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Darmkrebs (Kolonkarzinom)

 Gesunde Ernährung senkt das Darmkrebs-Risiko

Eine gesunde Ernährung senkt das Darmkrebs-Risiko
(Quelle: Heimerl/PIXELIO)

Als Darmkrebs bezeichnet man eine bösartige Geschwulst des Darms. Der Darm wird unterteilt in den Dünndarm und den Dickdarm (Kolon). Die letzten 15 bis 20 Zentimeter vor dem Darmausgang (Anus) werden als Mastdarm (Rektum) bezeichnet. Der Darmkrebs entsteht in fast allen Fällen im Dickdarm und wird dann Kolonkarzinom genannt. Findet sich der Darmkrebs im Mastdarm, wird er als Rektumkarzinom bezeichnet. Darmkrebs im Dünndarm kommt äußerst selten vor. Im Folgenden wird der Krebs des Dick- und Mastdarms betrachtet.

In Deutschland ist der Darmkrebs die zweithäufigste vorkommende Krebsart. Pro Jahr werden hier nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 71.000 neue Fälle von Darmkrebs diagnostiziert. Er tritt bei Frauen und Männern etwa gleich häufig auf. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 69 Jahren und bei Männern bei 75 Jahren. Kolon- und Rektumkarzinome sind bei beiden Geschlechtern die zweithäufigste Todesursache. Im Gegensatz zu den Industrieländern der Welt tritt Darmkrebs in ärmeren Ländern vergleichsweise selten auf.

Ursachen von Darmkrebs

Der überwiegende Teil der bösartigen Tumoren im Dickdarm entwickelt sich über so genannte Polypen oder Adenome. Dies sind gutartige Neubildungen der Darmschleimhaut. Meist bleiben die Polypen gutartig, in einigen Fällen können sie jedoch im Laufe von Jahren zu Darmkrebs entarten, d.h. bösartig werden. Schätzungen zufolge dauert es durchschnittlich etwa zehn Jahre, bis ein Polyp bösartig und damit zu Darmkrebs werden kann. Im Rahmen einer Darmspiegelung kann man diese Polypen frühzeitig entdecken, entfernen und damit der Entstehung von Darmkrebs vorbeugen.

Als fördernd für die Entartung von Polypen und die Entstehung von Darmkrebs werden höheres Lebensalter, genetische Faktoren und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) angesehen. Ob die Ernährung die Entstehung von Darmkrebs beeinflusst, wird zunehmend erforscht. Eine ballaststoffarme, fleischreiche Ernährung wird als Darmkrebs fördernd angesehen, ebenso der übermäßige Genuss von Alkohol und Nikotin. Übergewichtige Menschen erkranken häufiger an Kolon- und Rektumkarzinomen als Normalgewichtige.

Symptome von Darmkrebs

Darmkrebs verläuft häufig sehr lange symptomlos. Hinweise für Darmkrebs können Blut- oder Schleimauflagerungen auf dem Stuhl oder dunkel gefärbter Stuhl sein. Durch Sickerblutungen im Darm kann es zu Blutarmut und Blässe kommen, auch Schwäche, Antriebsarmut und Gewichtsverlust treten auf.

Zeichen für Darmkrebs können neu auftretende Stuhlunregelmäßigkeiten, wie z.B. der Wechsel von Durchfall und Verstopfung, sein. Es kann zu krampfartigen Bauchschmerzen kommen, z.T auch mit Stuhldrang. Die Stuhlentleerung bleibt dann jedoch häufig aus. Diese Symptome kommen aber nicht ausschließlich bei Darmkrebs vor, sondern können auch bei anderen, harmloseren Darmerkrankungen (z.B. Reizdarm-Syndrom) auftreten.

Diagnose von Darmkrebs

Ein ausführliches Arztgespräch mit der Aufnahme der Krankengeschichte (Anamnese) ist der erste wichtige Schritt auf dem Weg zur Diagnose Darmkrebs.

Durch die Tastuntersuchung des Enddarms kann ein Teil der Darmtumoren entdeckt werden. Der Arzt tastet mit dem Finger den Enddarm über den After aus (digitale rektale Untersuchung). Der Hämoccult-Test ist eine Untersuchung auf Blut im Stuhl, das für das bloße Auge unsichtbar ist. Hierbei werden Stuhlproben gewonnen und im Labor untersucht. Der Hämoccult-Test kann als Vorsorgeuntersuchung im Rahmen der Krebsvorsorge erfolgen oder wenn der Verdacht auf eine mögliche Blutung aus dem Darm, wie z.B. bei Darmkrebs, besteht.

Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) wird ein schlauchartiges, flexibles Gerät über den After in den Darm eingeführt. An der Spitze des Geräts befindet sich eine kleine Kamera, die Bilder aus dem Inneren des Darms liefert. So kann die Schleimhaut des gesamten Dickdarms beurteilt werden. Werden hierbei Veränderungen, wie z.B. Polypen, entdeckt, lassen sie sich mit Hilfe eines Zusatzinstruments direkt entfernen. Aus Darmkrebs verdächtigen Veränderungen können Proben (Biopsien) entnommen werden. Die Entnahme der Biopsien bzw. Polypen ist i.d.R. schmerzlos. Ein Pathologe untersucht anschließend das entnommene Gewebe im Labor. So kann eine beginnende oder erfolgte Entartung zum Darmkrebs frühzeitig erkannt und behandelt werden.

Andere Untersuchungen finden beim Verdacht auf Kolon- und Rektumkarzinome seltener Anwendung, z.B. eine Röntgenuntersuchung des Darms mit vorherigem Kontrastmittel-Einlauf oder andere bildgebende Verfahren.

Therapie bei Darmkrebs: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie

Die wichtigste Behandlungsmethode des Darmkrebses ist die Operation. Ziel ist es, den Darmkrebs und eventuell vorhandene Tochtergeschwulste (Metastasen) vollständig zu entfernen. Je früher der Darmkrebs erkannt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Vor oder nach der Operation kann die Strahlentherapie (Radiatio) zum Einsatz kommen. Hierbei wird die von Krebs befallene Körperregion gezielt mit Strahlen behandelt. Die benötigte Strahlendosis wird für jeden Patienten individuell vom Strahlentherapeuten errechnet und auf viele kurze Sitzungen verteilt.

Wenn der Verdacht besteht, dass durch die Operation nicht alle Krebszellen entfernt wurden oder sich Tochtergeschwulste des Darmkrebses gebildet haben, kann eine Chemotherapie zum Einsatz kommen. Sie wird allein oder in Kombination mit der Strahlentherapie angewendet. Bei der Chemotherapie werden so genannte Zytostatika eingesetzt. Dies sind Medikamente, die Zellen zerstören, die sich schnell teilen, wie z.B. Krebszellen. Die Zytostatika werden über die Venen verabreicht und gelangen so in den gesamten Körper. Hierdurch werden auch gesunde Zellen, z.B. an den Haarwurzeln, zerstört. So sind Nebenwirkungen wie Haarausfall zu erklären.

Mehrere neue Verfahren in der Darmkrebs-Behandlung werden derzeit erprobt, wie z.B. die Immuntherapie oder Hyperthermie-Verfahren.

Verlauf des Darmkrebs

Der Verlauf der Darmkrebs-Erkrankung hängt davon ab, in welchem Stadium der Tumor entdeckt und behandelt wird. Sind bei Diagnosestellung noch keine Tochtergeschwulste entstanden, leben fünf Jahre nach Diagnosestellung (Fünf-Jahres-Überlebensrate) noch etwa 77% der Betroffenen. Ist die Darmwand noch nicht durchbrochen, die angrenzenden Lymphknoten aber von Krebszellen befallen, liegt die Fünf Jahres-Überlebensrate bei 56 Prozent. Ist dagegen, zusätzlich zum Befall der Lymphknoten, auch die Darmwand durchbrochen, sinkt sie auf 26 Prozent.

Tochtergeschwulste (Metastasen) finden sich nach der Darmkrebs-Operation in etwa einem Drittel der Fälle. Kolon- und Rektumkarzinome metastasieren meist in die Leber.

Eine typische Komplikation beim Darmkrebs ist der Darmverschluss (Ileus) durch den Tumor. Auch der Durchbruch durch die Darmwand (Perforation) ist möglich. Eine weitere Komplikation ist der Einbruch in Nachbarorgane oder deren Verdrängung.

Zur Verlaufskontrolle des Darmkrebses eignet sich die Bestimmung eines Eiweißstoffs im Blut. Es handelt sich hierbei um einen so genannten Tumormarker, das CEA (Carcinoembryonales Antigen).

Vorbeugen vor Darmkrebs: Vorsorge und eine gesunde Lebensweise

Die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen den Darmkrebs stellen die Vorsorge und hierdurch die mögliche Früherkennung dar. Experten schätzen, dass neun von zehn Fälle von Darmkrebs geheilt werden können, wenn sie frühzeitig erkannt werden.

Eine Früherkennung von Kolon- und Rektumkarzinomen ist möglich durch den Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Hämoccult-Test). Dieser wird als Vorsorgeleistung Menschen ab 50 Jahren einmal jährlich von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Ab 55 Jahren wird eine Vorsorge-Darmspiegelung (Koloskopie) empfohlen. Die Kosten hierfür übernehmen die Krankenkassen. Ist bei dieser Untersuchung alles in Ordnung und es besteht kein Verdacht auf krankhafte Veränderungen im Darm, kann nach zehn Jahren erneut eine Darmspiegelung zur Darmkrebs-Vorsorge durchgeführt werden. Besteht der Verdacht auf eine Darmerkrankung, können die genannten Untersuchungen auch häufiger eingesetzt werden.

Eine gesunde Ernährung mit reichlich Ballaststoffen und gemäßigtem Verzehr von Fleisch und Alkohol setzt das Risiko herab, an Darmkrebs zu erkranken. Regelmäßige Bewegung und der Verzicht auf Nikotin sind weitere Möglichkeiten, das persönliche Darmkrebs-Risiko zu senken.


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Quellen:
Online-Informationen der Deutschen Krebshilfe: http://www.krebshilfe.de (Stand: Juli 2007)
Online-Informationen des Robert Koch-Instituts und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID): http://www.rki.de, http://www.gekid.de (Stand: August 2006)
Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: August 2003)

 

Autor: Dr. med. Ulrike Henning 
Letzte Änderung am: 23.03.2012
 
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