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Heroin

Schlafmohnblüte

Ausgangsstoff des Heroins ist der so genannte Schlafmohn
(Quelle: Imagines Plantarum)

Heroin ist ein Opiat und gehört zu den illegalen Betäubungsmitteln. Die Droge wird durch mehrere chemische Prozesse aus einem Extrakt des Schlafmohns gewonnen. Die pulverige Substanz gelangt meist durch intravenösen Konsum in den Körperkreislauf und erzeugt eine schmerzstillende, euphorisierende und zugleich schlaffördernde Wirkung. Heroin löst eine schnelle physische und psychische Abhängigkeit mit schwerwiegenden Folgen aus.

Während Heroin als Droge erst seit rund 100 Jahren existiert, hat die berauschende Wirkung des Schlafmohns schon vor mehreren tausenden Jahren die Menschen in ihren Bann gezogen. Die Sumerer kannten bereits vor 6.000 Jahren die Kräfte des Mohnsafts und bezeichneten den Mohn auch als "Pflanze der Freuden". Der getrocknete Milchsaft des Mohns bahnte sich als Opium seinen Weg quer durch Europa und Ägypten. Obwohl es in allen Epochen immer wieder als Genussmittel genutzt wurde, stand vor allem seine betäubende Wirkung für medizinische Zwecke im Vordergrund. Denn die Extrakte des Schlafmohns galten als schmerzstillend und euphorisierend. Opium diente beispielsweise der Schmerzlinderung bei Kopfschmerzen, Koliken oder Nierensteinen, aber auch als Beruhigungsmittel bei Asthmaanfällen und Herzinsuffizienz. Nach der Isolierung des Morphins im Jahre 1804 wurde auch dies zur Behandlung von starken Schmerzen eingesetzt. Allerdings erkannte man schnell, dass Morphin zu einer starken Abhängigkeit führt. Um dem entgegen zu wirken, wurde nach Stoffen gesucht, die über die schmerzlindernden Eigenschaften des Morphins verfügen, aber nicht süchtig machen. 1898 gelang die Herstellung der Substanzen Diacetylmorphin - Heroin. Mit der Begründung, dass es nicht süchtig mache, wurde es als Medikament zur Behandlung von Husten eingeführt. Welch großes Suchtpotenzial sich hinter Heroin verbarg, erkannte man erst Jahrzehnte später. Bis heute gilt Heroin als eines der schlimmsten Suchtmittel, das jemals entdeckt wurde.

Bereits 1909 bemühte man sich, Opiate wegen ihrer hohen Suchtgefahr weltweit unter staatliche Kontrolle zu stellen. Das Verbot von Opium für nichtärztliche Zwecke wurde nach dem ersten Weltkrieg umgesetzt. Eine Reglementierung die unmittelbar zum illegalen Handel führte.

Die Hauptanbaugebiete für Opium sind unter anderem Thailand, Myanmar, Laos, Afghanistan, Pakistan und der Iran. Der jährliche Gewinn von Opium wird auf ungefähr 12.000 Tonnen geschätzt.


Herstellung von Heroin

Der Ausgangsstoff für die Heroinherstellung ist Rohopium. Dieser wird aus dem getrockneten Milchsaft der unreifen Fruchtkapsel des Schlafmohns gewonnen. Er enthält verschiedene Alkaloide, vor allem Morphin, aus dem Heroin hergestellt wird.

Die Mohnkapsel wird angeritzt, der ausgetretene Saft trocknet ein und wird abgeschabt. Im Rohopium sind 25 verschiedene Wirkstoffe enthalten - das stärkste Alkaloid ist Morphin. Das durch chemische Prozesse extrahierte Morphin wird durch ein weiteres chemisches Verfahren in Heroin umgewandelt. Heroin wird in unterschiedlichen Reinheitsgraden und Wirkstoffklassen gehandelt.

Heroin Nr. 1: Heroin, weißes oder braunes Pulver mit einem Wirkstoffgehalt von 60 bis 80 Prozent

Heroin Nr. 2: Mischung aus Morphin und Heroin, weißes bis graues Pulver

Heroin Nr. 3: Hongkong Rocks, graue kristalline Heroinart mit einem Wirkstoffgehalt von 30 bis 60 Prozent

Heroin Nr. 4: Türkischer Honig, besonders konzentriertes Heroin aus der Türkei mit einem Wirkstoffgehalt von bis zu 90 Prozent

In der Szene ist Heroin auch unter folgenden Namen bekannt: H (englisch ausgesprochen: Äitsch), Sugar, Brown Sugar, Schore, Mat, Stoff, Age oder Gift. Das Spritzen von Heroin wird auch als Schuss bezeichnet.


Konsum von Heroin

Heroin wird meistens intravenös, intramuskulär oder subkutan (unter die Haut) gespritzt. Seltener geschnupft, aber auch inhaliert oder geraucht. Da Heroin nicht wasserlöslich ist, wird für eine Injektion ein säurehaltiger Hilfsstoff benötigt. Mit Zitronensaft oder Ascorbinsäure und Wasser wird das Heroin aufgelöst und aufgekocht. Die aufbereitete Droge wird im Anschluss in die Vene, in Muskelmasse oder unter die Haut gespritzt.


Wirkung von Heroin

Die Opiate entfalten ihre Wirkung über Rezeptoren im Gehirn. Heroin ruft einen entspannten Zustand hervor. Es wirkt euphorisierend, aber nicht erregend. Unterdrückt Angstgefühle, lindert Schmerzen, ist schlaffördernd und enthemmend. Die Wirkung des Heroins hält ungefähr vier bis sechs Stunden an. Da sich der Körper schnell an die Droge gewöhnt, muss die Dosis rasch gesteigert werden, um eine gleich bleibende Wirkung zu erzielen. Bereits nach vier- bis fünfmaligen Konsum treten die ersten Suchtsymptome auf. Euphorisierend und bewusstseinserweiternd sind nur die ersten Spritzen. Danach geht es nur noch darum, sich vom Heroin-Mangel zu befreien, verbunden mit der Angst, dass die Wirkung nach wenigen Stunden wieder nachlässt. Ein sinkender Heroin-Spiegel verursacht Reizbarkeit, Depressionen und Verstimmungen, die beim Konsumenten zum Dauerzustand werden. Die einsetzenden Entzugserscheinungen, welche mit starken Schmerzen verbunden sind, versuchen Süchtige mit Medikamenten zu unterdrücken. Erst ein erneuter Schuss bringt den erlösenden Flash - das Heroin tritt in den Kreislauf ein und beseitigt schlagartig die Entzugsschmerzen. Den Hauptgrund für die psychische Abhängigkeit erzeugt vor allem der Dämmerzustand, der körperliche und seelische Beschwerden vergessen lässt.


Gefahren des Heroin-Kosnums

Die psychische und physische Abhängigkeit von Heroin treibt den körperlichen und geistigen Abbau voran. Des Weiteren gehen Heroinabhängige dazu über, ihr soziales Umfeld ihrer Sucht anzupassen: Alte Kontakte werden abgebrochen, um sich ein neues Umfeld, das mit der Droge zu tun hat, aufzubauen. Folgenschwer sind vor allem die hohen Gesundheitsrisiken, denen sich ein Heroinkonsument aussetzt. Körperfunktionen werden durch die Droge beeinflusst, aber auch Infektionskrankheiten können zum Tod führen.

  • Atmungsaktivität wird herab gesetzt
  • Bewusstlosigkeit
  • Atemlähmung
  • Tod durch Überdosis
  • Ansteckungsgefahr bei Infektionskrankheiten, beispielsweise mit Hepatitis B und HIV durch Spritzentausch
  • Abszessbildung an Einstichstellen
  • Gedächtnisstörungen

Anzeichen für eine Heroinabhängigkeit

Körperliche und psychische Symptome:

  • verengte Pupillen
  • Einstiche von Injektionsnadeln an der Hautoberfläche
  • kaltfeuchte Haut
  • fahles Aussehen
  • Abmagerung
  • starker Körpergeruch
  • Bewusstlosigkeit
  • Muskelkrämpfe
  • Schläfrigkeit
  • Schüttelfrost
  • Schweißausbrüche
  • Übelkeit
  • Zittern
  • Enthemmung
  • Euphorie

Gegenstände, die auf eine Heroinabhängigkeit hinweisen können:

  • Spritze
  • angerußter Löffel
  • Ascorbinsäure
  • Zitrone
  • Folie
  • Gummiband
  • Kerze
  • kleine Briefchen
  • Papierwaage

Verbreitung der Droge in Deutschland

Die Zahl der Heroinabhängigen hat seit den 1970ern stark zugenommen. Anfang der 1980er war Deutschland das Heroin-Land Nummer eins in Europa. Heute geht man davon aus, dass ungefähr 100.000 Konsumenten Heroin nehmen. 1970 wurden in Deutschland 29 Heroin-Tote gemeldet. 2006 waren es 493 Todesfälle. Heroin wird überwiegend in kleinen Mengen zum Eigenbedarf aus Holland importiert. Größere Mengen kommen aus dem und über den Balkan, der Türkei und Österreich nach Deutschland.


Rechtslage in Deutschland

Das Opium-Gesetz vom 10. Dezember 1929 regelte erstmals den Umgang mit den Substanzen. Abgelöst wurde es 1971 durch das Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (BtMG). Dieses legt fest, dass Heroin ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel ist, dessen Umgang ohne Erlaubnis grundsätzlich strafbar ist.

Quellen:
Schneyder, W.: Das Drogenlexikon, Greifenverlag, Rudolstadt 1993
Schmidbauer, W., vom Scheidt, J., Handbuch der Rauschdrogen, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
Snyder, S. H.: Chemie der Psyche - Drogenwirkung im Gehirn, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1994
Bericht des nationalen REITOX-Knotenpunkt: Drogensituation 2006/2007 in Deutschland
Online-Information des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction: http://www.emcdda.europa.eu/?nnodeid=435 (Stand: Mai 2008)
Online-Information der Deutschen Hauptstelle für Suchtfrage (DHS) e. V.: Heroin - Die Sucht und ihre Stoffe: www.dhs.de (Stand: Mai 2008)

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 20.08.2008
 
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