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Dreimonatskolik

Vor allem Säuglinge in den ersten Lebensmonaten können an einer Dreimonatskolik leiden

Vor allem Säuglinge in den ersten Lebensmonaten können an einer Dreimonatskolik leiden
(Quelle: Erich Katsen/PIXELIO)

Dreimonatskolik ist die Bezeichnung für heftiges, unstillbares Schreien und starke Unruhe von Babys in den ersten Lebensmonaten, die auf Bauchschmerzen zurückgeführt werden. Die unter Dreimonatskolik leidenden Babys werden auch Schreibabys genannt.

Wie viele Babys unter einer Dreimonatskolik leiden, wurde noch nicht statistisch erfasst. Es spricht aber vieles dafür, dass Schreibabys ein relativ häufiges Phänomen sind: So gibt es in Deutschland beispielsweise zahlreiche Schreibaby-Ambulanzen.


Welche Ursachen hat eine Dreimonatskolik?

Die genauen Ursachen für eine Dreimonatskolik sind bislang nicht eindeutig geklärt. Fest steht, dass vor allem Babys in den ersten drei Lebensmonaten betroffen sind. Organische Ursachen lassen sich bei ihnen nicht immer finden - sie sind gesund. Auch kommen Schreibabys nicht nur in den Industrie-, sondern auch in Entwicklungsländern vor. Gestillte und nicht gestillte Babys sind gleichsam betroffen. Häufig werden Kinder mit einem nicht erkannten KiSS-Syndrom fäschlicherweise den Dreimonatskoliken zugeordnet.

Vieles spricht dafür, dass das noch ungenügend ausgereifte Verdauungssystem in den ersten Lebensmonaten zu Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen führt. Die Beschwerden können dann das übermäßige Schreien verursachen.

Schlaf-Wach-Rhythmus

Auch "Regulationsstörungen" werden diskutiert: Babys schreien, um auf Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Das können Hunger, Durst oder Unwohlsein sein. Eltern, vor allem Mütter, reagieren in der Regel sehr sensibel auf solche Signale des Babys. Da in den ersten Monaten noch kein eigener Schlaf-Wach-Rhythmus vorhanden ist, wird das Baby unruhig und schreit. Es reagiert wenig oder gar nicht auf Beruhigungsversuche. Dieser Zustand ist vor allem für Mütter anstrengend und führt häufig zu Überanstrengung und zu einem noch heftiger schreienden Baby. Kommen nun noch Spannungen in der Paarbeziehung der Eltern oder im Umfeld dazu, können sich diese leicht auf das Baby übertragen.

Auch Störungen in der Mutter-Kind-Beziehung können eine Dreimonatskolik auslösen. Überforderung und Unsicherheit wirken belastend und übertragen sich ebenfalls auf das Baby. Durch das Schreien wird dieser Konflikt noch verstärkt.


Symptome einer Dreimonatskolik: Schreibaby oder normales Geschrei?

Schreien ist die ganz normale Ausdrucksweise von Babys. Nur so können sie ihre Bedürfnisse zeigen. Es gibt keine festgesetzten Werte, in deren Grenzen Babygeschrei als "normal" gilt. Zur Orientierung spricht man jedoch von einem Schreibaby, wenn das Schreien mindestens drei Stunden täglich, an mindestens zwei Tagen in der Woche und über einen Zeitraum von mehr als drei Wochen anhält.

In einigen Punkten unterscheiden sich Schreibabys dennoch von weniger schreienden Babys. In erster Linie ist dies das übermäßige, extrem lang anhaltende Schreien ohne erkennbaren Grund, das von einigen Faktoren begleitet wird:


  • Beginn häufig ab der zweiten Lebenswoche
  • "Höhepunkt" des Schreiens vor allem am Nachmittag und Abend
  • Starke Unruhe
  • Probleme mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Fütterungsstörungen

Schreibabys lassen sich nur schwer oder gar nicht beruhigen. Die normalen Beruhigungsmechanismen wie Herumtragen des Babys wirken nicht. Zudem sehen die Babys beim Schreien "wütend" aus: Sie haben geballte Fäuste und ein stark gerötetes Gesicht. Bei vielen wirkt der Bauch aufgebläht. Das muss nicht unbedingt von Verdauungsstörungen kommen, sondern kann auch durch das Schreien hervorgerufen werden.


Wie wird eine Dreimonatskolik diagnostiziert?

Die Diagnose einer Dreimonatskolik ergibt sich normalerweise aus den typischen Symptomen und einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Die körperliche Untersuchung ist notwendig, um andere Ursachen, wie beispielsweise das KiSS-Syndrom, für das übermäßige Schreien auszuschließen.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Mutter-Kind-Beziehung. Um eine solche Störung auszuschließen, ist es ratsam, mit dem Arzt über die Auswirkungen des Schreiens auf die Beziehung zu sprechen, denn ein ständig schreiendes baby belastet jede Mutter und kann sie an ihre Grenzen bringen.


Kann eine Dreimonatskolik therapiert werden?

Meist ist bei einer Dreimonatskolik keine Therapie nötig. Nach den ersten Lebensmonaten hört das übermäßige Schreien in der Regel von allein auf. Da die Situation für Eltern allerdings sehr belastend werden kann, empfehlen sich einige lindernde Maßnahmen.

Der richtige Umgang mit einem Schreibaby

Ein ruhiger und regelmäßiger Tagesablauf hilft dem Baby, seinen eigenen Schlaf-Wach-Rhythmus zu finden. Um einen erholsamen Schlaf zu fördern, ist es sinnvoll, sich in den Wachphasen mit dem Baby zu beschäftigen und seine Sinne anzuregen. Hier ist es wichtig, auf ein gesundes Maß zu achten, denn Überreizung fördert das Schreien.

Auch, wenn es schwer fällt, ist es immer wichtig, selbst Ruhe zu bewahren. Aufregung und Anspannung übertragen sich auf das Baby. Keinesfalls darf man ein Baby schütteln - durch das Schütteln können ernsthafte körperliche Schäden entstehen, die schlimmstenfalls zum Tod führen können.

Um einer Störung der Mutter-Kind-Beziehung entgegenzuwirken, ist rechtzeitige Beratung empfehlenswert. Besonders, wenn ein ruhiger Umgang mit dem Schreibaby schwer fällt. In zahlreichen "Schreibaby-Ambulanzen" kann man sich Verhaltenstipps geben und sich - wenn gewünscht - psychologisch beraten lassen, wenn die Belastung durch die Dreimonatskolik zu groß wird.


Welchen Verlauf hat eine Dreimonatskolik?

Normalerweise klingt nach den ersten drei Lebensmonaten die Dreimonatskolik von alleine wieder ab. In seltenen Fällen hält diese Phase auch länger, bis zu einem Jahr, an. Die Dreimonatskolik selbst ist ungefährlich und stört auch die Entwicklung des Babys nicht.


Kann man einer Dreimonatskolik vorbeugen?

Die beste Vorbeugung einer Dreimonatskolik ist ein ausgeglichenes Mutter-Kind-Verhältnis. Es ist wichtig, auf die Signale eines Babys zu achten und darauf einzugehen. So wird das Baby ausgeglichen und weniger anfällig, ein Schreibaby zu werden.


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Quellen:
Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.kindergesundheit-info.de (Stand: Oktober 2008)
Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.: www.dgkj.de (Stand: Mai 2007)
Speer, C. P., Gahr, M.: Pädiatrie. Springer Heidelberg 2005
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 01.10.2012
 
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