Tipp

Analabszess

Ein Analabszess oder periprokti(ti)scher Abszess ist eine abgekapselte Vereiterung im Bereich des Analkanals. Der Ursprung der Entzündungen im Bereich des analen Schließapparats sind hierbei Schleimhautfalten am Übergang vom Mastdarm zum Analkanal, die die Krypten bilden. In diesen Vertiefungen können kleine Kotreste zurückbleiben und sich entzünden. Zunächst ist es lediglich eine Kryptitis, die auch wieder verschwinden kann. Weitet sich aber die Entzündung aus, so wird sie sich nicht in Richtung der verstopften Krypte entwickeln, sondern entlang der Drüse zwischen die Schließmuskeln.

Unterschied zwischen Analabszess und Analfistel
Häufig besteht ein Zusammenhang zwischen einem Analabszess und einer Analfistel. Der grundsätzliche Unterschied liegt darin, dass ein Abszess immer ein akutes Ereignis ist, dass sich rasch innerhalb weniger Tage entwickelt. Die Analfistel ist dagegen eine langsam schleichende Entzündung, die sich in Richtung des geringsten Gewebewiderstandes ausbreitet und dabei dünne, kanalartige Gänge bildet.

Was ist ein Abszess?
Ein Abszess ist eine Eiteransammlung, die sich in einer nicht vorgeformten Körperhöhle bildet. Durch die Entzündung, bei der häufig der Eitererreger Staphylokokkus aureus eine Rolle spielt, werden über das Immunsystem Abwehrzellen aktiviert, die den Entzündungsherd aufsuchen. Dort nehmen sie als Fresszellen Bakterien und Zelltrümmer auf, bis sie selbst zugrunde gehen. Die Verbindungen der Gewebezellen untereinander lösen sich auf und die Gewebezellen sterben ebenfalls ab. Diese Verflüssigung von Gewebezellen und Abwehrzellen nennt man Einschmelzung. Wie groß ein Abszess wird, hängt davon ab, wie lange der Abwehrkampf dauert. Kommt er früh zum Erliegen, dann wird der verflüssigte Bereich wie ein Fremdkörper von allen Seiten eingekapselt, es bildet sich eine Abszessmembran aus Bindegewebe. Tobt der Abwehrkampf heftig, so vergrößert sich der Abszess und kann nach außen aufbrechen und sich entleeren oder aber, im Fall des Analabszesses, den Analkanal umspülen und einen sogenannten Hufeisenabszess bilden, der oft auch sehr weit in die Tiefe reicht. Jeder Abszess gehört in die Hand eines Arztes. Selbstbehandlungen sind meistens schädlich.

Symptome eines Analabszesses
Die Symptome eines Analabszesses sind anfangs die jeder Entzündung: umschriebene Schwellung oder Verhärtung (Induration), Rötung, Temperaturerhöhung der Umgebung und Druckschmerz. Nach Einschmelzung lässt sich der Abszess, falls das umgebende Gewebe nicht zu sehr gespannt ist, als leicht schwappende, unruhige Bewegung (Fluktuation) tasten, die Schmerzen sind pochend, gelegentlich tritt Fieber und Abgeschlagenheit auf. Im Labor zeigt die Blutuntersuchung erhöhte Leukozytenzahlen und eine beschleunigte BSG (Blutsenkungsgeschwindigkeit).

Therapie eines Analabszesses
Die Therapie eines Analabszesses ist immer chirurgisch und möglichst frühzeitig, auch wenn der Abszess noch nicht reif bzw. eingeschmolzen ist. In Narkose erfolgt die breite Eröffnung der Abszesshöhle, die häufig gekammert ist, Entleerung des Eiters, Ausschaben der Abszessmembran und Einlage von Drainagen oder antiseptischen Gazestreifen. Falls hierbei eine Analfistel als Abszessursache gefunden wird, dann wird sie oft mit einem Faden markiert, um sie später operativ zu sanieren. Ein Antibiotikum wird meistens für einige Tage verabreicht. Die weitere Therapie erfolgt als offene Wundbehandlung, die Abszesshöhle heilt von innen heraus. Nach einigen Tagen wird die Wunde ausgeduscht (mechanische Wundreinigung) und mit heilungsfördernden Salben ausgelegt. Der Heilverlauf kann sich über mehrere Wochen hinziehen.

Auf jeden Fall muss im Anschluss eine gründliche Enddarmuntersuchung durchgeführt werden und nach einer möglichen Analfistel gesucht werden, von der der Abszess seinen Ausgang genommen hat. Sie ist ein möglicher Grund für das Wiederauftreten eines Abszesses.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 17.09.2007
 
Tipp