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Beruhigungsmittel / Tranquilizer

Beruhigungsmittel

Beruhigungsmittel werden zum Beispiel bei Schlafstörungen oder vor operativen Eingriffen verabreicht.
(Quelle: BananaStock)

Beruhigungsmittel sind Medikamente auf pflanzlicher oder chemisch-synthetischer Basis, die zur Behandlung von Erregungen, Schlafstörungen, Spannungen, innerer Unruhe oder Nervosität eingesetzt werden. Zu den Beruhigungsmitteln gehören Sedativa, welche vorwiegend zur Beruhigung verschrieben werden und Tranquilizer, die ergänzend zur Beruhigung auch Angst- und Spannungszustände dämpfen sollen. Der Übergang zwischen beiden Medikamentengruppen ist fließend, da sie über ähnliche Wirkstoffe verfügen. Zu den gängigsten Beruhigungsmitteln gehören die Medikamente der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Beruhigungsmittel werden trotz ihrer Verschreibungspflicht häufig missbräuchlich konsumiert und können zu einer Abhängigkeit führen.


Status quo zum Umgang mit Beruhigungsmitteln in Deutschland

Es wird geschätzt, dass in Deutschland zwischen 1,4 bis 1,9 Millionen Menschen medikamentenabhängig sind. Von diesen gelten 1,1 Millionen als abhängig von Benzodiazepinderivaten - Beruhigungsmittel. Im Jahr 2003 wurden 35 Millionen Packungen Schlaf- und Beruhigungsmittel verkauft. Zu den meist Verkauftesten zählen Benzodiazepine, benzodiazepinähnliche Wirkstoffe, aber auch pflanzliche Extrakte wie Hopfen, Baldrian und Passionsblume. Vor allem Frauen und ältere Menschen bekommen häufig Medikamente mit Suchtpotenzial verordnet. Dies kann unter anderem auf Defizite in der Diagnostik und Behandlung von psychischen Störungen, Schlafproblemen und Schmerzen zurückgeführt werden. Dabei wird häufig außer Acht gelassen, dass psychoaktive Medikamente nicht das eigentliche Problem der Störung lösen können.


Benzodiazepine

Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine zählen zu den bedeutendsten Arzneimittelgruppen mit hohem Sucht- und Abhängigkeitspotenzial für Körper und Psyche. Die Verordnung und der Gebrauch von Benzodiazepinen sind in den letzten Jahren zurückgegangen. Aber noch viel zu häufig werden sie nicht im Rahmen einer Behandlung verschrieben, sondern um durch sie entstandene Entzugserscheinungen zu lindern.


Wirkung und Indikation von Benzodiazepinen

Benzodiazepine wirken dämpfend, angstlösend, schlaffördernd, krampflösend, muskelentspannend, beruhigend, erregungs- und aggressionslösend. Eingesetzt und verschrieben werden sie zur Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen, bei Phobien und psychosomatischen Störungen, Schlafstörungen, psychotischen Erregungszuständen und muskulären Verspannungen. Sie werden auch zur Beruhigung vor Operationen oder diagnostischen Eingriffen, beispielsweise bei einer Magenspiegelung, verwendet. Zu oft werden sie allerdings auch bei weniger bedeutenden Befindlichkeitsstörungen, wie Nervosität, Überlastung und Erschöpfung, verordnet.

Die unterschiedliche Zusammensetzung der Benzodiazepine ermöglicht verschiedene Einsatzgebiete. Die Unterschiede bestehen in der Höhe des Wirkstoffs, in der Schnelligkeit der Wirkung, Wirkdauer, Art der Verstoffwechslung und dem Abbau des Medikaments im Körper. Benzodiazepine mit kurzer und mittellanger Dauer haben eine Halbwertzeit von zweieinhalb bis 24 Stunden und werden als Ein- und Durchschlafhilfe verwendet. Langwirksame Präparate haben eine Wirkungsdauer von ein bis vier Tagen und werden hauptsächlich zur Beruhigung und Dämpfung eingesetzt. Bei Beruhigungsmitteln ist zu beachten, dass die Wirkung auch bis zum nächsten Tag anhalten kann und es dadurch zur Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens kommt. Dies kann zu Koordinationsproblemen sowie zu Behinderungen im Straßenverkehr und bei der Arbeit führen.

Die Einnahme von Benzodiazepinen ist aber auch mit einer Reihe unerwünschter Nebeneffekte verbunden. Die Medikamente verlangsamen die Atmung und setzen den Blutdruck herab. Sie vermindern die Reaktionsfähigkeit, verursachen Kopfschmerzen, machen müde, niedergeschlagen, benommen, schwindelig und verwirrt. Auch sexuelle Bedürfnisse können durch Benzodiazepine nachlassen.


Abhängigkeitspotenzial bei Benzodiazepine

Bei einer einmaligen oder kurzzeitigen Einnahme zu therapeutischen Zwecken besteht kaum die Gefahr einer Abhängigkeit. Darüber hinaus gibt es für die Verschreibung dieser Medikamente Behandlungsempfehlungen:

  • klare Indikation
  • kleine Dosis
  • kurze Anwendungsdauer ( maximal 14 Tage)
  • kein abruptes Absetzen, da sonst Schlafstörungen, Depressionen, Ängste auftreten können

Bei Benzodiazepinen unterscheidet man, wie bei anderen Medikamenten auch, zwischen missbräuchlichem Konsum und Abhängigkeit. Von Missbrauch spricht man, wenn Medikamente über einen längeren Zeitraum ohne medizinische Indikation eingenommen werden. Die Hauptursachen für eine Abhängigkeit von Benzodiazepinen sind körperliche Gewöhnung und das Manipulieren des eigenen Befindens. Bei einer langen Einnahmedauer besteht die Gefahr, dass sich der Organismus an den Wirkstoff gewöhnt. Symptome, wie Schlafstörungen, Angstzustände, Beklemmungen treten wieder auf, was eine weiterführende Einnahme mit Dosiserhöhung zur Folge hat. Darüber hinaus werden Benzodiazepine zweckentfremdet, um seelische Empfindungen absichtlich hervorzurufen. Die Abhängigkeit von Benzodiazepin wird in drei verschiedenen Formen eingeteilt:

Primäre Hochdosisabhängigkeit: Starke körperliche und psychische Abhängigkeit verbunden mit extremer Dosissteigerung, Persönlichkeitsveränderungen sowie schweren Entzugserscheinungen.

Primäre Niederdosisabhängigkeit: Dies ist die häufigste Abhängigkeitsform. Beruhigungsmittel werden über einen längeren Zeitraum täglich in geringer Dosis eingenommen. Bei Absetzen kommt es zu Entzugssymptomen, die zu einer erneuten Einnahme führen.

Sekundäre Benzodiazepinabhängigkeit: Dies ist ebenfalls eine häufige Form. Durch eine bereits bestehende Abhängigkeit von anderen Substanzen kann sich eine Benzodiazepinabhängigkeit entwickeln, um beispielsweise Entzugserscheinungen anderer Drogen erträglicher zu machen.

Bei Absetzen des Medikamentes oder bei einer Entwöhnung können Entzugssymptome auftreten, die ein bis vier Wochen anhalten. Häufig handelt es sich dabei um Symptome, die eigentlich Auslöser für eine Behandlung mit Beruhigungsmittel waren. Dazu zählen Schwäche, Schwindel, Zittern, Schlafstörungen, Unruhe, erhöhte Angstbereitschaft mit Panikattacken, Entfremdungserlebnisse, Suizidgedanken und Wahrnehmungsstörungen.


Symptome einer Beruhigungsmittelabhängigkeit

Folgende Symptome lassen auf einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln schließen:

  • Bewegungsstörungen und Trittunsicherheit
  • verworrene und verwaschene Sprache
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • verminderte Reaktionsfähigkeit
  • Gedächtnislücken
  • starkes Schlafbedürfnis
  • Aggressivität

Gefahren bei Beruhigungsmittelkonsum

Körperliche und psychische Abhängigkeit ist nicht die einzige Gefahr, die bei Beruhigungsmittelkonsum besteht. Das Herabsetzen der Atemtätigkeit kann zu Atemlähmung und damit zum Tod führen. Bei älteren Menschen kommt es zu Trittunsicherheiten was die Sturz- und Verletzungsgefahr erhöht. Als weitere Probleme können Gedächtnisstörungen und gefühlsmäßige Abstumpfung auftreten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der verminderten Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit. Diese führt vor allem zu Gefahren im Straßenverkehr. Autofahrer, die Schlaf- und Beruhigungsmittel einnehmen, sind deutlich öfters in Verkehrsunfälle verwickelt. Die Kombination mit Alkohol steigert das Risiko enorm.

Chemisch-synthetische Beruhigungsmittel dürfen nicht eingenommen werden bei:

  • Asthma
  • Schnarchen mit Atemaussetzern
  • Muskelschwäche
  • Bewegungs- und Koordinationsstörungen
  • schweren Leberschäden

Pflanzliche Beruhigungsmittel

Zu den Pflanzen mit beruhigenden Wirkstoffen zählen Baldrian, Hopfen, Johanniskraut, Melisse, Orangenblüte, Passionsblume und Lavendel. Sie wirken weniger intensiv als Benzodiazepine und verfügen in der Regel über kein Suchtpotenzial. Beruhigungsmittel mit diesen Inhaltsstoffen sind rezeptfrei.


Rechtliche Grundlagen zu Verordnung und Gebrauch

Chemisch-synthetische Beruhigungsmittel sind verkehrsfähige und verschreibungspflichtige Betäubungsmittel und fallen unter die Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Beruhigungsmittel auf pflanzlicher Basis sind im Handel meist freiverkäuflich. Unter Einfluss von psychoaktiven Medikamenten ist das Führen eines Fahrzeugs nicht erlaubt und kann je nach Schwere des Delikts zu Geld- und Freiheitsstrafen sowie zum Entzug des Führerscheins führen.


Sollten Sie weitere Fragen zur Mammographie haben, können Sie sich an die Experten der Hausarzt-Expertenrat wenden.

Quellen:
Schneyder, W.: Das Drogenlexikon, Greifenverlag, Rudolstadt 1993
Schmidbauer, W., vom Scheidt, J., Handbuch der Rauschdrogen, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
Online-Information des Bundesministeriums für Gesundheit: Drogen- und Suchtbericht Mai 2007: http://www.bmg.bund.de (Stand: Mai 2008)
Online-Information der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e. V.: Medikamente - Basisinformationen: www.dhs.de (Stand: Mai 2008)
Online-Information der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) e. V.: Benzodiazepine: www.dhs.de (Stand: Mai 2008)

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 29.10.2008
 
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