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Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pankreatitis)

Eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung äußert sich durch kolikartige Schmerzen

Eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung äußert sich durch kolikartige Schmerzen
(Quelle: LifeART)

Unter einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pankreatitis) versteht man eine akute oder chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch und hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen bildet sie Enzyme, die für die Verdauung von Eiweißen, Fetten und Zuckern in der aufgenommenen Nahrung sorgen. Vorstufen dieser Enzyme werden über den Bauchspeicheldrüsengang (Ductus pancreaticus) in den Dünndarm abgegeben. Dieser stößt auf den Gallengang (Ductus choledochus), vereinigt sich mit diesem und mündet in den Dünndarm. Die Verdauungsenzyme werden erst im Darm aktiviert, um eine Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse zu verhindern.
Die zweite wichtige Funktion der Bauchspeicheldrüse ist die Produktion der Hormone Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel im Körper regulieren. In den westlichen Ländern erkranken pro Jahr etwa 20 bis 100 von 100.000 Menschen an einer akuten und etwa drei bis vier von 100.000 an einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Die Tendenz der Erkrankungen ist steigend. In etwa 15 Prozent der Fälle verläuft eine Bauchspeicheldrüsenentzündung tödlich.

Was sind die Ursachen einer Pankreatitis?

Die häufigsten Ursachen für eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung sind Gallensteine und Alkohol. Zusammen verursachen diese bis zu 80 Prozent der Entzündungen. Wenn Gallensteine den Ausführungsgang der Gallenblase verlegen, kann hierdurch auch der Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse verlegt werden. Die Verdauungsenzyme stauen sich in der Bauchspeicheldrüse und lösen eine Entzündung aus. Auch andere mechanische Ursachen wie beispielsweise ein Tumor im Bereich des Ausführungsgangs können zur gleichen Symptomatik führen.

Der Genuss von Alkohol kann eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung auslösen, wobei der genaue schädigende Mechanismus nicht ganz geklärt ist. Zum einen wirkt Alkohol direkt schädigend auf die einzelne Zelle. Zum anderen werden Verdauungssekrete in ihrer Zusammensetzung geändert. Darüber hinaus wird der Schließmechanismus am Ausführungsgang von Bauchspeicheldrüsen- und Gallengang durch Alkohol geschädigt. Andere Stoffwechselstörungen wie beispielsweise eine sehr fettreiche Ernährung oder ein Überschuss an Kalzium im Blut (Hyperkalzämie) können in seltenen Fällen ebenfalls eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung auslösen. Andere seltene Ursachen sind Medikamente, genetische Veranlagung, Arterienverkalkung (Arteriosklerose) oder Infektionskrankheiten wie Mumps.

Wie äußert sich eine Pankreatitis?

Das Hauptsymptom der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung sind starke Schmerzen. Bei der akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung treten diese akut und kolikartig auf, oft werden sie als gürtelförmig und in den Rücken ausstrahlend beschrieben. Die Betroffenen nehmen eine gekrümmte Stellung ein, um die Schmerzen zu lindern. Hinzu kommen häufig Übelkeit, Appetitlosigkeit, Blähungen und Fieber. Die Darmtätigkeit ist oftmals eingeschränkt.

Die Schmerzen bei der chronischen Bauchspeicheldrüsen-Entzündung spürt der Betroffene dauerhaft oder auch schubweise mit zwischenzeitlicher Schmerzfreiheit. Es kommt zu Problemen bei der Verdauung fettreicher Speisen, zu Fettstühlen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Gewichtsabnahme. Die Entwicklung eines Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) durch die nachlassende Produktion von Insulin ist Zeichen einer schweren Schädigung der Bauchspeicheldrüse.

Wie wird eine Bauspeicheldrüsen-Entzündung diagnostiziert?

Treten Symptome auf, die an eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung denken lassen, sind zunächst das Arztgespräch (Anamnese) und die eingehende ärztliche Untersuchung einschließlich der Untersuchung des Bauchs (Abdomens) von Bedeutung.

Der Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung kann untermauert werden durch eine Blutuntersuchung. Hierbei können bestimmte Entzündungswerte und die Enzyme Amylase und Lipase erhöhte Werte aufweisen. Bei Gallensteinen sind auch die Leberwerte erhöht. In der Ultraschalluntersuchung des Bauchs (abdominelle Sonographie) kann in manchen Fällen die entzündete Bauchspeicheldrüse sichtbar gemacht werden. Auch Gallensteine kann der Arzt meist mittels Ultraschall gut diagnostizieren.

Eine nähere Untersuchung der Bauchspeicheldrüse und der übrigen Oberbauchorgane kann mittels Computertomographie oder Magnetresonanztomographie erfolgen. Hiermit werden das Ausmaß der Gewebszerstörung, Verkalkungen oder auch Blutungen sichtbar. Das Gangsystem der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase kann mittels der endoskopisch-retrograden Choledocho-Pankreatikographie (ERCP) gut beurteilt werden. Kleinere Steine, die das Gangsystem verlegen, können im Rahmen dieser Untersuchung direkt entfernt werden.

Welche Behandlungsmethoden sind möglich?

Die Therapie der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung hängt entscheidend von der Ursache ab. In der Regel erfolgt die Therapie im Krankenhaus. Sind Gallensteine oder andere "Hindernisse" Auslöser der Entzündung, müssen diese entfernt werden. Bei Alkohol als Auslöser der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung sollte dieser komplett gemieden werden.

Um die Produktion von Verdauungssäften so weit wie möglich einzuschränken, dürfen die Betroffenen zunächst nicht essen und trinken. Flüssigkeit und Nährstoffe werden über das Blut (intravenös) zugeführt. In einigen Fällen wird der Magensaft mittels einer Magensonde abgesaugt.

Ist die Bauchspeicheldrüse so stark geschädigt, dass sich größere Pseudozysten gebildet haben, kann deren Inhalt mithilfe einer Drainage abgeleitet werden. Liegt eine größere Zerstörung des Gewebes vor, muss in einigen Fällen auch operiert werden. Sind die Beschwerden gelindert, darf der langsame Kostaufbau sehr vorsichtig erfolgen. Vor allem Fett, Alkohol und Kaffee müssen gemieden werden. Enzyme der Bauchspeicheldrüse können in Tablettenform gegeben werden. Die durch die Entzündung verursachten Schmerzen können mit starken Schmerzmitteln behandelt werden.

Wie verläuft eine Pankreatitis?

Die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung kann akut oder chronisch verlaufen. Komplikation einer akuten Bauchspeicheldrüsen-Entzündung kann ein Alkohol-Entzugssyndrom sein, da Alkohol strikt vermieden werden muss. Es kann zu Herz-Kreislauf- oder Nierenversagen kommen. Andere Komplikationen sind Blutungen in der Bauchspeicheldrüse, ein erhöhter Blutzuckerspiegel, zu wenig Kalzium im Blut oder eine Übersäuerung des Bluts.

Die chronische Bauchspeicheldrüsen-Entzündung ist eine ernste Erkrankung, die nicht umkehrbar ist und die Lebenserwartung der Betroffenen verkürzt. In etwa 15 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung tödlich. Es kommt zur Zerstörung von Gewebe in der Bauchspeicheldrüse und in der Folge zu so genannten Pseudozysten und Verkalkungen. Es können sich Pankreassteine bilden, die den Ausführungsgang des Organs verlegen und so die Selbstverdauung und die fortschreitende Selbstzerstörung fördern. Bei starker Schädigung des Pankreas kann ein Diabetes mellitus entstehen.

Kann man einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung vorbeugen?

Um einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung vorzubeugen, sollte man den regelmäßigen Genuss von Alkohol in größeren Mengen vermeiden. Dies gilt besonders dann, wenn schon einmal eine akute Bauchspeicheldrüsen-Entzündung durchgemacht wurde oder ein erhöhtes Risiko besteht wie beispielsweise bei familiärer Belastung.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Bauchspeicheldrüsen-Entzündung haben, können Sie diese in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen:
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie: Therapie der akuten Pankreatitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/010 (Stand: Februar 1998)
Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE): Pankreatitis. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 068/016 (Stand: April 2002)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 21.10.2008
 
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