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Ergotherapie

Die Beginne der Ergotherapie (Arbeits- und Beschäftigungstherapie) reichen zurück bis 1741, als der französische Arzt Dr. Pinel über Behandlungserfolge bei psychisch Kranken durch regelmäßige Arbeit berichtete. Später unterstützten amerikanische und deutsche Ärzte diese Erkenntnisse. Im Gegensatz zu den USA aber, wo die Arbeits- und Beschäftigungstherapie schon seit dem 1. Weltkrieg große Förderung erfuhr, entwickelte sie sich in Deutschland nur langsam. Inzwischen gibt es eine geregelte dreijährige Ausbildung und auch viele Fachschulen, an denen diese angeboten wird.

Was bewirkt die Ergotherapie?
Die Theorie der Ergotherapie ist es, dass psychisch Kranke durch kreative und handwerkliche Techniken sowie auch durch lebenspraktische Übungen (wie Kochgruppen) ihr seelisches Befinden selbst verbessern können. Hierdurch sollen vorhandene Kräfte und Eigeninitiative erhalten und das Selbstvertrauen gestärkt werden. In der Ergotherapie arbeiten die Patienten mit verschiedenen Techniken und Materialien (darunter Holz, Ton, Metall, Peddigrohr, Textilien), aber auch mit Medien wie Musik und Literatur. Sie können mit Unterstützung des Ergotherapeuten eigene Ideen entwickeln und umsetzen, sich selbst und ihre Möglichkeiten besser einschätzen und damit lernen, ihr Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen.

Wie wird behandelt?
Die Behandlung erfolgt in Einzelsitzungen, Kleingruppen oder Gruppentherapien. Je nach Ausgangssituation wird der Ergotherapeut zusammen mit dem Arzt entscheiden, welche Methode die geeignetste für den jeweiligen Patienten ist. So ist die Einzelbehandlung für manische Patienten besonders geeignet, die eine reizarme Umgebung brauchen, während Kleingruppen solchen Patienten offen stehen, die etwas stabiler sind und auch eine Abwesenheit des Therapeuten für kurze Zeit aushalten. In der Kleingruppe arbeitet jeder an seinem eigenen Werkstück, es gibt aber auch Gruppenarbeiten, die gemeinsam geplant werden. Die Gruppentherapie schließlich stellt den Gruppenprozess in den Vordergrund und verlangt vom Patienten mehr Selbständigkeit und Kommunikationsfähigkeit als die Kleingruppe.

Neben der handwerklichen und kreativen Arbeit geht es auch um die Kommunikation mit dem Therapeuten und/oder den Gruppenmitgliedern, die besonders durch gemeinsame Projekte, auch in Musik- oder Literaturgruppen gefördert wird.

Wo und wann wird Ergotherapie angewendet?
Viele psychiatrische, psychosomatische und psychotherapeutische Kliniken haben eigene Abteilungen für die Ergotherapie, in besonderen Fällen findet sie auch auf der Station oder sogar direkt am Bett statt. Teilstationär gibt es Tageskliniken oder Tagesstätten, die ergotherapeutische Maßnahmen anbieten.

Darüber hinaus gibt es immer mehr freie Praxen, die Ergotherapie sogar in Form von Hausbesuchen anbieten.

Der Einsatz der Ergotherapie bietet sich sowohl im akuten Stadium einer psychischen Erkrankung wie auch im nicht mehr akuten und im chronischen Stadium an. Sie wird übrigens auch eingesetzt, um zum Beispiel bei Schlaganfallpatienten oder nach Unfällen mit nachfolgenden Lähmungserscheinungen die gestörte Motorik wieder in Gang zu bringen.

Gibt es Risiken?
Wenn Patienten noch sehr stark unter den Symptomen ihrer Krankheit leiden (vor allem bei Psychosen), sollte kreative oder ausdruckszentrierte Arbeit besser gemieden werden, um keine Überforderung des Patienten hervorzurufen.

Werden Medikamente in hohen Dosierungen eingenommen, können die möglichen Nebenwirkungen den Patienten so stark beeinträchtigen, dass er ebenfalls schnell überfordert wird und dann eine ungünstige Frustration erfährt.

Grundsätzlich sollten bei akut psychotischen Patienten durch die Auswahl geeigneter Techniken und Möglichkeiten schneller und einfacher Erfolgserlebnisse geschaffen werden.

Die Ergotherapie wird übrigens von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt, und wenn sie vom Arzt verschrieben wird, übernehmen die Kassen die Kosten.

 

Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 17.09.2007
 
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