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Alzheimer

 Betroffene mit Alzheimer

Betroffene mit Alzheimer benötigen Hilfe bei vielen Tätigkeiten des Alltags
(Quelle: AOK-Mediendienst)

Unter Alzheimer (Morbus Alzheimer) versteht man eine degenerative Erkrankung des Gehirns. Die Erkrankung ist geprägt durch rasch fortschreitende Demenz, das heißt deutlich nachlassende Gehirnleistung und massive Vergesslichkeit. Hinzu kommt im Verlauf der Erkrankung die zunehmende mangelnde Bewältigung des Alltags. Die Alzheimer-Krankheit wurde nach dem bayrischen Nervenarzt Alois Alzheimer benannt, der sie im Jahre 1907 erstmals beschrieb. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz und für etwa 700.000 Fälle der Demenz-Erkrankungen in Deutschland verantwortlich. Der Krankheitsbeginn liegt meist jenseits des 65. Lebensjahrs, kann jedoch bei einer bestimmten Form der Alzheimer-Demenz auch schon deutlich früher einsetzen.

Etwa einer von zehn der über 65-Jährigen, etwa zwei von zehn der über 80-Jährigen und drei von zehn der über 90-Jährigen Menschen leiden an der Alzheimer-Krankheit.


Wie wird Alzheimer verursacht?

Die genauen Ursachen der Alzheimer-Krankheit sind nicht geklärt. Man weiß, dass durch die Erkrankung Nervenzellen und -verbindungen im Gehirn der Betroffenen zunehmend zerstört werden. Dieser degenerative Prozess betrifft vor allem Gebiete des Gehirns, die für Gedächtnisbildung und Speicherung von Erlebnissen zuständig sind. Werden diese Gebiete zerstört, kann es zu keiner sinnvollen Abfrage und Speicherung von Informationen mehr kommen. Der Betroffene wird in erster Linie zunehmend vergesslich. Verschiedene mögliche Ursachen für die Entstehung eines Morbus Alzheimer werden erforscht. Beispielsweise könnte eine genetische Veranlagung mitverantwortlich für die Entstehung der Krankheit sein, ebenso Hormone und Botenstoffe im Gehirn.

Beispielsweise wird der so genannte Neurotransmitter Acetylcholin bei Alzheimer-Erkrankten in zu geringen Mengen produziert. Die Bedeutung von bestimmten Ablagerungen (Beta-Amyloiden) im Gehirn von Alzheimer-Betroffenen ist noch nicht genau geklärt.

Die frühe Form der Alzheimer-Krankheit betrifft Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr und ist genetisch bedingt. Diese Form ist sehr selten.


Was sind die Anzeichen der Alzheimer-Krankheit?

Durch die Alzheimer-Erkrankung werden die Betroffenen zunehmend vergesslich. Darüber hinaus fällt es ihnen schwer, Zusammenhänge zu erfassen und klar zu denken. Im frühen Stadium der Erkrankung ist in erster Linie der zunehmende Verlust des Kurzzeitgedächtnisses auffallend. Auch die Sprache kann sich verändern - so verwenden die Betroffenen beispielsweise zunehmend teils sinnlose Füllwörter oder auch nicht ganz passende Wörter (z.B. "Buch" statt "Zeitung").

Im weiteren Verlauf der Alzheimer-Erkrankung werden die Betroffenen zunehmend unsicher und abhängig von anderen Menschen. Die Sprache und das Sprachverständnis werden sinnlos, Antworten passen nicht zu gestellten Fragen. Tägliche Verrichtungen wie Waschen, Toilettengang und die Einnahme von Mahlzeiten können nicht mehr ohne fremde Hilfe bewältigt werden. Die Gedächtnisleistung lässt mehr und mehr nach. Häufig sind die Betroffenen bei fortschreitender Erkrankung nicht mehr in der Lage, sich an die eigene Lebensgeschichte und die persönlichen Daten zu erinnern. Sie sind oftmals unruhig, haben Schlafstörungen, Wahnvorstellungen und ausgeprägte Gefühlsschwankungen. Im späten Erkrankungsstadium treten auch schwere körperliche Symptome wie Krampfanfälle, Schluckstörungen, Atemprobleme und Verlust der Blasen- und Darmfunktion auf.

Durchschnittlich vergehen vom Beginn der ersten Symptome bis zum Tod der Betroffenen etwa zehn Jahre. Die Dauer der Alzheimer-Erkrankung kann jedoch individuell sehr unterschiedlich sein.


Wie wird Alzheimer diagnostiziert?

Besteht der Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Menschen mit einer beginnenden Alzheimer-Demenz scheuen häufig den Arztbesuch. Angehörige und Freunde sollten hierauf drängen und den Betroffenen unterstützen, gegebenfalls auch begleiten. Die Beobachtungen nahe stehender Personen sind für den Arzt bei der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) äußerst wichtig.

Besteht der Verdacht auf eine Alzheimer-Demenz, können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um andere Ursachen für Symptome wie eine nachlassende Gedächtnisleistung auszuschließen. Hierzu zählen eine körperliche einschließlich der neurologischen Untersuchung sowie eine Blutentnahme. Verschiedene bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns können Aufschluss über mögliche Demenzursachen geben.

Um die Gedächtnisleistung näher zu untersuchen, gibt es verschiedene Testverfahren wie beispielsweise den Mini-Mental-Status-Test (MMST) oder Uhrentest. Diese können beim Hausarzt durchgeführt werden.


Wie wird Alzheimer behandelt?

Die Alzheimer-Erkrankung kann weder durch Medikamente noch durch andere Therapieformen geheilt werden. Das Fortschreiten der Krankheit kann jedoch verlangsamt und die Lebensqualität der Betroffenen gesteigert werden.

Soweit wie möglich sollten neue Umgebungen für den Betroffenen vermieden werden und die Bezugspersonen gleich bleiben. Eine genaue und gleich bleibende Strukturierung des Tages fördert Selbstvertrauen und Sicherheit. Alltägliche Aufgaben sollten von den Betroffenen so lange wie möglich übernommen werden, sie sollten jedoch nicht überfordert werden.

Bei der medikamentösen Therapie ist ein möglichst früher Beginn der Therapie von entscheidender Bedeutung. Vor allem die so genannten Cholinesterase-Hemmer spielen eine große Rolle in der Behandlung von Morbus Alzheimer. Diese Medikamente steigern die Konzentration des Botenstoffs Acetylcholin im Gehirn und können dadurch in vielen Fällen die abnehmende Gedächtnisleistung über einige Zeit aufhalten.

Andere Medikamente erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Glutamat. Dadurch können die alltäglichen Fertigkeiten der Betroffenen in einigen Fällen verbessert werden. Die Wirksamkeit vieler anderer Heilmittel wie beispielsweise Ginkgo biloba oder Vitaminen ist nicht ausreichend nachgewiesen.

Um die Fertigkeiten der Alzheimer-Betroffenen möglichst lange zu erhalten und deren Selbständigkeit zu fördern, sind eine Reihe nicht medikamentöser Therapieformen sinnvoll. Hierzu zählen die Physiotherapie (Krankengymnastik), Ergotherapie (Beschäftigungstherapie) oder die Logopädie (Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie).


Wie ist der Verlauf von Alzheimer?

Die Alzheimer-Erkrankung ist nicht heilbar. Ihr Verlauf kann bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung verzögert und damit die Lebensqualität gesteigert werden. Die Erkrankung kann in mehrere Phasen eingeteilt werden. Die Frühphase ist gekennzeichnet durch nachlassende Fähigkeiten des Kurzzeitgedächtnisses und der Orientierung. Im Verlauf des mittleren Stadiums verstärken sich die Symptome deutlich, die Bewältigung des Alltags wird zunehmend schwierig. In der Spätphase sind die Betroffenen vollständig auf fremde Hilfe angewiesen. Körperfunktionen wie Wasserlassen und Stuhlgang können nicht mehr kontrolliert werden.

Die Alzheimer-Erkrankung kann eine kontinuierliche Verschlechterung zeigen oder seltener auch einen schubartigen Verlauf. Vor allem im frühen Stadium der Erkrankung wechseln Phasen starker Verwirrung und Phasen besserer Orientierung und Gedächtnisleistung.


Kann man der Alzheimer-Krankheit vorbeugen?

Eine sichere Vorbeugung gegen die Alzheimer-Erkrankung ist nicht bekannt, da die genauen Ursachen bis heute nicht geklärt sind. Es hat sich gezeigt, dass Menschen, die an bestimmten Krankheiten leiden, häufiger auch später an Morbus Alzheimer leiden. Zu diesen Erkrankungen zählen Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Schilddrüsenunterfunktion, Missbrauch von Nikotin oder Alkohol und frühere Kopfverletzungen. Eine familiäre Demenz kann das Risiko der Erkrankung an Alzheimer erhöhen. Es ist daher wichtig, die genannten Krankheiten frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Regelmäßiges "Trainieren" des Gehirns beispielsweise durch Rätseln gilt als förderlich für die Gehirnleistung.


Weitere Fragen zum Thema Alzheimer können Sie den Experten in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
Leitlinie für Betroffene, Angehörige und Pflegende: Demenzkrankheit (Alzheimer und andere Demenz-Formen). Medizinisches Wissensnetzwerk evidence.de der Universität Witten/Herdecke (Stand: Juni 2005)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Diagnostik degenerativer Demenzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/029 (Stand: Oktober 2005)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neurodegenerative Demenzen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/106 (Stand: Mai 2005)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 23.03.2012
 
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