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Angststörungen

Angststörungen können sich auf einen bestimmten Auslöser beziehen – beispielsweise Spinnen

Angststörungen können sich auf einen bestimmten Auslöser beziehen – beispielsweise Spinnen
(Quelle: DAK/Wigger)

Unter Angststörungen oder Angsterkrankungen versteht man das krankhafte Gefühl von Angst. Der Begriff Angst bezeichnet das unangenehme Gefühl von Bedrohung. Bei einer Angsterkrankung ist das Angstgefühl übermäßig gesteigert oder wird durch Ursachen ausgelöst, die normalerweise keine Angst hervorrufen. Zusätzlich kommt es zu körperlichen Symptomen wie beispielsweise Herzrasen und Schwitzen.

Man unterscheidet mehrere Formen der Angststörung: Bei der phobischen Angst wird das Angstgefühl durch einen ganz bestimmten Auslöser hervorgerufen wie beispielsweise enge Räume (Klaustrophobie), große Plätze (Agoraphobie) oder Tiere (beispielsweise Arachnophobie = Spinnenangst). Die generalisierte Angst tritt plötzlich ohne erkennbaren Auslöser auf. Sie kann bei der Panikstörung stark gesteigert sein und auch attackenartig auftreten.

Schätzungen zufolge leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung an Angsterkrankungen, die behandlungsbedürftig sind. Meist tritt die Erkrankung vor dem 45. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.


Ursachen für Angststörungen

Eine genaue Ursache für die Entstehung von Angststörungen ist nicht bekannt. Es gibt unterschiedliche Ansätze zur Klärung der Ursache. Beispielsweise geht man bei der psychoanalytischen und der lerntheoretischen Theorie davon aus, dass die Ursache der Erkrankung in der Kindheit liegt. Die neurobiologische Theorie dagegen sagt, dass die Veranlagung zur Angsterkrankung angeboren ist.


Symptome von Angststörungen

Angststörungen äußern sich zum einen durch seelische Symptome, nämlich das intensive Empfinden von Angst und Bedrohung bis zur Panik.Daneben treten körperliche Beschwerden auf, die auch völlig im Vordergrund stehen können.

Insbesondere bei der Panikstörung kommt es häufig zu Herzrasen und dem Gefühl, das Herz schlage unregelmäßig. Auch Schwitzen, Zittern, Erstickungsgefühl und Schmerzen an unterschiedlichen Stellen des Körpers treten auf. Meist dauert die Panikattacke einige Minuten lang an, der Betroffene verlässt typischerweise den Raum und meidet anschließend die Panik auslösende Ursache.


Diagnose von Angststörungen

Um die Diagnose einer Angststörung zu stellen, wird der Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen führen (Anamnese). Dabei können auch spezielle Angstfragebögen eingesetzt werden. Es erfolgen eine internistische und neurologische Untersuchung und eine Blutabnahme. Um organische Ursachen für die Beschwerden ausschließen zu können, stehen unterschiedliche Untersuchungsmethoden wie beispielsweise die Messung der Herz- (Elektrokardiogramm) und Hirnströme (Elektroenzephalogramm) zur Verfügung.

Es kann bei der Diagnosestellung und Planung der Therapie hilfreich sein, ein Angsttagebuch zu führen. Hierin werden Häufigkeit und Art der Symptome schriftlich festgehalten.


Therapie bei Angststörungen: kognitive Therapie, Verhaltenstherapie, Soziotherapie und Medikamente

Als gut wirksame Behandlung von Angststörungen hat sich die Kombination von Medikamenten mit verschiedenen anderen Therapien erwiesen. Um die innere Anspannung bei Angststörungen zu lindern, ist die Anwendung von Entspannungstechniken wie dem autogenen Training, der progressiven Muskelentspannung oder so genannter Biofeedback-Verfahren hilfreich.

Bei der kognitiven Therapie lernt der Betroffene, bestimmte körperliche Symptome und Denkweisen als Auslöser der Angst zunächst zu erkennen und anschließend bewusst zu versuchen, sie zu berichtigen.

Durch die Verhaltenstherapie soll der Betroffene lernen, sich dem Auslöser seiner Angst zu stellen anstatt ihn zu meiden. Es werden die "Desensibilisierung" und zum anderen die "Reizkonfrontation" angewendet. Der Betroffenen soll erfahren, dass der mit Angst besetzte Auslöser nicht so schlimm ist wie befürchtet, und hiermit die Angst lernen zu bewältigen.

Die Soziotherapie verfolgt das Ziel, die soziale Ausgrenzung der Betroffenen zu mildern und den Wiedereinstieg in das soziale und berufliche Leben zu fördern. Mithilfe tiefenpsychologischer Verfahren versucht man, die in der Kindheit vermutete Ursache der Angststörung zu behandeln. Diese Behandlung erstreckt sich häufig über Jahre.

Zur medikamentösen Behandlung von Angststörungen setzt man Antidepressiva ein. Häufig erzielen die so genannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (Antidepressiva vom SSRI-Typ) eine gute Wirkung. Daneben verwendet man auch trizyklische Antidepressiva, seltener Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine. Vor allem beim Vorherrschen körperlicher Symptome können Beta-Blocker zur Anwendung kommen.


Verlauf von Angststörungen

Der Verlauf einer Angststörung ist abhängig vom Beginn der Erkrankung. Beispielsweise verschwinden in der Kindheit begonnene Phobien häufig im Laufe des Erwachsenenalters.

Eine Angststörung kann aber auch chronisch werden. Je früher im Krankheitsverlauf die Diagnose gestellt und eine Behandlung begonnen werden, umso besser ist die Prognose der Erkrankung.

Menschen mit einer Angststörung haben ein erhöhtes Risiko für Alkohol- oder anderen Suchtmittel-Missbrauch, da sie so ihre Beschwerden dämpfen möchten. Im schlimmsten Fall kommt es zur völligen Isolierung des Betroffenen. Eine frühe Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe ist daher von großer Bedeutung.


Vorbeugen vor Angststörungen

Die frühe Diagnose und Behandlung der Angststörung sind wichtig. So kann versucht werden, einen chronischen Verlauf der Erkrankung bis hin zur Isolierung des Betroffenen zu vermeiden. Angst oder Panik auslösende Situationen sollten vom Betroffenen bewusst gesucht anstatt gemieden werden. So kann er lernen, dass die jeweilige Situation ungefährlich ist. Einem gefährlichen Vermeidungsverhalten kann so frühzeitig vorgebeugt werden.



Sie haben noch weitere Fragen zu dem Thema Angststörungen? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat.

Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen in unserem Wartezimmer Rund um die Nerven aus.



Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Angststörungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/022 (Stand: November 2006)
Dengler, W.; Selbmann, H.-K. (Hrsg.): Online-Version der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Angsterkrankungen, Steinkopff, Darmstadt 2000
Uexküll, T., Adler R. et al. (Hrsg.): Psychosomatische Medizin, Urban & Schwarzenberg, München 1990
Mader, F., Weißgerber, H.: Allgemeinmedizin und Praxis, Springer, Berlin 2004

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 23.03.2012
 
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