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Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

Blutdruckmessung beim Arzt

Mit einer einfachen Messung kann der Arzt Bluthochdruck feststellen
(Quelle: BananaStock)

Bluthochdruck wird in der Fachsprache als arterielle Hypertonie bezeichnet. Das Wort "hyper" kommt aus dem Griechischen und bedeutet "zu viel", "tonie" stammt vom lateinischen Wort "tonus" und bedeutet "Spannung", womit der Druck auf die Gefäßwände gemeint ist. Der gemessene Blutdruck entspricht dem Druck in den Arterien. Der Blutdruck enthält immer zwei Werte, nämlich den oberen, systolischen und den unteren, diastolischen Wert. Ab einem dauerhaften oberen Wert 140 mmHg oder mehr bzw. einem unteren Wert 90 mmHg oder mehr spricht man von Bluthochdruck. Nicht gemeint ist ein kurzfristig erhöhter Blutdruck, wie er beispielsweise nach körperlicher Anstrengung auftritt. Dies ist ganz normal und nach kurzer Ruhephase sinkt der Blutdruck wieder.

Bluthochdruck ist ein Risikofaktor für viele weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie beispielsweise Arteriosklerose, Koronare Herzkrankheit und chronische Herzinsuffizienz. Bluthochdruck ist in fast allen Ländern der Erde ein Problem. Ca. 20 Prozent der Bevölkerung bis zum 50. Lebensjahr und ca. 30 bis 40 Prozent der Menschen über dem 50. Lebensjahr sind betroffen. Da der Bluthochdruck oft keine Beschwerden macht, bleibt er häufig jahrelang unentdeckt und schädigt dabei aber dauerhaft die Gefäße.


Ursachen für Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)

Für den Bluthochdruck gibt es bei über 90 Prozent der Betroffenen keine erkennbare Ursache. Man spricht deshalb von essentieller oder primärer Hypertonie. Faktoren wie Übergewicht, Diabetes mellitus, hormonelle Verhütungsmittel insbesondere in Kombination mit Rauchen, Stress, Vererbung, Nierenerkrankungen und hoher Salzkonsum erhöhen das Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln.

Bei etwa jedem Zehnten, der unter Bluthochdruck leidet, liegen organische Erkrankungen zugrunde. Man spricht dann vom sekundären Bluthochdruck. Folgende Organe können für Bluthochdruck verantwortlich sein:

  • Nierenerkrankungen: Durch Erkrankungen, bei denen die Nieren schlechter als normal arbeiten, kommt es häufig auch zu einem erhöhten Blutdruck. Da dieser wiederum die Nieren schädigt, entsteht ein Teufelskreis.
  • Nebennieren: In den Nebennieren werden Hormone produziert, die den Blutdruck regulieren. Werden zu viele Hormone produziert, steigt dieser krankhaft an.
  • Schilddrüse: Auch in der Schilddrüse werden Hormone produziert, welche bei Überproduktion ebenfalls den Blutdruck ansteigen lassen.


Ebenso können verschiedene Medikamente den Blutdruck erhöhen. Dazu zählen hormonelle Verhütungsmittel, verschiedene Appetitzügler und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR). Auch Lakritz kann in sehr großen Mengen genossen Bluthochdruck verursachen. Außerdem sind Menschen gefährdet, die sehr viel Alkohol trinken und Drogen wie Kokain, Ecstasy und Amphetamine konsumieren.


Symptome bei Bluthochdruck (arterieller Hypertonie)

Bluthochdruck ist häufig nicht zu spüren. Gerade das ist aber das Gefährliche daran, da er trotzdem die Gefäße und eventuell sogar bereits weitere Organe schädigt.Mögliche Beschwerden durch Bluthochdruck sind:

  • Kopfschmerzen oder auch ein Druckgefühl im Kopf
  • Schwindel
  • Nasenbluten
  • Brustschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Sehstörungen
  • Schlafstörungen
  • Angstgefühle


Diese Symptome können auch bereits Zeichen einer Organschädigung sein. Deshalb sollte jeder regelmäßig seinen Blutdruck messen oder messen lassen. Ist der Bluthochdruck erkannt, kann die Gefahr von Organschäden durch eine gut eingestellte Therapie und Lebensweise stark verringert werden.

Bei folgenden Symptomen sollte umgehend der Blutdruck gemessen und bei erhöhten Werten ein Arzt aufgesucht werden, da sie durch einen extremen Anstieg des Bluthochdrucks verursacht werden:

  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Bewusstseinsstörungen
  • starke Atemnot
  • Enge in der Brust


Diagnose von Bluthochdruck (arterieller Hypertonie)

Zur Diagnose des Bluthochdrucks wird eine Blutdruckmessung durchgeführt. Dabei werden nicht nur Einzelmessungen vorgenommen, sondern meist auch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung. Dabei kann beobachtet werden, wie sich der Blutdruck im Verlauf eines ganzen Tages, also auch nachts, verhält und gibt somit einen besseren Überblick, ob es sich nicht doch nur um vereinzelt erhöhte Werte handelt. Zudem wird Blut und Urin untersucht, um eine Erkrankung der Nieren auszuschließen. Weitere Untersuchungen sind:

  • Spiegelung des Augenhintergrunds: Da der Bluthochdruck gerade die kleinen Gefäße schädigt, wie sie am Auge vorhanden sind, sollte der Augenhintergrund durch einen Augenarzt untersucht werden, um Schädigungen auszuschließen.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Mithilfe eines EKGs kann erkannt werden, ob das Herz richtig arbeitet. Bei bereits länger vorhandenem Bluthochdruck kann es zu einer Vergrößerung der linken Herzhälfte kommen. Bei Auffälligkeiten kann ein Ultraschall des Herzens (Echokardiographie) im Anschluss durchgeführt werden.
  • Ultraschall des Bauchraums (Sonographie): Dieses Ultraschall kann durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob die Nieren einwandfrei arbeiten.
  • Belastungs-EKG (Ergometrie): Bei dieser Untersuchung wird die Herztätigkeit unter Belastung, beispielsweise auf einem Fahrradergometer, kontrolliert, um die körperliche Belastbarkeit zu testen.


Therapie des Bluthochdrucks (arterieller Hypertonie): Medikamente und Lebensstiländerung

Die Therapie des Bluthochdrucks besteht zum einen in Änderungen der Lebensführungen, zum anderen in der medikamentösen Therapie. Bei letzterer können anfangs Probleme wie Schwindel, Müdigkeit u.ä. auftreten. Wenn der Körper sich auf den neuen Blutdruck eingestellt hat, sollten diese Beschwerden verschwinden. Zur medikamentösen Therapie stehen verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung:

  • Diuretika: Sie regen die Nieren an, mehr Wasser aus dem Körper auszuscheiden. Die so verringerte Flüssigkeitsmenge im Blutkreislauf sorgt für einen geringeren Druck in den Gefäßen. Sie gehören zu den ältesten Blutdruckmedikamenten.
  • Betablocker: Sie blockieren die so genannten Beta-Rezeptoren am Herzen und in den Gefäßen. Dadurch können die Blutdruck erhöhenden Hormone Adrenalin und Noradrenalin nicht mehr in vollem Umfang an die Rezeptoren binden und wirken. Die Herzfrequenz und die Schlagstärke wird gesenkt und das Blut mit weniger Druck in den Blutkreislauf gepumpt, woraufhin der Blutdruck sinkt.
  • Kalzium-Antagonisten: Sie verringern die Aufnahme von Kalzium in die Gefäßmuskulatur, wodurch diese sich nicht mehr zusammenziehen können und weit gestellt bleiben. Dadurch sinkt der Druck in den Gefäßen.
  • ACE (Angiotensin-Converting-Enzyme)-Hemmer: ACE-Hemmer blockieren das Enzym, welches die Bildung eines gefäßverengenden Stoffs (Angiotensin II) unterstützt. Somit vermindern sie den Druck in den Blutgefäßen und verhindern, dass der Körper zuviel Salz und Wasser speichert. Dies wiederum schützt in gewissem Maße auch die Nieren.
  • Angiotensin-II-Antagonisten (AT1-Blocker) oder Sartane: Sie blockieren die Hormon-Rezeptoren auf der Oberfläche von Blutgefäßen. Dadurch kann Angiotensin II seine gefäßverengende Eigenschaft nicht mehr richtig entfalten und der Blutdruck sinkt. Gleichzeitig bremsen sie den Herzmuskel in den Anspannungsphasen und verbessern somit die Effizienz des Herzens, da weniger Sauerstoff verbraucht wird.


Ebenso wichtig wie die medikamentöse Therapie ist aber auch die Eigeninitiative der Betroffenen. Sie sollten ein Blutdruckprotokoll führen, ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und bestimmte Lebensgewohnheiten ändern bzw. einhalten. Folgende Maßnahmen bezüglich Ernährung und Lebensweise sind zu beachten:

  • Normales Körpergewicht erhalten bzw. Normalisierung des Körpergewichts bei Übergewicht
  • Einschränkung der Kochsalzzufuhr (max. 5g/Tag)
  • Kaliumreiche Kost aufnehmen (Kartoffeln, Spinat, Fisch, Bananen)
  • Einschränken des Alkoholkonsums auf unter 30 g/Tag (max. zwei Gläser Bier oder Wein)
  • Nichtraucher werden oder bleiben
  • Ausdauer trainieren (Rad fahren, joggen, schwimmen)
  • Stress reduzieren und Entspannungstechniken anwenden


Eine gesunde Ernährung und Lebensführung sind die Grundlage jeder Bluthochdruckbehandlung und können in manchen Fällen sogar die medikamentöse Therapie überflüssig machen.


Verlauf des Bluthochdrucks (arterieller Hypertonie)

Ein nicht erkannter bzw. behandelter Bluthochdruck kann schwerwiegende Folgen haben. Deshalb sind die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks und die Behandlung bei Bluthochdruck sehr wichtig. Erfolgt keine adäquate Einstellung des Blutdrucks, werden die Gefäße auf Dauer geschädigt und es kann zu einer Reihe von Folgeerkrankung kommen. Zu diesen gehören Herzerkrankungen (Herzmuskelschwäche, Angina pectoris, Herzinfarkt), Schlaganfälle und Nierenerkrankungen. Ein besonderes Problem stellt Bluthochdruck bei Menschen mit Diabetes mellitus dar, da durch diese Erkrankung bereits große und kleine Gefäße geschädigt werden können. Ein Bluthochdruck kann dadurch verstärkt oder sogar ausgelöst werden. Deshalb sollte insbesondere bei Diabetikern unbedingt regelmäßig der Blutdruck gemessen werden.


Wie kann man vorbeugen?

Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßigem Sport, wenig Stress und mäßigem Alkoholkonsum ist die beste Art Bluthochdruck vorzubeugen. Manche Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, beenden die Therapie eigenmächtig, wenn der Blutdruck sinkt. Dies ist auf jeden Fall zu unterlassen, da sich dadurch gefährliche Schwankungen ergeben können. Medikamente dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht reduziert bzw. abgesetzt werden. In der Regel ist eine dauerhafte Einnahme notwendig.


Sie haben noch weitere Fragen zu dem Thema Bluthochdruck (arterieller Bluthochdruck)? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat.

Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen in unserem Wartezimmer "Selbsthilfeforum Herz und Kreislauf" aus.



Leiden Sie auch an einer Herzerkrankung? Auf www.patienten-erfahrungen.de - Ihrem Erfahrungsaustausch im Internet können Sie sich mit anderen Betroffenen und Angehörigen austauschen.

Quellen:
Hossmann, V., Beyer, D., Horsch, S., Roth, F.J.: Gesunde Gefäße ? Prävention und Heilung von Gefäßerkrankungen. HONOS, Köln 2005
Gotzen, R.; Lohmann, F.W.: Hoher Blutdruck ? Ein aktueller Ratgeber. Steinkopff, Darmstadt 2005
Leitlinien der Deutschen Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V.: Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 046/001 (Stand: November 2003)
Patientenleitlinie Hypertonie der Universität Witten/Herdecke (Stand: Januar 2003)

 

Autor: Miriam Funk 
Letzte Änderung am: 07.05.2012
 
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