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Altern: Rolle der Hormone

Mit zunehmendem Alter nimmt die Produktion von verschiedenen Hormonen ab, was neben Ernährung und Umwelteinflüssen eine der Ursachen für die Alterungsprozesse des Körpers darstellt. Hormone sind vom Körper in verschiedenen Drüsen und Geweben hergestellte chemische Substanzen, die als Botenstoffe unterschiedliche Stoffwechselvorgänge im Körper und das Immunsystem beeinflussen bzw. steuern. Das Wachstumshormon ist zum Beispiel für Wachstum und Regeneration zuständig, die Sexualhormone wie Östrogen, Gestagen oder Testosteron beeinflussen die Geschlechtsreife und Zeugungsfähigkeit.

Ist eine Hormonersatztherapie im Alter sinnvoll?
Das Altern ist ein natürlicher, komplexer Prozess des Körpers, der verschiedenen Einflüssen unterliegt, die noch nicht gänzlich erforscht sind. Im Zuge der Altersforschung und der Frage nach der Bedeutung der Hormone für das Altern wird diskutiert, ob die bloße Gabe bestimmter Hormone den Alterungsprozess verzögern oder sogar aufhalten kann. Bei bestimmten Altersbeschwerden, wie zum Beispiel den Wechseljahresbeschwerden der Frau, wird seit Jahren standardmäßig eine Hormonersatztherapie eingesetzt, die die Symptome lindert und auch das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt, aber auch mit einigen Nebenwirkungen einhergehen kann.

Über den Ersatz anderer, das Altern beeinflussender Hormone wie Testosteron, DHEA oder Wachstumshormon liegen bisher nur wenige langfristige Studien vor, so dass man den Nutzen und das Risiko solcher Therapien noch nicht gänzlich abschätzen kann. Der Entscheidung, ob eine Einnahme eines oder mehrerer dieser Hormone sinnvoll wäre, um bestimmte Alterserscheinungen zu lindern, sollte deswegen eine spezifische individuelle Untersuchung vorausgehen, und die Entscheidung selbst sollte von einem erfahrenen Arzt getragen werden.

Bedeutung und Substitution von Sexualhormonen
Es gibt verschiedene Sexualhormone, die eine unterschiedliche Bedeutung für die weibliche und männliche Entwicklung sowie die Fortpflanzungsfähigkeit haben. Östrogen und Gestagene bestimmen bei der Frau maßgeblich den weiblichen Zyklus und die Fortpflanzungsfähigkeit. Ab dem 35. Lebensjahr nimmt die Produktion dieser Hormone ab und kann mit zunehmenden Alter zu den typischen Wechseljahresbeschwerden führen. Östrogen erfüllt aber noch andere Funktionen, zum Beispiel beugt es Gefäßverkalkungen, Osteoporose und Austrocknungen der Schleimhäute vor. Eine Hormonersatztherapie reduziert nicht nur die typischen Wechseljahresbeschwerden, sondern senkt auch das Risiko, an Alzheimer oder Darmkrebs zu erkranken.

Auf der anderen Seite kann bei einer Substitution von Östrogenen und Gestagenen das Brustkrebs- und Thromboserisiko ansteigen, und es kann zu einer Gewichtszunahme sowie Zwischenblutungen kommen.
Beim Mann spielt dagegen das Testosteron eine bedeutende Rolle, dessen Produktion ab dem 40. Lebensjahr immer mehr sinkt, was zu ähnlichen Beschwerden wie bei der Frau führen kann. Vermehrtes Schwitzen, erhöhtes Schlafbedürfnis, depressive Verstimmung, nervöse Reizbarkeit, Antriebslosigkeit sowie Osteoporose können in Zusammenhang mit der abnehmenden Testosteronproduktion stehen.

Über die Substitution von Testosteron liegen derzeit noch keine Langzeituntersuchungen vor, es sollte deshalb nach individuellem Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Als Nebenwirkungen einer Testosterongabe sind unter anderem ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs, Verschlechterung bestehender Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder auch Migräne bekannt, außerdem können allergische Hauterscheinungen, vermehrte Reizbarkeit sowie Nervosität auftreten. Synthetische Verwandte des Testosterons, die als Dopingmittel verwendet werden, können sogar Leber- und Herzschäden sowie das Schlaganfall- und Krebsrisiko begünstigen.

DHEA - ein Vorläuferhormon mit verschiedenen Wirkungen
DHEA oder auch Dehydroepiandrosteron zählt wie die Sexualhormone zu den Steroidhormonen und kann im Körper zu weiblichen und männlichen Sexualhormonen umgewandelt werden. Die genaue Funktion von DHEA ist bislang nur wenig erforscht worden, man weiß nicht, ob es eine eigenständige Funktion erfüllt oder nur als Vorläufer anderer Hormone dient. Die Produktion und Konzentration dieses Hormons ist im Alter von 20 Jahren am höchsten und nimmt danach kontinuierlich ab. In ersten Studien führte die zusätzliche Einnahme von DHEA zu einer verbesserten Schlafqualität, Stresstoleranz sowie Sexualität. In Bezug auf Langzeitnebenwirkungen müssen jedoch noch weitere Untersuchungen erfolgen. Dosierungen über 50 - 100 mg /Tag führten bei Frauen zu Akne, Haarausfall, da es überwiegend zu Androgenen wie Testosteron umgewandelt wird.
DHEA ist in Deutschland noch nicht zugelassen, in USA ist es dagegen schon frei verkäuflich erhältlich.

Wachstumshormon - Quelle der Jugend?
Das Wachstumshormon, auch Somatotropin genannt, ist unter anderem für das Wachstum des Körpers in der Jugend, für den Muskelaufbau, aber auch für die Regeneration des Körpers in allen Lebenszeiten verantwortlich. Kinder mit einer krankheitsbedingten Reduktion der Wachstumshormonproduktion bleiben kleinwüchsig und altern vorzeitig. Eine frühzeitige Substitution dieses Hormons ermöglicht so eine normale Entwicklung und ein normales Wachstum des Körpers.

Mit zunehmenden Alter nimmt die Produktion von Wachstumshormon natürlicherweise ab, im Alter von 60 Jahren ist sie um ein Drittel bis die Hälfte reduziert und geht mit verminderter Vitalität, Stimmungsschwankungen, Abbau von Muskulatur und Zunahme der Fettmasse sowie vermehrten Kreuz- und Gelenkschmerzen einher.

In einigen Studien konnte festgestellt werden, dass die Gabe von Wachstumshormon bei älteren Menschen mit Wachstumshormonmangel zu einer Verzögerung des altersbedingten Muskelabbaus, einer Verbesserung der Blutfettwerte, einer Erhöhung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sowie einer verbesserten Lebensqualität einhergeht. Diese Ergebnisse haben den Einsatz des Wachstumshormons als "Jungbrunnenhormon" populär gemacht. Aufgrund von fehlenden Langzeitstudien und nicht ungefährlichen Nebenwirkungen sollte über die Gabe von Wachstumshormonen jedoch nur bei echtem Wachstumshormonmangel und unter Berücksichtigung bestehender Erkrankungen individuell entschieden und abgewogen werden. Die Gabe von Wachstumshormon geht mit einer vermehrten Wassereinlagerung einher, die sich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ungünstig auswirken können. Über eine Beeinflussung des IGF-1 (Insulin-like-Growth-Factors) kann ferner das Risiko für einige Krebserkrankungen wie Prostata- oder Brustkrebs ansteigen.

Melatonin beeinflusst die Schlafqualität
Melatonin regelt vor allem den Schlaf-Wachrhythmus und wird nachts von der Zirbeldrüse ausgeschüttet. Dabei korreliert die Höhe des Blutspiegels mit der Müdigkeit und dem Schlafbedürfnis. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Konzentration des Hormons am höchsten und nimmt danach kontinuierlich ab, was gerade im Alter zu Ein- und Durchschlafstörungen führen kann. Heutzutage wird Melatonin bei Schlafstörungen oder zur Behandlung des Jet-Lags eingesetzt. Melatonin hat nach neueren Erkenntnissen auch positiven Einfluss auf das Immunsystem, den Cholesterinstoffwechsel sowie das Herz.

In Deutschland gibt es noch keine zugelassenen Präparate und die im Internet und Ausland erhältlichen Tabletten sollten wegen fehlender Langzeitstudien und fraglicher Zusammensetzung nicht langfristig eingenommen werden. Es empfiehlt sich eher, die Melatoninausschüttung durch einen geregelten Lebenswandel positiv mit zu beeinflussen. Dazu zählt ein geregeltes Schlafverhalten und Arbeitsleben ohne Nachtschichten und die Vermeidung häufiger Flüge über mehrere Zeitzonen. Elektromagnetische Felder und starke UV Strahlung können sich auch ungünstig auf die Melatoninproduktion auswirken.


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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 14.04.2008
 
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