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Arthrose

Regelmäßige Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen können einer Arthrose vorbeugen

Regelmäßige Bewegung wie Radfahren oder Schwimmen können einer Arthrose zu einem gewissen Grad vorbeugen
(Quelle: DAK)

Als Arthrose wird eine übermäßige Abnutzung, ein Verschleiß, ein oder mehrerer Gelenke bezeichnet. Sie zählt zu den rheumatischen Erkrankungen. Mehr als 100 verschiedene Erkrankungen, die zu übermäßigen Abbauprozessen im Gelenk führen, werden unter dem Sammelbegriff Arthrose zusammengefasst. Im Anfangsstadium der Arthrose ist der Gelenkknorpel betroffen, später werden auch Knochen und Gelenkflächen in Mitleidenschaft gezogen.

Die Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Frauen sind eher davon betroffen als Männer. Man entscheidet zwischen einer anlagebedingten (primären) und einer erworbenen (sekundären) Arthrose. Die primäre Arthrose kommt weitaus häufiger vor. Bei fast jedem Menschen über 70 Jahre ist eine Arthrose insbesondere im Hüft- und Kniegelenk feststellbar – aber nicht jeder bemerkt sie. Eine Arthrose muss nicht immer Schmerzen oder eine spürbare Bewegungseinschränkung für den Betroffenen bedeuten.


Wie entsteht eine Arthrose?

Eine genetische Veranlagung sowie der Alterungsprozess spielen bei der Entstehung einer primären Arthrose eine Rolle. Bei manchen Betroffenen kommt es infolge von Unfällen, Fehlstellungen (zum Beispiel X-Beine), Übergewicht, starker einseitiger Belastung oder bestimmten Vorerkrankungen wie Gicht oder Diabetes mellitus zu einer (sekundären) Arthrose.

Gelenke sind eine Verbindungsstelle zwischen Knochen. Damit die Knochen nicht aufeinander reiben, sind sie von einer Knorpelschicht umgeben. Das Knorpelgewebe ist sehr empfindlich. Es wird nicht von Blutgefäßen durchzogen, sondern es bekommt alle Nährstoffe aus der Gelenkflüssigkeit (Synovia). Störungen in diesem Versorgungssystem ziehen Knorpelschäden nach sich.

Die Knorpelschicht wirkt zwischen den Knochen wie ein Stoßdämpfer. Nimmt die Knorpelmasse ab, dann geht auch ihre Gleit- und Pufferwirkung zunehmend verloren. Mit fortschreitendem Alter nutzt sich bei jedem diese Knorpelmasse mehr oder weniger stark ab. Auch kleine Schädigungen oder Verletzungen addieren sich im Laufe der Jahre auf.


Wie äußert sich eine Arthrose?

Häufig ist durch eine radiologische Untersuchung eine Arthrose erkennbar, während jeder zweite Betroffene nichts von der Erkrankung bemerkt (klinisch stumme Arthrose). Die Betroffenen selbst nehmen die Arthrose in der Regel erst dann wahr, wenn Schmerzen auftreten. Zu Beginn treten diese nur bei Belastung, Ermüdung oder zu Anfang einer Bewegung (Anlaufschmerz) auf, später kann sich daraus ein Dauer- oder Muskelschmerz entwickeln. Viele Betroffene haben auch nachts Schmerzen und leiden unter Wetterfühligkeit. Die Beweglichkeit ist zunehmend eingeschränkt.

Wenn durch die Arthrose eine Entzündung im Gelenk entsteht, spricht man von einer aktivierten Arthrose. Dabei ist das betroffene Gelenk überwärmt, schmerz- und druckempfindlich. Außerdem kann ein Gelenkerguss mit Schwellung auftreten. In diesem fortgeschrittenem Stadium kommt es zu einer krankhaften Veränderung des Gelenks (Verdickung, Verformung). Das Gelenk wird dadurch unbeweglich und ist nicht mehr stabil.


Diagnose der Arthrose

Um eine Arthrose festzustellen, wird der Arzt den Betroffenen zunächst befragen (Anamnese). Die Krankengeschichte und die typischen Schmerzsymptome geben dabei erste Hinweise. Bei der Untersuchung des Gelenks wird der Arzt den Bewegungsumfang überprüfen und eventuelle Schwellungen schon mit bloßem Auge erkennen können. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall (Sonographie), Röntgenuntersuchung oder Magnetresonanztomographie (MRT) können Schädigungen im Gelenk sichtbar machen.


Wie wird die Arthrose behandelt?

Die Arthrose an sich lässt sich nicht heilen oder rückgängig machen. Vielmehr sollen durch die Behandlung Gelenkschäden eingegrenzt und die Lebensqualität der Betroffenen weitestgehend wiederhergestellt werden. Daher hat die Behandlung einer Arthrose das Ziel,

  • das Fortschreiten der Arthrose zu stoppen oder zu verzögern,
  • die Schmerzen zu lindern,
  • eventuelle Entzündungen zu heilen und
  • die Funktion des Gelenks zu verbessern oder zu erhalten.

Wenn die Arthrose durch andere Erkrankungen oder Verletzungen entstanden ist, gehört es zur Therapie, diese Ursachen zu behandeln.

Welche Behandlungsmethoden der Arzt wählt, hängt vom Stadium und der Form der Arthrose-Erkrankung ab. Für die Therapie können physikalische, medikamentöse, orthopädische, operative und allgemeine Maßnahmen erforderlich sein.

Ist infolge der Arthrose im Gelenk eine Entzündung aufgetreten (aktivierte Arthrose), werden entzündungshemmende Präparate (nicht steroidale Antirheumatika, NSAR) gegeben. Bei der aktivierten Arthrose können Kälteanwendungen, Elektro- und Ultraschalltherapie eingesetzt werden. Wenn keine Entzündung die Arthrose begleitet, werden hingegen Wärmeanwendung (in Form von Salben, Pflastern, Rotlicht, Fango) empfohlen. Bei Bedarf bekommen die Betroffenen leichte Schmerzmittel (wie Paracetamol).

Durch krankengymnastische Übungen soll die Beweglichkeit verbessert werden. Bewegung regt zudem die Nährstoffversorgung des Knorpels an. Dadurch kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden.

Um die geschädigten Gelenke möglichst zu schonen, gibt es eine Reihe orthopädischer Hilfsmittel. Bei Arthrose der Knie- oder Fußgelenke können festes Schuhwerk mit Pufferabsätzen, Fußbettung oder Abrollhilfen empfehlenswert sein. Falls eine operative Therapie nicht durchgeführt werden kann, helfen Orthesen, die Gelenke zu stabilisieren.

Ob eine Operation notwendig ist, hängt davon ab, wie stark der Betroffene durch die Arthrose in seiner Lebensqualität eingeschränkt ist, wie alt er ist und ob Begleiterkrankungen vorliegen. Die Operationen können dazu dienen, das Gelenk des Betroffenen zu erhalten oder bei starken Schädigungen ein künstliches Gelenk einzusetzen.

Bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) werden Knochenpartikel, die durch Abrieb entstanden sind, ausgespült. Gleichzeitig kann das Knorpelgewebe athroskopisch bearbeitet werden. Der Gelenkknorpel besitzt geringe Selbstheilungskräfte. Man kann versuchen, diese durch verschiede Techniken bei der Arthroskopie anzuregen.

Einer Arthrose kann durch Fehlstellungen wie X-Beine (gelenknahe Osteotomien). begünstigt werden. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, diese Fehlstellungen operativ beheben.

Wenn keine andere Möglichkeit bleibt, werden die zerstörten Gelenkanteile durch künstliche Gelenkteile oder durch komplette Gelenke (Endoprothesen) ersetzt. Allerdings wird man bei jungen Betroffenen den künstlichen Gelenkersatz immer so lange wie möglich aufschieben. Künstliche Gelenke halten trotz modernster Technik und Fertigungsmaterialien nicht ein Leben lang.


Verlauf einer Arthrose

Die Arthrose verläuft meistens schleichend über Jahre. Erst wenn Schmerzen auftreten, wird in der Regel die Gelenkschädigung festgestellt. Die Knorpelschicht kann so weit abgerieben sein, dass die Knochenenden freiliegen. Dann spricht man von einer „Knochenglatze“. Die Knochen reiben dann direkt aufeinander. Das reizt die empfindliche Innenhaut und verursacht Schmerzen. Auch abgeriebene Knorpel- und Knochenhaut können diesen Effekt auslösen. Die Folge in diesem fortgeschrittenem Stadium kann eine Entzündung der Gelenkhaut oder ein Gelenkerguss (aktivierte Arthrose) sein.

Ein Knorpel, der einmal zerstört ist, baut sich nur unwesentlich wieder von selbst auf. Der Körper bildet häufig stattdessen verstärkt Knochensubstanz, die Knochenausläufer rund um das Gelenk bilden (Osteophyten). Dadurch kommt es zu Verformungen und Verdickungen der betroffenen Gelenke.

Im Endstadium einer Arthrose sind Gelenke wenig bis gar nicht mehr beweglich und werden letztlich instabil.


Vorbeugende Maßnahmen gegen Arthrose

Es gibt keine vorbeugenden Maßnahmen, mit der sich eine Arthrose gänzlich vermeiden lässt. Dennoch kann man selbst einiges tun, um die fortschreitenden Abbauprozesse zu verlangsamen.

Bewegung fördert die Verteilung von Gelenkflüssigkeit, die den Knorpel mit Nährstoffen versorgt. Tägliches Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen ist somit empfehlenswert. Dagegen sind Sportarten, bei denen es zu Stoßbelastungen auf die Gelenke oder zu Extrembewegungen kommt, eher ungeeignet. Dazu zählen zum Beispiel Tennis, Squash, Volleyball oder Fußball.

Vorerkrankungen, die eine Arthrose zusätzlich vorantreiben könnten, sollten möglichst gut therapiert werden.

Es ist ratsam, einseitige Belastungen (zum Beispiel im Beruf) zu vermeiden, indem man zwischendurch andere Bewegungsmuster einfließen lässt oder in der Freizeit gezielte gymnastische Übungen entgegensetzt.

Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich. Dadurch ist eine Arthrose wahrscheinlicher als bei Normalgewichtigen. Es ist daher ratsam, Übergewicht zu vermeiden und auf eine ausgewogenen Ernährung und ausreichend gelenkschonende Bewegung zu achten.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Arthrose haben, können Sie diese den Experten der Arthrose-Expertenrat stellen.

Quellen:
Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2008
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Gonarthrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/004 (Stand: April 2002)
Leitlinien der Dt. Ges. f. Handchirurgie: Daumensattelgelenksarthrose (Rhizarthrose). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 005/001 (Stand: Juni 2001)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie: Koxarthrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/001 (Stand: April 2002)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO): Skaphoidpseudarthrose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/030 (Stand: April 2002)

 

Autor: Melanie Wilberg 
Letzte Änderung am: 27.10.2008
 
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