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Endometriose

Bei Verdacht auf Endometriose wird unter anderem eine Tastuntersuchung durchgeführt

Eine gynäkologische Untersuchung kann erste Hinweise auf eine Endometrioseerkankung liefern
(Foto: DAK/Wigger)

Endometriose zählt zu den häufigsten gynäkologischen Krankheiten der Frau. Bei dieser Erkrankung treten kleine Bereiche von Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutterhöhle wie beispielsweise in der Muskulatur der Gebärmutter, an den Eierstöcken, dem Bauchfell oder sogar der Lunge auf. Die Beschwerden sind vielfältig und hängen vom betroffenen Organ ab. Häufig suchen die betroffenen Frauen den Arzt wegen zunehmender Unterbauchschmerzen oder einem unerfüllten Kinderwunsch auf.


Was passiert bei der Endometriose?
Wie wird Endometriose verursacht?
Was sind die Symptome einer Endometriose-Erkrankung?
Wie wird Endometriose diagnostiziert?
Therapie: Chirurgische und medikamentöse Therapie, sowie kombinierte Therapieansätze
Wie verläuft eine Endometriose-Erkrankung?
Kann man Endometriose vorbeugen?

Was passiert bei der Endometriose?

Die Endometrioseherde reagieren wie die normale Gebärmutterschleimhaut auf den hormonellen Einfluss von Östrogen und Progesteron. Dies bedeutet, dass sich auch die Endometrioseherde mit jedem neuen Monatszyklus periodisch verändern und zum Zeitpunkt der Menstruation bluten. Östrogene spielen bei der Endometriose eine entscheidende Rolle, da sie das Wachstum der Endometrioseherde stimulieren.

Die Häufigkeit in der weiblichen Bevölkerung Deutschlands kann lediglich grob geschätzt werden, da die Endometriose teilweise ohne Beschwerden verläuft und meist nur durch aufwändige Verfahren diagnostiziert werden kann. Vermutlich sind zwischen sieben und 15 Prozent der Frauen im geschlechtsreifen Alter betroffen. Liegt eine Unfruchtbarkeit vor, steigt die Häufigkeit auf bis zu 60 Prozent. Die Diagnose wird meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr gestellt und spiegelt keineswegs den Beginn der Erkrankung wieder. Dieser kann bereits Jahre zurückliegen.


Wie wird Endometriose verursacht?

Die genauen Ursachen der Endometriose sind bisher ungeklärt. Zur Entstehung der Endometriose existieren aber mehrere Theorien:

Ausbreitungstheorien:

Während der Menstruation gelangt bei fast allen Frauen ein Teil des Bluts über die Eileiter in den Bauchraum (retrograde Menstruation). Dieses Blut enthält Bestandteile der Gebärmutterschleimhaut, die so genannten endometrialen Zellen, welche in der Lage sind, sich im Bereich des Bauchfells anzusiedeln und zu einem Endometrioseherd heranzuwachsen. Außerdem scheinen die Zellen direkt in andere Gewebe einzudringen, so zum Beispiel in die Muskulatur der Gebärmutter. Eine weitere Möglichkeit der Ausbreitung von endometrialen Zellen bieten die Lymphwege und Blutbahnen. Untermauert wird diese These durch das Vorkommen von Endometrioseherden in Organen fernab der Gebärmutter, wie beispielsweise der Lunge.

Metaplasietheorie:

Nach der Metaplasietheorie findet eine Umwandlung von Gewebe in endometriales Gewebe (Metaplasie) statt. Möglicher Auslöser hierfür könnte eine chronische Reizung beispielsweise aufgrund einer Infektion sein.

Immunologische Theorie und genetische Faktoren:

Normalerweise erkennt unser Immunsystem in den Bauchraum gelangte endometriale Zellen als ortsfremdes Gewebe und transportiert es ab. Nimmt das Immunsystem diese Aufgabe nicht wahr, können sich die Zellen ansiedeln und Endometrioseherde ausbilden. Zudem wurde eine familiäre Häufung der Endometriose beobachtet. Verwandte ersten Grades einer betroffenen Frau erkranken mit einer höheren Wahrscheinlichkeit.


Was sind die Symptome einer Endometriose-Erkrankung?

Eine Endometriose tritt in bis zu 50 Prozent der Fälle ohne Symptome auf. Ein Zusammenhang zwischen der Intensität der Beschwerden und dem Schweregrad der Endometriose besteht nicht.

Typischerweise klagen betroffene Frauen über periodisch auftretende oder andauernde Unterbauchschmerzen sowie eine schmerzhafte Regelblutung (sekundäre Dysmenorrhö). Die Schmerzen können in den Rücken ausstrahlen. Einige Frauen verspüren auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Anderen wiederum fällt eine verlängerte oder verstärkte Regelblutung auf. Auch Schmierblutungen sind möglich. Nicht zuletzt kann sich hinter einem unerfüllten Kinderwunsch eine Endometriose verbergen.

Da die Endometrioseherde nicht nur im Bereich der Geschlechtsorgane anzutreffen sind, können, abhängig vom betroffenen Organ, weitere Symptome auftreten:

  • Darm:
  • Eine Darm-Endometriose macht sich durch einen schmerzhaften Stuhldrang, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen bemerkbar. In manchen Fällen tritt auch Blut im Stuhl auf.
  • Harnblase:
  • Bei einer Harnblasen-Endometriose können periodisch Schmerzen beim Wasserlassen auftreten. Ebenso kann es zu Blutbeimengungen im Urin kommen.
  • Harnleiter:
  • Eine Endometriose in diesem Bereich kann die Harnleiter komplett verschließen. Da die Harnleiter die Harnblase mit den Nieren verbinden, wird durch einen Verschluss der Harn bis in die Nieren zurückgestaut.
  • Lunge:
  • Die Lunge ist sehr selten von einer Endometriose betroffen. Haben die Endometrioseherde Kontakt zu den Bronchien, kann es zu periodisch auftretendem Reizhusten und blutigem Auswurf kommen.

Eine Unfruchtbarkeit (Sterilität), die sich häufig im Verlauf einer Endometriose entwickelt, kann vielfältige Ursachen haben. Endometrioseherde lösen immer eine Entzündung in ihrer Umgebung aus. Die Entzündungen beeinträchtigen direkt und indirekt über entstehende Verwachsungen und Vernarbungen die Fruchtbarkeit einer Frau. Verwachsungen können beispielsweise den Eileiter komplett verschließen.


Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Erster Schritt der Diagnose einer Endometriose ist eine ausführliche Befragung zur Krankheitsgeschichte und zu den auftretenden Beschwerden (Anamnese). Anschließend folgt eine gynäkologische Untersuchung, bei der tastbare oder sichtbare Knötchen Hinweise auf eine Endometriose liefern können.

Um die Diagnose bestätigen zu können, wird eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchgeführt, bei der Proben (Biopsie) aus den Gewebeveränderungen entnommen und im Labor untersucht werden. Bei einem Verdacht auf eine Darm- oder Blasenendometriose kommen eine Darm- oder Blasenspiegelung zum Einsatz.

Um vor einer Operation die genaue Lokalisation und Größe der Gewebeveränderungen bestimmen zu können, können bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung, seltener eine Computer- (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden.


Therapie: Chirurgische und medikamentöse Therapie, sowie kombinierte Therapieansätze

Die Therapie der Endometriose kann chirurgisch oder medikamentös erfolgen. Häufig werden beide Therapieansätze kombiniert. Eine Heilung ist wegen der unzureichenden Kenntnisse über die Entstehung bis heute allerdings nicht möglich.

Chirurgische Therapie

Eine Operation ist die effektivste Methode, um die Endometrioseherde zu beseitigen. In den meisten Fällen werden diese über eine Bauchspiegelung, seltener einen Bauchschnitt, entfernt. Je nach Lage der Herde können sie auch über die Vagina beseitigt werden. Die operativen Möglichkeiten sind vielfältig und abhängig vom Ausmaß der Erkrankung, vom Alter der betroffenen Frau sowie einem möglicherweise bestehenden Kinderwunsch. Bei bisher nicht abgeschlossener Familienplanung ist das Ziel der Therapie, die Fruchtbarkeit zu verbessern. Es werden so viele Endometrioseherde wie möglich entfernt und bestehende Verwachsungen gelöst. Die Organe und ihre Funktionen werden erhalten. Ist das hauptsächliche Ziel die Schmerzlinderung bei bereits abgeschlossener Familienplanung, werden nach Möglichkeit alle Endometrioseherde entfernt. Unter Umständen kann dabei sogar ein komplettes Organ, wie beispielsweise die Gebärmutter, entfernt werden.

Medikamentöse Therapie

Die Endometrioseherde wachsen wie die Gebärmutterschleimhaut unter dem Einfluss von Östrogenen. Hemmt man die Östrogenproduktion im Körper, raubt man den Endometrioseherden den Wachstumsreiz. Dieses Ziel verfolgen Hormontherapien mit Gestagenen, Östrogen-Gestagen-Kombinationen, Danazol oder GnRH-Analoga.

Gemeinsam ist allen Hormontherapien, dass sie die hormonelle Aktivität der Eierstöcken unterdrücken. Sie stellen demnach einen Zustand her, der mit den Wechseljahren vergleichbar ist. Der Östrogenspiegel sinkt, sodass sich die Endometrioseherde im Idealfall zurückbilden oder in ihrem Wachstum gehemmt werden.

Zusätzlich werden schmerzlindernde Medikamente im Verlauf einer Endometriose eingesetzt.

Kombinierte Therapieansätze

Neben einer einzeln durchgeführten Hormontherapie kann diese auch vor oder im Anschluss an eine Operation sinnvoll sein. Eine Vorbehandlung erleichtert unter Umständen die Operation und verbessert den Operationserfolg. Die Nachbehandlung soll vor allem das Wachstum neuer oder zurückgebliebener Herde hinauszögern.


Wie verläuft eine Endometriose-Erkrankung?

Im Verlauf der Endometriose können sich, wenn das Blut aus den Endometrioseherden nicht abfließen kann, Zysten bilden. Wegen ihres bräunlichen Inhalts bezeichnet man diese auch als Schokoladenzysten. Häufig entstehen diese Zysten an den Eierstöcken.

Während der Geschlechtsreife schreitet das Wachstum der Endometrioseherde meist stetig voran. Sowohl chirurgische als auch medikamentöse Therapieansätze bieten bisher nur eine zeitlich begrenzte Lösung. Innerhalb von fünf Jahren bilden sich bei der Hälfte der betroffenen Frauen neue Endometrioseherde aus. Ein natürlicher Stillstand des Krankheitsbilds tritt mit den Wechseljahren ein, da zu diesem Zeitpunkt die Funktion der Eierstöcke nachlässt. Einen vergleichbaren Effekt würde man mit der Entfernung der Eierstöcke erzielen.

In bis zu einem Prozent kann die ursprünglich gutartige Endometriose entarten. Meist betrifft dieses die Eierstöcke.


Kann man Endometriose vorbeugen?

Der Endometriose kann bis heute nicht wirksam vorgebeugt werden.


Quellen:
Feige, A., Rempen, A., Würfel, W.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer, München 2006
Kaufmann, M., Costa, S.D., Scharl, A.: Die Gynäkologie. Springer, Heidelberg 2006
Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005
Leitlinien der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Diagnostik und Therapie der Endometriose. AMWF-Leitlinien-Register Nr. 015/045 (Stand: April 2006)

 

Autor: Yvonne Leupold 
Letzte Änderung am: 24.09.2013
 
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