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Borderline-Störung

 Borderline-Störungen können ihren Ursprung in traumatischen Kindheitserlebnissen haben

Borderline-Störungen können ihren Ursprung in traumatischen Kindheitserlebnissen haben
(Quelle: DAK/Wigger)

Unter einer Borderline-Störung versteht man eine Krankheit der Psyche, die an der Grenze zum „psychisch Gesunden“ angesiedelt ist. Sie wird auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus bezeichnet.

Die Borderline-Störung ist durch die Kombination verschiedener typischer Symptome geprägt. Die Betroffenen sind emotional instabil, unsicher und impulsiv, die Stimmung ist wechselhaft.

Es wird geschätzt, dass etwa zwei Prozent der Bevölkerung an einer Borderline-Störung erkrankt sind. Meist wird die Diagnose bei Heranwachsenden gestellt. Hierbei sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen.

Wie entsteht eine Borderline-Störung?

Man geht heute davon aus, dass die Ursachen für die Borderline-Störung in der frühen Kindheit liegen. Die Betroffenen haben häufig traumatische Erlebnisse in dieser Zeit erfahren. In vielen Fällen waren sie beispielsweise Opfer körperlicher Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs. Auch das Erleben ausgeprägter Gewalt in der unmittelbaren Umgebung oder eine extrem strenge Erziehung kann die Entstehung einer Borderline-Störung fördern.

Den Betroffenen fällt es schwer, ihre eigenen Gefühle richtig kennen zu lernen und zu interpretieren. Häufig haben sie durch die Traumata in der Kindheit ein Schwarz-Weiß-Denken erlernt und unterscheiden zwischen „nur gut“ und „nur böse“. Da die Personen, die den Betroffenen Gewalt antun, meist sehr nahe Bezugspersonen sind, fällt diese Unterscheidung sehr schwer oder ist unmöglich. Beispielsweise empfindet ein Kind gegenüber dem Vater zunächst Liebe, gleichzeitig jedoch Hass, wenn es durch ihn missbraucht wird. Es genießt erhöhte Aufmerksamkeit, empfindet aber gleichzeitig tiefe Scham. Dieser extreme Widerspruch der Gefühle lässt sich nicht vereinbaren und die negativen Gefühle richten sich im Lauf der Jahre häufig gegen die eigene Person. Auch kommt es zu einer Entfremdung vom eigenen Körper und einem Gefühl der Leere und des „Neben-sich-Stehens“.

Hauptsymptom: Stimmungsschwankungen

Menschen mit einer Borderline-Störung fallen durch dauerhafte emotionale Instabilität und Impulsivität auf. Ihre Stimmung ist sehr wechselhaft. Geraten die Betroffenen in Stresssituationen, können paranoide Symptome auftreten. Auch so genannte dissoziative Symptome werden beobachtet – der Betroffene steht beispielsweise „wie neben sich“, er entwickelt das Gefühl, sich selbst und seine Handlungen zu beobachten und ist dabei fast unbeteiligt. Er ist sich seiner eigenen Identität unsicher. Meist ruft dies starke Angstgefühle hervor. Um den eigenen Körper und sich selbst wieder zu spüren, verletzen sich daher viele Betroffene selbst. Beispielsweise ritzen sie häufig die eigene Haut mit Rasierklingen ein und zeigen andere selbstschädigende und impulsive Verhaltensweisen.

Die Beziehungen von Menschen mit einer Borderline-Störung zu anderen sind oft wenig konstant sowie von Konflikten und Krisen geprägt. Typischerweise besteht die starke Angst davor, verlassen zu werden.

Wie diagnostiziert man eine Borderline-Störung?

Die Diagnose der Borderline-Störung wird meist bei heranwachsenden Mädchen und jungen, erwachsenen Frauen gestellt. Vor allem ausgeprägte Impulsivität, die fehlende Kontrolle von Impulsen und Affektinstabilität stehen bei der Diagnosestellung im Vordergrund. Die Betroffenen neigen zu aggressivem und streitsüchtigem Verhalten bis hin zu Wutausbrüchen. Diese treten vor allem dann auf, wenn das auffällige Verhalten kritisiert wird. Die Betroffenen sind nicht oder sehr begrenzt in der Lage, ihre eigenen Handlungen zu planen. Sie zeigen häufig selbstschädigende Verhaltensweisen wie das „Ritzen“. Sie sind sich ihrer selbst, ihrer Identität und ihrer Gefühle sehr unsicher. Hierzu zählt auch die Unsicherheit in der sexuellen Präferenz und ein unbeständiges Beziehungsverhalten. Nicht selten ist dies auch Auslöser für emotionale Krisen der Betroffenen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Eine ambulante Therapie der Borderline-Störung ist möglich, die Instabilität der Persönlichkeit führt jedoch häufig zum Wechsel von Therapeuten und zu Therapieabbrüchen. Bei bestehender Selbst- oder Fremdgefährdung sollte eine stationäre Therapie erfolgen, ebenso bei bestehenden anderen psychischen Erkrankungen wie Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Medikamente werden zur Behandlung zusätzlicher anderer Störungen wie beispielsweise Depressionen eingesetzt.

Die Behandlung der Borderline-Störung erfolgt zunehmend mit der so genannten dialektisch-behavioralen Therapie. Hierbei versucht man zunächst, krankheitstypische Verhaltensmuster zu erkennen und zu behandeln. Auch die Lebensqualität beeinträchtigende Verhaltensweisen wie Drogenmissbrauch werden in dieser ersten Phase angesprochen. Anschließend versucht man, Verhaltensfähigkeiten zu entwickeln. Die Betroffenen lernen, problematische Verhaltenweisen auf andere Weise zu lösen als bisher. Diese Therapie erfolgt häufig in Gruppen.

Sind die Lebensumstände und Verhaltensweisen des Betroffenen stabilisiert, kann er mit problematischen Situationen besser umgehen. Nun erfolgt der nächste Schritt in der Therapie, in dem man die Traumata der Vergangenheit aufarbeitet. Die Betroffenen sollen verinnerlichen, dass diese der Vergangenheit angehören. Sie sollten möglichst Schutzmechanismen entwickeln, um sich vor Situationen zu schützen, die solche Erinnerungen auslösen.

In der letzten Phase der Therapie versucht man, das Erlernte in das tägliche Leben einfließen zu lassen. Langfristiges Ziel ist es, das Selbstwertgefühl zu steigern und individuelle, insbesondere auch berufliche Ziele, umzusetzen.

Wie verläuft eine Borderline-Störung?

Die Borderline-Störung hat ihren Ursprung in der frühen Kindheit. Da die Entwicklung der Persönlichkeit erst weit später abgeschlossen ist, wird sie meist im jungen Erwachsenenalter diagnostiziert.

Der Verlauf der Borderline-Störung ist häufig chronisch. Mit zunehmendem Alter des Betroffenen kann die Ausprägung der Symptome jedoch abnehmen. So kann häufig um das dreißigste bis vierzigste Lebensjahr eine zunehmende Stabilität und abnehmende Impulsivität erreicht werden.

Kann man einer Borderline-Störungen vorbeugen?

Um Borderline-Störungen vorzubeugen, muss versucht werden, die Ursachen so früh wie möglich zu beseitigen. Die erhöhte Aufmerksamkeit insbesondere für den sexuellen Missbrauch an Kindern könnte beispielsweise dazu beitragen, die Entwicklung einer Borderline-Störung in einigen Fällen zu verhindern. Das zunehmende Wissen über die Ursachen der Borderline-Störung eröffnet Möglichkeiten einer frühzeitigen Therapie und damit Hilfe für die Betroffenen.



Haben Sie noch Fragen zum Thema Borderline-Störung? Dann wenden Sie sich an unsere Expertenrat!

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Quellen:
Gemeinsame Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin, Deutschen Gesellschaft für Psychonanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT), des Deutschen Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) und der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie (AÄGP): Borderline-Persönlichkeitsstörung. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 051/015 (Stand: September 2000)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie: Persönlichkeitsstörungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/033 (Stand: November 2006)

 

Autor: Dr. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 09.10.2008
 
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