Tipp

Barbiturate

Barbiturate in Tablettenform

Barbiturate werden häufig in Tablettenform konsumiert
(Quelle: BananaStock)

Barbiturate sind Medikamente, die zur Beruhigung oder Schlafförderung eingesetzt und häufig als Suchtmittel missbraucht werden. Sie werden als Tabletten oder in flüssiger Form verabreicht und erzielen eine beruhigende, schlafauslösende und dämpfende Wirkung. Zu den angewendeten Barbiturat-Substanzen zählen unter anderem Phenobarbital, Allobarbital und Cyclobarbital. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Wirkungsdauer ist der Übergang zwischen Beruhigungsmitteln (Sedativa) und Betäubungsmitteln (Narkotika) fließend. Bisher sind alle auf dem Markt erschienenen Schlafmittel missbraucht wurden, der Barbiturat-Missbrauch ist dabei die häufigste Form.


Geschichte von Barbituraten

Baldrian, Melisse, Kamille und Hopfen sind Pflanzen, die unter anderem beruhigende und schlafanstoßende Inhaltsstoffe enthalten. Da deren Wirkung eher schwach ist, ging man dazu über Schlafmittel chemisch herzustellen. Justus von Liebig gelang 1832 die erste synthetische Herstellung eines Schlafmittels. Deren erster Einsatz zur Behandlung von Schlafstörungen erfolgte 1869. Das erste Schlafmittel auf Barbiturat-Basis wurde von Joseph von Mering entwickelt. Barbiturate haben allerdings nur eine geringe therapeutische Breite und weisen kaum Vorteile gegenüber anderen schlafanstoßenden Medikamenten auf. Aus diesem Grund werden sie heutzutage kaum noch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.


Wirkung von Barbituraten

Barbiturate sind in ihrer Wirkung Alkohol sehr ähnlich. Sie wirken schlafanstoßend und -fördernd, muskelentspannend, krampflösend, dämpfend und angstlösend. Die dämpfende Wirkung erzielt vor allem eine Linderung von inneren Spannungen, Unruhe und Aggression, die häufig Ursachen für Einschlafprobleme sind. Barbiturate werden nach ihren Wirkungsdauern unterschiedlich eingesetzt. Jene mit einer kurzen Wirkungsdauer werden als Einschlaf- oder Durchschlafhilfe verwendet. Der Abbau des Medikaments im Körper erfolgt nach fünf bis acht Stunden. Barbiturate mit langer Wirkungsdauer werden zur Behandlung von Angstzuständen eingesetzt. Die Wirkstoffe haben eine lange Halbwertzeit und sind nach einem künstlich erzwungenen Schlaf immer noch zwischen 80 und 90 Prozent im Körper. Dies hat zur Folge, dass der Anwender sich am nächsten Tag schlapp und müde fühlt - ein katerähnlicher Zustand wie nach zu hohem Alkoholkonsum. Häufig gehen die Anwender dazu über, sich tagsüber mit Kaffee oder anregenden Mitteln (Amphetamine) aufzuputschen. Dies wiederum führt zu Einschlafschwierigkeiten und einer erneuten Einnahme von Schlafmitteln.


Konsum und Gründe von Barbituratmissbrauch

Barbiturate werden entweder oral in Tablettenform oder als Injektion verabreicht. Bei dem Konsum von Barbituraten wird zwischen einer gewohnheitsgemäßen Einnahme und einer Sucht unterschieden. Werden Barbiturate aus Gewohnheit schlafunterstützend konsumiert, wird die Einnahme eher als harmlos betrachtet. Die Gründe für Schlafstörungen können körperliche Ursachen, aber auch ungünstige Umwelteinflüsse wie zu starker Straßenlärm sein. Man geht davon aus, dass diese Anwender sich ohne weiteres auf ein anderes Medikament einstellen oder alternative Methoden (z.B. Autogenes Training) als Einschlafhilfe nutzen können. Bei einer Barbiturat-Sucht werden die Medikamente ohne medizinische Indikation in hohen Dosen eingenommen - auch tagsüber. Das Suchtpotenzial liegt nicht, wie man es bei Drogen vermutet, in einem Rauschgefühl, sondern eher in der Möglichkeit persönliche Probleme zu betäuben und abzuschalten. Einen psychischen Effekt erzielt es vor allem bei seelischen Konflikten. Barbiturate lösen Anspannungen und Nervosität. Probleme werden durch die Müdigkeit abgemildert. Teilweise führt das sogar zu einem aufmunternden und anregenden Effekt. Diese problembetäubende Wirkung kann zur Realitätsflucht mittels Barbituratmissbrauch führen. Die Medikamente entwickeln eine hohe Toleranz im Körper. Das bedeutet, dass der Körper sich schnell an Dosis und Wirkstoff gewöhnt. Eine längere und erhöhte Einnahme kann Barbiturate in ihrer Wirkung umkehren. Der anregende und euphorisierende Effekt, der dadurch entsteht, unterstützt den Süchtigen darin, Probleme als weniger bedeutungsvoll zu betrachten.


Gefahren durch Barbiturate

Barbiturate stoßen den Schlaf nicht nur an sondern erzwingen ihn, was einen gestörten Schlafrhythmus verursacht.

Weitere Gefahren:

  • Tod bei Überdosis (Barbiturat-Vergiftung ist die häufigste Form der Selbsttötung)
  • Bewusstlosigkeit, Atemhemmung
  • Tod durch Kreislaufversagen
  • erhöhtes Unfallrisiko für Verkehrsteilnehmer, die Schlaf- oder Beruhigungsmittel zu sich nehmen


Eine Überdosierung durch Barbiturat ist lebensbedrohlich, da es kein spezifisches Gegenmittel gibt! Barbiturat beeinflusst das zentrale Nervensystem. Eine giftige Wirkung hat es vor allem für http://www.qualimedic.de/articles/read.php?article_id=704, Gehirn und Nervensystem. Die Beeinträchtigung der Hirnleistung kann eine starke Wesensveränderung auslösen, die mit Verwirrtheit und Kontrollverlust der eigenen Emotionen einhergeht.


Anzeichen für eine Barbiturat-Abhängigkeit

Die folgenden Punkte können ein Indiz für einen missbräuchlichen Konsum von Barbituraten sein:

  • Bewegungsstörungen
  • verworrene Sprache, Lallen
  • verlangsamtes Reaktionsvermögen
  • vermindertes Interesse
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • großes Schlafbedürfnis
  • zitternde Hände
  • Lidflattern
  • starkes Schwitzen
  • Reizbarkeit
  • Jähzorn
  • Depressionen


Müdigkeit, Sprachstörungen und ein unsicherer Gang sind Nebeneffekte des Barbiturat-Konsums und störend im Alltag. Diese körperlichen Anzeichen werden häufig mit anderen Drogen bekämpft, was letztendlich zu einem Sucht-Kreislauf führt.

Wie bei jeder Sucht treten auch bei einer Barbiturat-Abhängigkeit Entzugserscheinungen auf.

Folgende Symptome können Entzugserscheinungen sein:

  • Angstzustände
  • Müdigkeit
  • Schwäche
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • Gewichtsverlust

Bei einer bestehenden Sucht ist ein Entzug notwendig. Allerdings sollte man nicht ohne weiteres das Barbiturat absetzen. Ein sofortiger Abbruch kann heftige epileptische Krämpfe oder einen Kollaps verursachen. Es ist notwendig das Medikament unter ärztlicher Aufsicht langsam zu reduzieren.


Rechtslage in Deutschland

Einige Barbiturate werden aufgrund ihres Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials nicht mehr hergestellt oder verwendet. Barbiturate, die noch therapeutisch verwendet werden, unterliegen der Anlage III. des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) beziehungsweise der Betäubungsmittel-Verschreibungsordnung (BtMVV). Der Umgang ohne Erlaubnis oder Verschreibung ist grundsätzlich strafbar.


Sie haben weitere Fragen zum Thema Barbiturate? Dann wenden Sie sich an die Experten der Expertenrat Schlaf- und Einschlafstörungen und Stress auf der Gesundheitsberatung. Oder stellen Sie Ihre Fragen in der Hausarzt-Expertenrat.

Quellen:
Schmidbauer, W., vom Scheidt, J., Handbuch der Rauschdrogen, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
Snyder, S. H.: Chemie der Psyche - Drogenwirkung im Gehirn, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994
Online-Information der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e. V.: Alkohol, Medikamente, Tabak, illegale Drogen, süchtiges Verhalten?: www.dhs.de (Stand: Mai 2008)

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 29.07.2008
 
Tipp