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AIDS/HIV

AIDS-Beratung beim Arzt

Regelmäßige ärztliche Betreuung ist bei AIDS sehr wichtig
(Quelle: AOK Mediendienst)

Unter AIDS versteht man das Acquired Immune Deficiency Syndrome, also ein erworbenes Immunschwäche-Syndrom. AIDS wird hervorgerufen durch das Retrovirus Humanes Immunschwäche Virus. Menschen, bei denen das HI-Virus im Körper nachgewiesen werden kann, bezeichnet man als HIV-positiv – unabhängig davon, ob die Infektion Symptome verursacht. Das HI-Virus kann in die Zellen des menschlichen Körpers eindringen, sie zerstören und so eine allgemeine Abwehrschwäche mit einer Vielzahl von Beschwerden hervorrufen. Das Vollbild der Krankheit wird als AIDS bezeichnet.

Das HI-Virus ist seit Beginn der 1980er Jahre bekannt und in der gesamten Welt verbreitet. Es wird über Blut, Sperma und Vaginalsekret vor allem beim Geschlechtsverkehr übertragen.

Die Zahl der HIV-Infizierten weltweit nimmt vor allem in den Entwicklungsländern zu. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 35 Millionen Menschen HIV-positiv. 95 Prozent hiervon leben in den armen Ländern, vor allem in Afrika. Hier steht AIDS an erster Stelle der Todesursachen.

Die HIV-Infektion wird in die Stadien A1 bis C3 unterteilt. Stadium C entspricht der Erkrankung an AIDS. Die Unterteilung in Untergruppen erfolgt anhand der Zahl der so genannten T-Helferzellen im Blut. Diese Abwehrzellen werden vom HI-Virus zerstört. Mehr als 500 T-Helferzellen pro Mikroliter Blut entsprechen dem Stadium eins, 200 bis 499 T-Helferzellen Stadium zwei und weniger als 200 T-Helferzellen Stadium drei.


Ursachen für AIDS/HIV

AIDS wird durch das Humane Immunschwäche Virus (HIV) ausgelöst. Dieses Virus wurde Anfang der 1980er Jahre erstmals beschrieben und breitete sich anschließend sehr schnell über die gesamte Erde aus.

Das Virus dringt in gesunde Körperzellen ein und bringt diese dazu, mehr HI-Viren zu bilden. Die Zelle wird durch diesen Vorgang zerstört, gleichzeitig werden immer mehr Viren gebildet, die sich im Körper des Betroffenen ausbreiten. Da das Virus Abwehrzellen des Körpers befällt, wird die Immunabwehr des Betroffenen immer schwächer. Er wird so anfällig für verschiedene Infektionen.

Die Ansteckung mit dem Virus erfolgt meist über ungeschützten Geschlechtsverkehr. Auch eine Ansteckung über das Blut ist möglich, beispielsweise bei Drogenabhängigen, die gebrauchte Nadeln verwenden. Dank eingehender Vorsichtsmaßnahmen ist die Infektion durch Blutübertragungen, beispielsweise bei Operationen, sehr selten geworden.


Symptome: akute HIV-Erkrankung, symptomfreies Intervall, AIDS-Erkrankung

Die Infektion mit dem HI-Virus führt zunächst nicht zu Symptomen. Erst Wochen bis Monate nach der Ansteckung mit dem Virus kann es zu Beschwerden kommen, die einem grippalen Infekt ähnlich sind und als akute HIV-Erkrankung bezeichnet werden. Hierzu zählen allgemeine Müdigkeit, Abgeschlagenheit und geringe Belastbarkeit des Betroffenen. Auch Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit und Fieber treten auf. In manchen Fällen wird das lymphadenopathische Syndrom (LAS) beobachtet. Hierunter versteht man die Anschwellung der Lymphknoten in verschiedenen Körperregionen. Auf die akute Infektion folgt ein symptomfreies Intervall, das Jahre bis Jahrzehnte andauern kann.

Bei fortschreitender Erkrankung werden zunehmend Abwehrzellen zerstört. Im Stadium der AIDS-Erkrankung kommt es daher gehäuft zu Infekten, die, auch wenn sie eigentlich banal sind, sehr schwer oder sogar tödlich verlaufen können. Man beobachtet Erreger, die sonst selten als Auslöser schwerer Erkrankungen auftreten. Beispielsweise führt das Zytomegalie-Virus zu Entzündungen an der Netzhaut und das Bakterium Pneumocystis carinii zu Lungenentzündungen. Es kommt zu starker Gewichtsabnahme (Wasting Syndrom), in vielen Fällen auch zu Krebsgeschwüren wie dem Kaposi-Sarkom der Haut.


Diagnose: Bluttest

Der erste Schritt zur Diagnose einer HIV-Infektion ist das ausführliche Arztgespräch (Anamnese). Besteht der Verdacht auf eine Infektion, wird eine Blutprobe entnommen. In dieser können im Labor Antikörper gegen das HI-Virus nachgewiesen werden. Nach erfolgter Ansteckung können etwa drei Monate vergehen, bis diese Antikörper nachweisbar sind (so genannte „window period“). Ist der Test negativ und es besteht der Verdacht auf eine erst kurze Zeit zurückliegende Infektion, sollte der Test wiederholt werden.

Es wird unterschieden zwischen Tests mit hoher Sensitivität und hoher Spezifizität. Hoch sensitive Tests können auch minimale Mengen von Antikörpern aufzeigen, diese Tests neigen jedoch dazu, auch falsch-positive Ergebnisse zu liefern. Deshalb wird mit einem hochspezifischen Verfahren gegengetestet, bei dem im Prinzip keine falsch-positiven Tests möglich sind.


Symptomatische Therapie

Eine HIV-Infektion und AIDS sind nicht heilbar. Ziel einer Therapie ist es, Symptome der HIV-Infektion so lange wie möglich hinauszuzögern.

Da HIV und AIDS vergleichsweise „junge“ Krankheiten sind, gibt es laufend neue Erkenntnisse und Änderungen die Therapie betreffend. Der Beginn der Behandlung ist individuell unterschiedlich. Die Entscheidung hierzu erfordert ein gutes und vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Arzt und Betroffenem. Die Behandlung erfolgt in der Regel in spezialisierten HIV-Zentren.

Das HI-Virus wird heute mit meist mit einer Kombination aus mindestens drei antiviralen Medikamenten behandelt. Diese starken und sehr teuren Medikamente setzen an unterschiedlichen Phasen der Virusinfektion und –vermehrung in den menschlichen Zellen an, sodass der Betroffene häufig über Jahre symptomfrei ist. Die Behandlung wirkt häufig so gut, dass Viren im Blut nicht mehr nachweisbar sind. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krankheit bis heute nicht heilbar ist.

Die Folgen der Krankheit wie unterschiedlichste Infektionen können in vielen Fällen behandelt werden, beispielsweise durch Antibiotika.


Verlauf der AIDS-Erkrankung

Der Verlauf einer Erkrankung an HIV ist individuell sehr unterschiedlich. Nach der Ansteckung mit dem HI-Virus kommt es typischerweise zunächst zu einem grippeähnlichen Stadium der akuten HIV-Infektion. Anschließend folgt ein symptomfreies Intervall. Dieses kann Jahre bis Jahrzehnte andauern, bis es zum Ausbruch von AIDS kommt.

Der Verlauf der AIDS-Erkrankung wird anhand der Viruslast und der Anzahl der T-Helferzellen im Blut überprüft. Eine anfängliche Viruslast von über 10.000 Viruskopien pro Milliliter Blut bei Diagnosestellung gilt als ungünstig, ebenso ein Bestehenbleiben dieser Viruslast und ein Abfall der T-Helferzellen im Blut. Je nach Beginn der antiretroviralen Therapie kann die Krankheit über sehr lange Zeit beherrscht werden, ohne dass schwere Symptome auftreten. In den westlichen Ländern nimmt die Sterblichkeit an AIDS stetig ab.

In Ländern, in denen die teure und aufwändige AIDS-Therapie nicht verfügbar ist, verläuft die Krankheit nach wie vor in 95 Prozent der Fälle tödlich. Eine Heilung gibt es nicht.


Vorbeugen durch Safer Sex

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer HIV-Infektion ist „safer sex“. Insbesondere Personen, die wechselnde Partner haben, von denen nicht sicher bekannt ist, ob sie HIV-positiv sind, sollten sich immer mit einem Kondom vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus schützen. Keine der infektiösen Flüssigkeiten Blut, Sperma oder Vaginalsekret darf auf Schleimhäute oder verletzte/erkrankte Haut gelangen. Drogenabhängige, die Drogen intravenös spritzen, sollten frische, unbenutzte Nadeln verwenden. Diese werden in vielen größeren Städten kostenlos abgegeben. Medizinische Blutprodukte werden vor ihrem Einsatz sehr sorgfältig auf eine eventuelle HIV-Infektion untersucht und bei positivem Ergebnis vernichtet. Bei der Planung größerer Operationen ist häufig die Entnahme von Eigenblut möglich, sodass man nicht auf fremdes Blut angewiesen ist.

Das Risiko einer HIV-Infektion bei Kindern HIV-positiver Frauen kann durch einen geplanten Kaiserschnitt gering gehalten werden. Außerdem sollten diese Kinder nicht gestillt werden.

Auf Grund der guten Therapiemöglichkeiten sinkt das Bewusstsein für HIV und AIDS als potenziell tödliche Erkrankungen. Es darf nicht aus den Augen verloren werden, dass die Krankheit nach wie vor tödlich verlaufen kann. Die Vorbeugung ist daher von herausragender Bedeutung und wichtiger und effektiver als jedes Medikament.


Bei weiteren Fragen zu AIDS/HIV können Sie sich gerne an unsere Expertenrat wenden.

Quellen:
Online-Informationen des Robert Koch-Instituts, Berlin. www.rki.de (Stand: November 2007)
Online-Informationen der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V. (DAIG). www.daignet.de (Stand: März 2008)
Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) und der Österreichischen AIDS-Gesellschaft (ÖAG) in Abstimmung mit weiteren Fachgesellschaften: Antiretrovirale Therapie der HIV-Infektion. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 055/001 (Stand: Juni 2005)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 10.02.2009
 
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