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Provokationstests

Beim bronchialen Provokationstest wird die Lungenfunktion nach Kontakt mit Allergenen überprüft

Beim bronchialen Provokationstest wird die Lungenfunktion nach Kontakt mit Allergenen überprüft
(Foto: DAK)

Provokationstests sind Allergietests, die zum Einsatz kommen, wenn mithilfe von Hauttests oder Bluttests keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Dabei bringt man Allergiker oder Personen, bei denen eine Allergie vermutet wird, gezielt und kontrolliert mit allergenen Stoffen in Kontakt. Dies kann beispielsweise durch Spritzen, Einatmen, Schlucken oder durch einen Insektenstich geschehen. Allergische Reaktionen werden daraufhin beobachtet und protokolliert.


Muss man sich auf einen Provokationstest vorbereiten?

Je nach Art des Provokationstests muss man sich im Vorfeld auf die Untersuchung vorbereiten. Zum Beispiel darf eine Stichprovokation mit Insektengift nur auf nüchternen Magen erfolgen. Außerdem dürfen bestimmte Medikamente einige Tage vor bestimmten Provokationstests nicht eingenommen werden, da sie die Ergebnisse verfälschen können. So sollte bei einer Stichprovokation die Einnahme von Antihistaminika oder Cromoglicinsäure mindestens drei Tage zurückliegen, bei Glukokortikoiden gilt eine Sperrfrist von einer Woche. Die Vorbereitung auf einen mündlichen Provokationstest zur Untersuchung von Nahrungsmittelallergien findet bei einem festgelegten Diätplan stationär im Krankenhaus statt. Im Rahmen eines intestinalen Provokationstests, bei dem eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt wird, muss der Darm entleert und gereinigt werden.


Wie läuft ein Provokationstest ab?

Provokationstests gibt es in verschiedenen Formen, wobei allergene Stoffe je nach Art des Tests auf unterschiedliche Weise zugeführt werden.

Subkutaner Provokationstest

Beim subkutanen Provokationstest wird zunächst ein Zugang zum Venensystem gelegt (intravenöser Zugang). Dadurch ist es möglich, schnell Notfallmedikamente zu verabreichen, wenn starke allergische Reaktionen auftreten. Anschließend werden kleine Mengen des allergenen Stoffs in regelmäßigen Zeitabständen unter die Haut des Oberarms gespritzt.

Stichprovokation

Vor der Stichprovokation bei einer Allergie gegen Wespen- oder Bienengift wird, wie beim subkutanen Provokationstest, zuerst ein intravenöser Zugang gelegt, wodurch im Notfall schnell Medikamente in die Blutbahn gelangen können. Für den Stich wird das entsprechende Insekt unter einem Netz auf den Oberarm gesetzt und zum Stechen veranlasst. Darauf folgt in der Regel eine zwölfstündige stationäre Beobachtungsphase.

Provokation der Bindehaut

Für die Provokation der Bindehaut wird zur Kontrolle vorerst ein Tropfen Flüssigkeit ohne den allergenen Stoff in das Auge getropft. Danach folgt ein Flüssigkeitstropfen, der eine bestimmte Menge des Allergens enthält.

Nasaler Provokationstest

Beim nasalen Provokationstest kommt ein spezielles Gerät zum Einsatz, womit der Luftstrom in der Nase beim Atmen gemessen werden kann. Die Messung erfolgt zuerst im Normalzustand, dann wird ein Tropfen allergene Flüssigkeit in den unteren Teil der Nase gebracht. 20 Minuten später wird die Messung wiederholt.

Oraler Provokationstest

Der orale Provokationstest wird durchgeführt, wenn eine Nahrungsmittelallergie ausgeschlossen oder eindeutig diagnostiziert werden soll. Mithilfe des Tests kann genau festgestellt werden, gegen welche Nahrungsmittel eine Person allergisch ist. So lassen sich gezielt Diätpläne erstellen, bei denen nur die Lebensmittel weggelassen werden, die tatsächlich allergische Reaktionen verursachen. Der orale Provokationstest findet stationär im Krankenhaus statt. Für ein bis zwei Wochen erhalten Betroffene dort zunächst eine allergenarme Diät. Danach werden Nahrungsmittel verabreicht, von denen man vermutet, dass sie zu allergischen Reaktionen führen könnten. Da Reaktionen zeitverzögert auftreten können, variiert die Dauer des Tests von Fall zu Fall.

Bronchiale Provokation

Bronchiale Provokation bedeutet, dass fein verstäubte Allergene inhaliert werden. Durch Lungenfunktionstests wird dann ermittelt, wie eine Person auf verschiedene Mengen eines allergenen Stoffs reagiert. Der Test nimmt mehrere Stunden in Anspruch, da allergische Reaktionen verzögert auftreten können. Die bronchiale Provokation wird außerdem eingesetzt um festzustellen, ob die Atemwege möglicherweise generell sehr empfindlich auf verschiedene Reize reagieren (bronchiale Hyperreaktivität). Dafür werden entweder reizende Stoffe inhaliert oder die Lunge wird durch Kälte, Hyperventilation oder körperliche Belastung gereizt.

Intestinaler Provokationstest

Bei einem intestinalen Provokationstest werden im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) Allergene mit einer feinen Nadel in die Darmschleimhaut gespritzt. Durch das Endoskop können allergische Reaktionen beobachtet werden. In einigen Fällen wird zur Absicherung eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie).


Welche Risiken gibt es bei Provokationstests?

Provokationstests sind mit Risiken verbunden, da allergische Reaktionen zum Teil lebensbedrohlich sein können, zum Beispiel bei einem Allergieschock. Daher werden bei risikoreichen Provokationstests entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Beispielsweise können durch einen intravenösen Zugang, der vor dem Test gelegt wird, schnell Notfallmedikamente verabreicht werden. Im Zuge eines intestinalen Provokationstest kann es durch die Darmspiegelung zu seltenen Komplikationen, wie Nachblutungen, kommen. Außerdem darf ein Provokationstest bei einigen akuten Beschwerden, wie einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), nicht durchgeführt werden, da die Symptome sich dadurch noch verschlimmern können. Riskante Provokationstests werden daher eher selten durchgeführt.


Gibt es Alternativen zu Provokationstests?

Provokationstests werden meistens erst dann durchgeführt, wenn durch andere Methoden keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Deshalb sind Haut- oder Bluttests keine Alternativen zu Provokationstests.


Stellen Sie persönliche Fragen zum Thema Provokationstests in der Allergie-Expertenrat auf www.gesundheitsberatung.de.

Quellen:
Grevers G., Röcken M. (Hrsg.): Taschenatlas Allergologie, Thieme, Stuttgart 2008
Stiftung Warentest (Hrsg.): Allergien. Stiftung Warentest, Berlin 2007

 

Autor: Christian Emmerling 
Letzte Änderung am: 29.09.2009
 
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