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Chronische Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa)

Der Dickdarm ist cirka 120 bis 150 cm lang.
(Quelle: LifeArt)

Eine chronische Dickdarmentzündung (Colitis ulcerosa) ist eine immer wiederkehrende (chronische), schubweise verlaufende Entzündung des Mastdarms und des Dickdarms, die meist im Mastdarm beginnt und sich unterschiedlich weit in den Dickdarm hinein ausbreiten kann. Die Colitis ulcerosa betrifft vor allem Erwachsene zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. In Deutschland leiden mehr als 150.000 Personen an dieser Erkrankung.

Die Colitis ulcerosa hat verschiedene Ausprägungen, die wie folgt unterschieden werden:

  • Proktitis: Nur der Mastdarm ist befallen.
  • Proktosigmoiditis: Der Mastdarm und der letzte Teil des Dickdarms (Sigma) ist entzündet.
  • linksseitige Colitis: Es liegt eine Entzündung bis zur linken Krümmung (Flexur) des Dickdarms vor.
  • subtotale Colitis: Die Entzündung hat sich über die linke Flexur hinaus ausgedehnt.
  • Pankolitis oder totale Colitis: Die Entzündung betrifft den gesamten Dickdarm.
  • Backwash-Ileitis: Die Entzündung hat sich bis in die letzten Abschnitte des Dünndarms ausgebreitet (sehr selten).

Das Charakteristische der Colitis ulcerosa ist ihr schubweiser Verlauf. In beschwerdefreien Phasen können die Betroffenen ein weitestgehend normales Alltagsleben führen. Ein akuter Schub schränkt das Leben der Betroffenen stark ein, zwingt sie zur Bettruhe oder macht eine Behandlung im Krankenhaus mit stationärer Aufnahme erforderlich.

Die Colitis ulcerosa ist bis heute nicht heilbar. Sie erhöht das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Die Colitis ulcerosa wird oft verwechselt mit dem Morbus Crohn, einer ebenfalls chronischen, schubweise verlaufenden Darmerkrankung, die allerdings geschwürige Ausprägungen hat. Morbus Crohn tritt überwiegend im Dünndarm auf, kann aber auch den Dickdarm befallen.

Was sind die Ursachen der Colitis ulcerosa?

Die Ursache der Colitis ulcerosa ist unbekannt. Ähnlich wie beim Morbus Crohn vermutet man als Auslöser eine genetisch bedingte, krankhafte Immunreaktion des Körpers gegen die Darmflora. Da die Colitis ulcerosa in den Industrieländern häufiger vorkommt als in weniger industrialisierten Ländern, nimmt man außerdem an, dass auch verschiedene Umweltfaktoren wie Hygiene und Ernährung bei der Entstehung der Colitis ulcerosa eine Rolle spielen.

Die Colitis ulcerosa ist nach heutigem Wissensstand nicht psychosomatisch bedingt. Stress und Belastungen können aber einen deutlich schwierigeren Verlauf der Krankheit verursachen und Schübe auslösen.

Wie äußert sich Colitis ulcerosa?

Als Symtome der Colitis ulcerosa treten blutige, eitrige und schleimige Durchfälle und kolikartige Bauchschmerzen auf, eventuell verbunden mit leichtem Fieber. Die Schwere der Symtome ist abhängig vom Grad der Erkrankung. So leiden die Betroffenen unter gelegentlichem Durchfall mit wenig Blut, wenn lediglich der Mastdarm betroffen ist. Ist auch der Dickdarm betroffen, können die Durchfälle häufiger auftreten, meistens verbunden mit starken Schmerzen. Je häufiger die blutigen Durchfälle auftreten, um so höher das Risiko, eine Blutarmut und eine krankhafte Ausweitung des Dickdarms (toxisches Megakolon) mit Darmlähmung zu erleiden.

Die Colitis ulcerosa verläuft schubweise. In den Zeiten zwischen den Schüben, die mehrere Monate und sogar Jahre umfassen können, sind viele Betroffene weitestgehend beschwerdefrei.

Wie wird Colitis ulcerosa diagnostiziert?

Erster Schritt der Diagnose einer Colitis ulcerosa ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt über Symptome und Krankheitsvorgeschichte (Anamnese). Darauf folgt eine körperliche Untersuchung mit Abtasten des Bauchraums auf Druckschmerz, der Betrachtung der Farbe von Haut und Schleimhäuten und die Untersuchung des Enddarms mit dem Finger. Eine Stuhlprobe dient dazu, eine bakterielle Infektion auszuschließen. Anschließend oder parallel erfolgt eine Blutuntersuchung. Anhand der Bluwerte kann der Arzt erkennen, wie stark die Entzündung ausgeprägt und wie hoch der Blutverlust ist.

Um die Diagnose zu bestätigen und die Art und Schwere der Entzündung zu bestimmen, wird eine Darmspiegelung (Koloskopie) vorgenommen, bei der gleichzeitig Gewebeproben der Darmschleimhaut (Biopsie) entnommen werden. Ergänzend wird eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) durchgeführt, um den Ort der Entzündung im Dickdarm auszumachen.

Um die Colitis ulcerosa von einem Morbus Crohn abzugrenzen, kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden, bei der eine mögliche Entzündung des Dünndarms festgestellt werden kann.

Wie kann eine Colitis ulcerosa behandelt werden?

Die Colitis ulcerosa ist bisher nicht heilbar. Aber es ist möglich, die akute Darmentzündung durch eine medikamentöse Therapie zum Abklingen zu bringen und dadurch auch die Krankheitssymptome zu lindern. Die Art der Behandlung der Colitis ulcerosa hängt von der Schwere und der Art der Ekrankung ab.

Bei einem leichten bis mittelschweren Schub werden Medikamente mit dem Wirkstoff Mesalazin verabreicht, der die Entzündung hemmt und auch das Darmkrebs-Risiko verringert. Mesalazin gilt als recht nebenwirkungsarm. Mesalazin kann auch rektal verabreicht werden (Zäpfchen, Klysmen oder Schaum). Es eignet sich zur Dauerbehandlung, um einen neuen Schub hinauszuzögern und einen beschwerdefreien Zustand zu erhalten („Erhaltungstherapie").

Schlägt eine Behandlung mit Mesalazin nicht an, werden Kortison-haltige Präparate (Glukokortikoide) verabreicht. Die Behandlung erfolgt lokal (also rektal) oder systemisch (oral = zum Einnehmen oder intravenös). Glukokortikoide eignen sich nicht für eine Erhaltungstherapie.

Bei sehr schweren Schüben der Colitis ulcerosa werden ergänzend oder anstatt der Glukokortikoide Präparate mit dem Wirkstoff Azathioprin eingesetzt. Azathioprin hemmt die Aktivität des Immunsystems. Es wirkt aber erst nach drei bis sechs Monaten regelmäßiger Einnahme.

Bei etwa drei von zehn Personen mit Colitis ulcerosa bleibt die medikamentöse Behandlung erfolglos. Dann kann es nötig sein, den gesamten Dickdarm zu entfernen. Im Anschluss daran wird aus dem Dünndarm eine Art künstlicher Enddarm aufbaut, der die Funktion des entfernten Mastdarms übernimmt (ileoanale Pouch-Operation). Der Dünndarm wird dann an den Darmausgang angeschlossen.

Wie ist die Prognose einer Colitis ulcerosa-Behandlung?

Schlägt eine medikamentöse Behandlung der Colitis ulcerosa an, so können die Kranheitsschübe in ihrer Schwere und in ihrer Häufigkeit reduziert werden. Die Erkrankung gilt dann zwar nicht als geheilt, aber die Betroffenen können ein weitestgehend unbeeinträchtigtes Alltagsleben führen.
Treten die Schübe mit starker Intensität und in kurzen Abständen auf, besteht die Gefahr, dass die Betroffenen eine depressive Störung bis hin zur Despression erleiden. In solchen Fällen kann es hilfreich sein, sich professionelle psychologische Hilfe zu suchen oder sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.

Mit einer vollständigen Entfernung des Dickdarms und einer ileoanale Pouch-Operation können weitere Krankheitsschübe dauerhaft vermieden werden. Allerdings gelten die Operationen als risikobehaftet, die Gefahr, dass schwerwiegende Nebenwirkungen wie nächtiche Inkontinenz auftreten, ist sehr groß.

Da durch eine Colitis ulcerosa-Erkrankung das Risiko für Dickdarm- oder Mastdarmkrebs signifikant steigt, müssen nach dem achten Krankheitsjahr jährliche Darmspiegelungen mit Gewebeentnahmen durchgeführt werden, um eine Krebserkrankung rechtzeitig zu entdecken.

Wie kann man Colitis ulcerosa vorbeugen?

Da die Ursachen für die Entstehung einer Colitis ulcerosa unklar sind, ist auch eine gezielte Vorbeugung nicht möglich. Experten raten zu einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung, um die Darmflora gesund zu erhalten und zu stärken.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Colitis Ulcerosa haben, können Sie diese in der Magen-Darm-Expertenrat stellen.

Quellen:
Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen: Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/009 (Stand: Februar 2004)
Online-Informationen der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) e.V.: www.dccv.de, (Stand: Mai 2008)

 

Autor: Alexandra Heil 
Letzte Änderung am: 10.08.2009
 
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