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Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps)

Ein Bandscheibenvorfall verursacht starke Schmerzen

Ein Bandscheibenvorfall verursacht starke Schmerzen
(Quelle: BananaStock)

Der Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) ist eine Erkrankung der Wirbelsäule. Dabei tritt Gewebe aus der Bandscheibe aus und verursacht Schmerzen und Nervenstörungen.

Funktion und Aufbau der Bandscheiben

Die Bandscheiben liegen in der Wirbelsäule zwischen den einzelnen Wirbeln. Sie verbinden die Wirbel miteinander und wirken als elastischer Puffer, indem sie Belastungen ausgleichen und gleichmäßig verteilen. Dadurch schützen sie die Wirbelsäule vor Überlastungen.

Die Bandscheiben bestehen aus einem elastischen Gallertkern und einem Faserring. Der Gallertkern liegt innen und ist mit elastischem Gewebe gefüllt. Dieses Gewebe verformt sich bei Bewegungen wie ein Wasserkissen. Um den Gallertkern herum liegt ein Faserring, der nur leicht elastisch ist. Dadurch behält der Gallertkern seine Form.

Welche Ursachen hat ein Bandscheibenvorfall?

Beim Bandscheibenvorfall wird der äußere Teil der Bandscheibe, der Faserring, durchlässig oder rissig. Dadurch tritt Gallertgewebe aus dem Kern der Bandscheibe aus. Das Gewebe drückt auf die umliegenden Regionen und verursacht Beschwerden.

Die Bandscheiben unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess. Mit zunehmendem Alter kommt es zu einem normalen Verschleiß. Dieser Verschleißprozess kann jedoch durch andauernde Fehlbelastungen der Wirbelsäule oder durch Traumata beschleunigt und verstärkt werden und einen Bandscheibenvorfall auslösen.

Zu den häufigen Fehlbelastungen der Wirbelsäule gehört das Heben von schweren Gegenständen in falscher Haltung, aber auch dauerndes Sitzen in ungünstiger Haltung, etwa im Büro oder beim Autofahren, kann die Bandscheiben schädigen und zu einem Bandscheibenvorfall führen. Seltener liegen die Ursachen für einen Bandscheibenvorfall in Verletzungen der Wirbelsäule.

Neben der falschen Haltung beim Heben oder Sitzen ist starkes Übergewicht ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung eines Bandscheibenvorfalls. Durch Übergewicht werden die Gelenke und Knochen überproportional belastet. Das fördert den Verschleiß der Bandscheiben.

Symptome des Bandscheibenvorfalls: Schmerzen und Lähmungen

Ein Bandscheibenvorfall verursacht in der Regel starke Schmerzen. Das ausgetretene Gewebe drückt meist auf den Spinalnerv (aus dem Rückenmark entspringender Nerv) und das Rückenmark, es kommt zu Schmerzen und Lähmungserscheinungen.

Am häufigsten tritt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf (lumbaler Bandscheibenvorfall). Es kommt dort zu akut einschießenden Schmerzen, die bis in die Beine oder Zehen ausstrahlen können. Die Schmerzen verstärken sich bei Belastung oder Druckerhöhung, etwa beim Niesen. Störungen der Sensibilität in den betroffenen Bereichen und Taubheitsgefühl sind ebenfalls Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall. Je nach Schwere kann es zu neurologischen Ausfällen und Störungen von Blase und Darm kommen. Diese äußern sich im schlimmsten Fall als Harn- oder Stuhlinkontinenz.

Der Bandscheibenvorfall tritt seltener im Bereich der Halswirbelsäule auf. Auch hier kommt es zu Schmerzen und Lähmungserscheinungen. Sie können in die Schulter- , Arm- und Nackenregion ausstrahlen.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall diagnostiziert?

Nach einem Gespräch über die Krankheitsgeschichte mit dem Arzt (Anamnese) folgt eine neurologische Untersuchung. Dabei werden Reflexe und Bewegungsgeschwindigkeit gemessen. Bei Lähmungserscheinungen wird zusätzlich die Nervenleitgeschwindigkeit geprüft. Außerdem kann der Arzt mithilfe verschiedener Funktionstests prüfen, ob es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln könnte.

Mithilfe von bildgebenden Verfahren können die Wirbelsäule und das Weichteilgewebe abgebildet werden. Dies ist bei der Diagnose des Bandscheibenvorfalls besonders wichtig. Deshalb kommen häufig die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) zur Anwendung. Die Gabe von Röntgenkontrastmitteln macht zusätzlich die Nervenwurzeln und das Rückenmark sichtbar.

Wie wird ein Bandscheibenvorfall therapiert?

Die Behandlung ist abhängig von der Schwere des Bandscheibenvorfalls. Zur Anwendung können Physiotherapie, Medikamente und nur in schweren Fällen die Operation kommen. Meist werden mehrere Therapieformen miteinander kombiniert.

Physiotherapie

Häufig reicht eine konsequente Physiotherapie zur Linderung der Beschwerden aus. Sie besteht aus verschiedenen Anwendungen, die auch kombiniert werden können. Dazu gehören:

  • Wärmetherapie
  • Krankengymnastik
  • Massagen
  • Bewegungstherapie

Stufenbettlagerung

Die Stufenbettlagerung ist im Grunde eine nahezu völlige Ruhigstellung der Wirbelsäule. Sie wird beim lumbalen Bandscheibenvorfall angewendet und dauert bis zu vier Wochen. In dieser Zeit werden bei Bettruhe die Beine in einem 90 Grad-Winkel von Hüft- und Kniegelenken auf ein würfelförmiges Polster gelagert. Die Wirbelsäule wird so dauerhaft entlastet und der gereizte Nerv kann sich beruhigen. Das ausgetretene Material an der Bandscheibe trocknet langsam aus und drückt so nicht weiter auf den Nerv.

Medikamente

Der Einsatz von Medikamenten bei einem Bandscheibenvorfall dient in erster Linie der Schmerzlinderung. Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, und Antirheumatika mindern Schmerzen und wirken entzündungshemmend. Zur Muskelentspannung eignen sich Muskelrelaxantien.

Bandscheibenoperation

Schlägt die konservative Therapie bei einem Bandscheibenvorfall nicht an, empfiehlt sich eine Operation. In akuten Fällen mit deutlichen Lähmungserscheinungen und Schmerzen wird sie ebenfalls durchgeführt.

Mittlerweile gibt es verschiedene Operationsverfahren. Bei allen wird das ausgetretene Gewebe entfernt:

  • Diskotomie: Unter Vollnarkose wird der ausgetretene Gallertkern entfernt. Bei diesem Verfahren besteht ein vergleichsweise hohes Komplikationsrisiko. Es kann zu schmerzhaften Narbenwucherungen kommen, die unter Umständen eine erneute Operation erforderlich machen.

  • Mikrodiskotomie: Durch einen kleinen Zugang wird die ausgetretene Flüssigkeit entfernt. Das Risiko von Narbenwucherungen ist minimal.

Die am häufigsten durchgeführte Form der Mikrodiskotomie ist die Chemonukleolyse. Dabei wird der Gallertkern durch eingespritzte Enzyme verflüssigt und anschließend abgesaugt. Die Chemonukleolyse kann nur bei einem intakten Faserring durchgeführt werden. Bei der Perkutanautomatisierten Nukleotomie wird der ausgetretene Gallertkern nicht verflüssigt, sondern mithilfe von Zangen entfernt.

Alle Verfahren der Mikrodiskotomie können in der Regel ambulant und unter lokaler Betäubung durchgeführt werden.

Welchen Verlauf hat ein Bandscheibenvorfall?

In den meisten Fällen verläuft ein Bandscheibenvorfall ohne Komplikationen. Eine Bandscheibenoperation ist nur selten nötig. Mögliche Komplikationen nach einer Operation lassen sich durch umfassende Rehabilitationsmaßnahmen mindern. Maßvolle körperliche Bewegung, Rückengymnastik und das Vermeiden einer rückenschädigenden Haltung beim Heben und Sitzen verbessert die Prognose und beugt erneuten Bandscheibenvorfällen vor. Eine gezielte Rückenschule hilft Betroffenen, Ihre Haltung im Alltag zu verbessern und dauerhaft beizubehalten.

Wie kann man einem Bandscheibenvorfall vorbeugen?

Der Verschleiß der Bandscheiben mit zunehmendem Alter ist natürlich. Die Bandscheiben trocknen sozusagen langsam aus. Das Risiko eines Bandscheibenvorfalls verstärkt sich jedoch durch ständiges falsches Heben und Tragen oder durch falsches Sitzen. Eine Korrektur dieser ungünstigen Haltungen hilft deshalb, einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Im rahmen einer Rückenschule kann man lernen, worauf man achten sollte und die richtigen Haltungen erlernen.

Bewegung ist ebenfalls ein sinnvoller Weg, einem Bandscheibenvorfall vorzubeugen. Die Bandscheiben brauchen nicht nur die nächtlichen Ruhephasen, um sich zu regenerieren. Sie benötigen auch Bewegung, damit der Nährstoffaustausch mit dem umliegenden Gewebe funktioniert. Eine kräftige Rücken- und Bauchmuskulatur unterstützt die Wirbelsäule zusätzlich.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Bandscheibenvorfall haben, können Sie sich an den Experten der Expertenrat für Rückenschmerzen auf QualiMedicPlus wenden.

Quellen:
Dobos, G., Deuse U., Michaelsen, A. (Hrsg.): Chronische Erkrankungen integrativ. Konventionelle und komplementäre Therapie. Urban & Fischer, München 2006
Krämer, R., Herdmann, J., Krämer, J.: Mikrochirurgie der Wirbelsäule. Lumbaler Bandscheibenvorfall und Spinalkanalstenose: Indikation, Technik, Nachbehandlung. Thieme, Stuttgart 2005 Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und des Berufsverbandes der Ärzte für Orthopädie (BVO): Bandscheibenbedingte Ischialgie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 033/022 (Stand: April 2002)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie: Lumbaler Bandscheibenvorfall. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 008/022 (Stand: März 2005)

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 20.10.2010
 
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