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Erektionsstörungen (Erektile Dysfunktion)

Erektionsstörungen

Erektionsstörungen können zu einem Teufelskreis von Versagensängsten führen
(Quelle: BananaStock)

Wird der Penis trotz vorhandenen sexuellen Lustempfindens nicht oder nicht ausreichend steif, spricht man von einer erektilen Dysfunktion beziehungsweise einer Erektionsstörung. Der früher gebräuchliche Begriff "Impotenz" (= Unvermögen) wird wegen seines abwertenden Beiklangs kaum noch verwendet.

Die erektile Dysfunktion bezeichnet eine umfassende und anhaltende Erektionsstörung. Bei situationsbedingten Erektionsstörungen, etwa wenn ein Mann in einer sexuellen Situation zu aufgeregt oder schlicht zu müde ist, handelt es sich nicht um eine behandlungsbedürftige erektile Dysfunktion. Der "allzeit bereite Mann" ist ein Mythos.

Schätzungsweise vier bis sieben Millionen Männer haben in Deutschland immer oder gelegentlich Schwierigkeiten, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen.

Was sind die Ursachen der erektilen Dysfunktion?

Bei den Ursachen einer erektilen Dysfunktion spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle. In den meisten Fällen bestehen organische Grunderkrankungen, die den Blutzustrom in den Penis behindern. Dazu gehören Arteriosklerose, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Alkoholabhängigkeit und Übergewicht. Erektionsstörungen können auch nach einer Prostataoperation auftreten, wenn dabei Nervenbahnen geschädigt wurden.

Zudem gibt es seelische Gründe für anhaltende Erektionsstörungen wie ungelöste Partnerschaftskonflikte, Depressionen, Stress und sexueller Leistungsdruck. Oftmals tragen die seelischen Folgen einer vormals rein organisch bedingten erektilen Dysfunktion zur Stabilität der Erektionsstörung bei, weshalb das Augenmerk der Ursachenforschung stets beiden Bereichen gelten sollte.

Nicht selten kommt es zu einem Teufelskreis von zunehmenden Versagensängsten. Bahnt sich eine sexuelle Situation an, erinnert man sich an das letzte vergebliche Mal, was augenblicklich Stressgefühle erzeugt, die eine Erektion behindern.

Wie äußert sich eine Erektionsstörung?

Eine Erektion ist ein komplexes Geschehen. Im Ruhezustand ziehen winzige Muskelfasern die Schwellkörper des Penis zusammen, sodass sie nur wenig Blut enthalten. Daher ist der Penis im "Ruhezustand" weich. Werden sexuelle Reize an die Schwellkörper geschickt, entspannen sich diese Muskelfasern, wodurch sich die Hohlräume weiten und mehr Blut aufnehmen. Gleichzeitig wird der Blutabfluss aus den Schwellkörpern gedrosselt, sodass sich der Penis aufrichtet.

Die Muskelfasern in den Hohlräumen der Schwellkörper werden von Reflexen gesteuert, die nicht dem Willen des Mannes gehorchen. Zuviel Stress und Leistungsdruck können dazu führen, dass sich die Muskelfasern in den Schwellkörpern nicht entspannen können, sodass nicht genügend Blut einfließt und der Penis weich bleibt. Der gleiche Effekt setzt ab einem bestimmten Level an Alkohol im Blut ein.

Wie wird die Diagnose der erektilen Dysfunktion gestellt?

Ansprechpartner für Männer mit Erektionsstörungen sind der Hausarzt und der Urologe. Die Diagnose verfolgt das Ziel, mögliche organische von seelischen Ursachen zu unterscheiden. Dazu gehören das Gespräch über das aktuelle sexuelle Erleben sowie eine eingehende körperliche Untersuchung, die Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen nachgeht. Hinzu kommen Ultraschall-Untersuchungen wie die Doppler-Sonographie der Penisarterien, die für die Blutzufuhr zuständig sind, oder der Penisvenen, deren Funktionieren notwendig ist für den Erhalt einer Erektion. Oftmals müssen auch die an einer Erektion beteiligten Nerven getestet werden.

Wie ist die Behandlung einer erektilen Dysfunktion?

Der Markt heilversprechender Mittel und Methoden gegen eine erektile Dysfunktion ist sehr groß. Ohne ärztlichen Rat sollte kein Mann gegen seine Erektionsstörung vorgehen.

Medikamente mit den Wirkstoffen Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil wirken am besten, wenn

  • keine komplette erektile Dysfunktion vorliegt,
  • die erektile Dysfunktion seelisch und nicht organisch bedingt ist,
  • die gestörte Durchblutung der Penisschwellkörper eher auf einer arteriellen als venösen Störung beruht und
  • wenn die Nerven und Blutgefäße nur gering geschädigt sind.

Langjährigen Diabetikern und Männern, bei denen nach einer Prostataoperation wichtige Nervenverbindungen beschädigt wurden, kann mit den genannten Wirkstoffen in aller Regel nicht geholfen werden.

Infrage kommt dann die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie. Dabei injiziert sich der Mann nach Anleitung durch seinen Arzt vor einem gewünschten Geschlechtsverkehr einen Wirkstoff in den Penis, der den Schwellkörpern hilft, sich mit ausreichend Blut zu füllen. Denkbar sind auch eine Vakuumpumpe, ein Penisring oder Penisimplantate. Unter bestimmten Voraussetzungen können zudem spezielle Formen der Beckenbodengymnastik zum Erfolg führen.

Ist die Erektionsstörung seelisch bedingt, kann ein Sexualberater oder ein Sexualtherapeut helfen, das Problem zur Sprache zu bringen, damit der Penis sich wieder aufrichten kann. Ein wichtiges Beratungsziel kann darin bestehen, die Sexualität entspannter anzugehen. Nicht wenige Männer setzen sich hinsichtlich der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und ihrer Ausdauer zu sehr unter Druck.

Wie verläuft eine erektile Dysfunktion?

Eine erektile Dysfunktion besteht dann, wenn ein Mann beim Geschlechtsverkehr nie oder nur selten einen steifen Penis bekommt. Ist es ihm auch nicht möglich, sich selbst zu befriedigen, und wacht er am Morgen nie mit einem steifen Penis auf, liegt eine komplette erektile Dysfunktion vor, die in den meisten Fällen organische Ursachen hat. Kann ein Mann sich noch selbst befriedigen, oder hat er außerhalb seiner Partnersexualität Erektionen, liegen meist seelische Ursachen vor. Kommt es in Lebensphasen vermehrten Stresses, starker körperlicher Belastung oder unter Alkoholeinfluss zu gelegentlichen Erektionsschwächen, handelt es sich dabei meist nicht um eine behandlungsbedürftige erektile Dysfunktion. In diesen Fällen führt eine spürbare Entlastung des Alltags oft schon zum Erfolg.

Wie kann man vorbeugen?

Alles, was der allgemeinen Durchblutung des Körpers dient, kommt auch der Erektion zugute. Umgekehrt bedeutet dies: Alles, was der Durchblutung des Körpers schadet, fördert eine mögliche erektile Dysfunktion: Übermäßiger Nikotin- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie Bluthochdruck, Arteriosklerose und vor allem Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus.

Eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft, kein übermäßiger sexueller Leistungsdruck und die engagierte Pflege der Partnerschaft sind daher die wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen.


Haben Sie Fragen zu Erektionsstörungen? Dann wenden Sie sich an die Experten in unserer Männer-Expertenrat.


Weitere Informationen erhalten Sie bei der Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion.

Quellen:
Porst, H.: Die gekaufte Potenz: Viagra, Sex, Lifestylemedizin. Steinkopff, Darmstadt 1999
Wokalek, H., Wetterauer, U., Heite, H-J.: Männerheilkunde, Andrologie. UTB, Stuttgart 1995
Sigusch, V.: Sildenafil: Wirkmechanismus und erste Ergebnisse. In: Volkmar Sigusch (Hg.): Sexuelle Störungen und ihre Behandlung. Thieme, Stuttgart 2001

 

Autor: Peter Gelhard 
Letzte Änderung am: 06.10.2008
 
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