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Depressionen

        Depressive Menschen blicken meist pessimistisch in die Zukunft

Depressive Menschen sind psychisch niedergeschlagen
(Quelle: DAK/Wigger)

Der Begriff Depression (lat. deprimere = niederdrücken) bezeichnet einen Zustand psychischer Niedergeschlagenheit, der gelegentlich oder andauernd auftreten kann. Die Depression wird zu den so genannten Stimmungsstörungen gezählt. Kennzeichnend sind zum Beispiel eine traurige Verstimmung, Antriebsarmut und Interessenverlust. Gelegentliche Stimmungsschwankungen oder die länger andauernde Trauer, beispielsweise nach dem Tod eines Angehörigen, sind vollkommen normal und keine Depression.

Der Zustand der seelischen Bedrücktheit bei einer Depression dauert über einen längeren Zeitraum an. Damit verbunden kommt es häufig auch zu körperliche Beschwerden, die den gesamten Organismus betreffen können. Treten Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit wiederholt und über einen längeren Zeitraum auf und beeinflussen das ganze Verhalten eines Menschen, deutet dieses auf eine Depression hin. Verwendet werden auch Begriffe wie depressive Episode oder wiederholt auftretende (rezidivierende) depressive Störung.

In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Prozent der Bevölkerung, das sind etwa vier Millionen Menschen, aktuell an einer Depression. Frauen erkranken doppelt so häufig an einer Depression wie Männer. Eine Depression kann bereits im Kindesalter auftreten.

Ursachen von Depressionen

Die Ursache von Depressionen kann sehr unterschiedlich sein und muss im Einzelfall bestimmt werden. Man geht davon aus, dass eine Depression durch die Kombination verschiedener Anlässe ausgelöst wird. Dazu gehören vor allem die Vererbung, bestimmte Veränderungen des Hirnstoffwechsels und gewisse Umwelt- beziehungsweise äußere Faktoren.

Eine erbliche Vorbelastung trägt nach dem heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu der Entstehung einer Depression wesentlich bei, da Depressionen familiär gehäuft auftreten können. Sind Verwandte ersten Grades betroffen, liegt die Gefahr, selbst eine Depression zu entwickeln, bei etwa 15 Prozent. Bei eineiigen Zwillingen steigert sich das Risiko, dass beide an einer Depression erkranken, auf mindestens 50 Prozent.

Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass Depressionen unter anderem durch eine Stoffwechselstörung im Gehirn hervorgerufen werden. Dabei scheinen bestimmte Überträgersubstanzen aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Eine wichtige Rolle spielen die Konzentration von Botenstoffen im Gehirn und Nervensystem sowie eine Veränderung der Blutspiegel von Schilddrüsenhormonen, Kortison und anderen Hormonen. Generell können auch Phasen der Hormonumstellung, insbesondere bei Frauen während der Schwangerschaft, nach einer Geburt oder in der Menopause, von depressiven Störungen begleitet werden.

Häufig können körperliche Erkrankungen, beispielsweise chronische Schmerzen, Krebs-, Herz-Kreislauf- und Demenz-Erkrankungen, und bestimmte Medikamente (zum Beispiel bestimmte Asthmamittel, Mittel zur Senkung der Blutfette, Antiallergika) eine Depression auslösen. Außerdem können Ereignisse wie schwerwiegende Verluste, sexueller Missbrauch in der Kindheit, Störungen der Selbstwahrnehmung oder der Verlust von Bindungen zu einer Depression führen.

Symptome von Depressionen

Bei einer Depression unterscheidet man so genannte Hauptsymptome, Zusatzsymptome und weitere charakteristische Symptome. Die Heftigkeit der Symptome schwankt meistens während des Tages. Alle Symptome können sich allmählich (über Wochen und Monate) oder sehr rasch (in Tagen oder Stunden) entwickeln.

Zu den Hauptsymptomen zählen der Verlust von Interesse und Freude, die depressive Stimmung und die Antriebslosigkeit. Andere häufige Zusatzsymptome sind Gefühllosigkeit, Konzentrationsstörungen, mangelndes Selbstwertgefühl sowie ein pessimistischer Blick in die Zukunft. Viele Betroffene leiden unter Schuldgefühlen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit und zeigen eine Neigung zur Selbstbeschädigung bis hin zum Selbstmord.

Außerdem können eine Vielzahl körperlicher Beschwerden auftreten, für die es keine medizinische Erklärung gibt. Zu diesen zählen beispielsweise Verdauungsstörungen, Schwindelanfälle, Herzrasen, Kopfschmerzen oder ein Kloßgefühl im Hals.

In 70 bis 80 Prozent der Fälle tritt die Depression in Verbindung mit Angstgefühlen, teilweise bis hin zu einer behandlungsdürftigen Angststörung, auf. Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen kommt es zu psychotischen Anzeichen wie Wahnideen (psychotische, „wahnhafte“ Depression).

Diagnose einer Depression

Erster Schritt der Diagnose einer Depression ist ein umfangreiches Gespräch zwischen Arzt und Betroffenem (Anamnese), bei dem unter anderem gefragt wird, welche Beschwerden auftreten und wie lange diese schon andauern. Häufig werden dabei auch standardisierte Fragebögen eingesetzt. Wichtig für den Arzt ist außerdem, neben den aktuellen Beschwerden Vorerkrankungen zu kennen, die in der Vergangenheit aufgetreten sind. Außerdem sollte geklärt werden, ob eine familiäre Belastung vorliegt.

Die Krankheitsanzeichen, die bei einer Depression vorliegen, sind genau definiert. Um die Diagnose einer Depression zu stellen, müssen über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen mindestens zwei bis drei der typischen Beschwerden (gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsverlust und erhöhte Ermüdbarkeit) und zwei bis vier der übrigen Symptome vorliegen, wie beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Schuldgefühle, Mangel an Selbstwertgefühl, innere Unruhe oder Selbstmordgedanken.

Therapie von Depressionen: Antidepressiva und Psychotherapie

Die Therapie einer Depression stützt sich auf verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Der Einsatz antidepressiver Medikamente dient der Akutbehandlung und dem Schutz vor Rückfällen. Antidepressiva wirken in erster Linie stimmungsaufhellend und angstlösend, darüber hinaus beruhigend und antriebssteigernd. Die medikamentöse Therapie ist in Kombination mit psychotherapeutischen Verfahren sehr wirksam. Zu beachten ist aber, dass Antidepressiva noch mindestens sechs Monate nach Abklingen der depressiven Phase eingenommen werden müssen, da es sonst zu einem Rückfall kommen kann. Antidepressiva lassen sich in verschiedene Untergruppen einteilen: Trizyklische Antidepressiva, spezifische Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und so genannte MAO-Hemmer.

Bei leichten und mittelschweren Depressionen ist die Psychotherapie ebenso wirksam wie die Einnahme von Medikamenten. Die Psychotherapie benötigt allerdings mehr Zeit als ein Antidepressivum bis eine Wirkung eintritt. Grundsätzlich ist es auch wichtig, dass Familienangehörige mit in die Therapie einbezogen werden.

Eine weitere wirksame Behandlung ist die Lichttherapie. Bei der Lichttherapie wird der Betroffene bis zu zwei Stunden täglich sehr starkem Licht (mindestens 2.000 Lux), das entspricht ungefähr einem hellen Sommertag, ausgesetzt. Die Behandlung ist nebenwirkungsfrei und vor allem bei einer saisonalen Depression, der so genannten Winterdepression, wirksam.

Die Symptome von depressiven Episoden lassen sich mit modernen Behandlungsmethoden oft lindern und die Lebensqualität der Betroffenen damit entscheidend verbessern. Trotzdem handelt es sich hier um eine chronische Erkrankung, deren Ursachen sich bisher nicht heilen lassen. Jede depressive Episode erhöht das Risiko für eine weitere Episode und das Absetzen der Behandlung steigert die Wahrscheinlichkeit für eine solche Entwicklung.

Verlauf von Depressionen

In der Regel verlaufen die meisten Depressionen phasenweise. Es kommt zu mehr oder weniger ausgeprägten Symptomschüben mit Stimmungsschwankungen, die nach einer Weile abklingen, sodass sich die Stimmung bis zur nächsten Phase normalisiert.

Aber auch nach vollständiger Rückbildung der depressiven Beschwerden bleiben noch über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren oft erhebliche Mängel im sozialen Bereich (Sexualität, Partnerschaft, Freizeitverhalten, Genussfähigkeit) bestehen, die sich nur ganz allmählich zurückbilden. Ein besonderes Problem ist die hohe Selbstmordrate. Mehr als 30 Prozent der Selbstmorde ereignen sich in den ersten sechs Monaten nach einer stationären Behandlung.

Rückfälle einer Depression lassen sich am besten vermeiden, indem der seelische Stress so weit wie möglich herabgesetzt wird und die Familie und Freunde in die Genesungsphase miteinbezogen werden. Risikofaktoren für eine erneute depressive Phase sind:

  • Eine bereits hohe Zahl vorheriger depressiver Phasen
  • Das Bestehen einer Persönlichkeitsstörung oder einer Angststörung
  • Auch unter Therapie verbleibende Krankheitszeichen
  • Eine depressive Erkrankung bei Verwandten ersten Grades


Vorbeugen vor Depressionen

Depressionen lassen sich auf vielfältige Weise vorbeugen. Wichtig ist vor allem, rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen, da eine möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie entscheidend ist, um die Krankheit bestmöglich in den Griff zu bekommen. Eine genaue Beobachtung und Wahrnehmung früher Krankheitsanzeichen hilft auch bei der Vermeidung von Rückfällen.


Psychologische Beratung finden Betroffene einer Depression auch im Internet unter www.meinpsychiater.de.


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Quellen:
Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Neurologen e.V. (BDN), Neuss: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de (Stand: September 2007)
Kasper, S.: DFP-Allgemeinmedizin: Depression? Diagnose und Therapie. Ärztemagazin, Vol. 20/07 (Mai 2007)

 

Autor: Regina Mertes 
Letzte Änderung am: 11.03.2009
 
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