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Eierstock- und Eileitererkrankungen

Die Erkrankungen des Eierstocks und der Eileiter kann man in gutartige und bösartige Erkrankungen aufteilen. Gutartige Erkrankungen des Eierstocks und des Eileiters kommen häufig vor und müssen nicht immer behandelt werden. Bei jeglichen Beschwerden im Bereich des Eierstocks und der Eileiter ist eine medizinische Abklärung sinnvoll, denn die bösartigen Erkrankungen, die es im Bereich des Eierstocks und des Eileiters gibt, werden um so schlechter behandelbar, je weiter sie fortgeschritten sind.

Zyste oder Tumor
Im Bereich des Eierstocks unterscheidet man zwischen gutartigen Tumoren des Eierstocks (Tumor = Raumforderung, die Vergrößerung eines Organs) und Eierstockzysten.
Entweder entsteht die Vergrößerung des Gewebes durch Flüssigkeitsbildung im Inneren = Zyste oder durch Vermehrung des Gewebes = Tumor im engeren Sinne, oder durch beides (es gibt solide Tumoren mit zystischen Anteilen).

Bösartige Erkrankungen
Um bösartige Erkrankungen des Eierstocks und des Eileiters frühzeitig zu identifizieren, sind regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll und wichtig. Nicht immer machen bösartige Erkrankungen spürbare Beschwerden und werden deshalb häufig erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt.


Entzündung des Eierstockes und des Eileiters

Die Entzündung des Eierstockes und des Eileiters (Adnexitis) gehört zu den gutartigen Erkrankungen des Eierstockes und der Eileiter. Von der Entzündung des Eierstockes und des Eileiters sind meist nur Frauen im geschlechtsreifen Alter betroffen, besonders Frauen im Alter von 20 - 35 Jahren. Etwa 10 % aller Erkrankungen im weiblichen Genitalbereich sind Adnexentzündungen.

Adnexe = Anhänge der Gebärmutter
Beide Organe werden unter dem gemeinsamen Begriff Adnexe (Anhänge der Gebärmutter) zusammengefasst. Da isolierte Entzündungen des Eierstockes (Oophoritis) und des Eileiters (Salpingitis) praktisch nicht vorkommen und sie außerdem gleiche therapeutische Konsequenzen haben, wird von Adnexitis gesprochen.

Ursachen
Die Adnexitis, die Entzündung des Eierstocks und des Eileiters, ist fast ausschließlich Folge einer aufsteigenden bakteriellen Infektion aus der Scheide durch die Gebärmutter, in den Eileiter bis zum Eierstock und von dort in die freie Bauchhöhle. Das Scheidenmilieu ist nicht mehr in der Lage, massiv eingewanderte Keime zu neutralisieren. Selten erfolgt eine Infektion über die Blutbahn (hämatogen, wie z.B. Tuberkulose ) oder aus der Umgebung (per continuitatem, wie z.B. Appendizitis). Begünstigend für eine Infektion sind die Regelblutung (Schleimpfopf fehlt), Manipulationen im Genitalbereich (Zustand nach Scheidenspülungen, Abrasio, Verletzungen nach Geschlechtsverkehr) oder auch mangelhafte Sexualhygiene (unsauberer Sexualpartner, Promiskuität). Als Erreger kommen vor allem Bakterien in Betracht, die sexuell übertragen werden: u.a. Gonokokken, Chlamydien, Mykoplasmen, Trichomonaden. Aber auch Strepto- und Staphylokokken, Kolibakterien und Anaerobier (= Bakterien, die ohne Sauerstoff überleben). Eine massive bakterielle Invasion von Bakterien in die Scheide ist Voraussetzung für die aufsteigende Infektion.

Symptome
Es wird ein akutes Stadium und ein chronisches Stadium unterschieden.
Im akuten Stadium stehen starke Schmerzen im Vordergrund. Gebärmutter und Adnexbereiche sind bei der gynäkologischen Untersuchung sehr schmerzempfindlich. Es besteht ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Neben eitrigem Ausfluss sind die Blutsenkungsgeschwindigkeit und die Körpertemperatur deutlich erhöht. Dazu besteht oft Brechreiz (Bauchfellreizung) und Übelkeit. Man darf allerdings auch differentialdiagnostische Erwägungen nicht vergessen: Appendizitis, Eileiterschwangerschaft, Endometriose.
Die entzündlichen Veränderungen heilen oft nur mit Narbenbildung aus. Folgeerscheinungen sind wiederholte Schmerzattacken, Empfindlichkeit gegen Kältereize und nicht selten Sterilität.

Gefahren einer Eierstock und Eileiterentzündung
Hauptgefahr einer akuten Adnexitis sind die Abszessbildung, meist zwischen Eierstock und Eileiter = Tubo-Ovarialabszess oder in der freien Bauchhöhle = Douglas-Abszess (tiefster Punkt der Bauchhöhle zwischen Gebärmutter und Mastdarm) und die Entzündung des Bauchfelles = Peritonitis. Diese Komplikationen sind schwerwiegend und ohne Operation nicht zu beheben.

Diagnostik
Anamnese und gynäkologische Untersuchung (Inspektion, Palpation, Sonografie) stehen vornan. Gebärmutter und Adnexe sind schmerzempfindlich. Zur groben Orientierung wird ein sogenannter Nativabstrich aus dem Gebärmutterhals entnommen und mikroskopisch untersucht. Gleichzeitig wird auch von dem meist reichlich vorhandenen eitrigen Ausfluss Material zur Erregerzüchtung und Resistenzbestimmung der gefundenen Bakterien (wogegen sie empfindlich sind) entnommen und eingeschickt.

Therapie
Im Vordergrund steht die möglichst schnell einsetzende antibiotische, also konservative Therapie (zunächst ein Breitbandantibiotikum bis der Erregernachweis vorliegt) und Medikamente, die schmerzstillend wirken. Bettruhe und Eisbeutel auf den Unterleib sind wichtige Teile der Therapie. Ist das akute Stadium überwunden, soll sich eine physikalische Therapie im Sinne von Wärmebehandlung anschließen. Sie hat das Ziel, restliche Entzündungsherde abzubauen und einer Narbenbildung entgegen zu wirken. Das kann man durch Gaben von Glukokortikoiden unterstützen.
Im chronischen Stadium werden Operationen nötig, wenn chronisch-rezidivierende Beschwerden auftreten, die medikamentös oder durch physikalische Therapie nicht zu lindern sind (Narbenlösungen bis zu Organentfernungen). Dazu eignet sich heute die minimal-invasive (laparoskopische) Chirurgie. Damit wird der Eingriff klein gehalten.


Eierstockzysten

Eierstockzysten (Ovarialzysten) sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume, die aus Eierstockgewebe entstehen. Eierstockzysten sind die häufigsten gutartigen Eierstocktumoren. Sie kommen in allen Lebensaltern der Frau vor, besonders aber in der generativen Phase. Meist sind Eierstockzysten gutartig und bilden sich von allein wieder zurück.

Ursachen
Häufigste Ursache für eine Zyste ist ein Eibläschen (Follikel), das beim Eisprung nicht wie normal geplatzt ist, oder wenn sich Gelbkörperzysten, die in der zweiten Zyklushälfte eine Rolle spielen, nicht wie üblich zurückbilden. Zysten können jedoch auch durch wucherndes Eierstockgewebe zu Geschwülsten anwachsen. Da die Zysten mit der Funktion der Eierstöcke unmittelbar zusammenhängen, werden sie auch als funktionelle Zysten bezeichnet. Manche Eierstockzysten können faustgroß werden. Rauchen erhöht das Risiko für funktionelle Zysten um das Doppelte. Neben Endometriosezysten finden sich auch Zysten beim sogenannten Polyzystischen-Ovar-Syndrom.

Entstehungsweisen von Zysten

  • Teer- oder Schokoladenzysten: Die Zyste kann von im Eierstock angesiedelten Fremdgewebe ausgehen, am häufigsten durch eine Endometriose = versprengte Schleimhaut aus der Gebärmutterhöhle. Diese reagiert wie die Gebärmutterschleimhaut, wird also auf- und abgebaut. Die dabei entstehende Blutung füllt den Hohlraum aus und vergrößert ihn. Die Blutabbauprodukte haben eine braune Farbe. Deshalb werden solche Gebilde auch als Teer- oder Schokoladenzysten bezeichnet.

  • Dermoidzysten: Es gibt auch Zysten, die direkt vom Keimgewebe ausgehen. Ihr Inhalt besteht aus allen 3 Keimblättern, wie Haare, Zähne, Talg und Flüssigkeit. Sie nennt man Dermoidzysten. Auch sie sind Retentionszysten = durch Sekretverhaltung entstanden und keine Gewebsneubildungen.

Diagnostik und Therapie
Oft machen die Zysten keine Beschwerden und werden zufällig bei gynäkologischen Untersuchungen entdeckt. Es wird zunächst sonografisch entschieden, ob es sich um eine Zyste oder einen soliden Tumor handelt. Das kann sehr schwierig sein, weil auch echte Tumoren mit Flüssigkeitsbildung einhergehen können. Zysten bis zu einer Größe von etwa 5 cm können zunächst belassen und beobachtet werden, wenn keine Beschwerden vorhanden sind. Nicht selten bilden sich solche (Follikel- oder Gelbkörper-) Zysten wieder zurück. Beschwerden treten vorwiegend auf, wenn eine bestimmte Größe überschritten wird: Druckgefühl im Bauch bis Atemnot, häufiges Wasserlassen (Polakisurie), Beschwerden beim Geschlechtsverkehr. Fallen sie dadurch auf oder kann sonografisch nicht sicher entschieden werden, ob es sich womöglich um einen soliden Tumor handelt (bei Schokoladen- und Dermoidzysten möglich), werden sie laparoskopisch entfernt. In vielen Fällen kann dabei der Eierstock erhalten werden.

Stieldrehung
Komplikationen sind bei diesen Zysten möglich durch Stieldrehung, wenn sich durch ihre Größe der Eierstock um seine Achse dreht. Dann kann eine solche Zyste platzen und der Zysteninhalt sich in die Bauchhöhle ergießen, was mit starken Blutungen einhergehen kann. So können ganz akute Krankheitsbilder entstehen, die unverzüglich behandelt werden müssen. Manchmal werden in den Zysten auch Hormone gebildet, die zu Regelstörungen führen können.

Bösartig?
Eierstockzysten werden nur ganz selten bösartig. Dennoch bedürfen auch die Zysten sorgfältiger Überwachung.


Gutartige Tumore des Eierstocks

Gutartige Eierstocktumoren (Ovarialtumoren) können von allen im Eierstock vorhandenen Geweben ausgehen: vom Oberflächenepithel, der Eihülle (Kystome, Zystadenome), vom Bindegewebe (Fibrome) und vom Keimepithel (Teratome).

Gutartig oder bösartig?
Eine Einteilung in gut- oder bösartige Tumoren kann schwierig sein, weil Tumoren aus verschiedenen Geweben bestehen (Mischtumoren), gutartige Eierstocktumoren bösartig werden können (semimaligne) und auch histologisch nicht in allen Fällen ausgesagt werden kann, ob ein Tumor noch als gutartig oder schon als bösartig einzustufen ist ("Borderline" = Grenzfälle).

Einteilung
Die Tumoren des Oberflächenepithels sind meist ein- oder mehrkammerig mit klaren (serösen) oder schleimigen (muzinösen) flüssigen Inhalten (Zystadenome). Sie machen etwa 70 % aller gutartigen Ovarialtumoren aus.

Die Tumoren des Bindegewebes (seltener) heißen Fibrome. Sie bilden keine Flüssigkeit im Eierstock, wohl aber im Bauchraum (Aszites) und im Brustkorb (Hydrothorax, Pleuraerguss) = Meigs-Syndrom. Die Ursache dieser eigenartigen Kombination ist unbekannt. Nach Entfernung des Fibroms bilden sich die Flüssigkeitsansammlungen wieder zurück.

Die Tumoren des Keimepithels, die Teratome, machen 25 % aller Ovarialtumoren aus. Sie gehen entweder von den hormonproduzierenden Zellen des Eierstockes (hormonaktive Tumoren) oder aber von den Keimzellen (embryonale Teratome) aus. Diese Tumoren kann man nach Art der Hormonproduktion noch weiter unterteilen. Da sie meist sehr bösartig sind, werden sie beim Ovarialkarzinom abgehandelt.

Diagnostik
Anfangs machen die Ovarialtumoren keine Beschwerden. In den meisten Fällen werden sie bei Routineuntersuchungen palpatorisch oder durch Ultraschall festgestellt. Dieser Umstand unterstreicht die Notwendigkeit regelmäßiger gynäkologischer Untersuchungen. Wie bei der Eierstockzyste treten Beschwerden erst ab einer bestimmten Größe auf, wenn der Tumor auf die Umgebung (Blase, Darm) drückt.

Therapie
Alle an sich gutartigen Ovarialtumoren enthalten eine unterschiedlich große bösartige Potenz, die durch Untersuchung und Ultraschall nicht abgeschätzt werden kann. Deswegen werden solide Tumoren grundsätzlich entfernt, besonders auch solche, an denen ein zystischer Anteil erkennbar ist.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 03.01.2008
 
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