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Bandwürmer (Cestoda)

Bandwurmeier werden häufig über Nahrungsmittel übertragen

Bandwurmeier werden häufig über Nahrungsmittel übertragen, wie die des Rinderbandwurms über Rindfleisch
(Quelle: BananaStock)

Bandwürmer sind Parasiten, welche von und in tierischen oder menschlichen Wirten leben. Für ihren Entwicklungszyklus sind sie auf einen oder zwei Zwischenwirte angewiesen. Bandwürmer haben keinen Darm, sondern nehmen ihre Nahrung über die Außenhülle auf. Der Aufbau des Bandwurms gliedert sich in Kopf und aneinander gereihte Kettenglieder. Der Kopf ist mit Saugnäpfen, Haken oder Sauggruben ausgestattet. Je nach Art erreicht ein ausgewachsener Bandwurm eine Größe zwischen zwei Millimetern und 20 Metern.

Medizinisch relevant für den Menschen sind der Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum), der Schweinebandwurm (Taenia solium), der Rinderbandwurm (Taenia saginata) sowie der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) und der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus). Der Mensch dient dem Parasiten, abhängig von der Gattung, als Zwischen- oder Endwirt. Diese Bezeichnung bezieht sich auf den Entwicklungsprozess, den der Parasit im Menschen durchläuft. Im Endwirt reift der Parasit zum erwachsenen (adulten) Wurm heran, ernährt sich vom Wirt und gibt zur Fortpflanzung Eier ab, welche über den Stuhl ausgeschieden werden. Wenn der Mensch als Zwischenwirt dient, dann entwickelt sich der Bandwurm in ihm vom Ei zur Larve (Finne).


Wie wird ein Bandwurmbefall verursacht?

Die Aufnahme von Bandwurmlarven geschieht meist über den Verzehr von rohem oder halbrohem Fleisch oder Fisch. Befruchtete Eier werden über eine Schmier- oder Schmutzinfektion übertragen.

Ein Bandwurmbefall durch den Rinder- oder den Schweinebandwurm wird als Taeniasis bezeichnet. Für diese beiden, weltweit verbreiteten, Arten ist der Mensch der einzige Endwirt. Eine Übertragung von Bandwurmlarven findet meist durch den Verzehr von rohem Fleisch statt, also zum Beispiel durch ein nicht ausreichend durchgebratenes Steak. Die Larve entwickelt sich im menschlichen Darm zum erwachsenen Bandwurm.

Die Infektion des Menschen mit dem Fischbandwurm, die Diphyllobothriose, geschieht durch den Verzehr von unzureichend gegartem Süßwasserfisch wie Aal, Hecht oder Barsch. Der Fischbandwurm ist in den Binnenseegebieten Mitteleuropas, in Japan und Nordamerika sowie in den Ostseeländern und im Donaudelta verbreitet.

Bei einer Infektion mit befruchteten Eiern von Fuchs- oder Hundebandwurm, der Echinokokkose, dient der Mensch als Zwischenwirt.

Der Hundebandwurm ist weltweit verbreitet und nutzt Hund, Wolf und Füchse als Endwirt. Neben Nutztieren wie Schaf, Schwein, Rind oder Pferd dient auch der Mensch als Zwischenwirt. Im Zwischenwirt findet die Entwicklung vom befruchteten Ei zur Hydatide statt. Die Hydatide ist eine Art Blase, in welcher sich Bandwurmlarven ansammeln. Die Ansiedelung von Finnen im Zwischenwirt führt zur so genannten zystischen Echinokokkose.

Der Fuchsbandwurm ist ein über die nördliche Hemisphäre verbreiteter, kleiner Dünndarmparasit des Endwirts Fuchs, Hund und Katze, welcher die alveoläre Echinokokkose auslöst. Befruchtete Eier des Fuchsbandwurms können beispielsweise über den Verzehr von Beeren übertragen werden, welche in der freien Natur in Bodennähe wachsen. Wahrscheinlicher ist eine Übertragung über die Berührung von Fell oder Kot infizierter (Haus-)Tiere (zum Beispiel Katze oder Hund).


Durch welche Symptome äußert sich ein Bandwurmbefall?

Ein Befall durch den Rinder- oder Schweinebandwurm verläuft meist ohne Symptome. In einigen Fällen ähneln die Anzeichen eher einer Magen- oder Darmerkrankung. Mitunter treten Symptome wie Juckreiz im Analbereich, Übelkeit und Appetitlosigkeit sowie Bauchschmerzen, Schwäche und Gewichtsverlust auf. Veränderungen der Haut, wie Ekzeme oder Rötungen, sind selten.

Bei einer Infektion mit dem Fischbandwurm kommt es ebenfalls nur selten zu deutlichen Symptomen. Mögliche Anzeichen sind Bauchschmerzen, Durchfall und Appetitlosigkeit.

Wird der Mensch zum Zwischenwirt für den Fuchs- oder Hundebandwurm, kann es zu einer Infektion innerer Organe kommen. Die Symptome beider Infektionen ähneln sich, da vorwiegend die Leber (zu 60 Prozent) und die Lunge (zu 30 Prozent) betroffen sind. Die befallenen Organe schwellen an und können teilweise zerstört werden. Aufgrund des langsamen Wachstums der Larvenansammlung stellen sich spezifische Symptome erst sehr spät ein. Anzeichen im fortgeschrittenen Stadium können ein Druckgefühl im Oberbauch, Gelbsucht (Ikterus), eine Gallenkolik oder Appetitlosigkeit sein.

Mitunter ist nicht nur die Leber vergrößert, es kommt auch zu einer Milzschwellung. Im weiteren Krankheitsverlauf kann das unbegrenzte Hydatidenwachstum zu Durchbrüchen durch das Zwerchfell hindurch in die Lunge führen. Das Platzen einer Hydatide kann Beschwerden wie Schmerzen in der Lunge, Husten und Atembeschwerden verursachen. Dabei kann es infolge der plötzlich freigesetzten großen Menge an Gewebe des Parasiten zu einer allergischen Überreaktion (anaphylaktischen Schock) kommen. Weitere Organe, die betroffen sein können, sind das Bauchfell, Niere, Muskulatur, Knochen und das zentrale Nervensystem (ZNS).


Wie wird ein Bandwurmbefall diagnostiziert?

Ein Bandwurmbefall wird je nach Gattung durch Larven, Eihüllen (Proglottiden), Wurmglieder oder ganze Würmer erkannt, welche mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Hierfür wird eine Stuhlprobe des Betroffenen unter dem Mikroskop auf Eier, Larven oder erwachsene (adulte) Bandwürmer hin untersucht.

Bei einem Befall durch Rinder-, Schweine- oder Fischbandwurm werden Proglottiden mit dem Stuhl ausgeschieden. Eine mikroskopische Untersuchung ermöglicht die Differenzierung von anderen Bandwurmarten. Eine Blutuntersuchung macht in der Regel wenig Sinn, da der Körper bei einer Taeniasis keine Antikörper bildet, die sich im Blut nachweisen lassen würden. Die Eihüllen des Rinderbandwurms können sehr beweglich sein und werden daher leicht mit erwachsenen Würmern verwechselt.

Eine Erkrankung durch Fuchs- oder Hundebandwurm wird häufig zufällig durch bildgebende Verfahren wie die Ultraschall-Untersuchung entdeckt, welche die Gewebsveränderung in den betroffenen Organen aufzeigt. Eine Blutuntersuchung kann spezifische Antikörper nachweisen. Wenn diese Antikörper nicht nachgewiesen werden, ist dies kein sicheres Argument gegen einen Bandwurmbefall.


Die Behandlung eines Bandwurmbefalls

Ziel der Behandlung eines Bandwurmbefalls ist es zum einen, die Eier, Larven oder erwachsenen Würmer im Darm abzutöten. Hierfür wird der Wirkstoff Niclosamid in Tablettenform verabreicht. Eine einmalige Behandlung reicht meist aus, jedoch sollte nach einer bestimmten Zeit eine Kontrolluntersuchung einer Stuhlprobe durchgeführt werden.

Eine zystische Hydatide in Leber oder Lunge bei einem Befall durch Hundebandwurmeier kann nur operativ behandelt werden. Wenn durch die Finne des Fuchsbandwurms eine Infektion innerer Organe verursacht wurde, kommt eine Behandlung durch Operation oder Chemotherapie in Frage. Da sich die Erkrankung meist auf die Leber konzentriert und auf Grund von fehlenden Symptomen oft erst spät bemerkt wird, kann eine Lebertransplantation nötig sein.


Welche Komplikationen können bei einem Bandwurmbefall auftreten?

Bei einer Infektion mit den Eiern des Hundebandwurms kann es, wenn die zystische Echinokokkose nicht behandelt wird, zu allergischen Reaktionen, bakteriellen Infektionen oder einer Entzündung der Gallengänge (Cholangitis) kommen.

Die Ansiedelung der Larve des Fuchsbandwurms führt zu einer so genannten alveolären Echinokokkose, die für den Menschen eine ernstzunehmende Wurmerkrankung darstellt. Wird diese nicht erkannt und behandelt, kann es zu einer Streuung der Zysten in Gehirn, Lunge oder Bauchfell und zum Tod durch Leberversagen kommen.


Kann man einem Bandwurmbefall vorbeugen?

Eine Erkrankung durch den Rinder-, Schweine- oder Fischbandwurm lässt sich durch die sorgfältige Zubereitung von Fleisch und Fisch vermeiden. Das Fleisch sollte gut durchgegart werden, um eventuell vorhandene Larven abzutöten.

Da die Eier des Hunde- und Fuchsbandwurms zum Beispiel über Haus- und Nutztiere übertragen werden können, sollte hier stets eine sorgfältige Hygiene beachtet werden. Hunde und Katzen, welche regelmäßig Auslauf in der Natur haben, sollten prophylaktisch mit einer Wurmkur behandelt werden. Hunde sollten nicht mit ungekochten Innereien von Schlachtvieh gefüttert werden. Weiterhin empfiehlt es sich, im Wald gesammeltes Beerenobst vor dem Verzehr gut zu waschen.


Weitere Fragen zu diesem Thema können Sie an die Experten der Hausarzt-Expertenrat richten.

Quellen:
Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2004
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Echinokokkose. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 25.11.2005)

 

Autor: Sarah Liebigt 
Letzte Änderung am: 13.11.2008
 
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