Auffälligkeiten
Brüste sind individuell sehr verschieden. Aus medizinischer Sicht ist jede Brust, die Milch bilden kann, normal und gesund, unabhängig von Größe oder Form. Einige Auffälligkeiten in der Anatomie, die gelegentlich Probleme bereiten und deshalb eine medizinische Behandlung erfordern, sollen hier aber erwähnt werden. Es handelt sich lediglich um Besonderheiten in der individuellen Anatomie, nicht um Krankheiten. Krankheiten der Brust werden an anderer Stelle beschrieben. Solche Besonderheiten können entweder schon bei der Geburt erkennbar sein oder erst in der späteren Entwicklung zu Tage treten.
Zusätzliche Brustwarzen
Manche Frauen haben mehr als zwei Brustwarzen, diese "Polythelie" ist eine der häufigsten angeborenen Besonderheiten.
Milchleiste
Überzählige Brustwarzen befinden sich entlang der
Milchleiste (Abbildung). Sie
sind schon beim Embryo angelegt. Normalerweise wachsen in der
weiteren Entwicklung nur zwei der angelegten Brustwarzen heran, die
anderen bilden sich im dritten Monat zurück.
Eine zusätzliche Brustwarze sieht wie ein Muttermal aus. Oft
wird sie von der Frau nicht als solche erkannt. Medizinische
Probleme entstehen durch Polythelie nicht. Allerdings wurden in der
Vergangenheit solche Brustwarzen als Beweis dafür
herangezogen, dass die betreffende Frau eine "Hexe" sei.
Auch Männer können eine Polythelie haben.
Zusätzliche Milchdrüsen
Manchmal befindet sich Milchdrüsen auch an anderen Stellen des Körpers als nur in den Brüsten selbst. Wenn sich zusätzliche Milchdrüsen gebildet haben, dann ist dies häufig unter den Achseln der Fall.
Doppelversorgung
Während einer Schwangerschaft entsteht in diesen
Milchdrüsen ebenfalls Milch. Das kann recht schmerzhaft sein,
wenn die Milch nicht abfließen kann. Es ist aber auch
möglich, dass Milchkanäle von diesem zusätzlichen
Gewebe bis in die nächstgelegene Brust und bis zur Brustwarze
reichen. Dann ist das Baby mit dieser Brust quasi "doppelt"
versorgt.
Das zusätzliche Brustgewebe verändert sich mit dem Zyklus
und dem Hormonspiegel der Frau, genauso
wie die Brüste selbst. Es kann auch ebenso erkranken. Wie eine
zusätzliche Brustwarze wird auch versprengtes Brustgewebe
oftmals gar nicht als solches erkannt.
In seltenen Fällen haben Frauen eine vollständige
zusätzliche Brust (Polymastie). All diese Erscheinungen sind
medizinisch unbedenklich und nicht krankhaft.
Hohlwarzen und Schlupfwarzen
Hohlwarzen ( Flachwarzen
)
Hohlwarzen, auch Flachwarzen genannt, sind Brustwarzen, die
ständig nach innen eingezogen sind. Sie können sich nicht
aufrichten. Häufig sind sie mit dem darunter liegenden Gewebe
fest verwachsen. Manchmal ist nur eine Warze betroffen, manchmal
auch beide.
Es ist möglich, Hohlwarzen durch eine Operation wieder
aufzurichten. Das Verfahren ist sehr einfach und wird ambulant
unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Es ist im
Wesentlichen eine kosmetische Operation. Möglicherweise muss
die Operation nach einer Weile wiederholt werden, weil die
Brustwarze sich wieder einzieht.
Schlupfwarzen
Auch Schlupfwarzen sind ebenfalls
nach innen eingezogen. Sie sind aber nicht mit dem darunter
befindlichen Gewebe verwachsen und richten sich daher hin und
wieder auf.
Weder Hohlwarzen noch Schlupfwarzen sind krankhaft, und sie verhindern aus medizinischer Sicht auch nicht das Stillen. Allerdings ist vorher gute Information und beim Stillen etwas Geduld erforderlich. Außerdem gibt es Hilfsmittel wie Stillhütchen oder Warzenformer. Diese werden von Fachleuten unterschiedlich beurteilt.
Poland-Syndrom
Das Poland-Syndrom (Amazonensyndrom) ist eine angeborene Fehlbildung der Brustdrüse und des Brustmuskels, der Haut- und Anhangsgebilde unter Mitbeteiligung von Rippen- und Handfehlbildungen. Diese Fehlbildung ist sehr selten und ihre Ursache ist bis heute ungeklärt. Sie betrifft in der Regel nur eine Körperseite.
Amazonensyndrom
Das Poland-Syndrom wird auch als Amazonensyndrom bezeichnet. Von
diesem antiken Frauenvolk ist überliefert, dass sich seine
Mitglieder die eine Brust abschnitten, um den Bogen auf der Jagd
besser handhaben zu können. Das Amazonensyndrom ist aber keine
reine Frauenkrankheit. Frauen mit Poland-Syndrom haben eine gesunde
und eine unterentwickelte oder fehlende Brust. Eine kosmetische
Operation ist möglich. Auch Fehlbildungen der Rippenknochen
können operativ korrigiert werden.
Knotige Brüste
Knotige Strukturen im Brustgewebe können bei manchen Frauen immer vorhanden sein oder auch nur zeitweise auftreten ohne dass eine Erkrankung dahinterstecken muss. Auch die äußere Form der weiblichen Brust kann von Frau zu Frau unterschiedlich sein.
Unterschiedliches Brustgewebe
Die Brust und das Brustgewebe kann verschieden aussehen und sich
auch ganz unterschiedlich anfühlen. Bei manchen Frauen ist das
Gewebe fein strukturiert, es fühlt sich glatt und elastisch
an, bei anderen fühlt es sich eher ungleichmäßig,
geradezu knotig an. Sogar zwischen der linken und der rechten Brust
kann es Gewebeunterschiede geben. Hinzu kommt, dass sich die
Gewebebeschaffenheit auch im Laufe des hormonalen Zyklus ändert.
Knotige Strukturen, die schon lange da sind und sich auch nicht
verändern, sind in den meisten Fällen harmlos. Sie
sollten jedoch diese knotigen Veränderungen von einem Arzt
untersuchen lassen, um ernsthaftere Erkrankungen
auszuschließen. Auch eine regelmäßige Selbstuntersuchung ist sehr
sinnvoll, damit Sie ein gutes Gefühl für Ihre eigene
Brust entwickeln und plötzlich auftretende Veränderungen
des Brustgewebes feststellen können.
Bei neuen Veränderungen und Knoten zum Arzt
Neu entstandene Knoten oder veränderte Strukturen können
ein Anzeichen für eine gutartige Erkrankung oder auch
Brustkrebs sein. Sie sollten auf alle
Fälle ärztlich untersucht werden und von beobachtet
werden.
Sehr große Brüste
Die richtige Größe der Brust ist weitgehend Geschmackssache und eine Frage des persönlichen Empfindens, aus medizinischer Sicht "funktionieren" große Brüste genauso wie kleine Brüste.
Entstehung
Die Größe der Brust entwickelt sich während der
Pubertät, sie
kann durch die Einnahme von Hormonen ("Pille") beeinflusst werden.
Auch nach einer Schwangerschaft kann es sein, dass die Brüste
größer als vorher bleiben.
Lebensgefühl
Viele Frauen fühlen sich mit ihren großen Brüsten
besonders attraktiv und sexy.
Es kann jedoch sein, dass die Brüste einer Frau so groß
sind, dass sie ihr seelische und auch körperliche Probleme
verursachen. So können sehr große und damit auch schwere
Brüste zu Haltungsproblemen und Rückenschmerzen
führen. Manche Frauen fühlen sich angestarrt und nehmen
automatisch eine vorgebeugte Haltung mit vorgezogenen Schultern
ein, um ihre Brust zu verbergen. Dadurch, dass ein großer
Teil der Brust immer auf der Bauchhaut aufliegt, kann es zu
Pilzinfektionen kommen. Dann sind Büstenhalter praktisch. Auch beim
Sport können sehr große Brüste Probleme
verursachen. Hier können spezielle Sport-BHs eine Hilfe sein.
Operation?
Wenn das jedoch nicht reicht oder die seelischen Probleme für
die Frau zu belastend werden, kann an eine operative Brustverkleinerung (Reduktionsplastik)
gedacht werden. Es handelt sich hier im Allgemeinen um eine
risikoarme Operation, die nur eine kurze Erholungszeit erfordert.
Je nach Umfang der Operation müssen eventuell die
Milchgänge durchtrennt werden, und ein späteres Stillen
ist ausgeschlossen. Solche möglichen Auswirkungen sollten
unbedingt vorher mit dem Arzt oder der Ärztin ausführlich
besprochen werden.
Sehr kleine Brüste
Ob und wann Brüste klein oder zu klein sind, ist Geschmackssache; faktisch ist in jeder Brust etwa gleich viel Drüsengewebe vorhanden, so dass die Stillfähigkeit einer gesunden Brust völlig unabhängig von ihrer Größe ist.
Lebensgefühl
Viele Frauen sind mit ihren kleinen Brüsten sehr zufrieden.
Vor allem beim Sport hat eine kleine Brust durchaus Vorteile. Die
sexuelle Erregbarkeit hängt überhaupt nicht von der
Größe der Brust ab.
Manche Frauen sind dennoch unzufrieden mit ihren kleinen
Brüsten. Sie fühlen sich in ihrer Weiblichkeit
beeinträchtigt, denn große Brüste gelten immer noch
als besonders attraktiv und sexy.
Veränderungen
Um die Brüste optisch zu vergrößern, gibt es
gepolsterte Büstenhalter (Maximizer) oder Einlagen.
Wenn eine Frau jedoch unter ihren kleinen Brüsten sehr leidet,
kann eine operative Vergrößerung durch
Implantate in Betracht gezogen werden. Vor einer solchen Operation
sollte sie sich sehr genau über die eigenen Beweggründe
klar werden. Manchmal ist eine psychologische Beratung hilfreich,
und eine Operation mit all ihren Risiken kann vermieden werden.
Ungleiche Brüste
Bei fast allen Frauen sind die Brüste mehr oder weniger verschieden. Nicht nur die Größe der Brüste selbst, auch die Form und Position der Brustwarzen ("schielende" Brüste) kann unterschiedlich sein. Eine solche Asymmetrie ist normal. Der Größenunterschied überschreitet selten eine Körbchengröße. Ungleiche, asymmetrische Brüste sind medizinisch vollkommen unbedenklich, ihre Funktion wird in keiner Weise eingeschränkt.
Ausgleich
Ungleiche Brüste können durch Einlagen im Büstenhalter ausgeglichen werden,
wenn sie störend ist. Solche Einlagen gibt es in guten
Sanitätshäusern zu kaufen.
Trotzdem fühlen sich Frauen mit sehr stark asymmetrischen
Brüsten manchmal missgestaltet. Wenn sie sehr darunter leiden,
kann eine plastische Operation (Schönheitsoperation)
angebracht sein. Dabei wird entweder die kleinere Brust vergrößert oder die
größere verkleinert. Welche Lösung in
Frage kommt, sollte mit dem Arzt besprochen werden.
Plötzlich asymmetrisch
Anders liegt der Fall, wenn bisher ziemlich gleiche Brüste
sich plötzlich stärker unterscheiden. Hier könnte
eine Erkrankung vorliegen, und Sie sollten mit Ihrem Arzt
sprechen.
Autor: Qualimedic.com AG
Letzte Änderung am: 03.01.2008
