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Drogen

Legale Drogen

Auch legale Drogen bergen ein Suchtpotenzial
(Quelle: Schmadel/PIXELIO)

Drogen sind Substanzen, die im menschlichen Körper Funktionen beeinflussen und gezielt eingesetzt werden, um eine Veränderung des Bewusstseins und der Wahrnehmung zu erzeugen. Werden sie über einen längeren Zeitraum eingenommen, kann das zu einer psychischen und physischen Abhängigkeit führen. Häufige Gründe, die zu Drogenkonsum führen, sind ein erhoffter Rauschzustand, Suchtbefriedigung, aber auch Realitätsflucht und gesellschaftliche Zwänge. Im Hochleistungssport können illegale Drogen zur sportlichen Leistungssteigerung eingesetzt werden (Doping). Neben illegalen Drogen, die auch als Rauschmittel oder Betäubungsmittel bezeichnet werden, sind vor allem legale Drogen wie Alkohol und Nikotin Suchtmittel, welche die meisten Todesopfer fordern.


Geschichte des Drogenkonsums

Viele der heute konsumierten Drogen haben als Rausch-, Genuss- und Nahrungsmittel eine weit zurückreichende Vergangenheit in der Menschheitsgeschichte. Schon in der Jungsteinzeit, so vermutet man, wurde durch die Domestizierung von Tieren und Pflanzen auch die Rauschwirkung von Hanf, Mohn und Wein erkannt und genutzt. Seit über 6.000 Jahren wird Wein gekeltert und die Sumerer kultivierten bereits 4.000 v. Chr. die Bierbrauerei im Mittleren Osten. Die Extrakte des Schlafmohns, Opium und Morphin, galten Jahrtausende als schmerzstillend und euphorisierend. In der Inka-Kultur kauten die Indianer Blätter des Coca-Strauchs, um ihre geistige und körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern.

Mit der Extraktion der pflanzlichen Wirkstoffe erkannte man auch deren Bedeutung für die Medizin. So diente Opium beispielsweise der Schmerzlinderung bei Kopfschmerzen, Koliken oder Nierensteinen, aber auch als Beruhigungsmittel bei Asthmaanfällen und Herzinsuffizienz. Kokain war das erste wirksame Lokalanästhetikum. Des Weiteren wurde es zur Behandlung von Angst- und Depressionszuständen eingesetzt. Das in den 70er Jahren weit verbreitete Methaqualon oder Ludes (auf Lifeline.de) war ursprünglich ein Schlafmittel.  Amphetamine wurden mit der therapeutischen Absicht entwickelt, Asthma-Symptome zu lindern. Das Sucht- und Missbrauchspotential dieser Mittel wurde dabei allerdings unterschätzt und viel zu spät erkannt.


Verbreitung des Drogenkonsums in Deutschland

Erfahrungen mit Drogen können in Deutschland ungefähr ein Viertel der Erwachsenen aufweisen. Die Liste der Präferenzen führen die Alltagsdrogen an. In Deutschland gibt es über 17 Millionen Raucher. 1,6 Millionen Menschen gelten als alkoholkrank und mehr als zehn Millionen trinken gefährlich viel Alkohol. Gefährlich viel bedeutet bei Männern, ein täglicher Bedarf von mehr als 40 Gramm reinen Alkohols, was ungefähr einem Liter Bier entspricht. Bei Frauen liegt mit 20 Gramm reinen Alkohols die Grenze bereits bei einem Glas Wein. Im Alter von zwölf bis 25 Jahren trinken 20 Prozent regelmäßig Alkohol. Dies liegt häufig an der weit verbreiteten unkritischen und positiven Einstellung gegenüber Alkohol.

Zwei Millionen Menschen in Deutschland konsumieren regelmäßig Cannabis. 400.000 weisen einen missbräuchlichen und abhängigen Konsum auf. Vor allem Frauen neigen zu Medikamentenmissbrauch. Unter den geschätzten 1,2 bis 1,9 Millionen Medikamenten-Abhängigen liegt der Frauenanteil bei 70 Prozent. Ecstasy wird von 1,2 Millionen eingenommen. Geschätzte 330.000 Menschen in Deutschland konsumieren Kokain. Die Zahl von Heroin und anderen Opiaten liegt ungefähr bei 100.000 Konsumenten.


Gesundheitliche und soziale Folgen von Drogenkonsum

Drogen sind Gifte, die den Körper dauerhaft schädigen und die Persönlichkeit eines Menschen verändern können. Lungenkrebs, Leberinsuffizienz, aber auch Psychosen sind nur einige der Folgen. Durch langzeitigen Drogenmissbrauch können Gesundheitsschäden zum Tod führen. Sucht geht auch einher mit negativen sozialen Konsequenzen, von denen Süchtige sowie Personen aus dem Umfeld betroffen sind. Zu den möglichen Folgen zählen Vernachlässigung der eigenen Familie, Ausgrenzung aus dem sozialen Umfeld, Arbeitslosigkeit oder Beschaffungskriminalität.

2006 starben in Deutschland 1.296 Menschen an illegalen Drogen. Hauptsächlich durch Konsum von Opiaten in Verbindung mit anderen Suchtmitteln. Nikotin fordert allerdings die meisten Todesopfer. In Deutschland sterben jährlich 140.000 Menschen an den direkten Folgen des Rauchens. 3.300 Menschen erliegen den Folgen des Passivrauchens.

Gravierende Folgen im Zusammenhang mit übermäßigem Drogenkonsum:


  • Tod durch unbeabsichtigte Überdosierung
  • Tod infolge einer Gesundheitsschädigung durch langzeitigen Drogenmissbrauch
  • Selbsttötung aus Verzweiflung der eigenen Lebensumstände, unter Einwirkung von Entzugserscheinung oder aus Panik, Entsetzen und Verwirrung
  • Tödliche Unfälle von unter Drogeneinfluss stehenden Personen
  • körperliche und materielle Schäden, die anderen zugefügt werden, beispielsweise bei Diebstahl oder durch Drogenkonsum während einer Schwangerschaft


Überblick und Klassifizierung nach Wirkung

Die meisten konsumierten Drogen haben ihren Ursprung in pflanzlichen Extrakten. Der Peyote-Kaktus ist die Pflanze aus der das Psychedelika Meskalin gewonnen wird. Psilocybin, ein anderes Psychedelika, ist der Wirkstoff eines mexikanischen Pilzes. Kokain ist ein Extrakt der Cocapflanze. Erst durch die Extrahierung des reinen Wirkstoffes oder ihrer chemischen Herstellung verstärkt sich ihre Wirkung und deren schädlichen Einfluss auf den Körper.



Sedativa:

Heroin, Morphin, Methadon, Alkohol, RohypnolMethaqualon (auf Lifeline.de)


  • schnelles und verstärktes Auftreten der Wirkung
  • wirken beruhigend
  • Atmung verlangsamt sich
  • Stimmungslage kann Wirkung beeinflussen



Stimulantia:

Kokain, Crack, Amphetamin, Khat, Koffein, Nikotin, Shabu, Poppers (Lösungsmittel)


  • Aufputschmittel mit euphorisierender Wirkung
  • erzeugt Hochgefühl
  • steigert die psychische Aktivität und beschleunigt das Denkvermögen
  • wirkt appetithemmend, unterdrückt die Müdigkeit und steigert das Lustempfinden



Psychedelika:

LSD, Meskalin, Psilocybin, DMT


  • tief greifende und befremdende psychische Veränderung
  • Veränderung der sensorischen und visuellen Wahrnehmung: Farbbilder, Fantasiebilder
  • Wahrnehmung wird verzerrt
  • Einfluss auf Zeitempfinden und Raumgefühl
  • überwach



Narkotika:

GHB, Barbiturate, Ketamin, Tranquilizer


  • wirken beruhigend


Nicht alle Drogen lassen sich direkt in eine dieser Gruppen einteilen, da manche zugleich stimulierend, beruhigend und halluzinogen wirken können. Abhängig ist das von der Zusammensetzung, Darreichungsform, Menge oder der eigenen Stimmung. Zu diesen Drogen zählen unter anderem: PCP, Cannabis, Ecstasy, Methylamphetamin.


Droge Einnahme Wirkung Körperliche Symptome
Alkohol oral erst anregend, später beruhigend, setzt Hemmschwelle herab Hemmungslosigkeit, verlangsamte Körperfunktionen, Lallen, Schwanken, Müdigkeit
Nikotin rauchen anregend und zugleich beruhigend Nervosität
Cannabis rauchen beruhigend bis euphorisierend, regt Appetit an, Veränderung der Wahrnehmung Hunger, Konzentrationsschwierigkeiten, trockener Mund und Hals
Heroin injizieren euphorisierend, schmerzstillend, schlaffördernd verengte Pupillen, fahles Aussehen, Schweißausbrüche
Kokain schnupfen euphorisierend, aufputschend, leistungssteigernd, unterdrückt Hunger und Durst erweiterte Pupillen, Pulsbeschleunigung, körperliche Auszehrung durch Schlaf- und Appetitlosigkeit
Crack rauchen euphorisierend, Steigerung des Selbstwertgefühls und der sensorischen Wahrnehmung Rastlosigkeit, Hyperaktivität, Aggressivität, Erregung
Amphetamin oral, injizieren stimulierend, euphorisierend, appetit- und schlafhemmend erweiterte Pupillen, starkes Schwitzen, Zittern, hohes Mitteilungsbedürfnis
LSD, Meskalin, Psilocybin oral veränderte Erlebenswelt, Halluzinationen, Sinnestäuschungen verstärkte Heiterkeit und Umschlagen in Angstzustände, Verwirrtheit
Barbiturate oral beruhigend, schlaffördernd Schlafbedürfnis, Koordinationsschwierigkeiten
Ketamin oral beruhigend, schmerzlindernd, Halluzinationen Verwirrtheit, Bewegungsunfähigkeit


Entstehung von Drogenabhängigkeit

Es gibt Drogen, beispielsweise Crack, die bereits nach einmaligem Konsum zu einer Abhängigkeit führen können. Andere, wie Alkohol, benötigen eine längere Konsumdauer damit eine Sucht entstehen kann. Das liegt an der Toleranzentwicklung des Körpers auf die Droge. Die Nervenzellen im Gehirn reagieren jedes Mal weniger empfindlich auf die Droge - bei Crack bereits nach dem ersten Konsum. Was zu dem Schritt führt, die Dosis zu erhöhen und häufiger zu konsumieren, um den Rauschzustand gleich bleibend zu erleben. Von einer Abhängigkeit spricht man, wenn eine dauerhaft eingenommene Substanz nach ihrem Absetzen schwere körperliche und psychische Entzugserscheinungen hervorruft. Häufig in gegenteiliger Wirkung als unter Drogeneinfluss - Schmerzen, Angstzustände, Depressionen. Nach einer erneuten Einnahme der Droge tritt eine sofortige Besserung ein. Die Akzeptanz dieser Wechselwirkungen und physische Veränderungen können zu einer dauerhaften Sucht führen.


Therapie bei Drogenabhängigkeit

Wer süchtig ist oder Personen in seinem privaten Umfeld hat, die einer Sucht unterliegen, muss diese Situation nicht als hoffnungslos betrachten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Sucht zu therapieren. Die Therapiemöglichkeiten sind abhängig von der Art und der Schwere der Sucht:

  • kalter Entzug
  • Selbsthilfegruppen
  • Ambulante Betreuung
  • Klinikaufenthalt


Dauerhafte Erfolge werden erzielt, wenn der Betroffene die Notwendigkeit einer Therapie erkennt und Unterstützung aus seinem persönlichen Umfeld erhält. Gewohnheiten, die sich mit der Sucht entwickelt haben und Personen sowie Umfeld mit negativem Einfluss auf einen Rückfall sollten vermieden werden.


Rechtslage in Deutschland

Jeder unerlaubter Besitz illegaler Drogen sowie deren Erwerb, Verkauf, Anbau, Herstellung und Verteilung ist ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Deren Missachtung wird mit Freiheitsstrafen und Geldstrafen geahndet. In Deutschland geht man mittlerweile zur Praxis "Helfen, statt Bestrafen" über. Deswegen wird bei Süchtigen, die wegen Besitzes geringer Mengen verhaftet wurden, von einer Bestrafung abgesehen, wenn Therapieaussichten und -wille bestehen.


Weiterführende Informationen

Hier finden Sie die wichtigsten Notrufnummern und Adressen. Unter Drogen und Gesetz können Sie das Betäubungs- und Arzneimittelgesetz nachlesen. Unter Wussten Sie schon, dass... gibt es außerdem interessante Infos rund ums Thema Drogen. Die wichtigsten Ausdrücke des Drogenjargons finden sie hier.

Quellen:
Schneyder, W.: Das Drogenlexikon, Greifenverlag, Rudolstadt 1993
Schmidbauer, W., vom Scheidt, J., Handbuch der Rauschdrogen, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
Snyder, S. H.: Chemie der Psyche - Drogenwirkung im Gehirn, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994
Bericht des nationalen REITOX-Knotenpunkt: Drogensituation 2006/2007 in Deutschland Online-Information des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction http://www.emcdda.europa.eu/?nnodeid=435 (Stand: April 2008)

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 06.02.2014
 
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