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Dialyse (Blutreinigung, Nierenersatzverfahren)

Vor der ersten Dialyse werden Betroffene über den Ablauf informiert

Vor der ersten Dialyse werden Betroffene über den Ablauf informiert
(Foto: Bananastock)

Dialyse ist ein physikalisches Prinzip, mit dem die entgiftende Funktion der menschlichen Niere künstlich ersetzt wird. Bei der Dialyse werden schädliche und unerwünschte Stoffe durch eine Membran gefiltert und aus dem Blut entfernt. Zu diesem Zweck wird der Blutkreislauf des Betroffenen an ein Gerät zur Blutreinigung - auch künstliche Niere genannt - angeschlossen.

Es wird zwischen Dialyseverfahren unterschieden, bei denen die Membran innerhalb oder außerhalb des Körpers liegt. Liegt die Membran außerhalb des Körpers, so handelt es sich um die Hämodialyse oder Hämofiltration. Bei der Peritonealdialyse befindet sich die Membran innerhalb des Körpers. So kann beispielsweise das Bauchfell bei dieser Art der Dialyse als "Giftstoff-Filter" dienen. Unter den Nierenersatzverfahren wird die Hämodialyse in Deutschland besonders häufig angewendet.

Die Dialyse wird überwiegend bei der Behandlung verschiedener Nierenerkrankungen eingesetzt und meist in Dialysezentren durchgeführt. Die Peritonealdialyse kann aber unter bestimmten Voraussetzungen, beispielsweise bei entsprechender Schulung oder mit Unterstützung einer Hilfsperson, auch zu Hause vom Betroffenen durchgeführt werden.

In Deutschland sind etwa 60.000 Personen dialysepflichtig. Etwa ein Drittel hiervon sind Diabetiker, denn in Folge von Diabetes mellitus sind Nierenschädigungen wahrscheinlich.


Vorbereitung einer Dialysebehandlung

Eine wichtige Voraussetzung für die Durchführung einer Dialyse ist ein Zugang zu den Blutgefäßen des Betroffenen. Da eigene Blutgefäße an den Armen geschont werden sollen, wird bereits einige Zeit vor der ersten Dialyse in einem chirurgischen Eingriff ein künstlicher Gefäßzugang gelegt. Betroffene werden im Vorfeld der Behandlung auch über die notwendige Ernährungsumstellung informiert.

Vor der ersten Dialyse wird der Betroffene von einem Arzt gründlich untersucht. Dabei wird individuell festgelegt, welche Maßnahmen zur Vorbereitung einer Dialyse notwendig sind und wie die Behandlung ablaufen wird. So sollen Komplikationen und Risiken der Behandlung für den Betroffenen bereits im Vorfeld möglichst ausgeschlossen werden.


Ablauf der Dialyse

Während der Dialyse durchläuft das Blut einen künstlich erzeugten Blutkreislauf zwischen dem menschlichen Körper und dem mittels Schläuchen angeschlossenen medizinischen Gerät.

Bei der Hämodialyse wird das Blut mithilfe einer Pumpe entlang einer Membran geleitet. Auf der anderen Seite der Membran strömt eine Dialyseflüssigkeit in die entgegengesetzte Richtung. Unerwünschte Stoffe gelangen - dem Prinzip der Diffusion folgend - vom Blut in die Dialyseflüssigkeit. Daneben kann auch Wasser von der Blutseite zur Seite der Dialyseflüssigkeit gepresst werden.

Die Membran ist nur in eine Richtung für im Blut befindliche Stoffe passierbar. Außerdem können nur Stoffe von geringer Größe die Membranschranke passieren (semipermeabel). In den meisten Fällen wird damit gewährleistet, dass nur Giftstoffe aus dem Blut gewaschen werden und andere, größere Stoffe, wie beispielsweise Blutplättchen, im Blut zurückgehalten werden. Einige Stoffe, bestimmte Vitamine beispielsweise, sind jedoch so klein, dass auch sie die Poren der Membran passieren können und mit den Giftstoffen aus dem Blut gewaschen werden. Nachdem das gereinigte Blut in den Körper zurückgeleitet wurde, erhalten Betroffenen daher nach der Behandlung ein Vitaminpräparat. Die Hämodialyse muss an drei Tagen in der Woche über jeweils drei bis fünf Stunden durchgeführt werden.

Während der Behandlung erhält der Betroffene ein Medikament, welches die Gerinnung des Bluts verzögern soll (Heparin, Antikoagulation). Hierdurch soll die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) in den Gefäßen vermieden werden.

Bei der Hämofiltration wird lediglich das Plasmawasser des Bluts über die Filtermembran gereinigt und der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen.

Bei der Peritonealdialyse erfolgt die Dialyse über das Bauchfell (Peritoneum). Hierbei wird Flüssigkeit in den Bauchraum eingespritzt, woraufhin unerwünschte Substanzen aus dem Blut gewaschen werden und in die Flüssigkeit des Bauchfells übergehen.


Wann wird eine Dialyse notwendig?

Die Nieren filtern normalerweise Wasser, Endprodukte des Stoffwechsels und körperfremde Stoffe, wie beispielsweise Medikamente, aus dem Blut heraus. Diese werden über den Urin ausgeschieden. Die Nieren halten jedoch andere Stoffe zurück, die der Körper für seinen Stoffwechsel benötigt. Hierzu zählen beispielsweise Vitamine oder Spurenelemente. Wenn die Nieren aufgrund bestimmter Nierenerkrankungen wie akutem oder chronischem Nierenversagen oder bei akuten Vergiftungen ihre normale Funktion nicht mehr erfüllen können, muss das Blut auf künstliche Weise - im Rahmen einer Dialyse - gereinigt werden.

Die Hämofiltration wird vor allem zur Behandlung eines Lungenödems infolge einer Nieren- oder Herzschwäche eingesetzt. Das Verfahren hat im Vergleich zur Hämodialyse den Vorteil, dass es wesentlich seltener zu einem Abfall des Blutdrucks führt und daher vor allem für ältere Menschen mit Herzbeschwerden oder für Menschen mit niedrigem Blutdruck geeignet ist.


Komplikationen und Risiken einer Dialysebehandlung

Während der Dialysebehandlung kann es zu unterschiedlichen Komplikationen kommen.

Besonders häufig kommt es zum Abfall des Blutdrucks. Das geschieht dann, wenn der Flüssigkeitsentzug bei der Dialyse zu hoch ist und nicht rechtzeitig durch Flüssigkeitszufuhr ausgeglichen wird. Erste Anzeichen für einen abgefallenen Blutdruck sind dann eine blasse Gesichtshaut, kalter Schweiß und Übelkeit beim Betroffenen.

Wenn die Dialyseflüssigkeit zu wenig Natrium enthält, fließt zu wenig Flüssigkeit aus den Geweben ins Blut und das Blut dickt ein. Die Folge können Muskelkrämpfe sein, die wiederum als erste Anzeichen eines bevorstehenden Blutdruckabfalls gewertet werden.

Bei dialysepflichtigen Menschen kann es durch die regelmäßige Behandlung zu Infektionen kommen, die durch den künstlichen Blutkreislauf und den Anschluss an die medizinischen Geräte entstehen können. Hinzu kommt, dass Infektionen bei Menschen mit regelmäßiger Dialysebehandlung oft schlechter heilen als bei Gesunden. Daher sollten sie sich bei den ersten Anzeichen einer Infektion an ihren Arzt wenden und dieser wird gegebenenfalls Antibiotika verordnen.

Für dialysepflichtige Frauen und ungeborene Kinder bestehen während einer Schwangerschaft ganz besondere Risiken, weshalb nur etwa zwei Prozent der jüngeren Frauen in Dialysebehandlung schwanger werden - in den meisten Fällen ungeplant. Um hohe Harnstoffwerte zu vermeiden, müssen Schwangere unter bestimmten Umständen sehr häufig - bis zu sechs Mal wöchentlich und mindestens 20 Stunden lang - dialysiert werden. Ungeborene Kinder wachsen oft schlecht, entwickeln sich langsam oder kommen mit einem zu geringen Gewicht zur Welt. Frühgeburten, Totgeburten oder Spontanaborte zählen ebenfalls zu den bekannten Risiken schwangerer Frauen in Dialysebehandlung.

Weltweit sind nur wenige hundert Fälle bekannt, in denen dialysepflichtige Frauen eine Schwangerschaft erfolgreich abgeschlossen haben. An der Charité Berlin konnten insgesamt sechs betroffene Frauen ein Kind zur Welt bringen.


Alternativen zur Dialyse

Selbst unter günstigen Bedingungen erreicht eine Dialyse nur eine Entgiftungskapazität von etwa zehn bis 15 Prozent einer funktionstüchtigen, gesunden Niere. In vielen Fällen wird daher versucht, eine passende Spenderniere zu finden und diese im Rahmen einer Organtransplantation einzusetzen.


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Quellen: Breuch, G. und Servos, W.: Dialyse für Einsteiger. Urban und Fischer, München 2006
Breuch, G. (Hrsg.): Fachpflege Nephrologie und Dialyse. Urban und Fischer, München 2008
Emminger H. und Kia, Th. (Hrsg.): Exaplan. Das Kompendium der klinischen Medizin Band 1. Urban und Fischer, München 2007
F.A. Brockhaus Gesundheit (Hrsg.): Der Brockhaus Gesundheit. F.A. Brockhaus Gesundheit, Leipzig 2006
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. Berlin, Walter de Gruyter GmbH & Co. KG 2007
Angaben von Dr. med. Klemens Budde, Internist an der Abteilung für Nephrologie an der Charité Berlin

 

Autor: Jessica Schmid 
Letzte Änderung am: 12.05.2009
 
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