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Alkoholismus (Alkoholkrankheit)

 Das Trinkverhalten innerhalb der Familie oder im Freundeskreis spielt vor allem bei Jugendlichen eine wichtige Rolle für den Umgang mit Alkohol

Das Trinkverhalten innerhalb der Familie oder im Freundeskreis spielt vor allem bei Jugendlichen eine wichtige Rolle für den Umgang mit Alkohol
(Quelle: DAK/Wigger)

Alkoholismus, auch Alkoholkrankheit genannt, bezeichnet den schädlichen Gebrauch und die Abhängigkeit von Alkohol. Alkohol ist ein weit verbreitetes Suchtmittel: In Deutschland sind Schätzungen zufolge 2,5 bis drei Millionen Menschen von Alkoholismus betroffen. Jährlich sterben 42.000 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen von Alkoholmissbrauch.


Wie wirkt Alkohol?

Alkohol ist ein Nervengift, das berauschend wirkt. Wie stark seine Wirkung ist, hängt von der Trinkmenge, der körperlichen Konstitution und Verfassung und der Trinkgewöhnung ab.

Weil Alkohol sich in Wasser und Fett besonders gut auflöst, wird er vom Körper sehr gut aufgenommen  er gelangt schnell "ins Blut". Bis der Alkohol im Körper seine volle Wirkung entfaltet, vergehen nur etwa 30 bis 60 Minuten. Über das Blut gelangt der Alkohol ins Gehirn, wo er die hemmende Wirkung verschiedener Neurotransmitter aufhebt.

Geringe Mengen steigern häufig die Stimmung und wirken anregend. Die Kontaktfreudigkeit steigt, Hemmungen sinken. Mit steigender Alkoholkonzentration nimmt auch die Neigung zu aggressivem Verhalten zu, zudem sinkt die Aufmerksamkeit und es kommt zu Wahrnehmungsstörungen. Je höher der Alkoholanteil im Körper ist, desto stärker zeigen sich Störungen in Koordination, Bewegungen und Sprache (das typische "Lallen"). Bei besonders hohen Konzentrationen kommt es zur Alkoholvergiftung mit Koma und Atemstillstand.


Wie entsteht Alkoholismus?

Der in alkoholischen Getränken enthaltene Alkohol heißt eigentlich Äthylalkohol (Ethanol). Er entsteht durch die Vergärung von Zucker beziehungsweise zuckerhaltigen Stoffen und ist in vielen Getränken und Lebensmitteln enthalten. Die am häufigsten konsumierten alkholhaltigen Getränke sind Bier, Wein, Spirituosen und Mischgetränke. Ein übermäßiger Konsum kann zu Alkoholismus führen.

Das Risiko, an Alkoholismus zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alkoholkonsum. Um dieses Risiko besser einordnen zu können, eignen sich die vier "Konsumklassen":


  • Risikoarmer Konsum: bis 40 Gramm (Männer), bzw. 20 Gramm (Frauen) Reinalkohol täglich
  • Riskanter Konsum: 40 bis 60 Gramm (Männer), bzw. 20 bis 40 Gramm (Frauen) Reinalkohol täglich
  • Gefährlicher Konsum: 60 bis 120 Gramm (Männer), bzw. 40 bis 80 Gramm (Frauen) Reinalkohol täglich
  • Hochkonsum: mehr als 120 Gramm (Männer), bzw. 80 Gramm (Frauen) Reinalkohol täglich

In einem kleinen Glas Bier (0,33 Liter) sind etwa 13 Gramm Alkohol enthalten, ein Glas Wein (0,2 Liter) enthält durchschnittlich 16 Gramm Alkohol.

Vom Alkoholgenuss zum Alkoholismus

Die Grenzen zwischen Alkoholgenuss und Alkoholismus sind fließend. Bei der Entstehung von Alkoholismus spielen mehrere Ursachen eine Rolle:


  • Soziokulturelle Einflüsse
  • Psychologische Einflüsse
  • Biologische Faktoren

Die Trinksitten in einer Gesellschaft haben einen großen Einfluss auf die Entstehung von Alkoholismus. In verschiedenen Kulturen gelten religiöse oder soziale Regeln für den Umgang mit Alkohol. Dort ist Alkoholismus vergleichsweise wenig verbreitet. Das Trinkverhalten innerhalb der Familie oder im Freundeskreis spielt vor allem bei Jugendlichen eine wichtige Rolle für den Umgang mit Alkohol.

Psychische Faktoren können ebenfalls zu Alkoholismus beitragen. Um Situationen und Gefühlslagen erträglicher zu machen, wird häufig Alkohol benutzt. Die daraus resultierende Konditionierung - nach Alkoholkonsum ist das Problem weniger oder gar nicht mehr präsent - führt langfristig zur Abhängigkeit.

Auch genetische Faktoren werden als Mitverursacher der Alkoholkrankheit diskutiert. So treten Fälle von Alkoholismus in manchen Familien gehäuft auf. Welche Genvariation genau für diese erhöhte Anfälligkeit verantwortlich ist, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Lediglich die Alkoholdehydrogenase, ein Gen, das den Alkoholstoffwechsel kontrolliert, konnte identifiziert werden.


Wie äußert sich Alkoholismus?

Alkoholismus ist eine Sucht, die von den typischen Suchtmerkmalen gekennzeichnet ist. Insbesondere sind dies der Zwang oder der unwiderstehliche Wunsch, Alkohol zu konsumieren, Gewöhnung an immer größere Mengen Alkohol und Entzugserscheinungen bei Abstinenz. Trotz gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen wird weiter Alkohol getrunken, andere Interessensgebiete werden zugunsten des Alkoholkonsums immer mehr verringert. Das Trinkverhalten bei Alkoholismus ist jedoch sehr unterschiedlich und lässt sich nach Jellinek in fünf Typen einteilen:


  • Alphatrinker: Alkohol wird nicht unkontrolliert, aber undiszipliniert getrunken und dient der Erleichterung von Konflikten. Eine Abhängigkeit zeigt sich nur psychisch.
  • Betatrinker: Auch hier findet kein Kontrollverlust statt, Alkohol wird aus Anpassung und Gewohnheit und zu bestimmten Anlässen konsumiert. Es besteht keine Abhängigkeit.
  • Gammatrinker: Es besteht zunächst eine psychische, später auch eine physische Abhängigkeit. Beim Trinken kommt es zu Kontrollverlust - immer größere Mengen Alkohol werden konsumiert.
  • Deltatrinker: Es besteht kein Kontrollverlust, allerdings sind Alkoholabstinenz-Phasen nicht mehr möglich. Der Alkoholrausch ist nicht besonders stark, findet aber regelmäßig statt.
  • Epsilontrinker: Alkohol wird exzessiv und dauerhaft konsumiert, es kommt zu Kontrollverlust, wochen- und monatelanger Alkoholrausch ist möglich.

Übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich immer schädlich aus. Man unterscheidet hier zwischen kurz- und langfristigen Folgen. Während des Alkoholrauschs kommt es aufgrund der Koordinationsstörungen zu erhöhter Unfallgefahr. Bei exzessivem Trinken können Organe beschädigt werden, im schlimmsten Fall droht eine Alkoholvergiftung.

Die Langzeitfolgen von Alkoholismus sind vielfältig und zeigen sich in einer Reihe von Krankheiten:



Das familiäre und soziale Umfeld reagiert ebenfalls auf Alkoholismus: Es kommt zu Isolation und Ausgrenzung und zunehmenden Konflikten.


Wie wird Alkoholismus diagnostiziert?

Der Verdacht auf Alkoholismus kommt meist aufgrund der äußerlich sichtbaren Zeichen auf. Neben den Auswirkungen auf das soziale Leben und die Umwelt sind dies der typische Alkoholgeruch sowie ständige Anzeichen auf einen Alkoholrausch. Im Gespräch mit dem Arzt über die Krankheitsgeschichte (Anamnese) zeigen sich zudem eine Reihe weiterer Hinweise:


  • Hautveränderungen (Rötungen, Gefäßspinnen)
  • Händezittern (Tremor)
  • Gangunsicherheit
  • Vermehrte Schweißbildung (vor allem feuchte Hände)
  • Leistungsminderung
  • Verminderte sexuelle Lust, Impotenz

Zudem können verschiedene Fragebögen bei der Diagnose von Alkoholismus hilfreich sein. Ein weit verbreitetes Instrument ist der CAGE-Fragebogen, der nur aus vier Fragen besteht:

Cut down: Haben Sie schon einmal das Gefühl gehabt, Sie müssten weniger Alkohol trinken?
Annoyed: Haben Sie sich schon einmal darüber geärgert, dass andere Ihr Trinkverhalten kritisiert haben?
Guilt feelings: Haben Sie sich schon einmal schlecht oder schuldig wegen Ihres Trinkverhaltens gefühlt?
Eye-opener: Brauchen Sie morgens Alkohol, um leistungsfähig zu werden, Ihre Nerven zu beruhigen oder Ihren Kater zu mindern?

Im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Symptome der Organschädigungen. Sie werden in der Regel im Rahmen einer ausführlichen körperlichen Untersuchung festgestellt.


Alkoholismus therapieren: Entzug, Entwöhnung und Nachsorge

Die Behandlung von Alkoholismus besteht aus einer Kombination verschiedener Instrumente, die je nach Schwere eingesetzt werden.

Entzug

Es ist empfehlenswert, die Therapie mit einer Entziehung zu beginnen. Diese Maßnahmen kann stationär oder zu Hause durchgeführt werden. Da es zunächst zu einer Entgiftung mit möglichen unerwünschten Begleiterscheinungen wie Krämpfen, schweren Depressionen oder Kreislaufstörungen kommen kann, ist es ratsam, die Entziehung unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen. In zahlreichen Suchtfachkliniken werden diese Maßnahmen angeboten.

Die körperlichen Entzugserscheinungen sind in der Regel nach einigen Tagen verschwunden, während die psychischen über einen weitaus längeren Zeitraum fortbestehen. Es besteht lebenslang die Möglichkeit eines Rückfalls.

Entwöhnung

Unmittelbar an den Entzug schließt sich die Entwöhnung an. In dieser Zeit gilt es, die psychische Abhängigkeit zu überwinden oder zumindest in den Griff zu bekommen. Die Entwöhnung wird häufig zunächst in einer speziellen Einrichtung und anschließend in Form einer psychotherapeutischen Begleitung im Alltag durchgeführt. Bei einem Aufenthalt in einer Einrichtung ist die Rückfallquote niedriger als bei der Entwöhnung zu Hause.

Nachsorge

Um eine Alkohol-Abstinenz oder wieder die Fähigkeit zu kontrolliertem Trinken zu erreichen, ist es ratsam, sich eine langfristige Begleitung zu sichern. Dabei hilft eine Psychotherapie oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe. An zahlreichen Gruppen nehmen Alkoholiker und Angehörige gemeinsam teil. Die bekannteste Selbsthilfegruppe sind die Anonymen Alkoholiker (AA).


Wie verläuft Alkoholismus?

Die Prognose von Alkoholismus ist in hohem Maße abhängig von sozialen und psychologischen Faktoren. Vor allem ein stabiles soziales Umfeld und die Trennung vom alten "Trinkumfeld" sind wichtige Faktoren für eine gute Prognose.

Sind bereits Organe geschädigt, fußt die Therapie der entsprechenden Krankheit auf einer strikten Alkohol-Abstinenz. Abstinenz verbessert die Prognose erheblich.


Alkoholismus vorbeugen: die Kontrolle behalten

Die sicherste Vorbeugung gegen Alkoholismus ist kontrolliertes Trinken oder Abstinenz. Vor allem Jugendliche, die regelmäßig oder exzessiv Alkohol trinken, sind gefährdet. Wer trinkt, um Probleme zu vergessen oder Konflikten zu entgehen, steigert sein Risiko, an Alkoholismus zu erkranken, erheblich. Besonders, wenn innerhalb der Familie schon Menschen an der Alkoholkrankheit leiden, ist es ratsam, besonders zurückhaltend mit Alkohol umzugehen.


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Quellen:
Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): www.bzga.de (Stand: Mai 2008)
Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. de Gruyter, Berlin 2007
Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e.V. (Hrsg.): Alkoholabhängigkeit. Hamm 2003

 

Autor: Karin Wunder 
Letzte Änderung am: 13.10.2008
 
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