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Anthroposophische Medizin

Die Anthroposophische Medizin stützt sich bei der Beurteilung von Gesundheit, Krankheit und Heilung auf die naturwissenschaftliche Medizin, berücksichtigt aber gleichwertig die Gesetzmäßigkeiten der anthroposophischen Menschenkunde. Die Anthroposophische Medizin betrachtet den Menschen als aus verschiedenen Bereichen bestehend. Krankheiten können entstehen, wenn die Balance dieser Bereiche (oder Wesensglieder) gestört ist.

Methoden, Ausbildung und wissenschaftliche Grundlagen
Die Ausbildung in Anthroposophischer Medizin basiert auf dem regulären Medizinstudium sowie der fachärztlichen Weiterbildung. Neben einer konventionellen naturwissenschaftlichen und ärztlichen Ausbildung lernen die Ärzte, die Anthroposophische Medizin ausüben, auch eine auf Goethe zurückgehende goetheanistische Methodik zur Erfassung der Lebensprozesse. Hinzu kommt das Studium der anthroposophischen Geisteswissenschaft und ihrer Forschungsmethoden sowie die Ausbildung künstlerischer Fähigkeiten und Grundkenntnisse in Heileurythmie und künstlerischer Therapie. Die Ausbildungsdauer beträgt in Theorie und Praxis mindestens drei Jahre.

Therapien in der Anthroposophischen Medizin
Neben der allgemeinmedizinischen und hausärztlichen Versorgung umfasst die Anthroposophische Medizin alle medizinischen Disziplinen von der Chirurgie über die innere Medizin, Pädiatrie, Onkologie, Frauen- und Geburtsheilkunde bis hin zur Neurologie und Psychiatrie.

Weitere besondere Heilverfahren sind:

  • Äußere Anwendungen,
    wie zum Beispiel die Therapie mit Metallsalben, rhythmische Einreibungen und Massagen, Öldispersionsbäder.

  • Heileurythmie
    als eine von Rudolf Steiner begründete Bewegungstherapie

  • Künstlerische Therapien
    plastisch-therapeutisches Gestalten, Maltherapie, Musiktherapie und Sprachgestaltung als Therapie.

  • Psychotherapie
    die auf dem anthroposophischen Menschenbild und Krankheitsverständnis begründet ist.

Zur Erstattung der Anthroposophischen Medizin und der Anthroposophischen Arzneimittel


Geschichte

Die Geschichte der anthroposophischen Medizin beginnt Anfang der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, als Dr. med. Ita Wegman und andere Ärzte in Zusammenarbeit mit Dr. phil. Rudolf Steiner (1861 - 1925), dem Begründer der Anthroposophie, über eine Medizin nachdachten, die ihre Sichtweise und Philsopohie vom Leben mit einbezog.

Die Anthroposophische Medizin hat sich von Anfang an als ein die Methoden der Schulmedizin integrierendes Konzept verstanden.

1921 entstanden in Stuttgart/Deutschland und Arlesheim/Schweiz erste klinisch-therapeutische Institute mit angegliederten pharmazeutischen Laboratorien, den Vorläufern der späteren Arzneimittelbetriebe Weleda und Wala. Steiner und Wegman verfassten gemeinsam das Grundlagenwerk für die Anthroposophische Medizin, seither haben sich Forschung und klinische Anwendung der Anthroposophischen Medizin sowohl auf diagnostischem als auch therapeutischem Gebiet kontinuierlich weiterentwickelt.

Neben der Verbreitung in Arztpraxen wird die anthroposophische Medizin heute in zahlreichen klinischen Einrichtungen ausgeübt. So gibt es Kliniken, Sanatorien und klinikähnliche Einrichtungen in Deutschland, der Schweiz, Schweden, Holland, Italien, den USA und Brasilien. Hinzu kommt die weit verbreitete Tätigkeit von Kunsttherapeuten und Heileurythmisten, Gesprächstherapeuten etc.

Die Ärztekammern und die örtlichen Krankenkassen können Ihnen Ärzte nennen, die in der Anthroposophischen Medizin ausgebildet sind.


Arzneimittel

Die anthroposophische Pharmazie mit Ihren anthroposophischen Arzneimitteln dient einer rationalen Therapie im Rahmen der anthroposophischen Menschenkunde. In der anthroposophisch-orientierten Medizin gibt es zahlreiche Stoffe und Verfahren, die auch in anderen Bereichen Anwendung finden, aber auch Arzneimittel, für die eigene spezielle pharmazeutische Herstellungsverfahren entwickelt wurden, wie zum Beispiel für die Metalltherapie die Aufschließung der Substanzen durch Pflanzen (vegetabilisierte Metalle) oder die Anwendung rhythmischer Prozesse bei der Herstellung besonderer Heilpflanzenzubereitungen oder besondere Verfahren, wie sie für die Herstellung von Mistelpräparaten verwendet werden.

Aufgabe des Pharmazeuten
Die Aufgabe des Pharmazeuten besteht darin, das gewünschte Heilprinzip einer Substanz herauszuarbeiten und in eine geeignete arzneiliche Form zu übertragen. Es kommt dabei nicht nur auf die arzneiliche Form an, in welcher ein Stoff verabreicht wird (Tabletten, Pulver, Tropfen, Salbe usw.) sondern auf die pharmazeutische Bearbeitung, welche die Substanz so verwandelt, dass sie, vom menschlichen Organismus aufgenommen, die gewünschte therapeutische Wirksamkeit entfalten kann. Dazu bedient er sich verschiedenster pharmazeutischer Verfahren, wie z.B.:

  • Verfestigungs- und Mineralisierungs-Prozessen (z.B. kristallisieren, trocknen usw.)

  • Verflüssigungs-Prozessen (z.B. lösen, schmelzen usw.)

  • Verluftungs-Prozessen (z.B. destillieren usw.)

  • Verbrennungsprozessen (z.B. verkohlen, veraschen usw.)

Durch die gezielte Anwendung dieser elementar verschiedenen pharmazeutischen Verfahren können die natürlichen Ausgangssubstanzen so zu Arzneimitteln verarbeitet werden, dass damit ganz gezielte therapeutische Wirkungen im kranken Organismus erreicht werden.

Verschiedene Ausgangsstoffe
Die Ausgangsstoffe der anthroposophischen Medikamente sind mineralischen, pflanzlichen und tierischen Ursprungs.

So wie die Medizin nicht nur Wissenschaft, sondern besonders in der Therapie auch Kunst ist, wird die Pharmazie in der Anthroposophie dann zur Kunst, wenn wirksame "Kompositionen" der angewendeten Substanzen und Verfahren entwickelt und gehandhabt werden.


Anthroposophie und Ethik

Ethik und Selbstverständnis
Im Zentrum der Anthroposophischen Medizin stehen der Patient und die individuelle Therapie. Aus diesem Grunde kommen Therapieschemata nur ausnahmsweise zur Anwendung. Lebensalter, Konstitution, biographische Situation und die seelisch-geistige Befindlichkeit werden in die Diagnostik und die Therapie miteinbezogen.

Studien
Randomisierte Doppelblindstudien werden kritisch betrachtet und kommen aus methodischen Gründen nur bedingt zum Einsatz. Sie werden aus ethischen Gründen abgelehnt, abgesehen von Fällen, in denen dem Patienten nicht eine wirksame Behandlung vorenthalten wird.
Statt dessen wird in der Anthroposophischen Medizin an einem Dokumentationsverfahren gearbeitet, welches auf repräsentativen Einzelfällen sowie Outcome-Studien basiert.

Ethik und Philosophie
Zusätzlich zur allgemeinen Standesethik liegt der ärztlichen Ethik das philosophische Hauptwerk Rudolf Steiners zugrunde: "Die Philosophie der Freiheit". Es beinhaltet Grundzüge einer Weltanschauung, in der die Konzeption des ethischen Individualismus im Mittelpunkt steht sowie ein Menschenbild, das die ewige Individualität des Menschen anerkennt - auch in einem kranken und behinderten Körper.

Damit wird die materialistische Weltanschauung, die der naturwissenschaftlichen Medizin immanent ist, durch philosophische Erkenntnisse ergänzt. Zu dieser ethischen Konzeption gehört auch der Gedanke der Wiederverkörperung und das Vertrauen in die unbegrenzte Entwicklungsfähigkeit des menschlichen Wesens.


 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 04.12.2007
 
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