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Chemotherapie bei Krebs

Während der Chemotherapie werden immer wieder die Blutwerte überprüft

Während der Chemotherapie werden immer wieder die Blutwerte überprüft
(Foto: DAK/Schläger)

Chemotherapie ist ein Begriff, der meist in Zusammenhang mit der Krebstherapie und dort bei der Behandlung von Tumorzellen verwendet wird. Die eingesetzten chemischen Mittel werden Zytostatika (Zytos = Zelle, statikos = hemmen) genannt. Die Chemotherapie ist neben der Strahlentherapie und der Operation die dritte wichtige Behandlungsmöglichkeit bei einer Krebserkrankung. Sie gilt jedoch nicht bei allen Krebserkrankungen als die erste Behandlungsmöglichkeit nach der Diagnose.

Allgemein bezeichnet das Wort Chemotherapie die Behandlung von Infektionserkrankungen mit Medikamenten. Die Mittel, die dabei zum Einsatz kommen, sollen Zellen von Krankheitserregern wie Bakterien oder Pilzen an ihrem Wachstum und der Vermehrung hindern und absterben lassen. Zu diesem Zweck greifen die Medikamente in den Stoffwechsel der Krankheitserreger ein. Der Begriff Chemotherapie wird also nicht ausschließlich in Zusammenhang mit Krebserkrankungen verwendet.


Vorbereitung und Ablauf einer Chemotherapie

Die Vorteile einer Chemotherapie müssen für den Betroffenen überwiegen, damit die Behandlung durchgeführt wird. Der Arzt wird Nutzen gegen Risiken abwägen und alle Schritte sowie die möglichen Nebenwirkungen mit den Betroffenen besprechen. Daneben werden auch geeignete Kombinationen der Zytostatika ausgewählt, die im individuellen Krankheitsfall die besten Erfolgsaussichten versprechen.

Für eine Chemotherapie ist nicht unbedingt ein Aufenthalt in einem Krankenhaus notwendig. Die Behandlung kann von einem hierfür speziell ausgebildeten Arzt (Hämatologe/Onkologe) ambulant durchgeführt werden. Ob bei einer Chemotherapie nur ein einziges oder gleich mehrere Zytostatika zum Einsatz kommen, richtet sich nach der Art der Erkrankung, ihrem Schweregrad und den zu erwartenden Nebenwirkungen. Die Dosierung ist unter anderem vom Körpergewicht oder auch von Vorerkrankungen der Betroffenen abhängig.

Eine Chemotherapie läuft in mehreren Zyklen ab. Der Betroffene erhält an einem Tag oder an mehreren aufeinander folgenden Tagen seine Medikamente in Form von Tabletten, Spritzen oder Infusionen. Dann wird mit der Einnahme der Medikamente pausiert, um dem Körper Gelegenheit zu bieten, sich von den Nebenwirkungen zu erholen. Die Pause kann mehrere Tage oder auch Wochen andauern. Daran schließt sich ein neuer Zyklus an. Nach zwei bis drei dieser Behandlungszyklen kontrollieren die behandelnden Ärzte die Therapieergebnisse und passen sie – falls nötig – neu an. Die Therapie wird beendet wenn die gewünschten Ergebnisse erzielt wurden.

Regionale Chemotherapie

Bei der regionalen Chemotherapie werden die Medikamente gezielt in die Körperstellen gespritzt, in denen sich der Tumor befindet. So gelangt nur ein kleiner Teil der Zytostatika in den restlichen Körper. Die Nebenwirkungen sind normalerweise geringer. Das Verfahren wird wegen des hohen Aufwands eher selten angewendet und kann beispielsweise bei Blasenkrebs zum Einsatz kommen.

Hochdosierte Chemotherapie

Wenn im Rahmen der gängigen Chemotherapie nicht alle Tumorzellen zerstört werden können, werden Zytostatika in sehr hohen Dosen verabreicht. Die Dosierung beträgt nicht selten das Zehnfache der Dosis einer normalen Chemotherapie. Auch die hochdosierte Chemotherapie muss gelegentlich in Zyklen wiederholt werden oder wird mit der Strahlentherapie verbunden. Sofern die Nebenwirkungen der Chemotherapie nicht medikamentös eingeschränkt werden können, sind sie um ein Vielfaches stärker als bei der normalen Chemotherapie. Die Behandlung ist mit einer enormen Belastung für den Körper verbunden. Deshalb ist die hochdosierte Chemotherapie kein Standardverfahren und wird beispielsweise nur bei Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphomen, nicht anders behandelbarer Leukämie oder bei bestimmten Hodentumoren angewendet.

Stammzellentransplantation

Nach einer längeren Behandlung können die blutbildenden Zellen des Knochenmarks geschädigt und so das Blutbild verändert werden. Daher sind während und auch nach einer Chemotherapie regelmäßige Kontrollen der weißen und roten Blutkörperchen sowie der Blutplättchen notwendig.

Es kann vorkommen, dass die blutbildenden Zellen so sehr geschädigt werden, dass eine Stammzellentransplantation notwendig wird. Deshalb werden den Betroffenen Stammzellen – entweder von einem Spender oder körpereigene, die vor der Behandlung entnommen wurden – übertragen. Diese nehmen im Knochenmark die Bildung von Blutzellen innerhalb kurzer Zeit wieder auf.


Anwendungsbereiche einer Chemotherapie

In Zusammenhang mit einer Krebserkrankung wird die Chemotherapie in bestimmten Phasen der Erkrankung eingesetzt:

  • Kurative Therapie: Bei bestimmten Tumoren sollen die Medikamente die Krebszellen vollständig und für einen möglichst langen Zeitraum zurückdrängen.
  • Adjuvante Therapie: Im Anschluss an eine Operation oder eine Strahlentherapie sollen mittels Chemotherapie bislang unerkannte Metastasen zerstört und an der Ausbreitung gehindert werden.
  • Neoadjuvante Therapie: Vor einer Operation oder einer Strahlentherapie wird bei der neoadjuvanten Therapie die Größe des Tumors verkleinert. Dadurch können Strahlenbehandlung oder Operation erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht werden.
  • Palliative Therapie: Mittels Chemotherapie wird nur ein weiteres Wachstum der Tumoren und Metastasen verhindert, sie selber werden nicht beseitigt. So soll das Leben der Betroffenen verlängert und die Lebensqualität verbessert werden.


Da Zytostatika im gesamten Körper und nicht nur an einer Stelle wirken, wird die Chemotherapie bei der Behandlung von Metastasen eingesetzt, die bereits im Körper gestreut haben. Gleiches gilt für Erkrankungen der Lymphzellen (Lymphom) und Blutzellen (Leukämie), da sich hier die bösartigen Zellen schnell über den ganzen Körper ausbreiten können. Auch Hodentumoren lassen sich gut mit Zytostatika behandeln.

Tumoren im Verdauungstrakt, bestimmte Hirntumoren und das Nierenzellkarzinom sind hingegen nur schwer im Rahmen einer Chemotherapie behandelbar, da diese Tumoren nur bedingt auf die Behandlung mit Zytostatika ansprechen.


Wirkung und Nebenwirkungen einer Chemotherapie

Eine Chemotherapie kann Tumoren und Metastasen verkleinern, komplett zerstören oder den Verlauf der Erkrankung bremsen. Gleichzeitig können auch die Beschwerden der Betroffenen gelindert und eine Steigerung der Lebensqualität erreicht werden. Es kommt jedoch auch vor, dass eine Chemotherapie gar keine Wirkung zeigt (Resistenz).

Zytostatika wirken im Kern einer Zelle und können hier den Zellstoffwechsel beeinflussen. Sie hindern die Zelle daran sich zu vermehren, verändern das Erbmaterial oder tragen zu seiner Zerstörung bei. In erster Linie wirken Zytostatika auf Tumorzellen, weil diese sich rasch vermehren. Sie wirken jedoch auch auf gesunde Zellen des Körpers und schädigen hier vor allem Zellen die Blut, Haare und Nägel bilden. Außerdem schädigen die Zytostatika die Schleimhäute im Magen und im Mundraum.

Eine Chemotherapie ist für die Betroffenen körperlich und seelisch äußerst anstrengend. Häufig kommt es zu Nebenwirkungen. Betroffene können unter folgenden Symptomen leiden:

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Entzündungen der Schleimhäute mit Durchfall oder Schmerzen beim Schlucken
  • Veränderungen des Blutbilds und eventuell eine Schwächung des Immunsystems sowie Infektanfälligkeit
  • Haarausfall


Weniger häufig treten Beschwerden und Langzeitfolgen auf wie:


Die Beschwerden können bei jedem Menschen auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Vor allem Übelkeit und Erbrechen können die Betroffenen so sehr schwächen und so unangenehm sein, dass sie die Behandlung abbrechen möchten. Auch Haarausfall oder Appetitverlust sind oftmals sehr belastend. Ärzte können daher zusätzlich Medikamente geben, um die belastenden Nebenwirkungen zu verringern.


Richtige Ernährung während einer Chemotherapie

Eine Chemotherapie ist für den Körper eine besondere Belastung. Daher sollte man während der Behandlung auf Alkohol verzichten und generell auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung Wert legen, damit der Körper alle benötigten Nährstoffe erhält. Daneben können einige Punkte beachtet werden, um den Allgemeinzustand zu verbessern:

  • Bei Übelkeit und schlechtem Appetit ist es besser, mehrere kleine Mahlzeiten verteilt über den Tag zu essen oder appetitanregende Tees zu trinken. Geeignet sind beispielsweise Kamillen- und Pfefferminztee.
  • Trockenes Gebäck wie Kekse, Zwieback oder Toastbrot können den Magen gleich nach dem Aufstehen beruhigen.
  • Bei starker Geruchsempfindlichkeit kann es hilfreich sein, andere Menschen für sich kochen zu lassen und Küche sowie Esszimmer nach einer Mahlzeit ordentlich zu lüften.
  • Mahlzeiten sind leichter verdaulich, wenn die Bissen lange gekaut werden.
  • Betroffene sollten sehr salzige oder fettreiche Nahrungsmittel meiden, da sie die Magenschleimhaut reizen könnten. Sinnvoller ist es, auf Nahrungsmittel zurück zu greifen, die man besser verträgt.
  • Während der Chemotherapie sollte kein rohes Fleisch, kein roher Fisch und kein rohes Obst oder Gemüse verzehrt werden. Ebenfalls tabu sind Schimmel- oder Rohmilchkäse und Nüsse. Obst darf keine Druckstellen aufweisen.
  • Butter, Margarine, Honig oder Ketchup sollte nur aus Portionsbehältern gegessen werden. Brot darf nicht älter als einen Tag sein.


Prognose

Auch nach einer erfolgreichen Chemotherapie, nach der keine Krebserkrankung mehr nachgewiesen werden kann, können einige Zeit später neue Metastasen an einer anderen Körperstelle auftreten. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher besonders wichtig, um eine neue Erkrankung frühzeitig entdecken zu können.

Bei vielen Tumoren oder Metastasen kann mittels Chemotherapie das Wachstum gestoppt werden oder sie bilden sich sogar zurück. In den letzten Jahrzehnten hat sich durch die Chemotherapie die Behandlung vieler Krebskranker deutlich verbessert. Sie gibt auch Betroffenen eine Aussicht auf Heilung, die durch andere Behandlungsmethoden nicht erreicht werden könnte.

Bei Krebserkrankungen, die von inneren Organen ausgehen und beispielsweise Darm, Brust oder Prostata betreffen, ist mittels Chemotherapie oft keine Heilung mehr möglich, wenn sich erst einmal Metastasen gebildet haben. Dann lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung nur noch verlangsamen.


Alternativen zur Chemotherapie

Krebs kann alternativ zur Chemotherapie auch mittels Strahlentherapie oder im Rahmen einer Operation behandelt werden. Diese beiden Behandlungsmethoden werden sogar häufiger als die Chemotherapie eingesetzt. Welches Verfahren angewendet wird, ist von der Art der Erkrankung und den individuellen Gegebenheiten abhängig.

Dank der Forschung existieren seit längerer Zeit neben der Chemotherapie Medikamente, die nicht zu den Zytostatika gehören, und ganz gezielt gegen Krebszellen eingesetzt werden können. Sie werden zusammenfassend als "Targeted Therapy" beziehungsweise "Gezielte Therapie" bezeichnet. Diese Medikamente richten sich zielgerichtet an bestimmte Angriffspunkte des Tumors. Betroffene sollen somit von den belastenden Nebenwirkungen der Behandlung weitestgehend verschont bleiben.


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Quellen:
Aulitzky, R. et al. (Hrsg.): Handbuch Krebs. München, Südwest 2007
Beers, M.H. (Hrsg.).: MSD Manual. Handbuch Gesundheit. Goldmann, München 2005
Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums (Krebsinformationsdienst) dkfz, Heidelberg: http://www.krebsinformationsdienst.de (Stand: Juni 2009)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin 2007

 

Autor: Jessica Schmid 
Letzte Änderung am: 30.06.2009
 
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