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Endoskopie (Spiegelung)

 Es gibt verschiedenste Indikationen und Arten der Endoskopie

Es gibt verschiedenste Indikationen und Arten der Endoskopie
(Quelle: Dynamic Graphic Value)

Endoskopie ist die innere Ausleuchtung und Inspektion von Hohlorganen und Körperhöhlen mithilfe von Instrumenten (Endoskop). Diese Untersuchungsmethode wird auch als Spiegelung bezeichnet. Die Endoskopie wird in den Bereichen Diagnose, Operationsplanung, Therapie und Nachsorge eingesetzt. Je nach Untersuchungsbereich werden starre, flexible oder Kapselendoskope verwendet.

Die erste Endoskopie war eine Magenspiegelung, die der Arzt und Forscher Adolf Kussmaul 1868 an einem Schwertschlucker durchführte. Mit einem Eisenrohr und einer Kerze versuchte er den Magen auszuleuchten. Ein missglückter Versuch, der aber den Grundstein für die Endoskopie legte. Anfänglich wurden die Untersuchungen noch mit starren Instrumenten durchgeführt. 1932 wurden halbflexible und 1957 flexible Endoskope eingeführt, die auch mit Glasfaser zur Lichtübertragung ausgerüstet waren. Erste endoskopische Bilder wurden 1950 mit einer Gastrokamera erzeugt. Dafür wurde ein Schlauch, an dessen Spitze eine Kamera saß, über den Rachen in den Magen eingeführt. Der Magen wurde aufgeblasen, ausgeleuchtet und fotografiert. Seit dem hat sich die Endoskopie kontinuierlich weiterentwickelt. Entscheidende Fortschritte sind Endoskope mit Instrumentenkanal, die Biopsien und Entfernungen von Polypen und Fremdkörpern ermöglichten, desinfektionsfähige Fiberskope und die Videoendoskopie.


Vorbereitungen zu einer endoskopischen Untersuchung

Die Vorbereitungen und der Ablauf einer Endoskopie unterscheiden sich je nach Untersuchungsziel und -region und sollten vom medizinischen Personal genau erklärt werden. Allgemein gilt, dass die zu untersuchende Person nüchtern zur Endoskopie erscheinen sollte. Erfolgt die Endoskopie über den Mund, müssen herausnehmbarer Zahnersatz und Piercings in diesem Bereich entfernt werden. Eventuell sollte auch die Brille abgelegt werden. Für Untersuchungen der Ausscheidungsorgane müssen vorher Blase und Darm geleert werden. Je nach Untersuchungsumfang und Verfassung der zu untersuchenden Person wird für die Endoskopie eine lokale Anästhesie oder eine Vollnarkose durchgeführt.


Ablauf und Verfahren einer Endoskopie

Das Endoskop wird je nach Untersuchungszweck über natürliche Körperöffnungen oder einen Hautschnitt eingeführt. Ein Hautschnitt ist notwendig, wenn Bauchhöhle, Brusthöhle oder Gelenke endoskopiert werden. Endoskope sind mit einem Glasfasersystem ausgerüstet, mit dem Licht und Bilder übertragen werden. Die übertragenen Bilder liefern eine ausgezeichnete Bildqualität. Wichtige Befunde können farbig aufgezeichnet oder gedruckt werden und ermöglichen damit eine optimale Vergleichsmöglichkeit vor und nach einer Behandlung. Flexible Endoskope haben einen Arbeitskanal über den Zusatzgeräte eingeführt werden können. Zusatzgeräte sind Greifer, Schlinge, Injektionsnadel oder Zange, mit denen Fremdkörper entfernt, Polypen abgetragen oder Gewebeproben entnommen werden können.

Starre Endoskope werden verwendet, um leicht zugängliche Hohlorgane oder Körperhöhlen wie den Enddarmbereich oder den Hals-, Nasen- und Ohrenbereich zu untersuchen.

Flexible Endoskope können gezielt, den anatomischen Verhältnissen entsprechend, durch die Hohlorgane geführt werden. Sie werden beispielsweise zur Spiegelung von Dickdarm, Luftröhre und Lunge eingesetzt.

Die Kapselendoskopie ist eine junge Form der Endoskopie, die für Untersuchungen des Dünndarms eingesetzt wird. Die Kapsel hat dabei die Größe einer Filmtablette, in deren Inneren sich eine kleine Kamera befindet. Diese Untersuchung muss nicht unter ärztlicher Beobachtung stattfinden. Die Kapsel wird mit viel Flüssigkeit eingenommen und wandert durch den Verdauungstrakt. Während dieser Zeit nimmt die Kamera pro Sekunde zwei Bilder auf, die sie an einen Empfänger sendet, der am Körper angebracht ist. Die Bilder werden aufgezeichnet und später ausgewertet. Die Batterieleistung hält sechs bis acht Stunden. In dieser Zeit hat die Kapsel den Dickdarm erreicht und wird auf natürlichem Weg ausgeschieden.


Anwendungsgebiete der Endoskopie

Die Endoskopie bietet eine Vielzahl an Untersuchungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Körperregionen. Sie wird zur Diagnose, Operationsplanung, Therapie und Nachsorge angewandt.

Diagnostik: Die Endoskopie hat gegenüber anderen Untersuchungsmethoden, beispielsweise den bildgebenden Verfahren, entscheidende Vorteile: Krankhafte Veränderungen können direkt betrachtet werden und lassen sich zuverlässig zwischen Funktionsstörrungen und Gewebsveränderungen unterscheiden. Das genaue Ausmaß der Veränderung lässt sich bestimmen und eine gezielte Gewebsentnahme ist direkt während der Untersuchung möglich. In der Diagnose wird die Endoskopie unter anderem zur Früherkennung von Karzinomen, zur gezielten Platzierung von Röntgenkontrastmittel oder zur Beurteilung über Ausmaß und Schweregrad einer inneren Verletzung eingesetzt.

Endoskopische Operationsplanung: Die direkte Betrachtung und Entnahme von krankem Gewebe ermöglicht eine gezielte Therapie- und Operationsplanung. Vorteilhaft ist das vor allem für die Beurteilung über Lage und Ausdehnung eines Tumors.

Therapie: Eingesetzt wird die Endoskopie zur Entfernung von Sekreten, Tumoren, Polypen, Fremdkörpern sowie Gallen- oder Blasensteinen. Des Weiteren können Engstellen in Hohlorganen erweitert, Sonden und Drainagen implantiert oder innere Blutungen gestillt werden. Prinzipiell können durch endoskopische Eingriffe meistens größere Operationen vermieden werden.

Nachsorge: In der Tumornachsorge ist die Endoskopie neben Sonographie und Computertomographie eine unverzichtbare Untersuchungsmethode, um mögliche Rezidive oder neue Veränderungen rechtzeitig erkennen zu können. Ein großer Vorteil gegenüber den bildgebenden Verfahren liefert die Endoskopie, in dem sie sehr genau den Unterschied zwischen narbigem und tumorösem Gewebe darstellt.

Endoskopieformen (Beispiele) Untersuchungsgebiete
Bronchoskopie Atemwege
Ösophagoskopie Speiseröhre
Gastroskopie Magen
Choledochoskopie Zwölffingerdarm, Gallengänge
Koloskopie Dickdarm
Rektoskopie Enddarm
Thoraskopie Brusthöhle
Laparoskopie Bauchhöhle
Nephroskopie Nierenbecken
Ureteroskopie Harnleiter
Zystoskopie Harnblase
Arthroskopie Gelenke
Duktoskopie Milchgänge
ERCP Magen
Mediastinoskopie Schleimhäute der Hohlorgane
Autofluoreszenz-Endoskopie Brustkorb
Gynäkologische Spiegelungen Untersuchungen der Frau

Können Komplikationen und Risiken bei einer Endoskopie auftreten?

Die Endoskopie ist eine Standarduntersuchung, die häufig größere operative Eingriffe ersetzt. Sie wird zwar meistens als unangenehm empfunden, ist aber kaum schmerzhaft. Komplikationen treten bei einer Endoskopie selten auf. Eventuell können Reizungen oder Verletzungen an den Schleimhäuten durch das Endoskop entstehen.


Welche Alternativen gibt es zur Endoskopie?

Für die Diagnose und je nach Untersuchungsziel sind prinzipiell alle anderen bildgebenden Verfahren eine Alternative zur Endoskopie. So werden beispielsweise Computertomographie, Sonographie und Magnetresonanz-Tomographie ebenfalls als Untersuchungsmethoden bei einem Tumorverdacht und zur Beurteilung des umliegenden Gewebes eingesetzt. Bei therapeutischen Maßnahmen sind Operationen eine weitere Wahlmöglichkeit. Diese sind allerdings umfangreicher und belastender für die betreffende Person.


Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, können Sie sich gerne an unsere Experten der Hausarzt-Expertenrat oder der Allgemeinen Gesundheitsberatung wenden.

Quellen:
Odar, J.: Techniken und Methoden der modernen Medizin, Steinkopff Verlag, Darmstadt 1990
Walter de Gruyter (Hrsg.): Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter, Berlin 2007
Ell, C., May, A., Nachbar, L., Plum, N.: Dünndarmendoskopie - Innovationen in Diagnostik und Therapie, Deutsches Ärzteblatt, Heft 45, November 2006

 

Autor: Antje Fischer 
Letzte Änderung am: 19.03.2009
 
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