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Chlamydien-Infektion

 Eine Untersuchung beim Frauenarzt kann Hinweise auf eine Chlamydien-Infektion liefern

Eine Untersuchung beim Frauenarzt kann Hinweise auf eine Chlamydien-Infektion liefern
(Quelle: DAK/Wigger)

Eine Chlamydien-Infektion ist eine Infektion mit Chlamydien-Bakterien. Sie sind für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich. Drei Formen von Chlamydien sind beim Menschen krankheitsauslösend:


  • Chlamydia trachomatis
  • Chlamydia pneumoniae
  • Chlamydia psittaci

Die bei uns bekannteste durch Chlamydien ausgelöste Krankheit ist die urogenitale Chlamydien-Infektion. In tropischen und Entwicklungsländern ist das Trachom, eine chronische Bindehautentzündung, am weitesten verbreitet.


Welche Ursachen hat eine Chlamydien-Infektion?

Chlamydien sind von Mensch zu Mensch oder seltener vom Tier zum Menschen durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragbar. Die Bakterien verursachen je nach Gattung verschiedene Erkrankungen:

Chlamydia trachomatis löst nicht nur eine urogenitale Chlamydien-Infektion, welches die häufigste sexuell übertragbare Krankheit ist, aus, sondern ist auch der Auslöser des Trachoms. Das Trachom ist eine chronische Bindehautentzündung, die vor allem in tropischen Breitengraden häufig auftritt ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht weltweit von 150 Millionen infizierten Menschen aus. In Deutschland kommt das Trachom sehr selten vor.

Übertragen wird der Chlamydia trachomatis-Erreger durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Oralverkehr. Durch Schmierinfektion gelangt der Erreger auch von Auge zu Auge. In Entwicklungsländern übertragen Fliegen häufig eine Chlamydien-Infektion am Auge.

Der Erreger Chlamydia pneumoniae ist erst vor einigen Jahren entdeckt worden. Man geht davon aus, dass drei Viertel aller Menschen sich mindestens ein Mal im Leben mit diesem Chlamydien-Typ infizieren. Chlamydia pneumoniae wird durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen und löst vor allem akute Atemwegserkrankungen aus. Das Spektrum reicht von Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) bis zur atypischen Lungenentzündung. In der Regel verläuft diese Chlamydien-Infektion relativ harmlos.

Die durch Chlamydia psittaci ausgelöste Chlamydien-Infektion ist auch unter dem Namen "Papageienkrankheit" (Ornithose) bekannt. Der Erreger wird von Papageien, aber auch von anderen Haustieren wie Katzen, Hunden oder Schafen, sowie anderen Vogelarten übertragen. Im Gegensatz zu den anderen Chlamydien-Formen ist der Chlamydia psittaci relativ unempfindlich und auch außerhalb eines Wirtskörpers relativ langlebig. Vogelkot ist zum Beispiel bis zu vier Wochen lang infektiös. Der Erreger kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden, es besteht bei Betroffenen also keine Ansteckungsgefahr.

Bei dieser Chlamydien-Infektion sind häufig die Atemwege betroffen. Aber auch jedes andere Organ kann vom Erreger infiziert werden. Es kann zu schweren Verläufen kommen, die unbedingt ärztlicher Behandlung bedürfen.


Symptome von Chlamydien: abhängig vom Erreger-Typ

Die verschiedenen Chlamydien-Bakterien verursachen unterschiedliche Krankheiten.

Urogenitale Infektionen

In den meisten Fällen verläuft eine urogenitale Chlamydien-Infektion ohne oder mit nur geringen Symptomen, sodass sie gar nicht bemerkt wird. Vor allem Frauen bemerken eine Infektion häufig nicht. Nach einer Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen entsteht meist eine Zervititis, eine Entzündung der Schleimhaut und der tiefer liegenden Schichten des Gebärmutterhalses. Es entsteht ein eitriger Ausfluss. Leichtes Brennen beim Sex und beim Wasserlassen sind ebenfalls Anzeichen für eine Chlamydien-Infektion.

Wird die Chlamydien-Infektion nicht behandelt, steigt sie aus dem Urogenital-Trakt in die höher liegenden Bereiche auf und befällt die Eileiter. Die Eileiter können verkleben, was unbehandelt langfristig zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Bei Männern kommt es meist zu einer Entzündung der Harnröhre, die sich durch Brennen beim Wasserlassen und vermehrten Harndrang äußert. Wie bei Frauen zeigt sich auch bei ihnen ein eitriger Ausfluss.

Trachom

Das Trachom ist eine chronische Bindehautentzündung, deren Erstinfektion meist im Kindesalter stattfindet. Nach einer Inkubationszeit von etwa einer Woche kommt es zu Lichtempfindlichkeit und gesteigertem Tränenfluss sowie zu Druckgefühl im Auge. Anschließend stellt sich eine akute Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ein. Die Entzündung wird chronisch und es kommt zu einer Superinfektion, bei der das Auge durch andere Bakterien zusätzlich infiziert wird. Eiter und kleine Geschwüre bilden sich. Nach und nach vernarbt die Hornhaut dadurch und wird trübe. Unbehandelt führt das Trachom langfristig zur Erblindung.

Atemwegserkrankungen

Bei der Erstinfektion zeigen sich nach einer Inkubationszeit von bis zu vier Wochen Anzeichen einer herkömmlichen Atemwegsinfektion: Fieber, Husten und Heiserkeit sowie Halsschmerzen sind möglich. Bei Kindern und Jugendlichen zeigen sich oftmals keine oder nur geringe Beschwerden. Folgende Atemwegserkrankungen können durch Chlamydien-Erreger ausgelöst werden:


  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Rachenschleimhautentzündung (Pharyngititis)
  • Bronchitis
  • atypische Lungenentzündung (atypische Pneumonie)

Bei der Papageienkrankheit (Ornithose) ist der Verlauf schwerer: Zunächst zeigen sich Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen, später starker Husten mit Auswurf und Atembeschwerden. Wird die Infektion dann nicht behandelt, breitet sie sich über die Atmungsorgane hinaus aus. In besonders schweren Fällen kommt es zu Leberschäden und einem Befall des zentralen Nervensystems. Selten entwickelt sich eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis).


Wie lässt sich eine Chlamydien-Infektion diagnostizieren?

Die Diagnose einer Chlamydien-Infektion erfolgt abhängig von der ausgelösten Krankheit. Der Erreger wird durch verschiedene Verfahren nachgewiesen. Dafür benötigt man immer einen Abstrich der infizierten Stelle. Bei der urogenitalen Chlamydien-Infektion erfolgt ein Abstrich am Gebärmutterhals, beim Trachom aus dem Bindehautsack.

Um Chlamydia pneumoniae oder psittaci als Krankheitserreger nachzuweisen, wird eine Blutprobe entnommen und im Labor auf Antikörper untersucht.


Behandlung einer Chlamydien-Infektion

Bei der Therapie einer Chlamydien-Infektion kommt immer ein Antibiotikum zum Einsatz. Welche Wirkstoffe angewendet werden, richtet sich nach dem jeweiligen Erreger. Meist werden Tetrazykline eingenommen, beim Trachom kann dieses Antibiotikum als Wirkstoff in einer Augensalbe direkt aufgetragen werden. Auch die Wirkstoffe Erythromycin und Doxycyclin eignen sich zur Behandlung der Infektion. Bei einer urogenitalen Chlamydien-Infektion empfiehlt sich die Einnahme über einen Zeitraum von 14 Tagen. Eine Ausnahme bildet der Wirkstoff Azithromycin, bei dem die Einnahme einer einzelnen Dosis ausreichend ist. Zudem sollten beide Partner therapiert werden, um eine gegenseitige Ansteckung (Ping-pong-Effekt) zu vermeiden.


Wie verläuft die Chlamydien-Infektion?

Normalerweise lässt sich eine Chlamydien-Infektion durch den Einsatz von Antibiotika gut behandeln. Lediglich unentdeckte Infektionen können Komplikationen verursachen.

Eine unentdeckte urogenitale Chlamydien-Infektion kann bei Frauen unbemerkt die Ursache für Eileiterschwangerschaft en oder Unfruchtbarkeit sein. Außerdem kann es zu Entzündungen des kleinen Beckens kommen, die chronisch verlaufen. Breiten sich die Chlamydien-Erreger in die Bauchhöhle aus, kommt es zu einer Entzündung des Bauchfellüberzugs der Leber (Perihepatitis). Bei Männern kann die Infektion auf Hoden und Prostata übergehen  auch hier besteht langfristig das Risiko von Unfruchtbarkeit.

Wird das Trachom nicht rechtzeitig behandelt, führt es innerhalb eines Zeitraums von zehn bis 30 Jahren zu Hornhautschädigungen und Erblindung.


Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft

Tritt eine Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft auf, besteht die Gefahr einer Frühgeburt. Zudem können die Erreger während der Geburt auf das Kind übertragen werden. Es kommt dann relativ schnell zu Symptomen, wie einer chronischen Bindehautentzündung. Etwa ein Fünftel aller infizierten Neugeborenen bekommen eine atypische Lungenentzündung.


Chlamydien-Infektion: Wie kann man ihr vorbeugen?

Gegen die urogenitale Infektion ist der beste Schutz Safer Sex. Nur geschützter Geschlechtsverkehr hilft, sexuell übertragbare Krankheiten zu vermeiden.

Das Trachom tritt überwiegend in Entwicklungsländern auf und wird unter anderem durch die mangelnden hygienischen Verhältnissen verursacht. Deshalb ist es ratsam, auf Reisen in solchen Gebieten auf besondere Hygiene zu achten und sich vor allem auch vor Fliegen zu schützen, die die Chlamydien-Infektion übertragen können. Um Kinder vor Ansteckung bei der Geburt zu schützen, empfiehlt sich ein Chlamydien-Test während der Schwangerschaft, um die nötigen Maßnahmen frühzeitig ergreifen zu können.

Um sich vor Chlamydia psittaci-Bakterien zu schützen, ist es ratsam, im Umgang mit großen Vogelbeständen stets einen Mundschutz zu tragen. In geschlossenen Räumen besteht ein erhöhtes Ansteckungs-Risiko, da Kot und Federn Chlamydien-Erreger in sich tragen können. Hier ist es ratsam, auf regelmäßige Hygiene zu achten.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen an die Experten in unserer Frauenarzt-Expertenrat auf der Gesundheitsberatung.


Quellen:
Online-Informationen des Robert Koch Institut: www.rki.de (Stand: April 2002)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Von der Weiden, B., Klos, A.: Der heimliche Infekt. Krank durch Chlamydien. Lübbe, Bergisch Gladbach 2002

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 08.12.2010
 
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