Antikörper-Therapie
Der monoklonale Antikörper Trastuzumab (Herceptin) zur Behandlung des metastasierenden Brustkrebs ist seit Mitte 2000 als Einzelsubstanz oder in Kombination mit Zytostatika zugelassen. Damit wurde eine nicht nur eine weitere sondern auch eine effektivere Möglichkeit entwickelt, Brustkrebs zu therapieren, da der Antikörper sich gegen spezifische Brustkrebszellen richtet.
Wirkung des Antikörpers
Antikörper sind
Eiweißmoleküle, die sich mit bestimmten
Oberflächenmarkern von Zellen verbinden und so die
Aktivität, bzw. Stoffwechselschritte der Zelle behindern
können. Der Antikörper Trastuzumab richtet sich gegen den
Wachstumsfaktor HER-2, der sich auf der Oberfläche von
Brustkrebszellen befindet. Der Antikörper blockiert durch die
Bindung an den Rezeptor die Aufnahme von Wachstumsfaktoren, die die
Krebszelle zum Wachstum benötigt und wirkt somit toxisch auf
die Krebszelle. Wenn die HER-2 Rezeptoren in großer Zahl auf
den Krebszellen zu finden sind, nennt man dies eine
Überexpression. Die Antikörper-Therapie zeigt den besten
Erfolg bei einer solchen Überexpression, die bei einem Drittel
aller Brustkrebspatientinnen mit metastasierenden Brustkrebs zu finden ist. Der HER-2 Rezeptor
ist auch häufig auf im Körper verstreuten, sogenannten
disseminierten Krebszellen, zu finden. Diese können auch vom
Antikörper erkannt und im Wachstum gehemmt werden, so dass
sich die Antikörper-Therapie speziell für den
fortgeschrittenen und metastasierenden Brustkrebs eignet.
Wann wird der Antikörper eingesetzt
Da der
Antikörper sich nur mit HER-2 Rezeptoren verbindet, wird er
auch nur bei den Patientinnen mit einer Überexpression
eingesetzt. Es sollte deswegen bei allen Brustkrebspatientinnen der
sogenannte HER-2 Status erhoben werden, um zu testen, ob eine
Behandlung mit Trastuzumab sinnvoll ist. Dieses geschieht mit
standardisierten Tests, wo
entweder das entnommene Tumorgewebe oder das Blutserum entsprechend
auf die Anzahl der Rezeptoren untersucht wird. Diese Tests
können nicht nur eine Aussage über den Grad der
Überexpression machen, sondern auch auf die gesamte Prognose
des Brustkrebs hinweisen und im Verlauf der Therapie zur Kontrolle
eingesetzt werden.
In Abhängigkeit des HER-2 Status, der Vorbehandlung und des
Östrogenrezeptorstatus wird der Antikörper als
Einzelsubstanz oder in Kombination mit anderen Chemotherapeutika
eingesetzt. In Studien wurde nachgewiesen, dass der Einsatz von
Trastuzumab in Kombination mit Chemotherapie die
Ein-Jahres-Überlebensrate signifikant steigert.
Der behandelnde Arzt sollte immer den HER-2 Status bestimmen lassen
und in Abhängigkeit von dem Ergebnis die bestmöglichen
Therapiemöglichkeiten mit Ihnen besprechen.
Therapie-Kontrolle
Diagnostisch gibt der Status des HER2/neu Onkoproteins bei Patientinnen mit metastasierenden Brustkrebs Aufschluss über die Prognose und die Therapiemöglichkeiten. Bislang konnte der Status nur mit einem konventionellen Gewebetest nach einer Biopsie oder einer Brustkrebs-Operation erhoben werden. Nun ist ein neuer Serumtest der Firma Bayer zugelassen worden, um auch während der Therapie und in der Nachuntersuchung den HER2/neu Status einfach bestimmen zu können.
HER-2/neu Onkogen als Indikator
Das HER-2/neu ist ein vom Tumor direkt gebildetes Eiweiß, ein
sogenanntes Onkoprotein, das eine hohe Bedeutung bei der
Entwicklung und der weiteren Prognose von Brustkrebs hat. Hohe HER-2/neu-Spiegel (+++)
korrelieren mit einer schlechteren Prognose, einer kürzeren
Überlebenszeit und einem höheren Risiko, erneut an
Brustkrebs zu erkranken. Erhöhte HER-2/neu-Spiegel können
aber auch bei anderen Tumoren, z.B. in der Prostata, Lunge,
Bauchspeicheldrüse,
Dickdarm oder Eierstöcken vorkommen.
Etwa 25 Prozent aller Frauen mit metastasierendem Brustkrebs weisen
eine Überproduktion von dem HER-2/neu Protein auf. Diese
Patientinnen sprechen gut auf eine Therapie mit dem Antikörper
Trastuzumab (Herceptin) an, der sich gegen den HER-2 Rezeptor
richtet.
HER-2/neu Test zur Verlaufs- und Therapiekontrolle
Mit Hilfe des HER-2/neu Tests, der im Blutserum abgeschilferte
Teile des HER-2 Rezeptors nachweist, kann nun nicht nur der
HER-2/neu Status bestimmt werden, sondern auch die
Effektivität der eingeleiteten Therapie kontrolliert werden.
Im Gegensatz zu den herkömmlichen immunhistochemischen
Untersuchungen des Tumorgewebes, die auch in Abhängigkeit von
dem Menstruationszyklus falsch positiv ausfallen können, kann
der einfach durchzuführende Bluttest jederzeit eingesetzt
werden. Sinken die HER-2/neu-Werte während der adjuvanten Therapie, spricht dies
für die Effektivität der Therapie. Der Test eignet sich
nicht nur zur Verlaufskontrolle und Dosisoptimierung von
Trastuzumab, sondern auch zur Unterstützung des
Therapiemanagement bei Brustkrebspatientinnen. In Studien konnte
nachgewiesen werden, dass Patientinnen mit normalem HER-2/neu-
Spiegel eine bessere und längere Ansprechrate auf eine
Hormonbehandlung zeigten als Patientinnen mit einem erhöhten
HER-2/neu-Spiegel.
Der Test wurde in Zusammenarbeit mit der Oncogene Science Diagnostik Inc. entwickelt, einer Tochterfirma von Bayer, die sich auf die Forschung und Entwicklung von Krebstests spezialisiert hat.
Prognose
Bei Frauen mit metastasierendem Brustkrebs kann der Verlauf des HER-2/neu Serumwertes während der Therapie Aufschluss über die weitere Prognose und den Therapieerfolg geben. Im Mai diesen Jahres wurde diesbezüglich auf dem Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Orlando eine Studie vorgestellt, die an der Medizinischen Universität Graz, Österreich durchgeführt wurde. Die Untersuchung zeigte, dass die Kontrolle der HER-2/neu Werte bei der Einschätzung der Prognose eine große Rolle spielt.
Hohe HER-2/neu Spiegel bedeuten eine schlechterer
Prognose
30 Prozent der Patientinnen mit metastasierendem
Brustkrebs weisen erhöhte Her-2 Rezeptoren auf, die das
Wachstum des Krebs beeinflussen.
In der Studie wurden insgesamt in 2964 Blutproben von 313
Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs die HER-2/neu Werte
während des jeweiligen Behandlungszeitraumes bestimmt und
ausgewertet. Die Patientinnen wurden in 2 Gruppen eingeteilt, eine
Gruppe mit HER-2/neu Serumspiegeln unter 15 ng/ml auf, die anderen
mit Werten über 15 ng/dl. Beide Gruppen erhielten eine
Chemotherapie und
Hormontherapie. Die
Patientinnen, bei denen die Werte im Verlauf der Therapie unter 15
ng/dl fielen, hatten eine deutlich bessere Prognose und
längere Überlebenszeit als diejenigen mit beständig
hohen HER-2/neu Werten über 15 ng/dl.
Behandlungsverlauf kann durch HER-2/neu Status optimiert
werden
Die Ergebnisse zeigen, dass die Behandlung von metastasierendem
Brustkrebs mit der Bestimmung des HER-2/neu Wertes optimiert werden
kann. Fallende HER-2/neu Werte sprechen so für einen Erfolg
der Behandlung, während gleichbleibende oder steigende Werte
eine Verschlechterung der Erkrankung und damit der Prognose
anzeigen. In diesem Fall kann mit Umstellung der Therapie eine
bessere Behandlung versucht werden.
Autor: Qualimedic.de
Letzte Änderung am: 03.01.2008
