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Humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE)

Die humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE) ist eine Infektionskrankheit, die 1994 erstmals in den USA beschrieben wurde und seit 2000 auch in Europa verbreitet ist. Die humane granulozytäre Ehrlichiose wird von einer besonderen Ehrlichien-Art hervorgerufen. Die kugelförmigen Ehrlichien gehören zur Bakterienfamilie der Rickettsien. Vom Infektionsweg her ist die HGE als Zoonose anzusehen, die von verschiedenen Wildtieren durch den Zeckenstich auf den Menschen übertragen wird. Beim Menschen ruft sie unter Umständen schwerwiegende Beschwerden hervor.

Was macht die humane granulozytäre Ehrlichiose so gefährlich?
Wie wissenschaftliche Befunde ergeben haben, werden Ehrlichien schon weniger als 6 Stunden nachdem sich die Zecke auf ihrem Wirt verankert hat, in dessen Blutbahn übertragen. Auch wenn eine festsitzende Zecke so bald als möglich entfernt wird, kann eine Infektion mit diesem Krankheitserreger bereits erfolgt sein.

Sind die Ehrlichien in die Blutbahn des Wirts gelangt, dann befallen sie die Granulozyten, eine bestimmte vorm von weißen Blutkörperchen, die bei eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen. Sie werden nicht wie andere Bakterienarten von den Granulozyten, umschlossen und mit Hilfe von Enzymen unschädlich gemacht (Phagozytose). Die Ehrlichien sin in der Lage, dem Abwehrmechanismus der Granulozyten zu entgehen, indem sie in diese eindringen und sich in ihnen vermehren. Auf diese Weise verhindern die Ehrlichien, dass die infizierten Granulozyten keine anderen Bakterien unschädlich machen können, also ihre Abwehrfunktion nicht mehr ausüben können.


Symptome

In über die Hälfte der Fälle verläuft die humane granulozytäre Ehrlichiose ohne erkennbaren Symptome. Aber je nachdem, wie stark der Ehrlichienbefall, wie schwach das Immunsystem des Patienten und wie alt dieser ist, kann sich die Anfälligkeit des Patienten für andere Erkrankungen erhöhen. In der Folge nimmt die HGE einen schweren Krankheitsverlauf und endet unter Umständen tödlich.
Zu den Symptomen der Humane granulozytäre Ehrlichiose (HGE) gehört:

  • Frösteln

  • Übelkeit

  • Hohes Fieber

  • Starke Kopfschmerzen

  • Unwohlsein/Übelkeit

  • Muskelschmerzen

  • Gelenkbeschwerden

  • Erbrechen

  • Atmungsbeschwerden bis hin zur Luftnot

  • Blutvergiftungsähnliche Beschwerden

  • ein Hautausschlag ist selten


Risikogruppen

Zur Risikogruppe für eine humane granulozytäre Ehrlichiose (= HGE) zählen Personen, die sich beruflich bedingt viel im Wald aufhalten, wie z.B. Waldarbeiter und Förster. Aber auch durch Freizeitaktivitäten in Wald und Flur erhöht sich das Übertragungsrisiko.

Wie schwer die Erkrankung letztendlich abläuft, hängt vor allem vom Lebensalter des Patienten und von dem Zustand seines Immunsystems ab.


Diagnostik

Die Diagnostik einer humanen granulozytären Ehrlichiose (HGE) besteht neben der körperlichen Untersuchung aus Blutuntersuchungen, immunologischen Untersuchungen des Blutserums und molekularbiologische Methoden.
Im Blutbild zeigt sich eine vorliegende HGE typischerweise durch eine erhöhte Leukozytenzahl und eine erniedrigte Anzahl an Thrombozyten. Des weiteren können auch die Leberwerte erhöht sein.
Zur Diagnosesicherung wird der Erreger durch die Bestimmung von Antikörpern im Blutserum sowie durch die Polymerase-Chain-Reaction (= PCR) bzw. Polymerase-Kettenreaktion, einer besonderen molekularbiologischen Methode festgestellt. Mittels PCR wird ein kurzes Stück der Erbsubstanz (DNA) des Erregers vervielfältigt. Durch die anschließende Untersuchung der molekularen Bausteine, aus denen sich diese DNA-Stück zusammensetzt, lässt sich dann nachweisen, ob es sich tatsächlich um das gesuchte Bakterium handelt oder nicht.

Ergibt sich bereits aus den Befunden der körperlichen Untersuchung sowie aus den Laborwerten ein begründeter Verdacht, dass der Patient unter einer humanen granulozytären Ehrlichiose leidet, dann sollte bereits mit der Therapie begonnen werden, bevor die Untersuchungen zur Diagnosesicherung abgeschlossen sind.


Therapie

In manchen Fällen kann das Immunsystem des Patienten eine humane granulozytäre Ehrlichiose ohne Behandlung überwinden. Normalerweise ist der Ehrlichienbefall aber so stark, dass das Immunsystem es selbst nicht schafft, die Erreger zu vernichten, sondern mit Antibiotika behandelt werden muss. Geeignete Antibiotika sind Doxycyclin aus der Gruppe der Tetracycline oder Rifampicin.
In der Regel gehen die Beschwerden unter der Antibiotika-Therapie innerhalb von 24 bis 48 Stunden zurück und die Erkrankung ist ausgeheilt. Sofern dies nicht der Fall sein sollte, muss der Arzt nach anderen weitere Ursachen forschen.

Eine Zecke alleine kann auch Überträger von mehreren Krankheitserregern gleichzeitig sein. Ist beispielsweise eine Zecke sowohl mit Ehrlichien als auch mit Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Borreliose, infiziert, steigt das Risiko für eine Doppelinfektion, je später die Zecke nach dem Befall entdeckt wird. In diesem Fall ist es möglich, dass die wesentlich ernstere Borreliose durch eine Beschwerden machende humane granulozytäre Ehrlichiose überdeckt wird. Daher verabreichen einige Ärzte dem Patienten Antibiotika über einen vierwöchigen Zeitraum, um beide Erkrankungen auszuheilen.

Schutz vor einem Zeckenbefall

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 22.11.2007
 
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