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Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

Faktoren wie Rauchen können Bauchspeicheldrüsenkrebs beeinflussen

Faktoren wie Rauchen können Bauchspeicheldrüsenkrebs beeinflussen
(Quelle: LifeART)

Unter Bauchspeicheldrüsenkrebs versteht man einen bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).

Die Bauchspeicheldrüse liegt im Oberbauch zwischen der Milz auf der linken und der Leber auf der rechten Seite. Sie ist etwa 15 Zentimeter lang und wird unterteilt in den Kopf (Caput), der sich in eine C-förmige Schleife des Zwölffingerdarms (Duodenum) schmiegt, einen Körper (Corpus), der die Hauptschlagader und die Wirbelsäule überquert, und einen Schwanz (Cauda). Der Bauchspeicheldrüsenkrebs geht in etwa 75 Prozent der Fälle vom Bauchspeicheldrüsen-Körper aus.

Die Bauchspeicheldrüse hat zwei wesentliche Funktionen. Zum einen bildet sie Enzyme, die für die Verdauung von Eiweißen, Fetten und Zuckern in der aufgenommenen Nahrung sorgen. Vorstufen dieser Enzyme werden über den Bauchspeicheldrüsengang (Ductus pancreaticus) in den Dünndarm abgegeben. Der Bauchspeicheldrüsengang mündet zusammen mit dem Gallengang in den Dünndarm. Die Verdauungsenzyme werden erst im Darm aktiviert, um eine Selbstverdauung der Bauchspeicheldrüse zu verhindern.

Die zweite wichtige Funktion der Bauchspeicheldrüse ist die Produktion der Hormone Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel im Körper regulieren. Der Großteil der bösartigen Tumore der Bauchspeicheldrüse geht vom Enzym bildenden (exokrinen) Teil der Drüse aus.

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist bei Männern die fünft- und bei Frauen die sechsthäufigste Krebsart. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 65 und 80 Jahren.

Ursachen von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Eine auslösende Ursache für Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nicht bekannt. Bestimmte Faktoren fördern jedoch die Entstehung der Erkrankung. Hierzu zählt vor allem das Rauchen.

Raucher sind zwei- bis dreimal häufiger von der Erkrankung betroffen als Nichtraucher. Auch eine chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die durch erhöhten Alkoholkonsum begünstigt wird, kann die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs fördern, ebenso wie der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Treten in einer Familie gehäuft Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs auf, ist das Erkrankungsrisiko bei Familienmitgliedern erhöht. Selten wird die Entstehung der Erkrankung durch das Vorliegen anderer chronischer Krankheiten begünstigt.

Symptome bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Symptome treten beim Bauchspeicheldrüsenkrebs häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf. Dumpfe Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen, können ein Anzeichen für die Erkrankung sein. Vor allem bei anhaltenden Schmerzen, die sich trotz Behandlungsversuchen nicht wesentlich bessern, sollten weitere Untersuchungen vorgenommen werden. Auch Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme können erste Zeichen für Bauchspeicheldrüsenkrebs sein.

Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen ist das erste Zeichen der Erkrankung ein neu aufgetretener Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Dieser entsteht durch die mögliche mangelnde Produktion von Insulin durch den Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Liegt der Tumor im Kopfteil der Bauchspeicheldrüse, kann er den Ausführungsgang des Gallengangs verlegen und so zu Gelbsucht (Ikterus) führen. Typisch ist, dass dieser nicht zu Schmerzen führt (schmerzloser Ikterus).

Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Zur Diagnose des Bauchspeicheldrüsenkrebses erfolgt zunächst ein ausführliches Arztgespräch (Anamnese) und eine gründliche körperliche Untersuchung. Selten kann ein Tumor im Bauchraum durch die Bauchdecke ertastet werden. Bei einer Blutuntersuchung werden verschiedene Werte bestimmt, die auf einen Bauchspeicheldrüsenkrebs hinweisen können. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung des Bauchs (abdominelle Sonographie) können in manchen Fällen die erkrankte Bauchspeicheldrüse sowie die Organe des Bauchraums sichtbar gemacht werden.

Eine nähere Untersuchung der Bauchspeicheldrüse, der übrigen Oberbauchorgane und der Lymphknoten kann mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) erfolgen. Hiermit können die Ausdehnung und Lage eines Tumors und Tochtergeschwulste (Metastasen) sichtbar gemacht werden.

Die MRCP (MagnetResonanzCholangioPankreatikographie) ist eine spezielle Form der Magnetresonanztomographie und ermöglicht die genaue Beurteilung des Gangsystems der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase ebenso wie die endoskopisch-retrograde Choledocho-Pankreatikographie (ERCP). Verlegt ein Tumor das Gangsystem, kann bei der ERCP ein dünner Schlauch (Stent) zur dauerhaften Überbrückung der Engstelle in das Gangsystem geschoben werden.

Als Endosonographie bezeichnet man die Ultraschalluntersuchung durch die Wand des Magens und Zwölffingerdarms. Neben der Beurteilung der Bauchspeicheldrüse können hierbei mit einer feinen Nadel Gewebeproben (Biopsie) entnommen werden. Zur Abklärung, ob Tochtergeschwulste (Metastasen) vorliegen, werden weitere Untersuchungen wie beispielsweise eine Röntgenuntersuchung der Lunge vorgenommen.

Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Je nach Größe und Stadium des Bauchspeicheldrüsenkrebses erfolgt die Therapie durch Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie einzeln oder in Kombination. Befindet sich der Tumor im Kopfteil der Bauchspeicheldrüse, ist die Operation sehr umfangreich, da benachbarte Organe wie Magen, Gallenblase und Zwölffingerdarm mit betroffen sind. Liegt der Tumor im Schwanz der Bauchspeicheldrüse, ist die Operation weniger umfangreich.

Hat der Bauchspeicheldrüsenkrebs Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet, kann eine Chemotherapie zur Anwendung kommen. Hierbei werden über die Blutbahn (intravenös) Zellgifte (Zytostatika) verabreicht, welche die Tumorzellen abtöten und die Tumoren damit zurückdrängen und verkleinern können. Da die Chemotherapie im gesamten Körper wirkt, werden auch gesunde Zellen zerstört, sodass es zu Nebenwirkungen wie beispielsweise Haarausfall kommt. Die Zytostatika werden jedoch zunehmend weiter entwickelt und besser verträglich. Chemotherapie kann auch vor oder nach der Operation des Bauchspeicheldrüsenkrebses zum Einsatz kommen.

Die Strahlentherapie (Radiatio) wird meist mit der Chemotherapie kombiniert und vor oder nach einer Operation eingesetzt. Auch die gezielte Bestrahlung einzelner Metastasen ist möglich, insbesondere zur Schmerzlinderung.

Chemo- und Strahlentherapie haben zum Ziel, ein Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen, sie wirken nicht heilend (kurativ), sondern lebensverlängernd (palliativ). Neben der Behandlung der körperlichen Symptome ist auch die psychosoziale Betreuung beispielsweise mithilfe von Psychotherapie oder Selbsthilfegruppen von großer Bedeutung.

Verlauf von Bauchspeicheldrüsenkrebs

Zum Zeitpunkt der Diagnose des Bauchspeicheldrüsenkrebses ist die Erkrankung häufig schon weit fortgeschritten. In etwa 20 Prozent der Fälle kann der Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert werden. Ist er zum Zeitpunkt der Diagnose kleiner als zwei Zentimeter und wird vollständig entfernt, leben zwei Jahre nach der Operation noch etwa 40 Prozent der Betroffenen.

Im Anschluss an die Operation müssen Verdauungsenzyme und Hormone, welche die Bauchspeicheldrüse nun nicht mehr bilden kann, lebenslang medikamentös zugeführt werden.

Kann der Tumor nicht mehr operativ entfernt werden, treten Komplikationen auf wie beispielsweise eine Einengung der Gallengänge. Kommt es so zu einer Abflussbehinderung von Verdauungssäften, können die Engstellen durch die dauerhafte Einlage von dünnen Schläuchen (Stents) in die Gänge überbrückt werden. Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Völlegefühl können so sehr gut gelindert werden. Auch die Ableitung der Sekrete durch Drainagen, die durch die Bauchdecke führen, ist möglich.

Nach Abschluss der Behandlung des Bauchspeicheldrüsenkrebses sollte in regelmäßigen Abständen die Tumor-Nachsorge erfolgen, um einen möglichen Rückfall (Rezidiv) früh zu erkennen. Insbesondere Tumormarker im Blut werden zur Verlaufskontrolle herangezogen. Hierzu zählt das CA 19-9 (Carbohydrate-Antigen). Insgesamt leben fünf Jahre nach Diagnosestellung noch vier bis fünf Prozent der Betroffenen.

Vorbeugen vor Bauchspeicheldrüsenkrebs

Spezielle Vorbeugemaßnahmen gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt es nicht. In erster Linie sollte auf eine gesunde Lebensführung möglichst ohne Alkohol und Rauchen geachtet werden. Eine Ernährung, die reich an Vitaminen und Ballaststoffen und fettarm ist, ist empfehlenswert. Übergewicht sollte vermieden werden.

Bei weiteren Fragen zum Thema Bauchspeicheldrüsenkrebs können Sie sich gerne an unsere Experten auf QualiMedicPlus wenden.

Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen in unserem Wartezimmer zum Thema Krebserkrankungen aus.


Quellen:
Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de (Stand: Februar 2008)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Exokrines Pankreaskarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/010 (Stand: Oktober 2006)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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