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Borreliose (Lyme-Borreliose)

Zecken übertragen Erreger der Borreliose

Zecken übertragen den Erreger der Borreliose
(Quelle: Kurt Michel/PIXELIO)

Borreliose bezeichnet eine Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird. Sie wird auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Disease genannt, da im Ort Lyme in den USA erstmals nach Zeckenstichen gehäuft auftretende Gelenkentzündungen beschrieben wurden. Die Borrelien wurden als Erreger der Krankheit erst 1981 entdeckt. Borrelien werden durch Zecken übertragen, daher tritt die Krankheit gehäuft dort auf, wo viele infizierte Zecken vorkommen. Die Häufigkeit der Borreliose ist zunehmend, das Verbreitungsgebiet der infizierten Zecken dehnt sich über die gesamte nördliche Hemisphäre aus. Die Lyme-Krankheit ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa.

Zwischen fünf und 35 Prozent der Zecken in Deutschland tragen Borrelien in sich. Zwei bis sechs Prozent der Gestochenen werden mit Borrelien infiziert. Das Risiko, nach einem Zeckenstich an Borreliose zu erkranken, liegt schätzungsweise zwischen einem halben und zwei Prozent. Die Frühstadien der Borreliose treten gehäuft in den warmen Monaten des Jahres auf.

Wie entsteht Borreliose?

Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelium burgdorferi verursacht, das durch infizierte Zecken der Gattung Ixodes ricinus (Holzbock) auf den Menschen übertragen wird. Erfolgt der Stich einer Zecke, kann über ihren Speichel der Erreger in das menschliche Blut gelangen, sodass die Gestochenen in der Folge an Borreliose erkranken. Je nach geographischem Gebiet ist eine unterschiedliche Anzahl der Zecken mit Borrelien infiziert, dementsprechend ist das Erkrankungsrisiko etwas unterschiedlich.

Vom Stich der Zecke bis zum Auftreten der ersten Krankheitszeichen vergehen in der Regel einige Wochen. In einigen Fällen treten jedoch erst nach Jahren oder Jahrzehnten Symptome der Borreliose auf.

Wie äußert sich die Borreliose?

Man unterscheidet verschiedene Stadien der Borreliose. Die Stadien können einander folgen oder auch einzeln auftreten. Das Frühstadium (Stadium I) zeigt sich durch beginnende Symptome Tage bis Wochen nach erfolgtem Zeckenstich. Es können Beschwerden wie bei einer schweren Grippe mit Fieber, Kopfschmerzen, Schwellung der Lymphknoten und Erkältungszeichen auftreten. Typisch für das Frühstadium ist die so genannte Wanderröte (Erythema migrans): Zunächst bildet sich eine Hautrötung um die Bissstelle, die mit der Zeit zentral abblasst und einen immer größer werdenden roten Kreis um den ursprünglichen Zeckenbiss herum zeigt. Bei Kindern fehlt das Frühstadium häufig.

Das Stadium II der Borreliose kann sich Monate bis Jahre nach der Übertragung der Borrelien bemerkbar machen. Hierbei kommt es typischerweise zu Symptomen an den Nerven (Neuroborreliose) wie Koordinations- und Gefühlsstörungen sowie Lähmungen. Beispielsweise kann eine Borreliose des Gesichtsnervs (Facialisparese) Lähmungen der Gesichts- und Sprechmuskulatur verursachen. Selten sind Entzündungen am Herzen mit daraus folgenden Herzrhythmusstörungen.

Das dritte Stadium der Borreliose manifestiert sich Monate bis Jahrzehnte nach erfolgtem Zeckenstich. Hierbei kommt es zu Gelenkbeschwerden (Lyme-Arthritis oder Arthroborreliose) an einem oder mehreren Gelenken, häufig an den Knien. Die Acrodermatitis chronica atrophicans Herxheimer bezeichnet eine Erkrankung der Haut durch Borrelien, wodurch die Haut sehr dünn wird und sich bläulich verfärbt. In der Folge können Nervenschäden bis hin zu Lähmungen einer oder beider Körperseiten entstehen.

Wie wird die Diagnose der Borreliose gestellt?

Die Diagnose einer Borreliose wird vor allem anhand der auftretenden Symptome und der gründlichen Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) gestellt. Allerdings können sich die Betroffenen in etwa der Hälfte der Fälle nicht an einen erfolgten Zeckenstich erinnern. Liegen untrügliche Zeichen für das Vorliegen einer Borreliose wie eine Wanderröte (Erythema migrans) vor, ist dies für die Diagnose ausreichend. Durch eine Blutentnahme können Antikörper gegen Borrelien nachgewiesen werden. In der frühen Krankheitsphase sind die Antikörper jedoch oftmals noch nicht nachweisbar. Sowohl falsch negative als auch falsch positive Ergebnisse können auftreten. Es besteht also einerseits die Gefahr, dass die Blutuntersuchung unauffällig ist, obwohl eine Borreliose vorliegt. Umgekehrt kann der Bluttest Borrelien-Antikörper zeigen, die aber durch eine andere Krankheit hervorgerufen werden und tatsächlich keine Infektion mit Borrelien stattgefunden hat. Auch eine lang zurückliegende, ausgeheilte Borrelien-Infektion kann verantwortlich sein für den Nachweis von Antikörpern im Blut.

In der Nervenflüssigkeit (Liquor), die aus dem Rückenmarkskanal in der Wirbelsäule entnommen werden kann, ist der Nachweis von Borrelien-Antikörpern möglich, ebenso in Gelenkflüssigkeit, die aus den Gelenken punktiert werden kann. In Verbindung mit entsprechenden klinischen Symptomen gilt der Borrelien-Antikörper-Nachweis in diesen Flüssigkeiten als beweisend für eine Borreliose.

Wie wird die Borreliose behandelt?

Eine Borreliose muss immer mit einem Antibiotikum behandelt werden. Im Frühstadium wird dies in der Regel über zwei bis drei Wochen in Tablettenform verabreicht. Bei der Arthro- und Neuroborreliose erfolgt die Behandlung mit Medikamenten, die über die Blutbahn (intravenös) gegeben werden.

Wie verläuft die Borreliose?

Typischerweise wird die Borreliose in drei Stadien eingeteilt, wobei alle Stadien auch einzeln auftreten können. Eine akute Borreliose dauert weniger als sechs Monate an. Bei frühzeitig einsetzender Behandlung mit Antibiotika im ersten Stadium ist die Erkrankung heilbar. Wird die Erkrankung dagegen erst in einem späteren Stadium entdeckt, ist unter Umständen keine Heilung mehr möglich. Durch Antibiotika können die Symptome jedoch deutlich gelindert werden. Die Prognose der Borreliose ist insgesamt gut.

Wie kann man einer Borreliose vorbeugen?

Einer Borreliose kann vorgebeugt werden, indem Vorsichtsmaßnahmen gegen Zeckenstiche vorgenommen werden. Zum Teil können Zeckenstiche durch Schutzmaßnahmen wie das Tragen von heller, geschlossener Kleidung, das Vermeiden von Unterholz und hohen Gräsern und Verbleiben auf festen Wegen verhindert werden. Zeckensprays schützen nur über einige Stunden. Nach dem möglichen Kontakt mit Zecken sollte der Körper gründlich abgesucht werden. Die Zecke sollte so kurze Zeit wie möglich nach dem Stich vollständig und schonend mit einer spitzen Pinzette entfernt werden.

Die vorsorgliche Gabe von Antibiotika nach Zeckenstichen ohne das Vorliegen von Symptomen ist nicht empfehlenswert. Eine Impfung gegen Borreliose gibt es nicht.

Wenn Sie weitere Fragen zu Borreliose haben, können Sie diese unseren Experten in der Hausarzt-Expertenrat stellen.

Quellen
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte: Lyme-Borreliose. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: April 2007)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI): Lyme-Borreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 048/007 (Stand: 1998)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Neuroborreliose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/071 (Stand: November 2004)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 02.09.2009
 
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