Tipp

Brustkrebs bei Männern

Auch Männer können Brustkrebs bekommen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 400 Männer neben 43.000 Frauen an Brustkrebs. Das Verhältnis beträgt damit ca. 1:100. Im Vergleich zu den Frauen erkranken Männer aber im Schnitt 8 bis 10 Jahre später an Brustkrebs, nämlich häufig zwischen dem 61. und 65. Lebensjahr. Die Mehrheit der Tumore wird in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, was mit einer schlechteren Prognose einhergeht.

Knoten in der Brust als Hauptsymptom
Ebenso wie bei Frauen gibt es auch bei Männern verschiedene Symptome, die auf Brustkrebs hinweisen können. Neben einem schmerzlosen oder schmerzhaften Knoten in der Brust, häufig in der Nähe der Brustwarze tastbar, kann auch eine Einziehung oder ein Geschwür der Brustwarze sowie Blutung oder Sekretion von Flüssigkeit ein Symptom bei Brustkrebs darstellen. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ist auch beim Mann die beste Vorsorgemöglichkeit, um einen Knoten in der Brust und gegebenenfalls Brustkrebs frühzeitig erkennen zu können.

Weitere Diagnostik mit Mammografie und Sonografie
Wenn ein Knoten oder andere Veränderungen der Brust festgestellt wurde, folgen weiterführende Untersuchungen zur Abklärung des Befundes. Neben der ärztlichen Tastuntersuchung und der Mammografie, die bei einer kleinen und festen Männerbrust teilweise sehr schwierig durchführbar ist, wird die Sonografie oder Ultraschalluntersuchung eingesetzt. In der Mammografie fällt ein ein Tumor bei größerer Brust meist als scharf begrenzte Raumforderung auf. Mikroverkalkungen treten bei Männern etwas seltener als bei Frauen auf.

Invasive Karzinome überwiegen
Der häufigste gefundene Brustkrebs beim Mann ist wie bei der Frau mit 65 bis 80 Prozent das invasive duktale Karzinom. Danach folgt mit ca. 17 Prozent aller männlichen Brusttumore das intraduktale Karzinom in situ. Papilläre und lobuläre Karzinome kommen vergleichsweise selten vor. Über 90 Prozent der Männer mit Brustkrebs weisen positive Östrogen- oder Progesteronrezeptoren auf. Die Einteilung der Brustkrebs-Stadien erfolgt mit Hilfe der pTNM Klassifikation.
Die Prognose bei Männern mit Brustkrebs ist ähnlich wie bei Frauen, die 5-Jahres-Überlebensrate liegt je nach Tumorart und Stadium zwischen 50 und 86 Prozent, die 10-Jahres-Überlebensrate zwischen 24 und 64 Prozent. Da beim Mann das Erkrankungsalter höher liegt und der Tumor meist in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, ist die Prognose etwas schlechter als bei der Frau. Der wichtigste Prognosefaktor stellt dabei der Befall von axillären Lymphknoten dar.

Therapie ähnlich wie bei weiblichen Brustkrebs
Nach der gesicherten Diagnose erfolgt zunächst eine operative Entfernung des Brustkrebs, was meist eine komplette Brustentfernung bedeutet. Ebenso wie bei der Frau wird versucht mit Hilfe der Sentinel-Lymphknoten-Biopsie zunächst nur wenige Lymphknoten aus der Achsel zu entnehmen und zu untersuchen, um bei deren Befall gegebenenfalls weitere Lymphknoten zu entfernen. Nach der Operation werden je nach Stadium und Prognosefaktoren eine adjuvante Strahlentherapie durchgeführt. Bei positiven Lymphknoten und hormonrezeptorpositiven Tumoren kann auch eine Chemotherapie und Hormontherapie erfolgen. Da über 90 Prozent der Brusttumore bei Männer Hormonrezeptoren aufweisen, ist die Therapie mit Tamoxifen oder einem anderen Antiöstrogen erfolgsversprechend. Gerade bei der Hormontherapie kann es aber bei Männern zu Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Verlust an Libido und Hitzewallungen kommen.
Aufgrund der relativ geringen Anzahl an Brustkrebsfällen bei Männern müssen weiterführende Untersuchungen erfolgen, um sowohl die Früherkennung als auch die Therapieverfahren zu optimieren.


Risikofaktoren

Es gibt einige spezifische Risikofaktoren, die bei Männern die Wahrscheinlichkeit begünstigen, Brustkrebs zu bekommen. Neben der familiären Brustkrebsbelastung und der genetischen Mutation auf bestimmten Genen geht zum Beispiel das Klinefelter-Syndrom bei Männern mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einher.
Auf der anderen Seite muss Brustkrebs auch bei vorhandenen Risikofaktoren nicht zum Ausbruch kommen.
Zur Risikominimierung von Brustkrebs sind auch bei Männern Maßnahmen zur Vorbeugung und die regelmäßige Selbstuntersuchungen.
Folgende Risikofaktoren für Brustkrebs spielen bei Männern eine Rolle:

  • Familiäre Brustkrebs Belastung
    Das Brustkrebsrisiko steigt, wenn Verwandte ersten Grades an Brustkrebs erkrankt sind. Insgesamt weisen 15 bis 30 Prozent der an Brustkrebs erkrankten Männer eine familiäre Belastung auf.
    Auf der anderen Seite bestehen auch für Töchter erkrankter Männer ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Männern mit Brustkrebs und deren Verwandten wird deswegen eine genetische Beratung in spezialisierten Beratungszentren empfohlen.

  • Klinefelter Syndrom
    Männer, bei denen ein doppeltes X-Chromosom vorliegt (Karyopty XXY statt XY) weisen ein bis zu 50-fach erhöhtes Risiko auf, an Brustkrebs zu erkranken. Das Klinefelter Syndrom tritt einmal bei etwa 400 bis 1000 Geburten auf. Die betroffenen Männer sind meist hochgewachsen, haben einen kleinen Hoden, sind häufig steril und weisen keine typisch männliche Behaarung auf.

  • Genetische Mutation
    Ebenso wie bei Frauen gibt es auch bei Männern bestimmte Gene, die bei Mutation mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergehen. Mutationen auf dem BRCA2 Gen sind dabei mit einem Brustkrebsrisiko assoziiert. Durchschnittlich weisen 11 Prozent der Männer mit Brustkrebs eine Mutation des BRCA2 Genes auf. Mutationen auf dem BRCA1 Gen spielen dagegen keine bedeutende Rolle. Es sind noch weitere Gene, wie zum Beispiel die Mismatch-Repair-Gene und das PTEN-Gen identifiziert worden, deren Mutation mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergehen kann.

  • Erkrankungen der Hoden
    Auch zurückliegende Erkrankungen der Hoden wie zum Beispiel eine Mumps bedingte Hodenentzündung, aus dem Bauchraum nicht abgesenkte Hoden oder ein Hodentrauma kann, begleitet von einem Androgenmangel und einem Östrogenüberschuss, mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einhergehen.

  • Erhöhter Östrogenspiegel
    Ein erhöhter Östrogenspiegel, wie er zum Beispiel bei der Leberzirrhose oder bei extremen Übergewicht vorkommt, kann das Brustkrebsrisiko negativ beeinflussen. Auch bei einer erhöhten Zufuhr von Östrogen zum Beispiel bei der Therapie des Prostatakarzinoms oder bei Transsexuellen liegt das Risiko höher.

  • Strahlentherapie des Brustkorbs
    Eine Studien zeigte, dass Männer nach einer Strahlentherapie des Brustkorbes ein erhöhtes Brustkrebsrisiko aufwiesen.

  • Übergewicht
    Männer mit Übergewicht und erhöhtem Body-Mass-Index haben nachweislich ein erhöhtes Brustkrebsrisiko

Es gibt unterschiedliche Studien über andere Risikofaktoren bei Brustkrebs, wie zum Beispiel die Einnahme bestimmter Medikamente oder die Beeinflussung bestimmter Berufe, die aber des weiteren noch näher untersucht werden müssen.
Auf der anderen Seite gibt es verschiedene Faktoren, die das Brustkrebsrisiko bei Männer signifikant senken können, zum Beispiel moderate sportliche Betätigung (Ausdauertraining und Muskelaufbau) oder auch der Verzehr von viel Gemüse sowie ein moderater Kaffeekonsum.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 03.01.2008
 
Tipp