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Vulvitis

Der Frauenarzt kann Entzündungen der äußeren Geschlechtsorgane behandeln

In der Frauenarztpraxis findet die Untersuchung auf eine Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane statt
(Quelle: DAK/Wigger)

Eine Vulvitis ist eine Entzündung der äußeren Geschlechtsorgane der Frau. Die meisten Frauen erkranken mindestens ein Mal im Leben an einer Vulvitis.

Zu den äußeren Geschlechtsorganen der Frau (Vulva) zählen der behaarte Schamberg, große und kleine Schamlippen, Kitzler, Scheidenvorhof und die zwei Bartholin-Drüsen. Der Scheidenvorhof wird von den kleinen Schamlippen begrenzt und enthält die Harnröhrenmündung, den Scheideneingang und die Mündung der Bartholin-Drüsen. Die Bartholin-Drüsen liegen seitlich des Scheideneingangs und befeuchten den Scheidenvorhof mit ihrem Sekret. Der Damm trennt die Vulva nach hinten vom Analbereich ab.

Man unterscheidet eine infektiöse von einer nichtinfektiösen Vulvitis. Krankheitserreger lösen die infektiöse Vulvitis aus, während die nichtinfektiöse Vulvitis meist auf eine Überempfindlichkeitsreaktion der Vulva zurückzuführen ist.


Ursachen einer Vulvitis

Zahlreiche Faktoren können eine Vulvitis auslösen beziehungsweise begünstigen:

  • Überempfindlichkeitsreaktion auf Substanzen wie Seifen, Waschmittel (auch indirekt über Kleidung), synthetische Materialien, Intimsprays und bestimmte Medikamente
  • Bakterien wie Staphylokokken, Streptokokken, Kolibakterien (Darmbakterien), Anaerobier, selten Gonokokken
  • Viren wie Herpes genitalis oder humane Papillom-Viren
  • Hefepilze wie Candida albicans
  • Geißeltierchen wie Trichomonaden
  • Parasiten wie Filzläuse, Krätzmilben (Skabies) und Würmer
  • Östrogenmangel
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Abwehrschwäche beispielsweise bei HIV oder einem Tumorleiden
  • Hautkrankheiten wie die Hautflechten (Lichen) oder Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Harnwegsinfektionen
  • Blasenschwäche (Harninkontinenz)
  • übertriebene oder vernachlässigte Intimhygiene
  • kleine Verletzungen beispielsweise durch die Rasur des Intimbereichs oder durch Kratzen bei Juckreiz

Die verschiedenen Hautflechten und die Schuppenflechte sind entzündliche Hauterkrankungen, die sich auch im Vulvabereich zeigen können. Bei einer Blasenschwäche kommt es ungewollt zum Urinabgang. Neben der direkten Hautreizung durch den Urin schafft dieser im Vulvabereich eine ständige feuchte und warme Umgebung, in der sich Erreger leichter vermehren können. Menschen mit einem Diabetes mellitus scheiden über den Urin Zucker aus, der günstige Bedingungen für das Wachstum von Pilzen (Candida albicans) schafft. Auch eine übertriebene Intimhygiene kann die Haut schädigen und Infektionen begünstigen.


Übertragung

Die Vulva ist durch ihre Nähe zum After, der Harnröhre und der Scheide in besonderem Maße Erregern ausgesetzt. So können beispielsweise Darmbakterien durch eine falsche Toilettenhygiene (Säubern des Afters von hinten nach vorne) in den Vulvabereich gelangen. Ebenso können sich Infektionen in angrenzenden Bereichen wie der Scheide (Vaginitis) auf die Vulva ausdehnen. Viele Erreger wie Gonokokken, Herpes genitalis oder humane Papillom-Viren werden hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr von Mensch zu Mensch übertragen. Eine weitere Ansteckungsquelle beispielsweise für Krätzmilben und Filzläuse kann das gemeinsame Nutzen von Unterwäsche, Bettwäsche und Handtüchern sein. Auch Schwimmbäder, Saunen und Whirlpools sind häufig Infektionsquellen.


Symptome einer Vulvitis

Eine Vulvitis macht sich meist durch ausgeprägten Juckreiz und Brennen im Intimbereich bemerkbar. Da der Vulvabereich sehr sensibel ist, leiden viele Frauen an Schmerzen, die das Gehen, Sitzen und den Geschlechtsverkehr beeinträchtigen können. Gelegentlich fallen auch geschwollene Lymphknoten in den Leisten auf. Fieber ist eher selten, kann aber besonders bei der sehr schmerzhaften Erstinfektion mit Herpes-Viren auftreten. Hat sich die Entzündung auch auf Harnröhre und -blase ausgedehnt, geben die betroffenen Frauen zusätzlich Schmerzen beim Wasserlassen an. Ein in Geruch, Farbe oder Beschaffenheit veränderter Scheidenausfluss weist auf eine gleichzeitige Scheidenentzündung (Vaginitis) hin.

Die relativ häufige Infektion mit humanen Papillom-Viren kann ohne Beschwerden einhergehen. Neben den typischen Beschwerden einer Vulvitis kann es aber auch zu einem Nässegefühl und Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr kommen.


Diagnose einer Vulvitis

Erste Hinweise auf eine Vulvitis gewinnt der Arzt aus der ausführlichen Befragung der Frau zur Krankheitsgeschichte und den aktuellen Beschwerden (Anamnese). Es folgt eine gynäkologische Untersuchung. Wegen der häufig gleichzeitigen Entzündung der Scheide werden sie und der Gebärmutterhals ebenfalls untersucht. Erregerabhängig wird auch der Analbereich geprüft.

Schon bei der Betrachtung (Inspektion) der Vulvaregion fallen dem Arzt eine Schwellung und Rötung der meist sehr feuchten Schleimhaut auf. Auch Abszesse, kleine Knötchen oder entzündete Haarfollikel können sichtbar werden. Bedingt durch die geschwollene Schleimhaut kann die Mündung der Bartholin-Drüsen verlegt sein. Durch den nun behinderten Sekretabfluss kann die Drüse anschwellen und eine sichtbare Zyste ausbilden. Einen Hinweis auf eine Herpes-Infektion geben in Gruppen stehende Bläschen, die kleine Geschwüre ausbilden und nach einigen Tagen ohne Narben abheilen. Bestimmte humane Papillom-Viren können gutartige, blumenkohlartige Gewebswucherungen, die Feigwarzen, verursachen. Filzläuse und ihre Eier (Nissen) sind bei guter Beleuchtung bereits mit bloßem Auge erkennbar.

Um die Ursache der Vulvitis zu bestimmen, entnimmt der Arzt einen Abstrich aus dem Vulvabereich und untersucht ihn unter dem Mikroskop. Lässt sich der Erreger nicht identifizieren, wird er angezüchtet (Kultur). Virale Infektionen können auch den DNA-Nachweis des Virus erfordern.

Gerade bei wiederkehrenden Entzündungen der äußeren Geschlechtsorgane ist es ratsam, einen Hormonmangel oder Diabetes mellitus auszuschließen. Bei chronischen Verläufen muss auch ein bösartiger Tumor der Vulva ausgeschlossen werden.


Therapie einer Vulvitis richtet sich nach der Ursache

Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Vulvitis. Gegen Bakterien und Trichomonaden werden Antibiotika eingesetzt, gegen Pilzinfektionen so genannte Antimykotika und gegen Würmer Antihelminthika. Ein Befall mit Filzläusen oder Krätzmilben bekämpft man mit einer Substanz namens Lindan ausschließlich äußerlich. Während Infektionen durch humane Papillom-Viren häufig ohne Therapie abheilen, kann die Herpes-Infektion bis heute nicht geheilt werden. Nur die Beschwerden werden mit so genannten Virustatika behandelt.

Abhängig vom Erreger und Verlauf der Vulvitis werden die Medikamente als Creme aufgetragen oder in Tablettenform eingenommen. Bei sexuell übertragbaren Infektionen ist es sinnvoll, den Partner mitzubehandeln. Um Rückfälle zu vermeiden, sollte eine Vulvitis ausreichend lang behandelt werden.

Abszesse werden chirurgisch unter örtlicher Betäubung eröffnet. Die Bartholin-Zyste erfordert eine so genannte Marsupialisation, bei der der Arzt die Zyste eröffnet und mit der Außenhaut vernäht. Der neue, größere Drüsenausgang verhindert, dass die betroffene Bartholin-Drüse erneut verstopft. Feigwarzen werden zunächst nur beobachtet, da sie sich häufig von selbst zurückbilden. Geschieht dies nicht, können Substanzen wie Podophyllotoxin oder Trichloressigsäure aufgetupft werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Warzen mittels Laser, Messer oder Elektroschlinge zu entfernen.

Zur Behandlung einer nichtinfektiösen Vulvitis sind Kamille-Sitzbäder geeignet. Sie können auch in der Nachbehandlung einer infektiösen Vulvitis sinnvoll sein. Da die Vulvitis oft mit Schmerzen einhergeht, werden häufig auch schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Zudem ist empfehlenswert, einige Hygieneregeln, wie den täglichen Wechsel von Handtüchern und Unterwäsche einzuhalten. Einige Erreger wie die Krätzmilbe erfordern auch das Kochen der Kleidung und Bettwäsche.


Verlauf einer Vulvitis

Häufig lässt sich die Vulvitis problemlos behandeln, sodass schwere Verläufe eher selten sind.

Infektionen mit Herpes-Viren können nicht geheilt werden. Während sich die akute Vulvitis behandeln lässt, bleiben die verursachenden Viren im Körper und können beispielsweise bei Stress oder der Menstruation eine erneute Vulvitis auslösen. Infiziert sich eine werdende Mutter kurz vor der Geburt mit dem Herpes-Virus, besteht große Gefahr für das Kind, sich während der Geburt anzustecken. Da der Neugeborenenherpes mit einer hohen Sterblichkeit einhergeht, muss die Infektion durch einen Kaiserschnitt umgangen werden.

Die Feigwarzen wachsen sehr selten zu großen Ansammlungen (Condylomata gigantea) zusammen, die einen Kaiserschnitt notwendig machen können. Selten ist auch die Infektion des Neugeborenen mit humanen Papillom-Viren während der Geburt. In der Folge können sich beim Kind Feigwarzen und selten gutartige Tumoren im Kehlkopfbereich bilden. Zur Vermeidung sollten die Feigwarzen vor der Geburt beseitigt werden.

Eine Infektion mit einer anderen Gruppe von humanen Papillom-Viren birgt das Risiko, Jahre später an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Auch an der Entstehung von Krebs im Vulvabereich scheinen sie zumindest beteiligt zu sein.


Wie kann man einer Vulvitis vorbeugen?

Um einer Vulvitis vorzubeugen, sollte eine übertriebene Anwendung von Intimkosmetika wie Intimdeos oder Seifen ebenso vermieden werden wie eine nachlässige Intimhygiene. Nach dem Stuhlgang sollte der After immer von vorne nach hinten, also von der Vulva weg, gereinigt werden. In Schwimmbädern und Saunen ist es empfehlenswert, nur das eigene Handtuch zu verwenden und einen nassen Badeanzug gegen einen trockenen zu tauschen. Statt eng anliegender, synthetischer Unterwäsche sollten atmungsaktive Baumwollslips bevorzugt werden.

Kondome bieten einen gewissen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und werden daher uneingeschränkt empfohlen. Da sie aber nur Teile des Genitals bedecken, ist eine Einschleppung von Erregern in den Vulvabereich trotzdem möglich.

Ein Impfstoff gegen bestimmte humane Papillom-Viren ist mittlerweile erhältlich und bietet nach heutigem Wissen einen sehr guten Infektionsschutz.


Wenn Sie weitere Fragen zum Thema Vulvitis haben, können Sie diese in der Frauenarzt-Expertenrat bei der Gesundheitsberatung stellen.

Quellen:
Kiechle, M.: Gynäkologe und Geburtshilfe. Urban & Fischer Verlag München 2007
Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme Verlag Stuttgart 2005
Schmidt-Matthiesen, H., Wallwiener, D.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Schattauer Verlag Stuttgart 2005
Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft: Condylomata acuminata und andere HPV-assoziierte Krankheitsbilder von Genitale, Anus und Harnröhre. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 059/001 (Stand: 11.07.2006)
Petzoldt, D. et al: Der Herpes genitalis. Deutsches Ärzteblatt 1999; 96 (38): A-2358 / B-2010 / C-1891

 

Autor: Yvonne Leupold 
Letzte Änderung am: 23.10.2008
 
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