Tipp

Zecken

Die Zecke wartet in hohem Gras oder Unterholz auf den nächsten Wirt

Die Zecke wartet in hohem Gras oder Unterholz auf den nächsten Wirt
(Quelle: DAK/Egel)

Die Zecke gehört zur Gattung der Spinnentiere und ist ein Ektoparasit, welcher auf einem Wirt lebt und sich von dessen Blut ernährt. Zecken verfügen über Stechwerkzeuge und einen kurzen Saugrüssel.

In Mitteleuropa ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) am häufigsten verbreitet. Die Entwicklung der Zecke verläuft vom befruchteten Ei bis zum erwachsenen (adulten) Parasiten über ein bis mehrere Zwischenwirte. Auf dem jeweiligen Wirt sucht die Zecke eine geeignete unbehaarte Körperstelle auf, um sich zur Nahrungsaufnahme mit ihren Mundwerkzeugen, vor allem mit dem Stech-Saugrüssel, dem so genannten Hypostom, fest in die Haut zu verankern. Dieser Suchvorgang kann bis zu zwei Stunden dauern. Einige Zeckenarten können mit ihren Mundwerkzeugen so fest in der Wirtshaut haften, dass sie nicht ohne Abriss des Stech-Saugrüssels vom Wirt abgelöst werden können.


Wie kommt es zu einem Zeckenstich?

Die Zecke klettert in Unterholz, Sträuchern oder hohem Gras auf eine Höhe von bis zu 1,50 Meter. Sobald sie ihre Warteposition erreicht hat, richtet sie sich auf, um mit ihren in die Höhe gereckten Vorderbeinen Duftstoffe in der Umgebung besser aufnehmen zu können. Mit den an den Vorderbeinen befindlichen Krallen kann sich die Zecke an Fell, Haut oder Kleidung des Wirts festhalten. Dazu reicht eine minimale Berührung aus. Die Zecke wird also durch Abstreifen von Grashalmen oder Sträuchern aufgenommen. Hat sich die Zecke an Fell, Haaren oder Kleiderfasern festgeklammert, krabbelt sie so lange herum, bis sie eine geeignete Stelle gefunden hat, um das Blut ihres Wirts zu saugen. Das Spinnentier bevorzugt gut durchblutete, warme und dünne Hautstellen, setzt sich also beim Menschen oft in Kniekehlen oder unter den Armen fest.

Die Annahme, die Zecke ließe sich von Bäumen herab auf einen potentiellen Wirt fallen, ist ein weit verbreiteter Irrtum.

Mit ihren Stechwerkzeugen öffnet die Zecke einen Riss in der Haut und sondert gleichzeitig mit dem Speichel Stoffe ab, die zum einen die Stichstelle betäuben und zum anderen eine Gerinnung des austretenden Bluts verhindern. In die entstandene Wunde fließt Blut, welches von der Zecke aufgesaugt wird.

Zecken sind weltweit verbreitet. Ein Zeckenbefall tritt häufig zwischen März und Oktober auf. Da die Entwicklungsdauer des Parasiten temperaturabhängig ist, vermehren sie sich bei warmer Witterung und entsprechender Luftfeuchtigkeit schneller als in den kälteren Monaten. Voraussetzung hierfür ist eine anhaltende Temperatur über sieben Grad Celsius.


Welche Symptome löst ein Zeckenstich aus?

Der Zeckenstich selbst wird kaum bemerkt. Meist wird das voll gesogene, vergrößerte Spinnentier erst einige Zeit später beispielsweise beim Duschen oder durch Zufall entdeckt. Die Haut um die Einstichstelle herum ist leicht gerötet und kann etwas angeschwollen sein. In einigen Fällen kann ein schwacher Juckreiz auftreten. Wenn die Wunde verunreinigt wird, kann es zu einer Entzündung kommen.

Wenn sich um den Zeckenstich herum eine ringförmige Hautrötung ausbreitet, kann dies bereits ein Hinweis auf eine Borreliose-Erkrankung sein.


Wie kann man einen Zeckenstich behandeln?

Wird ein Zeckenstich festgestellt, ist es das wichtigste, das Tier schnellstmöglich zu entfernen. Hierfür sind Pinzetten oder spezielle Zeckenpinzetten am Besten geeignet. Die Zecke sollte nicht einfach heraus gerissen, sondern langsam herausgezogen oder mit einem Skalpell vorsichtig heraus gehebelt werden. Damit lassen sich eine Teilung der Zecke und das Steckenbleiben des Kopfs vermeiden. Auf die Anwendung von Hausmitteln wie Öl oder Klebstoff, welche die Zecke ersticken und dadurch ablösen sollen, sollte verzichtet werden. Diese sorgen nur dafür, dass die Zecke ihren Darminhalt in die Wunde abgibt. Damit erhöht sich das Risiko einer Infektion mit Krankheitserregern. Nach der Entfernung sollte die Wunde desinfiziert werden, um eine Entzündung zu vermeiden.

Die Zecke ist unter anderem Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Wenn der Zeckenstich in einem FSME-Risikogebiet erfolgte, sollte baldmöglichst ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann das Blut des Betroffenen auf den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis hin untersuchen.

Eine Infektion mit dem Erreger der Borreliose lässt sich in der Regel nicht unmittelbar nach einem Stich feststellen. Wenn um den Stich herum bereits die spezifische ringförmige Hautrötung zu sehen ist, ist eine Infektion mit dem Bakterium Borrelia burgdorferi möglich. Da weitere Symptome jedoch erst wesentlich später auftreten, wird eine Borreliose-Erkrankung oft erst sehr viel später erkannt.


Welche Komplikationen können durch einen Zeckenstich entstehen?

Wenn bei unsachgemäßer Entfernung der Zecke der Stechapparat in der Haut stecken bleibt, kann es anschließend zu einer bakteriellen Entzündung kommen. Gegebenenfalls sollte daher ein Arzt aufgesucht werden, um die Zecke sicher entfernen zu lassen.

Die Zecke kann als Überträger von Krankheitserregern Erkrankungen wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder die Borreliose verursachen. Der in Mitteleuropa am häufigsten vorkommende Holzbock kann ebenfalls Erreger der Babesia, des so genannten Küstenfiebers und der Tularämie übertragen. Allerdings sind von diesen Erkrankungen vorwiegend Wild- oder Nutztiere betroffen. Erkrankungen des Menschen treten sehr selten auf.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis wird durch ein Virus verursacht, welches die Zecke mit dem Speichel an den Betroffenen abgibt. Bis zum Auftreten erster Anzeichen können zirka 15 Tage vergehen. Erste Symptome sind Fieber und Kopfschmerzen sowie weitere grippeähnliche Symptome. Wird die Erkrankung nicht erkannt und behandelt kommt es im weiteren Verlauf zu heftigem Erbrechen, Muskelschmerzen und hohem Fieber. Die Entzündungen des zentralen Nervensystems, des Gehirns oder der Hirnhäute können abwechselnd oder zeitgleich auftreten. Für die FSME gibt es keine konkrete Behandlung, es können nur die Symptome unter intensiver medizinischer Betreuung behandelt werden.

Eine Borreliose-Erkrankung verläuft in drei Stadien, die sich in großen Zeitabständen durch unterschiedliche Anzeichen bemerkbar machen. Die Phase zwischen den einzelnen Stadien kann Wochen, Monate oder Jahre andauern. Erste Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Schwellung der Lymphknoten treten mitunter erst Wochen nach dem Zeckenstich auf. Sobald eine Borreliose nachgewiesen ist, lässt sie sich nur durch Gabe von Antibiotika behandeln. Ohne Therapie kann die Borreliose zu Lähmungen und Nervenschäden führen.


Kann man einem Zeckenstich vorbeugen?

Zecken sitzen vorwiegend im hohen Gras oder im dichten Unterholz und warten dort auf einen Wirt. Auf Wanderungen oder Ausflügen sollte daher helle Kleidung mit langen Ärmeln und Hosen getragen werden. Auf heller Kleidung lässt sich das Tier eher erkennen und entfernen. Festes Schuhwerk schützt nicht vor einem Zeckenstich.

Nach einem solchen Ausflug sollte der gesamte Körper nach einem Zeckenstich abgesucht werden, denn auch wenn die Zecke auf Kniehöhe auf die Kleidung gelangt, kann es lange auf der Suche nach einer geeigneten Stelle herum krabbeln und ist somit auch an höher gelegenen Hautpartien zu finden. Da das Tier warme und dünne Hautstellen bevorzugt, saugt es sich häufig in der Kniekehle, im Schritt, an den Armen, sowie an Hals oder Kopf fest.

Personen, die in einem FSME-Risikogebiet leben, sollten mit ihrem Arzt die Möglichkeit einer FSME-Impfung besprechen. Besonders für Kinder kann die Impfung eine wichtige Vorsorgemethode sein.


Weitere Fragen zu diesem Thema können Sie zum Beispiel im Hausarzt-Expertenrat direkt an unsere Experten richten.

Quellen:
Herold, G. (Hrsg.): Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2007
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Frühsommer-Meningoenzephalitis (Stand: 25.04.2008)
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Lyme-Borreliose (Stand: 30.04.2007)

 

Autor: Sarah Liebigt 
Letzte Änderung am: 07.11.2008
 
Tipp