vielleicht weniger der Tod selbst als die Umstände sowie die Midlife-Crisis-Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Bestandsaufnahme meines eigenen Lebens (unverheiratet, kinderlos, allein lebend, etwas isoliert bei der Arbeit von zu Hause aus, eher kleiner Freundeskreis etc.). Und dazu natürlich die ewigen Bschwerden. Ich schlafe zu wenig und bin natürlich durch dies alles ziemlich gestresst.

Haben Sie vielleicht eine Idee, was da vor sich gehen könnte? Vorschläge für besondere Tests oder Untersuchungen oder Vorgehensweisen? Etwas, was meine Ängste beruhigen könnte? Ich bedanke mich im Voraus für alles Feedback und entschuldige mich für diesen "Lebensroman"!

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