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Muttermilch

Das Stillen des Säuglings ist wichtig, da die Muttermilch auf den Bedarf des Säugling abgestimmte wichtige Nährstoffe enthält und den Säugling mit Abwehrstoffen versorgt. Es gibt kein vergleichbares industriell hergestelltes Produkt, dass an die hohe Wertigkeit der Muttermilch herankommt. Stillen stärkt zudem die Mutter-Kind Beziehung.

Die Vormilch unterstützt das Immunsystem
Die Produktion und Freisetzung der Muttermilch wird, wie der Zyklus der Frau, von Hormonen gesteuert. Direkt nach der Geburt produziert die Brust in der ersten Woche eine Art Vormilch, das sogenannte Kolostrum. Das Kolostrum, meist eine gelbliche Flüssigkeit und etwas dicker als die übliche Muttermilch, enthält einen etwa 10-fach höheren Anteil an Beta-Karotin. Beta-Karotin und Vitamin E als Antioxidantien schützen den Säugling während des ersten Lebensabschnittes vor oxidationsbedingten Schäden. Das Kolostrum ist auch reich an Immunoproteinen wie zum Beispiel einige spezifische Antikörper, die den Säugling vor Infektionen im Verdauungstrakt schützen. Das Kolostrum unterstützt so das noch in der Entwicklung befindliche Immunsystem des Säuglings. Außerdem vermutet man, dass das Kolostrum auch die Neigung zu Allergien und Asthma vermindert.

Inhalt der Muttermilch
Die eigentliche Muttermilch ist weiß und cremig. Sie ist eine komplexe Substanz und ist aus fast 200 verschiedenen Bestandteilen zusammengesetzt. Sie enthält neben Wasser die für den Säugling wichtigen Nährstoffzusammensetzung aus Proteinen, Kohlehydraten (Milchzucker), Fett, Mineralien, Spurenelementen sowie Vitaminen. Die Muttermilch enthält ferner Enzyme, die dem Säugling eine bessere Verdauung der Nährstoffe ermöglichen, verschiedene Immunstoffe, die den Säugling vor Infektionen schützen und Hormone, die das Wachstum beeinflussen.
Das Baby verdaut eine Brustmahlzeit innerhalb von zwei Stunden. Für eine Flaschenmahlzeit, die aus Kuhmilch gewonnen wurde und nicht so hochwertig ist, braucht es doppelt so lange.
Konsistenz und Konzentration der Inhaltsstoffe der Muttermilch können von Frau zu Frau stark unterschiedlich sein, was unter anderem auch von der Ernährung und dem Ernährungszustand zusammenhängt. Wenn Sie zum Beispiel selbst eine Mahlzeit ausfallen lassen, wird auch Ihre Muttermilch beim nächsten Stillen weniger Fett enthalten. Wenn Sie Alkohol, Kaffee oder Nikotin konsumieren, nimmt Ihr Kind diese Stoffe ebenfalls mit der Muttermilch auf. Deswegen ist eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung nicht nur für sie sondern auch für die Qualität der Muttermilch entscheidend.
In einer Untersuchung wurde sogar festgestellt, dass die Muttermilch nach einer Frühgeburt anders zusammengesetzt ist als nach einer normal ausgetragenen Schwangerschaft. Die Nährstoffbedürfnisse eines Frühgeborenen sind andere als die eines termingerecht geborenen Säuglings, und die Muttermilch passt sich daran an.

Menge je nach Bedarf
Die Produktion der Milch ist auf die Nachfrage des Säuglings abgestimmt, im Schnitt produzieren die Milchdrüsen ca. 750 ml Milch pro Tag, bei Zwillingen oder Drillingen sogar 2000 bis 3000 ml pro Tag.


Milchmenge

Die Milchmenge ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Unmittelbar nach der Geburt beginnt die Brust, Muttermilch zu produzieren. Die weitere Produktion der Muttermilch hängt aber dann davon ab, ob tatsächlich gestillt wird.

Weiter-Produktion
Nur wenn ein Baby wirklich an der Brust saugt, wird weiterhin Muttermilch in den Brustdrüsen hergestellt und auch frei gesetzt. Hierbei sind Hormone aktiv: Durch das Saugen an der Brust wird in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Produktion des Hormons Oxytocin angeregt, das wiederum die weitere Produktion und Ausschüttung der Milch in der benötigten Menge übernimmt. Das hat zur Folge, dass beispielsweise auch Zwillinge genügend Milch erhalten, oder dass eine Frau ohne weiteres auch ein weiteres Kind mit ihrer Brust ernähren kann (was ja in früheren Zeiten die Ammen taten).

Das Trinken an beiden Brüste ist wichtig
Beim Stillen ist es wichtig, bei jeder Mahlzeit beide Brüste leer trinken zu lassen, damit auch gleichmäßig produziert wird.

Gefühle beeinflussen die Milchproduktion
Die Milchproduktion und die Freisetzung der Muttermilch wird aber auch von den Gefühlen der Mutter angeregt. Wenn Sie mitten am Tag an Ihr Baby denken, kann es sein, dass plötzlich Milch aus Ihren Brüsten tropft. Das ist in der konkreten Situation vielleicht ein bisschen peinlich, ist aber vollkommen normal und gesund.

Abstillen
Es gibt mehrere Ansätze, wie man am besten abstillt. Wenn eine Frau nicht oder nicht mehr stillen möchte, legt sie das Kind einfach nicht an. Dadurch wird die Milchproduktion nicht oder nicht weiter angeregt und hört nach einiger Zeit auf. Dieser Prozess kann auch mit Medikamenten unterstützt werden. Es kann ein wenig schmerzhaft sein, dass die Milch noch die Brust füllt und nicht getrunken wird. Sie wird aber vom Körper abgebaut. In einigen Fällen kommt es jedoch zu einer Brustentzündung, die behandelt werden muss.


Zusammensetzung der Muttermilch

Die Zusammensetzung der Muttermilch und die Konzentration der einzelnen Bestandteile variiert je nach dem Ernährungszustand der Mutter, der Entwicklungsphase des Kindes, den Jahreszeiten sowie verschiedenen anderen Faktoren. Jedes Kind bekommt, wenn es gestillt wird, praktisch die an seine Bedürfnisse angepasste Muttermilch.

Muttermilch mit besserer Zusammensetzung im Vergleich zu Kuhmilch
Muttermilch enthält im Vergleich zu Kuhmilch weniger Eiweiß, mehr Kohlenhydrate und etwas mehr Fett.
Der Eiweißanteil der Muttermilch beträgt mit 1,2 Gramm pro 100 Gramm weniger als die Hälfte als der der Kuhmilch, ist aber durch einen höheren Anteil an Molkenproteinen und geringeren Anteil an Kasein besser verdaulich für den Säugling. Der Molkeneiweißanteil macht den Stuhl weicher und löst seltener Allergien aus. Deswegen sollte der Säugling im ersten Lebensjahr möglichst keine Kuhmilch bekommen. In der Muttermilch sind zudem alle essentiellen und nicht essentiellen Aminosäuren in dem für das Wachstum des Kindes notwendigen Verhältnisses enthalten.
Der Kohlenhydratanteil der Muttermilch ist mit 7 Gramm pro 100 Gramm 1,5fach so hoch wie der der Kuhmilch und enthält hauptsächlich Laktose. Dieser Milchzucker fördert die Aufnahme von Nährstoffen und unterstützt das Gehirnwachstum.
Die Muttermilch enthält etwas mehr Fett als Kuhmilch und hat einen höheren Cholesteringehalt, der für die Gehirnentwicklung insbesondere in den ersten Monaten wichtig ist. Der Gehalt an essentiellen Fettsäuren variiert je nach Ernährung der Mutter.
Ein weiterer Vorteil der Muttermilch ist, dass sie gleichzeitig Verdauungsenzyme enthält, die dem Säugling die Aufspaltung der einzelnen Nährstoffe erleichtern.

Mehr Vitamine und Spurenelemente
Der Gehalt und die Zusammensetzung an Vitaminen und Spurenelementen ist bei der Muttermilch optimal an den Bedarf des Säuglings angepasst. Kuhmilch enthält zum Beispiel eine zu hohe Konzentration an den wasserlöslichen Vitamin B1, B2 ,B6, B12 sowie Pantothensäure, der Gehalt an Vitamin C und Nicotinamid ist dagegen zu gering. An fettlöslichen Vitaminen enthält Kuhmilch gegenüber Muttermilch zuwenig Vitamin A, D und E. Bei den Mineralstoffen und Spurenelementen weist die Muttermilch gegenüber der Kuhmilch eine bessere Zusammensetzung auf und ermöglicht durch eine andere Stoffbindung eine höhere Aufnahme der Nährstoffe. Eisen wird zum Beispiel aus der Muttermilch zu 50 bis 70 Prozent aufgenommen, aus der Kuhmilch dagegen nur zu 7 bis 10 Prozent.

Viele natürliche Abwehrstoffe in der Muttermilch
In der Muttermilch sind viele Abwehrzellen und Antikörper enthalten, die das Immunsystem des Säuglings stärken und gegenüber Infektionen schützen. Die Muttermilch sollte auch nicht erhitzt werden, damit die Abwehrstoffe nicht abgetötet werden. Neben Makrophagen, den unspezifischen Abwehrzellen, enthält die Muttermilch auch Lymphozyten, die sich spezifisch gegen bestimmte Stoffe und Krankheitserreger richten und das Immunsystem mitsteuern. Die in der Muttermilch enthaltenen Antikörper schützen den Säugling ferner vor Infekten, zum Beispiel vor Atemwegserkrankungen, Mittelohrentzündungen, Haemophilus Influenza oder auch vor einem Schnupfen der Mutter. Eine spezielle Gruppe von Antikörpern bildet auf den Schleimhäuten und im Darm des Säuglings eine Schutzschicht gegen eindringende Bakterien und Gifte und fördert die körpereigene Antikörperproduktion. Einige andere Bestandteile der Muttermilch wie Laktoferrin, Lysozym oder Bifidusfaktor schützen zudem den Magen-Darm-Trakt und beugen Durchfallerkrankungen vor.

Anhand der Zusammensetzung der Muttermilch wird deutlich, dass sie die beste Nahrungsquelle für den Säugling darstellt. Jede Mutter sollte deswegen auch versuchen, so lange wie möglich zu stillen.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 20.04.2011
 
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