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Entzündungen am Muttermund (Portioektopie)

Mit Entzündungen am Muttermund werden meist harmlose Gewebeverschiebungen bezeichnet

Mit Entzündungen am Muttermund werden meist harmlose Gewebeverschiebungen bezeichnet
(Foto: Photodisc)

Bei der Portioektopie handelt es sich eigentlich nicht um eine richtige Entzündung am Muttermund, sondern vielmehr um eine Gewebeverschiebung vom Gebärmutterhals auf den Muttermund. Da der Übergangsbereich der verschiedenen Gewebeschichten an Muttermund und Gebärmutterhals ein häufiger Entstehungsort von Entzündungen, Gewebeveränderungen und Erkrankungen ist, wird oft fälschlicherweise von Entzündungen am Muttermund gesprochen, obwohl Gewebeverschiebungen gemeint sind.


Ursachen einer Entzündung am Muttermund

Beim Muttermund (Portio) handelt es sich um das untere Ende des Gebärmutterhalses, der in die Scheide hinein ragt. Der äußere Muttermund zeigt in Richtung Scheide, während der innere Muttermund in Richtung Gebärmutterhals zeigt. Dazwischen liegt der Gebärmutterhalskanal.

Muttermund und Gebärmutterhalskanal werden von mehreren und unterschiedlichen Gewebeschichten überzogen. Der Bereich, in dem beide Schichten aufeinander treffen, wird Übergangsbereich genannt. Hier finden ständig Umbauvorgänge statt. Die Gewebeschichten und somit auch der Übergangsbereich zwischen den Schichten verschieben sich. Dieser Vorgang wird von hormonellen Einflüssen gesteuert und ist vom Alter abhängig. Bei Kleinkindern und Frauen nach den Wechseljahren befindet sich dieser Übergangsbereich im Gebärmutterhalskanal. Bei geschlechtsreifen Frauen verschiebt er sich in Richtung Muttermund.

Wenn das Gewebe an der Oberfläche des Muttermunds durch Gewebe der Gebärmutter ersetzt wird, handelt es sich um eine Ektopie (Verschiebung). Der Übergangsbereich der verschiedenen Gewebeschichten ist häufiger Entstehungsort verschiedener Entzündungen, Infektionen oder Krebserkrankungen, wie beispielsweise einer Entzündung am Gebärmutterhals (Zervizitis).


Symptome und Diagnose einer Entzündung am Muttermund

Eine Entzündung am Muttermund kann sich beispielsweise durch Blutungen, Rötung des Gewebes und erweiterte Gefäße äußern. Ein Gynäkologe kann eine Entzündung am Muttermund während der vaginalen Routineuntersuchung erkennen. Bei der Kolposkopie wird der Muttermund mit einem speziellen Sichtgerät in bis zu 40-facher Vergrößerung betrachtet. Die Untersuchung ist normalerweise nicht schmerzhaft. Sie kann aber als unangenehm empfunden werden, da der Arzt Untersuchungsinstrumente in die Scheide einführt. Alle Auffälligkeiten werden festgehalten und evtl. Gewebe zu weiteren Untersuchungen entnommen.

Bei der Portioektopie handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um einen normalen und häufig auftretenden Zustand.


Therapie von Entzündungen am Muttermund

Gewebeverschiebungen oder Veränderungen am Muttermund müssen nicht zwingend behandelt werden, sofern sie keine Beschwerden verursachen und die Gewebeuntersuchung, beispielsweise mittels Pap-Test, keinen auffälligen Befund ergibt.

Die weitere Behandlung richtet sich nach dem Befund. Wucherungen (Polypen) oder Feigwarzen erfordern eine andere Therapie als beispielsweise eine Krebserkrankung.


Verlauf von Entzündungen am Muttermund

Werden Entzündungen oder Infektionen am Muttermund nicht erkannt oder erst zu spät behandelt, können sich hieraus Komplikationen und teils schwerwiegende Erkrankungen ergeben. Möglich ist beispielsweise, dass sich Feigwarzen oder eine Krebserkrankung entwickeln.


Kann man einer Entzündung am Muttermund vorbeugen?

Gewebeverschiebungen an Muttermund und Gebärmutterhalskanal sind normale, von Hormonen beeinflusste Vorgänge im weiblichen Körper. Deshalb ist es für die Gesundheit nicht notwendig, ihnen gezielt vorzubeugen. Da am Übergangsbereich der Gewebeschichten jedoch leicht Krankheiten entstehen können, sollten Frauen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt wahrnehmen, damit Unregelmäßigkeiten schnell entdeckt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.


Stellen Sie Ihre persönlichen Fragen in der Frauenarzt-Expertenrat auf dem Portal Gesundheitsberatung.de.

Quellen:
Breckwoldt, M. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2008
Diedrich K. et al.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, Heidelberg 2007
Goerke, K. und Bazlen, U. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Elsevier, München 2004

 

Autor: Miriam Funk 
Letzte Änderung am: 07.05.2012
 
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